Nach dem Anstich "eine sehr flüssige Sache"

23. Februar 2010, 17:56
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    foto: epa/gunther

    Die Quintessenz des olympischen Ringens: Gregor Schlierenzauer, Coach Alexander Pointner, Thomas Morgenstern, Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler (von links) posierten auf der Medal Plaza.

Cheftrainer Pointner bedauert nach Österreichs Triumph im Teamspringen nur das Wie der Bindungsdiskussion

Whistler - Was haben Ryan Giggs und Simon Ammann beide nicht? Eine nationales Team, mit dem sich Lorbeer sammeln ließe. Der walisische Fußballprofi tröstet sich seit Jahr und Tag mit den Erfolgen mit Manchester United, der Schweizer Skispringer mit vier Olympiasiegen, zwei davon passierten in Whistler.

Österreich hat eine Springermannschaft, die beste der Welt, weshalb es der Medaillenanzahl nach auch die erfolgreichste Springernation der XXI. Winterspiele ist, mit zweimal Bronze für Gregor Schlierenzauer und dem sagenhaft überlegen eingesackten Teamgold am Montag.

"Diese Medaille müsste eigentlich noch ein Mascherl rundherum haben" , sagte Cheftrainer Alexander Pointner, nachdem Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Schlierenzauer die dennoch euphorisierten Deutschen mit dem olympischen Vorsprungs-Rekord von 72,1 Punkten oder rund 40 Metern abgehängt hatten.

Pointner, der als Coach schon vorher alles gewonnen hat, was es diesbezüglich zu gewinnen gibt, hat die auf ihn niederprasselnde Kritik der vergangenen Tage zugesetzt. Der 39-Jährige steht aber zur Entscheidung, die Zweifel an Simon Ammanns Bindungsmodifikation während der Spiele aufs Tapet gebracht zu haben. "Ich würde mir jetzt viel größere Vorwürfe machen, hätte ich dieses Detail einfach verschwiegen. Es wäre später ans Tageslicht gekommen, dann hätte man mir mangelnde Professionalität vorgeworfen" , sagt er.

Wohl ist sich der vierfache Familienvater der Außenwirkung, aber auch der Innenwirkung dieser Diskussionen bewusst, will daher in Hinkunft eleganter vorgehen. "Bei jenen Leuten, die sich durch eine schwierige Interpretation des Ganzen auf den Fuß gestiegen gefühlt haben, möchte ich mich entschuldigen."

Der Druck, der unter diesen Umständen auf ihm, vor allem aber seinen Athleten lastete, habe sich im Teambewerb schon mit dem allerersten Sprung von Wolfgang Loitzl auf 138 Meter verflüchtigt. "Er hat das Fass angeschlagen, dann war das für mich schon eine sehr flüssige Sache." So flüssig, dass sieben der insgesamt acht Springerserien vom jeweiligen Österreicher dominiert wurden. Schlierenzauer, der seinen dritten Platz im Großschanzen-Einzel eher als Niederlage empfunden hatte, überragte mit seinen Flügen auf 140,5 und 146,5 (Tageshöchstweite) Metern. "Wir haben nicht umsonst vier Jahre trainiert, wir werden sicher ein wenig Gas geben" , kündigte der 20-jährige Stubaier an.

Gefeiert wurde, aber nicht ausschweifend. Zwölf Stunden, nachdem der ehemalige ÖOC-Präsident Leo Wallner den Springern die Medaillen überreicht hatte, reisten die Olympioniken nach Hause. Mit dem "nordic tournament" in Lahti, Kuopio, Lillehammer und dem Weltcupfinale in Oslo sowie der Skiflug-WM in Planica wartet schließlich bis Saisonende ein dichtes Programm.

Schlierenzauer hat noch die Chance, Ammann den Gesamtsieg im Weltcup zu nehmen. Er wird es mit der herkömmlichen Bindung versuchen. Schließlich hat der ÖSVschon 2008 ein ähnliches System entwickelt. Bastian Kaltenböck, sagt Pointner, habe damit teilweise sehr gute Sprünge gezeigt, teilweise aber auch große Schwierigkeiten gehabt. "Dass sie helfen kann, die Leistung zu verbessern, das kann man sich ausrechnen. Die Frage ist nur: Wollen wir das?" (APA, red, DER STANDARD Printausgabe, 24.2.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 40
1 2
Alibaba3336
192
23.2.2010, 23:13
Pointer - pfui Teufel, was er mit Ammann versucht hat. Nur gut, dass er mit Ammann an einen stärkeren Charakter geraten ist als er selbst ist und dieses unfaire Schmierentheater der ÖSV Kader ins Nichts verlaufen ist!!!

