Der afghanische Provinzort, der gegenwärtig im Zuge der Operation Mostharak der Koalitionstruppen umkämpft ist, sorgt für Verschwörungstheorien
Die User "Perynt" und "Marcus Maccabaeus" posten zu einem Artikel über Afghanistan: "Eine Stadt 'Marjah' kann ich nirgends finden, der Wikipedia-Eintrag ist auch gerade mal zwei Monate alt und dort befinden sich nur 50 Bauernhöfe. Der Trick ist offensichtlich: man 'befreit' irgend ein Kaff, das es gar nicht
gibt. Also, meine bitte an die Presse, Redaktion bzw. an den 'Standard', Ihr habt doch 'Qualitätsjournalismus', könntet Ihr nicht auch mal zur Abwechslung auf eigene Faust recherchieren?"
Machen wir doch glatt. Also: Marjah existiert definitiv, auch wenn dieser in den Foren viel zitierte Blog nicht dieser Meinung ist. Und zwar mit unterschiedlichen Schreibweisen: Marja, Marjeh, Mardscha. Zu finden auf Google-Map oder Bing-Map, nach mehreren Updates jetzt auch auf wikipedia.
Conrad Schetter vom Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung erklärt im Gespräch mit derStandard.at, warum Orte in Afghanistan allgemein schwierig zu lokalisieren sind: "Eine
territoriale Erfassung gibt es kaum. Das liegt daran, dass Ortschaften häufig ihren Namen
ändern - etwa wenn ein Stammesführer stirbt. Weiters wird eine Ortschaft auch je
nach Gesprächskontext anders benannt. Das führt zu einer großen Verwirrung, wenn
man versucht, eine Ortschaft zu lokalisieren."
Eine andere Frage ist, ob es sich bei Marjah tatsächlich um eine "Stadt" handelt, wie von westlichen Medien beschrieben. Der Deutsche Thomas Ruttig der für die Vereinten Nationen über zehn Jahre in Afghanistan als Aufbauhelfer tätig ist, erklärt: "Marjah ist bestimmt keine Stadt. Auch viele der afghanischen Provinzhaupt'städte' sind keine Städte, sondern tatsächlich 'eine Ansammlung von Lehmhütten' (wie in dem oben erwähnten Blog steht). Auch in Kabul weiß man nicht genau, wo die Stadt aufhört und die Peripherie beginnt. Allerdings dürfte der Ort Marjah tatsächlich nach der Zahl seiner Einwohner seit 20 Jahren deutlich angewachsen sein. Und tatsächlich: Marjah ist kein eigener Distrikt, deshalb etwas schwer zu finden."
Eine Studie des Institute for the Study of War beschreibt Marjah so: "Die Stadt Marjah befinden sich in der südlichen Hälfte des Distrikts Nad Ali, einem relativ flachen Farmland, das von engen Kanälen durchzogen ist und auf dem kleine Lehmhäuser verteilt sind. Marjah liegt 25 Meilen südwestlich von Lashkar Gah, der Provinzhauptstadt von Helmand. Laut Presseberichten hat Marjah zwischen 50.000 und 80.000 Einwohner, diese Angaben beziehen sich jedoch eher auf den gesamten Distrikt von Nad Ali. Die Einwohnerzahl von Marjah und den umliegenden Dörfern beträgt sicherlich weniger als 50.000."
Aktuelles CNN-Video der Operation Moshtarak bei Marjah
In der oben genannten Studie wird auch erklärt, warum Marjah eine Taliban-Hochburg wurde (was in manchen Postings bezweifelt wird): "Marjah wurde zu einem wichtigen Kommando-Zentrum der Taliban, nachdem diese von den US-Marines aus Garmser vertrieben wurden. Marjah ist und war immer ein beliebtes Terrain der Taliban. Es ist leicht zu verteidigen, schwer anzugreifen und die Bevölkerung unterstützt entweder die Taliban oder ist ihnen gegenüber machtlos. Weder afghanische noch Koalitionstruppen haben in dieser Gegend bisher genügend Präsenz gezeigt, um der Infiltration durch in- und ausländische Talibankämpfer, der Heroinproduktion oder der Produktion von Sprengfallen etwas entgegen zu setzen. Der vermutlich wichtigste Aspekt: Die lokalen Opium-Bauern haben mit den Taliban offenbar eine Allianz geschmiedet, um ihre Felder zu beschützen."
Fazit: Marjeh existiert - genauso wie Bielefeld auch. Die Einwohnerzahl ist nicht genau bekannt, höchstwahrscheinlich auch nicht den lokalen Behörden. Marjeh ist eine Talibanhochburg, aus der diese selbst ihre Propanda-Aussendungen schicken. Wieviele Taliban es in dieser Gegend genau gibt und wie gefährlich diese tatsächlich sind, ist unbekannt. Bekannt ist hingegen, dass die Koalitionstruppen bei der Operation Moshtarak auf teils heftigen Widerstand und auf sehr viele Sprengfallen stoßen. (rasch, derStandard.at, 24.2.2010)
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Dass die USA Afg einnahm um die Taliban zu bekämpfen (gingen aus den von den USA ausgerüsteten Mudschahidin hervor) wage ich zu bezweifeln. Ihr gezieltes mittelalterliches Vorgehen kann keinen Frieden zulassen.
