Armut

Grüne fordern 1300 Euro Mindestlohn

23. Februar 2010, 17:44
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    foto: cremer

    Sieht arme Selbstständige als Zielgruppe: Glawischnig.

Die Öko-Partei stärkt ihre soziale Komponente: Mit einer Kampagne zur Bekämpfung der Armut glaubt Glawischnig Wähler zu bewegen

Wien - Die Sozialpartner in Ehren - aber in jenen Bereichen, wo besonders niedrige Löhne gezahlt werden, dort haben sie nicht genügend herausgeholt. Aus dieser Analyse leitet die Grünen-Chefin Eva Glawischnig ihre Forderung nach einem gesetzlich fixierten Mindestlohn ab.

Jedem vollzeittätigen Arbeitnehmer müssten netto 1000 Euro bleiben - was etwa sieben Euro pro Arbeitsstunde entspräche. Die derzeit in Billiglohn-Branchen gezahlten fünf bis sechs Euro Stundenlohn erscheinen den Grünen "menschenverachtend". Sie fordern daher einen Brutto-Monatslohn von etwa 1300 Euro.

Über eine Million Menschen in Österreich sei armutsgefährdet, die Zahl jener, die manifest arm sind, liege derzeit bei rund 492.000 Personen.

Das sagte Glawischnig bei der Präsentation eines Antrags, den sie in der laufenden Parlamentswoche gerne als dringlich eingebracht hätte - die Geschäftsordnung verhindert dies im Zusammenhang mit der verkürzten Sitzungsdauer, daher wird die Entschließung als einfacher Antrag eingebracht.

Für die anderen Parteien stellt er dennoch eine Art Lackmustest dar, wie sie es mit der Armutsbekämpfung halten. Die Grünen fordern neben dem gesetzlichen Mindestlohn unter anderem:

  • Höhere Grundsicherung: Diese müsse - über die Regierungspläne hinaus - garantieren, dass niemand unter die Armutsgefährdungsschwelle sinkt.
  • Mehr Arbeitslosengeld: Die Nettoersatzrate der Arbeitslosenversicherung sollte auf das europäische Niveau von 70 Prozent steigen, damit Arbeitslosigkeit nicht die soziale Existenz kostet.
  • Sicherheit für Selbstständige: Selbstständige und Kleinunternehmer werden nach Beobachtung der Grünen als potenzielle Betroffene von Armut übersehen.
  • Bad Bank für Privathaushalte: Auch für Menschen, die im Privatkonkursverfahren die zehnprozentige Quote nicht erreichen, weil kein entsprechendes Einkommen abzusehen ist, soll eine Entschuldung möglich sein. Banken, Handybetreiber und Versandhäuser, die den Schuldner durch falsche Beratung in seine Situation getrieben haben, sollten "stärker in die Pflicht genommen werden".

Bei der Pressekonferenz, in der Glawischnig ihre Forderungen präsentierte, verwies sie auch auf die untergeordnete Bedeutung der Präsidentschaftswahlen: In den grünen Landesorganisationen, zumal in denen, die vor Landeswahlen stehen, herrsche Skepsis gegenüber einer Grün-Kandidatur für das Amt des Staatsoberhaupts. (cs, DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2010)

Kommentar posten
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Mag Filip
00
28.5.2010, 12:47
Mindestsicherung schön und gut

doch sollte mE nach JEDER halbwegs gesunde Mensch seinen Betrag dazu leisten!
Alles andere ist Hohn an jenen, die auch aus Freude mehr arbeiten und durch Beiträge für solche Schnorrer bestraft werden!!!!

chg4711
00
28.5.2010, 10:14
gleichberechtigung

auch sollten geistig oder körperlich Behinderte zu den gleichen Bedingungen eingestellt werden wie Gesunde. (gleicher Lohn)
dies sollte auch für die Privatwirtschaft gelten, und nicht nur für die Politik !

aiuto
01
28.5.2010, 09:27
Da haben sie vollkommen recht.

Arbeit muß asich wieder lohnen.
Zwischen Mindestsicherung und MIndestlohn muss es einen gewaltigen Unterschied geben.

