Jetzt live: Obama will's wissen

25. Februar 2010, 07:19
  • Das President's Proposal zum Download

Der Präsident lädt aufmüpfige Republikaner zum Ideenaustausch nach Washington - Und stößt damit auf taube Ohren

Der "Gesundheitsgipfel", der auf Einladung von US-Präsident Barack Obama sowohl Demokraten als auch Republikaner an einen Tisch bringt, läuft noch und wird über die Homepage des Weißen Hauses live übertragen. Bisher stößt Obama mit dem Versuch zur Rettung seiner Gesundheitsreform auf taube Ohren. Mehrere Republikaner machten beim Treffen in Washington deutlich, dass Obamas wichtigstes Reformvorhaben in der vorliegenden Form praktisch keine Chance mehr habe. Die Pläne seien "kein Auto, dass man zurückruft und repariert", sagte der republikanische Senator Lamar Alexander. Die Amerikaner wollten dieses Gesetz nicht. "Wir müssen ganz von vorne anfangen." Einigkeit herrschte in beiden Lagern, dass die galoppierenden Gesundheitskosten reduziert werden müssen. Das "Wall Street Journal" berichtete am Donnerstag bereits, Obama habe im Falle des Scheiterns bereits einen "Plan B" im Auge - eine "abgespeckte Version" seiner Reform, die möglicherweise eher eine Mehrheit finden könnte. Republikaner warnten davor, die Pläne mit parlamentarischen Tricks durch den Kongress zu peitschen.

***

Seit mehr als zwölf Monaten schon weht der Wind of Change durch das Land der Freien, aber ein Versprechen hat Präsident Barack Obama noch weniger eingelöst als manch anderes: Bi-Partisanship, die Zusammenarbeit zwischen Demokraten und Republikanern, die Überwindung der Parteigrenzen, das Engagement für ein gemeinsames, ein großes Ziel. Wenn es nach Obama geht, wäre die Reform des teuren US-Gesundheitswesens ein solches Projekt. Dafür setzt er nach guter amerikanischer Tradition auf eine Face-to-Face-Debatte.

Am Donnerstag lädt der Präsident Vertreter der oppositionellen Republikaner zum Health Care Meeting ins Blair House in Washington, um die unterschiedlichen Ideen über Wohl und Wehe des US-Gesundheitswesens zu diskutieren. Vor allem die republikanischen Vorschläge zur Dämpfung der Kosten. Vorab ließ Obama auf der Website des Weißen Hauses seine Ansätze publik machen. Seit drei Jahren kursieren die demokratischen Ideen zu einer Versicherung für alle Amerikaner durch das politische Washington. Obama will nun Nägel mit Köpfen machen. Und das möglichst für alle sichtbar, wie die New York Times schreibt. Ab 16 Uhr Wiener Zeit wird auch im Internet übertragen, wer alles sehen möchte, muss sich laut Plan bis Mitternacht Zeit nehmen.

"Amerikaner wollen Wahl"

Von der ursprünglichen Idee einer echten Krankenversicherung nach europäischer Art für alle hat sich Präsident Obama verabschiedet: "Es ist klar, dass das amerikanische Volk eine Reform des Gesundheitswesens will. Die Amerikaner interessiert es nicht, ob es sich um eine Idee der Demokraten oder eine Idee der Republikaner geht. Sie interessieren sich für die besten Ideen zur Kostenreduktion, für garantierte Wahlmöglichkeit und für eine hochqualitative Behandlung", schreibt Obama.

Der Vorschlag Obamas, das so genannte „President's Proposal", ähnelt in weiten Zügen jenem Gesetzesentwurf zur Reform, der bereits vom Washingtoner Senat abgesegnet wurde - und den Obama nun durch das Repräsentantenhaus bringen muss. Angereichert mit Verbesserungsvorschlägen aus beiden Parlamentskammern, von oppositionellen Abgeordneten und von Kritikern aus den Reihen der Demokraten.

