Cheftrainer Pointner bedauert nach Österreichs Triumph im Teamspringen nur das Wie der Bindungsdiskussion
Whistler - Was haben Ryan Giggs und Simon Ammann beide nicht? Eine nationales Team, mit dem sich Lorbeer sammeln ließe. Der walisische Fußballprofi tröstet sich seit Jahr und Tag mit den Erfolgen mit Manchester United, der Schweizer Skispringer mit vier Olympiasiegen, zwei davon passierten in Whistler.
Österreich hat eine Springermannschaft, die beste der Welt, weshalb es der Medaillenanzahl nach auch die erfolgreichste Springernation der XXI. Winterspiele ist, mit zweimal Bronze für Gregor Schlierenzauer und dem sagenhaft überlegen eingesackten Teamgold am Montag.
"Diese Medaille müsste eigentlich noch ein Mascherl rundherum haben" , sagte Cheftrainer Alexander Pointner, nachdem Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern und Schlierenzauer die dennoch euphorisierten Deutschen mit dem olympischen Vorsprungs-Rekord von 72,1 Punkten oder rund 40 Metern abgehängt hatten.
Pointner, der als Coach schon vorher alles gewonnen hat, was es diesbezüglich zu gewinnen gibt, hat die auf ihn niederprasselnde Kritik der vergangenen Tage zugesetzt. Der 39-Jährige steht aber zur Entscheidung, die Zweifel an Simon Ammanns Bindungsmodifikation während der Spiele aufs Tapet gebracht zu haben. "Ich würde mir jetzt viel größere Vorwürfe machen, hätte ich dieses Detail einfach verschwiegen. Es wäre später ans Tageslicht gekommen, dann hätte man mir mangelnde Professionalität vorgeworfen" , sagt er.
Wohl ist sich der vierfache Familienvater der Außenwirkung, aber auch der Innenwirkung dieser Diskussionen bewusst, will daher in Hinkunft eleganter vorgehen. "Bei jenen Leuten, die sich durch eine schwierige Interpretation des Ganzen auf den Fuß gestiegen gefühlt haben, möchte ich mich entschuldigen."
Der Druck, der unter diesen Umständen auf ihm, vor allem aber seinen Athleten lastete, habe sich im Teambewerb schon mit dem allerersten Sprung von Wolfgang Loitzl auf 138 Meter verflüchtigt. "Er hat das Fass angeschlagen, dann war das für mich schon eine sehr flüssige Sache." So flüssig, dass sieben der insgesamt acht Springerserien vom jeweiligen Österreicher dominiert wurden. Schlierenzauer, der seinen dritten Platz im Großschanzen-Einzel eher als Niederlage empfunden hatte, überragte mit seinen Flügen auf 140,5 und 146,5 (Tageshöchstweite) Metern. "Wir haben nicht umsonst vier Jahre trainiert, wir werden sicher ein wenig Gas geben" , kündigte der 20-jährige Stubaier an.
Gefeiert wurde, aber nicht ausschweifend. Zwölf Stunden, nachdem der ehemalige ÖOC-Präsident Leo Wallner den Springern die Medaillen überreicht hatte, reisten die Olympioniken nach Hause. Mit dem "nordic tournament" in Lahti, Kuopio, Lillehammer und dem Weltcupfinale in Oslo sowie der Skiflug-WM in Planica wartet schließlich bis Saisonende ein dichtes Programm.
Schlierenzauer hat noch die Chance, Ammann den Gesamtsieg im Weltcup zu nehmen. Er wird es mit der herkömmlichen Bindung versuchen. Schließlich hat der ÖSVschon 2008 ein ähnliches System entwickelt. Bastian Kaltenböck, sagt Pointner, habe damit teilweise sehr gute Sprünge gezeigt, teilweise aber auch große Schwierigkeiten gehabt. "Dass sie helfen kann, die Leistung zu verbessern, das kann man sich ausrechnen. Die Frage ist nur: Wollen wir das?" (APA, red, DER STANDARD Printausgabe, 24.2.2010)