La Balance
01
28.5.2010, 09:06

Guter Gedanke!!! Eine KindergartenpädagogIn mit Matura hat nach 20 Dienstjahren noch keine 1500 Euro verdient!!!!!

sacrahaxn
11
28.5.2010, 08:48

Wenn man endlich einsehen könnte, dass für solche Dinge und Hacklerregelung einfach kein Geld da ist, wäre ein wichtiger Schritt getan!

Till Ulenspygel
 
31
17.3.2010, 08:50
Denken wir einmal ganz kurz nach

und überlegen aus welchen Kreisen die Grünen ihre Wähler rekrutieren: BINGO! Aus dem Kreis der öffentlich-rechtlich Gegenderten Irgendwas! Und die fürchten natürlich zu Recht, den Abbau dieser Luxuspositionen, wenn dem Staat das Geld ausgehen sollte. Also 1300 Mindestlohn. Nehmen wir mal an, die ArmIn verdient vorher 1200 Euro und freut sich, über die Erhöhung auf 1300 wie ein Schneekönig! Wer profitiert aber davon am Meisten? Bei 18200 (1.300 Btto) verdient sie im Vergleich zu vorher (16.800/1.200) Netto um 2.823 Euro (=202 Euro/Monat) mehr. Ihr Dienstgeber muss allerdings um 5.509 Euro (=394 Euro/Monat) mehr für sie in öffentliche Kassen bezahlen. Also der Hebel zu Gunsten des Staates iwS ist hier gewaltig. Hier soll der Staat gefördert

Bobby W
22
10.3.2010, 17:33
Mindestlohn fördert Faulheit

So gut der gedanke auch ist, er geht leider in die falsche Richtung.
Es ist richtig, dass heute die Gefahr besteht, dass man oder frau trotz vollzeitjob in die armut gleitet, ich kenne auch einige solcher fälle, doch die politik ist gefordert, eine bessere lösung als diese zu finden. In österreich ist es unmöglich durch ehrliche arbeit reich zu werden, da arbeit einfach zu hoch besteuert ist. Durch arbeit sollte man zu wohlstand kommen und nicht gerade überleben können, das motiviert und bringt die wirtschaft zum wachsen, dies sollte auch jeder selbständig überlegen, der jemanden anstellt, gemäß der überlegung würde ich auch um diesen lohn arbeiten?

LinksSchreiber
02
12.3.2010, 05:03
Antiparadigma: skandinavische Sozialdemokratien. In Schweden sind sowohl die Einkommens-Differenzen sehr hoch (also: Mann oder Frau kann durch Arbeit "reich" werden) als auch die Steuer-Sätze. Die MORAL der Umverteilung ist eine ANDERE. Genau dieser

Volkswirtschaft geht es relativ gut, obwohl sie über keine Erdöl-Ressourcen verfügt. Sie funktioniert nachhaltig stabil.

Warum geht es dieser Volkswirtschaft gut?

Weil gerade die ärmeren Bevölkerungsschichten ihr ganzes Kapital wieder ausgehen, also in die Binnen-Zirkulation investieren.

Der korrupte Geldadel legt hingegen sein Kapital in anderen Staaten an. Das liebe Geld wird der nationalen Binnen-Zirkulation entzogen, die Ökonomie pervertiert.

Die Folge: das Schmier-Öl des ökonomischen Reproduktions-Volumen wird aus dem gesellschaftlichen Fundament des "nationalen Volkskörpers" gepumpt und ins Ausland verschoben, in die Tanks der Finanzindustrie verschoben.

Ein "Verreiber des ökonomischen Motors" ist die logische Folge.

Ludmilla von Country de la Musica
05
10.3.2010, 20:46
"Durch arbeit sollte man zu wohlstand kommen und nicht gerade überleben können"

na eben. ein anständiger mindestlohn ist da ein anfang (wenn ich auch keine freundin des reformismus bin).

Herr Plumm
11

genau...dann sagt ein arbeitgeber, der job ist aber nur ein 15h job...und dann? immer noch 1300 Brutto?... reine augenauswischerei das ganze...in wirklichkeit können sichs die arbeitgeber richten wie sie wollen.