Zuschüsse

So soll zum Beispiel neu berechnet werden, wie hoch die Zuschüsse des Bundes an die einzelnen Bundestaaten in Sachen Gesundheitswesen ausfallen. Das nennt sich Federal Medical Assistance Percentages (FMAP) und ist vor allem gegenüber dem Staat Nebraska interessant. Gouverneur Dave Heineman, ein Republikaner, hatte sich gegen die Gesundheitsreform und ihre Folgen für den Haushalt seines Staates ausgesprochen. Darauf will Obama nun eingehen, auch indem er mehr Mittel für das Bedürftigenprogramm Medicaid bereitstellt.

Der wachsenden Gruppe der Senioren will Obama mit der Abschaffung des so genannten "Donut Hole" entgegenkommen. Dieses Loch hatte bisher dafür gesorgt, dass Medikamente, die zu teuer für die Medicare-Versicherung und zu billig für die „catastrophic coverage" waren, von Senioren selbst bezahlt werden mussten. Die Grenze, ab wann eine Familie für ihre erworbene Versicherung Abgaben zahlen muss, wird künftig erhöht. Außerdem will Obama dem US-Gesundheitswesen eine nationale Aufsichtsbehörde aufoktroyieren, die Health Insurance Rate Authority soll Bürgern die Möglichkeit bieten, ihre Versicherungsraten im Griff zu behalten. Eine staatliche Aufsicht über die amerikanischen Krankenkassen, ob sich die Republikaner damit zufrieden geben, bleibt abzuwarten.

PR-Aufwand

Und ob Obamas TV-Offensive überhaupt konkrete politische Früchte trägt, ist zu bezweifeln. Schließlich hat der Präsident schon bisher in Punkto Öffentlichkeitsarbeit kaum Schwächen gegenüber renitenten Mitbewerbern gezeigt. Die Debatte, die nationwide von Fernseh-Netzwerken ausgestrahlt wird, könnte aber zumindest ein wenig Licht bringen in das Mirakel Gesundheitsreform. Man wird sehen. (Florian Niederndorfer, derStandard.at, 24.2.2010)

Links:

Nachlese: FM4-Korrespondent Christian Lehner aus New York über das kranke Ende der Health Care Reform

New York Times: Preparing in Great Detail for a Health Debate, and for Its TV Audience

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 181
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Cayenne69
00
26.2.2010, 23:50

Ich muss aber sagen, dass ich die Republikaner sehr beeindruckend finde, und zwar in der hinsicht, sich von Lobbyisten bezahlen zu lassen und trotzdem so viele Wähler finden, die die Lobbyisten gerne weiter melken würden.

Allein aus der Haltung heraus Republikaner=konservativ=amerikanisch=gut

blubidu
00
26.2.2010, 08:35
Erbärmlich, was die Republikaner wieder einmal abziehen

Wie kleine Kinder: "Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht!". Selbst in der unterdrückten Körpersprache ist der Rassismus, der Obama aus dem rechten Eck der Reps entgegenschlägt, unübersehbar.

Jede der Wortmeldungen der Republikaner, immer das selbe Schema. Erst schleimen: "Thank you Mr. President for inviting", dann so tun, als ob man auf eines der Themen eingeht, doch sofort der scharfe Haken und ein Lügenmonolog, wie schlecht diese Bill nicht sei und dass kein einziger US-Amerikaner sie haben möchte. Kein Wort zum inhaltlichen Thema, kein Wort des Dialogs, keine Antwort auf eine der zahlreichen Fragen von Obama.

Dass Obama nichts fertigbringt, ist ihm wirklich nicht anzulasten. Es scheitert schlicht am Rassismus der Reps.

thomse
00
25.2.2010, 23:36
puuuh zurücklehnen und ein schnick schnack probieren

:)

hui buh
06
25.2.2010, 22:28
Stubborn, stubborn, stubborne Vollid*oten!!!!

