Palästinensischer Präsident spricht von "Provokation" - Haniyeh ruft zu Volksaufstand auf
Brüssel - Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas hat das Vorhaben Israels, zwei religiös bedeutsame Stätten im Westjordanland in die Liste des nationalen Kulturerbes aufzunehmen, als "Provokation" verurteilt. Die Europäer wüssten, "dass eine solche Provokation nicht auf positive Weise zur Fortsetzung des Friedensprozesses beitragen" könne, sagte Abbas am Dienstag nach einem Treffen mit dem Präsidenten des Europaparlaments, Jerzy Buzek, in Brüssel. Zuvor hatte Abbas vor dem belgischen Senat gewarnt: "Das kann in einem Religionskrieg enden."
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am Sonntag dem Plan zugestimmt, das Grab der Rachel bei Bethlehem und das Grab der Patriarchen in Hebron offiziell dem schützenswerten historischen Erbe Israels zuzuschlagen. Die beiden religiös bedeutsamen Stätten liegen im Westjordanland, das von Abbas regiert wird.
Das Grab Rachels, wo der Überlieferung zufolge Rachel, die Lieblingsfrau Jakobs, begraben liegt, ist ein jüdischer Pilgerort, während das Grab der Patriarchen in Hebron sowohl für Juden als auch für Muslime eine heilige Stätte darstellt. Die Stätte ist seit dem Massaker eines rechtsextremistischen israelischen Siedlers in der Hebroner Ibrahim-Moschee 1994 unter betenden Palästinensern, bei dem 29 Palästinenser getötet wurden, in einen Bereich für Juden und einen für Muslime unterteilt. In Hebron sind die Spannungen zwischen Juden und Muslimen besonders stark.
Der Chef der Hamas-Regierung im Gazastreifen, Ismail Haniyeh, hatte die Palästinenser nach Netanyahus Ankündigung aufgerufen, sich zu "erheben", um die religiösen Stätten zu verteidigen. "Die Menschen im Westjordanland müssen mit einem Volksaufstand und praktischen Maßnahmen reagieren", sagte Haniyeh während einer Protestveranstaltung in Gaza gegen die israelische Entscheidung vom Sonntag. Die schiitische Hisbollah-Miliz warf Israel "Arroganz" und einen "weiteren Angriff auf die heiligen islamischen Stätten" vor. Auch Ägypten, Jordanien und Syrien protestierten gegen Israels Vorhaben. (APA/AFP/dpa)