Pros Patheia
55
10.3.2010, 09:28
Ich kann etliche Vollzeitstellen nicht besetzen..

und zwar nicht, weil ich mir irgendwas "richten" will, sondern weil die meisten ach so armen Frauen nicht Vollzeit arbeiten wollen! Ich suche Eisverkäuferinnen in einem ländlichen Bereich in der Stmk - man sollte annehmen, es gibt schwierigere Berufsbilder oder unattraktivere Tätigkeiten. Aber die meisten sagen schon am Telefon Nachmittags Arbeiten, nein danke, da lieg ich lieber im Garten. Abends arbeiten? Das wird auch oft mit einem Lachen kommentiert... Soweit ist es in unserem Land mit "Arbeitsmangel".

Altered States
 
00
28.5.2010, 09:56
Was zahlen sie? 6,00 Euro in der Stunde?

Nirvanacharly
 
02
17.3.2010, 01:40
müssens

halt mehr zahlen, wie heisst es so schön "angebot und nachfrage".

LinksSchreiber
02
12.3.2010, 05:08
Wahrscheinlich zahlen sie so "viel",

dass Sie im Garten liegen können, während andere sich nahezu gratis in ihrem Geschäft zu Tode rackern sollen.

Die Große Moral des Unternehmers.

Gerade das an den anderen denunzieren, was das Ziel des eigenen Handel(n)s darstellt.

Uuuhhh, wir sind beeindruckt!

Ludmilla von Country de la Musica
01
10.3.2010, 20:44
Dann müssen'S halt mehr zahlen - dann kommt schon wer.

LinksSchreiber
21
Die Zeit des Öko-Alter-Nativismus ist vorbei. Die Anderheit wird an anderen Schauplätzen als an dem der heiligen Natur geboren. Ihr Ursprung ist der vergessene Diskurs eines Politischen, dessen wirklich vernünftige Idee freilich nicht auf die progamm

freie Post-Politik der real wählbaren Parteien reduziert werden darf.

Vor 20 Jahren war der Grünalternativismus noch radikal und revolutionär positioniert, heutzutage sind ebenso die Rechten latent grün wie die Grünen latent rechts.

Die Grünen sind heutzutage die Partei für diejenigen Kinder der christ-konservativen Pseudo-Elite, die ein wenig weniger reaktionär sein wollen als ihre Eltern.

Von Hollywood bis zu den Kärntner NaturBurschInnen ist inzwischen alles naturgrün eingefärbt. Die postpolistische Farbenlehre hat empirisch erwiesen:

Blau + Grün = Orange.

Orange ist eine esoterischer erklingende Spielart der tradierten "Brauntöne".

Korrekt-gegendert Bio-Humer-Fahren und Solar-Kapitalismus-Treiben markieren das neue "Rechts".

LinksSchreiber
03
Endlich einmal eine vernünftige Ansage von dieser Öko- und Frauen-Partei.

Mit einem Mindest-Lohn alleine wird das nicht zu verwirklichen sein, sofern die Unternehmer aus gründen der Wettbewerbsfähigkeit gezwungen sind, ein menschenverachtendes Lohndumping zu betreiben.

De vulgo: auch der Kapitalist ist ein Opfer des Kapitalismus, also eines menschen-verachtenden Ellbogen -Systems. Das mag paradox klingen, ist es aber nicht.

Der einzelne Unternehmer kann nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn soziale Maßnahmen allen Wettbewerbern gleichmäßig aufgezwungen werden.

Somit hängt alles an der Idee eines Grundeinkommens.

Es ist weitaus realistischer, dass die Leute unter abgesicherten Prämissen gratis arbeiten, aus idealistischen Motiven. Das Nichts-Tun bringt keine soziale Anerkennung, keinen symbolischen Mehrwert.

Redender Senator
00
23.3.2010, 01:24

Wer finanziert dann die stark erhöhten Sozialausgaben, die durch ein bedingungsloses Grundeinkommen entstehen? Dann kann man arbeiten und bekommt kaum mehr Geld als fürs Nichtsarbeiten, da die Steuern hoch sein müssen.

Zudem müssten doch die Lebenshaltungskosten auch wieder ansteigen - womit die existentielle Sicherung wieder gefährdet wird.

Ludmilla von Country de la Musica
01
10.3.2010, 21:04
"Es ist weitaus realistischer, dass die Leute unter abgesicherten Prämissen gratis arbeiten, aus idealistischen Motiven."

Und wer kriegt dann das Erarbeitete, wenn die Arbeiter/innen das gratis machen sollen?