Widerlich, eklig, besessen, ihre Ideen durchzusetzen. Es geht den Reps ausschließlich und nur darum, ALLEN, die keine Versicherung erhalten werden zu schaden - GEGEN Obama zu sein, selbst wenn er Jesus wäre, ABER WIR (die Reps) sind dagegen, egal, wie gut, oder hervorragend sein Gesundheitsversicherungspaket ist!!!

underthebridge
13
25.2.2010, 23:06

immer wenn den Republikanern die Argumente ausgehen kommt ja der "Deus ex machina": Behaupten das das kommunistisches Teufelszeug ist und die freie Marktwirtschaft zerstört...

cupertino
12
25.2.2010, 23:04
hierzulande

erinnert irgendwie an die schwarzen. hauptsache kontraproduktiv. es reicht!

mother miles
00
25.2.2010, 21:42
change?

alle staatlichen ausgaben kürzen, aber militäretat nochmals aufstocken sowie homelandsecurity und überwachungsstaat ausbauen, dazu weiter eifrig afghanistan und irak bombardieren...

....also das hätt der bush auch zammbracht.

und ich depp hab schon geglaubt der wird wirklich was ändern, naja, the show must go on...

blubidu
00
26.2.2010, 08:41
Das ist eine sehr verkürzte Sichtweise

Wer auch nur die Übertragung gesehen hat, der muss erkennen, welche Welle an Rassismus Obama von den Republikanern entgegenschlägt, die jede Initiative von Obama bekämpfen, ganz egal, was der Inhalt ist.

Entgegen der landläufigen Meinung ist der amerikanische Präsident nicht ein allumfassender Herrscher für vier Jahre, sondern muss sich immer noch mit dem Kongress auseinandersetzen, wenn er Gesetze durchbringen will. Und da blockieren die Reps aus offensichtlich rein rassistischen Gründen wo es nur geht.

default-user
00
25.2.2010, 21:55
nicht umsonst heißt es..

.."whichever political party is in office, the treasury is in power" ;)

Ricky_Verona
12
25.2.2010, 21:31
"We have the best health care system in the world"

Keine Ahnung wie der Typ gerade heißt der redet aber er scheint den Bezug zur Realität völlig verloren zu haben...

Ich bewundere Obama für seine Geduld mit diesem ignorranten Haufen.
Mir wäre längst der Kragen geplatzt und hätte denen klar und unmissverständlich mitgeteilt was ich von diesen heuchlerischen und verlogenen Republikanern halte.

underthebridge
00
25.2.2010, 21:36

das war John Boehner Fraktionsvorsitzender der Republikaner im US-Repräsentantenhaus. Der ist echt daneben mit "the best health care system in the world"...

Gigerius
01
25.2.2010, 22:01
leider

kann man in dieser Debatte nicht sagen, daß es in wahrheit eines der schlampigsten und ungerechtesten Systeme ist, dann wären vermutlich alle in ihrem Patriotismus zutiefst verletzt und das Gespräch beendet

Ricky_Verona
10
25.2.2010, 21:49

Weiß leider jetzt schon wieder nicht wer jetzt gerade geredet hat aber er hat den Nagel auf den Kopf getroffen (dieser ehemalige Richter)

default-user
00
25.2.2010, 21:35

und daß gut 80% der medizin-nobelpreise in die usa gehen ist zufall? eher nicht. deren gesundheitssystem ist extrem ergebnisorientiert. nur ist das 'ergebnis' dollars, und nicht notwendigerweise die gesundheit jedes einzelnen.

underthebridge
00
25.2.2010, 22:01

Nobelpreise sind keine Gesundheitssystem-Indikatoren, du solltest dir mal diverse Nobelpreis pro Einwohner Statistiken ansehen...

Enrico Furioso
02
25.2.2010, 21:55
Medizinische Forschung hat nicht notwendig

etwas mit einem Gesundheitssystem für die breite Masse zu tun. Klar, wer viel Geld hat, kann sich in den USA eine Weltklasse medizinische Versorgung kaufen. Aber ganz anders schaut das aus für die Masse der Menschen.