Pointer - pfui Teufel, was er mit Ammann versucht hat. Nur gut, dass er mit Ammann an einen stärkeren Charakter geraten ist als er selbst ist und dieses unfaire Schmierentheater der ÖSV Kader ins Nichts verlaufen ist!!!

Queen of Sheba
 
02
25.2.2010, 20:12
Was hat "Pointner mit Ammann versucht" ?

Die falsche Stelle im Regulativ zitiert ? Ein stümperhaftes "Dossier" verfasst ? Seine FIS/IOC-Funktionäre nicht eingebunden ? Keine formalen Antrag auf Disqualifizierung stellen lassen ?

Lässt sich Alles noch beheben. Zwingende Gründe für Ammanns Disqualifikation gibt es ja (siehe Spezifikationen der Wettkampfausrüstungen Seite 20, Punkt 2 und IWO 441.5.1).

Sergej Lebed
03
24.2.2010, 10:21

Du - der Oberpfleger sucht dich.

jo eh
04
24.2.2010, 00:10

seins auf der hut vor der grünen minna

Robert Mayreder
35
23.2.2010, 21:58
Pointner & Innauer - große Charaktere

Ich bin noch immer überwältigt. Das Team kann selbst von einer inkompetenten Jury gestoppt werden. Österreich II (Hayböck/Zauner/Koch/wer auch immer) wäre garantiert Zweiter geworden, so dominant ist der ÖSV beim Springen. Und die Schweiz? Nach Ammann und Küttel ist vorbei. Sie sind nicht mehr existent.

Alibaba4460
11
26.2.2010, 15:55
Pointer & Innauer - Suderanten !!!

MajorTom11
011
23.2.2010, 20:57
Alles richtig gemacht.

Vielleicht ab und zu zu viel Sportsmann, zu fein, zu fair.

Das wird von den Lauten, Groben und dem Boulevard gerne als Schwäche ausgelegt.

Persönlichkeiten wie Pointner und Innauer sind Bilderbuch-Sportler und Vorbilder für viele Jugendliche.

Hut ab vor beiden.

milo66
07
23.2.2010, 21:29

ITA. Hätte er einfach nur nach dem Springen auf der Normalschanze Protest angemeldet wäre die Aufregung nur halb so groß gewesen; schließlich hats den ganzen Winter über immer wieder Proteste in Materialfragen (Anzüge) gegeben. Aber sein Bemühen, nur gegen die Bindung, nicht aber gegen Ammanns Goldmedaille zu protestieren ist leider nach hinten losgegangen.
Ich bin trotzdem ein großer Fan von ihm und seinem Trainerstab. Allein wie er es geschafft hat, aus fünf Leuten, von denen jeder Jederzeit ganz oben am Treppchen stehen kann, eine Mannschaft zu machen, in der Jeder für Jeden einsteht, ist aller Bewunderung wert. Ich hoffe, er bleibt dem österreichischen Sport noch lange erhalten!

Queen of Sheba
 
05
23.2.2010, 19:22
Pointner hat den ZWINGENDEPunkt in Reglement Seite 20 Punkt 2 nicht erkannt !!!

Dort steht, dass der Schuh - nicht nur im An- und Auslauf (!) - mittig und parallel zu den Schikanten stehen muss. Und das ist bei Ammann um 1.5 bzw. 3 mm NICHT DER FALL ! Daher : ZWINGENDE DISQUALIFIKATION durch die Jury nach IWO 441.5.1 (Seite 67).

samuel vimes
00
24.2.2010, 13:13
"...der Schuh - nicht nur im An- und Auslauf (!) - mittig und parallel zu den Schikanten stehen muss..."

das steht dort aber nicht... das wurde jetzt von dir so interpretiert und die jury war eben nicht deiner meinung... ;)

zitat aus "Spezifikationen wettkampfausrüstung..." seite 20 punkt 2:
"...Das komplette Bindungssystem muss so montiert werden, dass der Schuh
mittig des Skis und parallel zu den Skiflanken steht..."

kein wort steht da von "im an- und auslauf"...
der schuh bzw die bindung wird wohl parallel zu den schiflanken montiert gewesen sein - alles andere ist makulatur... leider...

denn ich persönlich halte diese bindungsmodifikation ebenfalls für genehmigungs- und anmeldepflichtig!

