Als Koordinator der Donauraum-Strategie will der neue EU-Regionalkommissar möglichst viele Menschen einbinden
Als Koordinator der Donauraum-Strategie will der neue EU-Regionalkommissar Johannes Hahn möglichst viele Menschen in Kooperationsprojekte einbinden, wie er im Gespräch mit Josef Kirchengast erläutert.
STANDARD: Was können die betroffenen Menschen von der Donauraum-Strategie erwarten?
Hahn: Verstärkte Kooperation der insgesamt 14 Anrainerstaaten, die wir aufgrund der ökologischen Dimension definiert haben, sodass auch Länder wie Tschechien mit ihren Nebenflüssen dabei sind.
STANDARD: Wie soll das ablaufen?
Hahn: Eine gute Regionalpolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Menschen mit ihr identifizieren. Die Idee ist, dass sich möglichst viele Menschen an einer Vielzahl von grenzüberschreitenden Projekten beteiligen.
STANDARD: Wodurch sollen sich die Lebensumstände verbessern?
Hahn: Das Potenzial der Donau als Transportwasserweg ist nicht annähernd ausgeschöpft. Das zu ändern würde den Straßenverkehr und damit die Umwelt entlasten. Zugleich geht es um Zusammenarbeit bei der Gewässerreinhaltung, also etwa die Stickstoffbelastungen aus der Landwirtschaft zu reduzieren. Kleinräumig soll die Kooperation von Unternehmen verstärkt werden. Die wirtschaftliche Binnenzusammenarbeit ist ausbaufähig. Und sicher wird es viele Kulturprojekte geben.
STANDARD: In welchen Bereichen?
Hahn: Der Donauraum ist eine Region, wo drei Weltreligionen ihren Platz haben. Barrieren, die es da und dort noch gibt, können durch gemeinsame Projekte abgebaut werden, wo letztlich die Menschen mitmachen müssen.
STANDARD: Ungarn macht die Donauraum-Strategie zum Schwerpunkt seines EU-Vorsitzes in der ersten Hälfte 2011 und spricht vom Wir-Gefühl. Sehen Sie die Gefahr, dass dies in der Region historisch bedingte Ängste auslöst?
Hahn: Deshalb nicht, weil das Projekt der Ostseeraum-Strategie folgt. Damit werden keine zusätzlichen administrativen Einrichtungen entstehen. Und es gibt auch kein zusätzliches Geld, sondern im Rahmen der Strukturfonds und der Nachbarschaftshilfe stehen ausreichend Mittel zur Verfügung, rund 100 Mrd. Euro, die vielfach schon Programmen zugeordnet sind, aber mit Spielraum für kreative Umsetzung.
(DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2010)