Wenn also in den USA davon gesprochen wird sie hätten "the best health care system in the world", dann stimmt das sogar: für jene, die sich das leisten können. Und das sind die wenigstem im Land. Das gilt schon für die Mittelschicht, die im Schnitt deutlich schlechter versorgt ist als zb. hier in Österreich.

Auf einen Nenner gebracht: wer reich ist, bekommt Weltklassemedizin; die Mittelschicht sollte darauf achten nicht zu oft und nicht längerfristig schwerer krank zu sein; und die ärmeren, tja, Pech gehabt.

Ricky_Verona
00
25.2.2010, 21:41

Was hat denn der Medizin Nobelpreis mit dem Gesundheitssystem der USA zu tun?

Bei dem einen geht es um Forschung und bei dem anderem um medizinische Versorgung.

default-user
00
25.2.2010, 21:51

*lol* na was glaubst woher die forschungsmilliarden kommen? von eben den pharma-unternehmen die von einer reform nichts wissen wollen.
daß das us-system per se "schlecht" oder "ineffizient" ist stimmt eben nur aus einem bestimmten (sozialen) blickwinkel

underthebridge
00
25.2.2010, 22:06

warum sollte die Pharmaindustrie an einer Reform nicht profitieren, da würde ja noch mehr Geld rausspringen? Natürlich hast du mit dem sozialen Blickwinkel recht, jeder reiche Republikaner der sich sowieso private Vorsorge leisten kann hat hier keinerlei Probleme eine der besten Behandlungen zu erhalten.

Ricky_Verona
00
25.2.2010, 21:59

Health Care = Gesundheitsversorgung

Ich wiederhole mich aber was hat das mit dem Thema Forschung in der Medizin zu tun?

default-user
00
25.2.2010, 22:16

wie schon erklärt - über das thema geld. die dollars die dem arbeitslosen eine herzoperation zahlen, bringen keinen gewinn. in wirkstoffpatente investiert, rentieren sich sich hundertfach.
man kann nicht "healh care" isoliert betrachten, weder vom staatshaushalt, noch vom sonstigen sozialsystem, noch dem rest des health/pharma business.

Enrico Furioso
11
25.2.2010, 22:36
Sie vermischen da Dinge zusammen

die nicht zusammen gehören. Bei Health Care geht es um die Gesundheit der Menschen eines Landes, nicht um die Gewinne die die großen Pharma-Konzerne machen.

Mal abgesehen davon: die USA sind jetzt bei rd. 16% ihres BIP, so viel frisst ihr derzeitiges Health Care System vom BIP des Landes weg, so viel kostet es dem Land. Das ist schlicht Wirtschaftsleistung, die dann für anderes nicht zur Verfügung steht. Und noch dazu sind die Erfolge, gemessen am eigentliche Zweck eines landesweiten Health Care Systems, verglichen mit den meisten anderen OECD-Staaten, sehr bescheiden, freundlich gesagt.

default-user
00
25.2.2010, 23:31

"die nicht zusammengehören"? sagt wer? wenn die allgemeine gesundheitsvorsorge ein völlig losgelöstes, alleinstehendes thema wäre, wieso sollte dann irgendjemand dagegen sein? in wahrheit hängen die dinge eben sehr unmittelbar zusammen, und die reform wird von jenen mächtigen und zahlungskräftigen verhindert, die sich als verlierer der veränderung sehen.
und mittlerweile ist auch eine klare mehrheit der durschnittsbürger gegen den "change".. warum ist eine andere frage

Enrico Furioso
10
26.2.2010, 00:00
alles hängt mit allem zusammen, wenn man so will

dennoch gibt es eine sehr klare Definition des Begriffs "Health Care System". Und da ist es nicht sehr nützlich, wenn man diesen Begriff auf Dinge ausdehnt, die davon nicht erfasst werden. Sonst können wir ja auch gleich über die globale Erwärmung, den Krieg in Afghanistan, die Wirtschaftskrise usw. usf. reden. Und das packen wir dann alles in ein Gesetz, das wohl ca. 10hoch1000 Seiten hat.

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