Queen of Sheba
 
00
25.2.2010, 01:43
"Kein Wort ... " - ja eben ! Wenn etwas nicht eingeschränkt wird, dann gilt es UNEINGESCHRÄNKT, also während des gesamten Bewegungsablaufes. !

Und genau aus diesem Grund ist Ammanns Bindungssystem REGELWIDRIG. Er MUSS nach der IWO 441.5.1 ZWINGEND DISQUALIFIZIERT werden, auch nachträglich.

Hairy Tongue
00
23.2.2010, 19:51

ich glaub da hat wer die bedeutung des wortes "parallel" nicht verstanden.

entweder der "pointex" oder unsere "queen of cat-food", die königin der unsinnigen suderei...

Queen of Sheba
 
00
23.2.2010, 21:16
Die Millimeterangaben stammen übrigens von Pointner.

Queen of Sheba
 
01
23.2.2010, 21:10
Pointner und Innauer sind nicht einmal zum entscheidenden Punkt des Regulativs vorgestoßen, wo das Wort "parallel" steht !

Im "Dossier" kommt nur die IWO und Seite 33/34 der Spezifikation der Wettkampfausrüstung vor.

Aber Sie haben beides sicher genau so ernsthaft studiert wie den historischen Begrif "Queen of Sheba".

Hairy Tongue
00
23.2.2010, 21:41

tschuldigens, aber sie haben einfach die regel nicht verstanden. da gehts darum, dass die ski in der flugphase nicht durch eine art automatisierung der bindung in die v-stellung übergehen. einfach nur den begriff "parallel" zu zitieren - die schuhsohle ist in dem moment nicht mehr parallel zum schi, in dem sich die ferse abhebt, während die zehenspitzen mit dem ski in kontakt bleiben -, ist billigste polemik. es geht bei der "amann-bindung" um den aufkantwinkel der ski im flug, die position des fußes zum ski ist in der vertikalen nicht verändert. haben sie's jetz verstanden, frau von saba?

Queen of Sheba
 
01
24.2.2010, 01:09
Sie erinnern mich übrigens an manche Studierende, die mir in der Prüfung nachweisen wollten, ich hätte den Stoff nicht verstanden.

Aber zum Glück wird die Sache nicht in einer Propagandaschlacht, sondern in einem geordneten Sachverständigenverfahren vor den zuständigen Gremien der FIS/des IOC und gegebenfalls vor ordentlichen Gerichten entschieden. Meinen Beitrag dazu werde ich leisten.

Queen of Sheba
 
04
24.2.2010, 00:35
Wo steht "Schuhsohle" ? Ammanns gebogene Gewindestange führt zur VERDREHUNG des Schuhes aus der Parallele zu den Schi-KANTEN, oder nicht ?

Geometrisch handelt es sich um den Winkel der Schikanten zur Symmetrieebene des Schuhs, da zwischen ein- und dreidimensionalen Dingen kein eindeutiger Winkel und damit keine Parallelität definiert ist. Mit "Vertikale" hat dieser Winkel nichts zu tun. Und dass die Schuhsohle nicht gemeint sein kann, ergibt sich schon daraus, dass sie durch den in Punkt 2.1 zugelassen Keil NIE PARALLEL ZU DEN SCHIKANTEN IST !
Wo lesen Sie etwas von "Automatisierung" ?

Der Aufkantwinkel berührt tatsächlich die Seite 33/34 der Spezifikationen, das "Prinzip der Chancengleichheit" ist jedoch sehr interpretationsanfällig.