Die USA wussten wie kompliziert und langwierig ein Krieg in Afg ist, spätestens seit dem Afg-Krieg der Russen.
Daraus kann man schließen dass die USA andere Ziele in Afg. verfolgt und die Bevölkerung belog. Die Existenz von Wiederstandskämpfern scheint offensichtlich, inwiefern diese organisiert sind spielt doch keine Rolle. Viel mehr von Bedeutung ist doch dass die USA mordet, um vermutlich wirtschaftliche Ziele(Kriegsmaschinerie, Öl) zu erreichen. Und dass sich die USA mit Hilfe der Medien einen Sündebock schuf(9/11 Taliban?!?!)
Respekt, lieber Standard, anscheinend haben bei Euch einige begriffen, dass Einbahnstrassen-Medien im Zeitalter des Internets nicht mehr zeitgemäß sind. Meine Hochachtung.
Nichtsdestotrotz mussten mir die Lausbuben und Mädels der Standard-Redaktion noch eine "Verschwörungstheorie" unterschieben (wie ungezogen...). ABER das Thema ist doch, ob es eine "Stadt" oder ein Gebiet war, und die Frage, die aufgeworfen wurde, war, wie viele User auch richtig schreiben, keine "Verschwörungstheorie" sondern macht eben in diesem Konflikt einen großen Unterschied aus. Die Frage bleibt und weitet sich aus: Wieso schreiben große Medien, wie der SPIEGEL diesen Blödsinn weiter ("...Militär und afghanische Behörden offiziell die Kontrolle über die größte Stadt in der umkämpften Region...").
Ein Bild, das die "Stadt" zeigen soll und :"Nach Angaben der Nato haben in Mardscha mittlerweile wieder viele Läden und Kliniken geöffnet..
Die Kliniken werden Hütten sein, wo die verletzten Zivilisten versorgt werden
aus RIAN:
In letzter Zeit kommen immer wieder unschuldige Einwohner bei Einsätzen der ISAF-Truppen sowie von US-Marineinfanteristen ums Leben, die selbstständig Kampfhandlungen gegen die Taliban führen. Allein in den letzten fünf Tagen wurden in der südlichen Provinz Helmand 19 Zivilisten getötet, darunter sechs Kinder.
Örtliche Beobachter weisen darauf hin, die derartige "Förderung der Sicherheit in Afghanistan" führe nur dazu, dass Angehörige der Getöteten zu den Taliban wechselten. Zudem nehme der Hass der Bevölkerung gegenüber den Okkupanten zu.
was können sprengfallen gegen unbemannte dronen, die von cnn gefeatscherten rockets und den ganzen high tec klimmbimm der allianz ausrichten?
und außerdem frägt man sich schon lange warum afghanistan seit dem der krieg begonnen hat soviel opium wie nie zuvor produziert und wer daran verdient....in afghnistan schreien es die spatzen vom dach .... doch in europa und auch im standdard forum herrscht definitiv der verschwörungstheorethikerkomplex...uuupppsss ....
Eines ist sicher: Diese "Talibanhochburg", die von den Amis schon wochenlang berannt wird, ist auf irgend welchen Karten so schwierig zu finden, wie eine Stecknadel im Heuhaufen. Wenn die Taliban irgend wann einmal einen Ort namens "Kabul" befreien, werden wir uns leichter tun, das auf der Landkarte zu finden!
Aber die entscheidende Frage, ob es nun eine Stadt wurde nicht beantwortet. Die einzige Quelle dieser "Stadt-These" ist dieses "Institute for the Study of War", auf die sich auch der Wikipedia-Artikel bezieht. Was man von diesem Institut halten soll weiss ich nicht, die Begründerin ist jedenfalls eine Unterstützerin des "Surge" im Irak.
eine stadt mit stadkern und ortschildern ist es NICHT. auch keine mauer oder einen graben herum. auch die tradition die bis ins mittelalter zurueckfuerht ist mit sicherheit nicht gegeben. auch gehe ich davon aus das die gegend nicht eine offizielle erhebung des keonigs zur stadt hat oder auch nur um das marktrecht abzuhalten. aber das haben ausserhalb europas nun mal wenige. es leben einige tausend leute dort. in den ueblichen huetten die ein kleines erdbeben einstuerzen laesst, aber unter deren mauern keiner erschlagen wird, ebenso das man die aus der kluft nicht so genau wahrnehmen kann. eine siedlung die schnell umziehen kann und schnell aufgebaut ist nachdem ein panzer durchgefahren ist(war nach den russen notwendig)
Die User haben sicher NICHT Recht, denn denen geht es nicht darum, ob Marja eine Stadt ist oder nicht, sondern darum, zu beweisen, dass
dort keine Taliban sind und die USA den Krieg nicht wegen der Islamisten sondern wegen irgendeiner Pipeline führen.
Oben steht aber ganz klar, dass Marja eine "Taliban-Hochburg" ist und man findet außerdem jede Menge Reportagen, die zeigen, dass die NATO-Truppen auf ziemlich großen Widerstand stoßen von schwer bewaffneten und gut ausgebildeten und gut durchtrainierten Taliban!
Insofern haben solche Poster also überhaupt nicht Recht.
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