Regierung wird vorgeworfen, Ermittlungen nicht zu unterstützen
Tirana - Die UNO hat Albanien aufgefordert, eine unabhängige
Untersuchung über den mutmaßlichen Handel mit den Organen serbischer Gefangener
während des Kosovo-Kriegs zuzulassen. Bisher habe die albanische Regierung die
Bemühungen nicht unterstützt, die Vorwürfe aufzuklären, sagte der
UN-Sonderberichterstatter für außergerichtliche, willkürliche und
Massenhinrichtungen, Philip Alston, am Dienstag während seines einwöchigen
Besuchs in der albanischen Hauptstadt Tirana. Alle Regierungsvertreter hätten
die Vorwürfe als "lächerlich" bezeichnet. Wenn die Anschuldigungen aber
tatsächlich haltlos seien, könne Albanien sie durch die Unterstützung einer
unabhängigen Untersuchung aus der Welt räumen.
Alston warf den albanischen Behörden vor, in der Angelegenheit ein
"bürokratisches und diplomatisches Ping-Pong-Spiel" zu betreiben. Die serbische
Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen hat nach eigenen Angaben mehr als 130
Zeugenaussagen über den illegalen Organhandel während des Kosovo-Kriegs
(1998-1999) zusammengetragen. Demnach töteten ethnische Albaner bis zu 500 Serben, um ihre Organe ins Ausland zu verkaufen. Die frühere
Anklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien, Carla Del Ponte,
hatte die Vorwürfe in ihren Memoiren öffentlich gemacht. Der Europarat nahm
daraufhin seine Untersuchungen wieder auf. (APA)