Bitte, das sollte dann schon geteilt werden, nicht wahr?

LinksSchreiber
41
Korrektur: die Grünen sind weniger eine Öko - und Frauen-, vielmehr eine Natur und Familien-Partei. Weil sich der Fundamentalismus jedoch genau auf diese Grundwerte des Privateigentums und seiner ideologischen Naturalisation (der gewaltsam-

synthetische Akt der Aneignung des Eigentums wird nachträglich verleugnet, sodass das positive Recht auf den Privatbesitz als eine von Gott gegebene Tatsache erscheint, die kein vernünftiges Menschlein hinterfragen dürfe) bezieht, ist diese post-politische Ausrichtung des Politischen als absolut problematisches Phänomen des Zeitgeistes zu bewerturteilen.

Die Natur und die Familie sind nicht an sich schlecht, sie werden es jedoch dadurch, dass die Idee der Egalität und des öffentlichen Raumes (die res publica, die Familie zweiter Ordnung) auf einen der heiligen Natur des Menschen bloß sekundär aufgepfropfen Staats-Apparat reduziert werden.

Es bedürfte einer SOZIAL(-liberal)EN Egalitäts- und Aufklärungs-Partei, einer "SOZINTERN".

trace route
32
25.2.2010, 15:04
Klingt ja ganz nett. Ich würde allerdings ersuchen, ein paar Konsequenzen zu beachten:

1) Wenn ein Mindestlohn von 1300 Euro per Gesetz eingeführt wird, dann werden tausende Jobs verloren gehen, für welche Unternehmer eben nicht bereit sind, diese Summe zu bezahlen. Diese Jobs werden abwandern oder überhaupt verschwinden. Und das wird die Arbeitslosenraten gerade bei denjenigen erhöhen welche halt nicht über so tolle Begabungen verfügen, dass die Wirtschaft mehr bezahlt. Die "gut gemeinte" Idee könnte daher nach hinten losgehen. In den USA geschah unter Clinton genau das umgekehrte: da wurden Millionen von Jobs geschaffen. Oft keine guten Jobs, zugegeben. Aber viele waren froh und stolz darauf, wieder einen Job zu haben, auch wenn dieser nicht so hoch bezahlt wird. Viele haben lieber weniger Gehalt, als arbeitslos zu sein!!!

Nirvanacharly
 
00
17.3.2010, 01:47
worauf sind menschen

stolz? auf einen schlechten job und überhaupt einen job zu haben? da bin ich lieber auf sozialhilfe stolz und es darf ein bischen mehr sein, wir leben ja nicht im mittelalter.

Austrianer was sonst.....
01
10.3.2010, 11:27

Der letzte Satz sagt doch alles!
Genau das nützen die Arbeitgeber aus, um den Lohn zu drücken!
Ich bin absolut für Mindestlohn!!!

wwelv folig
02
sehe ich nicht so

denn wenn die jobs wie sie sagen verloren gehen dann müsste der chef regale schlichten und bevor das geschieht wird durchaus mehr bezahlt was wollen sie wetten?

trace route
21
25.2.2010, 15:18
2) Eine höhere Grundsicherung muss nach aktueller EU-Rechtslage auch an alle anderen EU-Bürger ausbezahlt werden, und zwar aus dem österreichischen Sozialbudget. Mit anderen Worten: Wenn ein britischer Staatsbürger (400 Euro Mindestpension) oder...

ein Deutscher aus den "neuen D Ländern" (oft nur 300 Euro Pension) nach Österreich ziehen, so muss Ö (!) die Differenz auf die 730 Euro Mindestsicherung an diese Personen ausbezahlen.

Ich halte diese Regelung übrigens für eine Katastrophe, denn es kann nicht sein, dass Sozialleistungen aus einem Topf bezahlt werden müssen, in den nie einbezahlt wurde bzw dass einzelne EU-Länder das eigene Sozialsystem abbauen und die Last auf andere Länder überwälzen können!

Im Endeffekt wird auch diese "sozial gedachte Maßnahme" zum Gegenteil führen, weil alle Länder die Mindestsicherung reduzieren werden, um nicht für Mängel der Sozialsysteme anderer Länder "zahlen" zu müssen.

Solche Regelungen sind für Rechtspopulisten wie HC ein Elfer ohne Tormann!!!

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