Lesen Sie übrigens die neueste Stellungnahme von Pointner.

spatti
00
24.2.2010, 10:20

die gebogene stande unterstützt die verdrehung der schi geradezu, womit der obige poster sich selbst widerlegt hat.

die frge der parallelität ist a.m.S. insofern interessant, weil es sich hier ja nur um projezierte parallelität handeln kann.
im raum kann schie und schuh so und so nie parallel sein, es können nur projezierte achsen (schi und längs schuh) sein.
wäre interessant, auch welche bezugsebene hier die projektion erfolgt. gibt es da was im reglement? (will das jetzt nicht durchwassern)

Queen of Sheba
 
00
24.2.2010, 15:28
Der Text ist für den "Durchschnittsmenschen" unmissverständlich.

Ihr Vorschlag des "Grundrisses" auf die Schigleitfläche ist da sicher anschaulich und nützlich.

"2. Skisprungbindungen
...
Das komplette Bindungssystem muss so montiert werden, dass der Schuh mittig des Skis und parallel zu den Skiflanken steht. "

Quelle :
http://www.fis-ski.com/de/discip... mente.html
Spezifikation der Wettkampfausrüstungen - Regulativ 3, Seite 20.

Zwingende Sanktionen nach der IWO - Regulativ 1, Seite 67, Punkt 441.5.1 (MUSS-Bestimmung).

Die Argumentationslinie nach Regulativ 3, Seite 33/34 ("Prinzip der Chancengleichheit - Equality of Opportunities") steht auch im "Dossier", erlaubt aber mehr Interpretation.

spatti
00
24.2.2010, 20:47

leider steht nicht drinnen, ob diese parallelität zu jeder zeit gegeben sein muss.
man kann es auch so interpretieren, dass das nur so sein muss, wenn der schuh am schi STEHT

Queen of Sheba
 
00
24.2.2010, 21:31
Wenn die Phase nicht angegeben ist, gilt die Vorschrift für alle Phasen.

Durch den Keil "steht" (berührt) der Schuh beim Anlauf und nach der Landung mit Ballen und Ferse, in der Flugphase mit dem Ballen. Der Schuh steht jedoch immer auf dem Schi (wenngleich mit unterschiedlicher Fläche), was täte er sonst - schweben ? Das tut nicht einmal ein Ballettschuh auf der Spitze.

Mir ist übrigens inzwischen aufgefallen, dass die Parallelität durch Aufkanten des Schuhes hergestellt werden könnte, nicht aber die Mittigkeit.

Ich bin übrigens dankbar für Ihre Hinweise auf mögliche Gegenargumentation im Verfahren.

Thomas Felder
00
25.2.2010, 12:35

der punkt ist dass technische neuerungen für die kommende saison bis 1. Mai zu melden sind, das wurde nicht getan

Queen of Sheba
 
00
25.2.2010, 15:26
"Neuerung" und die Anforderung des "Prinzips der Chancengleichheit" (Seite 33/34) sind interpretationsanfällig, die Geometrie ("Parallelität, Seite 20) eben NICHT !

Entscheidend wird aber sein, ob sich jemand ein Verfahren vor den entscheidenden FIS/IOC-Gremien bzw. Gerichten nach der PR-Schlappe noch "antut" oder ob Ignorantia - wieder einmal - obsiegt.

spatti
00
24.2.2010, 21:54

ist auslegungssache, ob es um den moment der maximalen auflage geht oder tatsächlich um jeden moment.

wäre spannend, ob ein system schuh-bindung erlaubt ist, bei dem die ebene schuh und die ebene schi sich nicht in einer geraden in der normalen zur längsachse des schis schneiden.
oder anders gesagt, die längsachsen "verdrehen" sich in der flugphase auch ohne gebogenes rohr nur durch eine schräge in der "nahtstelle" bindung-schuh

Queen of Sheba
 
00
25.2.2010, 01:51
Da die Regel nicht auf "die maximale Auflage" oder sonst wie zeitlich eingeschränkt ist, gilt sie UNEINGESCHRÄNKT für den ganzen Bewegungsablauf.

Unsere geometrische Erörterung erübrigt sich dadurch, da im Regulativ von "Flanken" und nicht - wie von mir falsch gelesen - von "Kanten" die Rede ist. Und "Flanken" sind Flächen bzw. Ebenen, wodurch sich die Parallelitätsfrage trivialisiert. Das ist auch die Antwort auf Ihre tatsächlich spannende Frage der Regelwidrigkeit eines Aufkantmechanismusses.

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