Bei geplanter Fusion von RZB und Raiffeisen International wittern Börsianer Hilfsaktion für RZB, auf Kosten der Minderheitsaktionäre
Der geplante Zusammenschluss von Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Raiffeisen International (RI) hat am Tag nach Bekanntwerden des Vorhabens für Ernüchterung am Kapitalmarkt gesorgt. Die RI-Aktie stürzte um mehr als zwölf Prozent ab.
An der Börse wird vermutet, dass die RZB frisches Kapital brauchen könnte, was deren Chef Walter Rothensteiner aber dementierte. Bestätigt wird von der Bank in einem "internen Argumentarium" freilich, dass die Börsennotiz der RI"breitere Zugangsmöglichkeiten zu den Geld- und Kapitalmärkten" schaffe. Thomas Stögner, Analyst bei Sal. Oppenheim spricht von einer "Verwässerung der Investmentstory", andere Börsianer gar von einem "Todesstoß" für die Raiffeisen-Aktie, die 2005 an die Börse gebracht wurde. Der Wiener Leitindex gab knapp drei Prozent nach.
Nicht nur bei Investoren sorgen die Pläne für Unmut. Auch größere Genossenschafter, allen voran die oberösterreichische Landesbank, soll Vorbehalte angemeldet haben. Die RZB setzt allerdings auf einen Beschluss des Konzepts innerhalb von sechs bis achte Wochen. Die personellen Strukturen sind bereits klar: RI-Chef Herbert Stepic wird die Bank leiten, RZB-General Walter Rothensteiner die Sektor-Agenden.
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Wien - Die Fusionspläne im Raiffeisen-Geldsektor sind intern ebenso umstritten wie extern. Die Börsen reagierten am Dienstag auf die überraschende Mitteilung des Vorabends, wonach die Zusammenlegung von RZB und Raiffeisen International geprüft werde, entsetzt. Händler und Analysten sparten nicht mit Kritik.
An der Börse wird vermutet, dass "die Raiffeisen Zentralbank frisches Kapital brauchen könnte, zu dem nur die börsennotierte Raiffeisen International (RI) Zugang hat", wie Thomas Stögner von Sal. Oppenheim meint. Im Gespräch mit dem Standard skizziert er auch die mögliche Umsetzung: RI könnte eine Kapitalerhöhung durchführen und im Gegenzug zentrale RZB-Bereiche wie Treasury, Firmenkundengeschäft und Aktienhandel übernehmen.
RI wäre dann freilich eine ganz andere Bank, der bisherige Osteuropa-Fokus fiele weg. Stögner spricht von einer "Verwässerung der Investment-Story" und rät zur Reduktion des Aktienbestands. Börsenprofi Wolfgang Matejka hält das Konzept für einen "Todesstoß" und meint, die Transaktion zeige, dass bei Raiffeisen "noch lange nicht alles in trockenen Tüchern" sei.
Bewertung
Diese Bewertung des noch nebulosen Plans teilten auch andere Marktteilnehmer: Der RI-Kurs brach um mehr als elf Prozent ein. Die Raiffeisen-Spitzen unternahmen recht wenig zur Beseitigung der Unklarheiten. RZB-Chef Walter Rothensteiner sprach im Ö1-Mittagsjournal von Optimierungen, die noch keinesfalls beschlossen seien. Zudem beteuerte er, dass man kein frisches Geld benötige. Dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch die RI unter Zugzwang stehe. Berater sollen eine radikale Rückführung des Geschäfts in Osteuropa empfohlen haben, gegen das sich RI-Chef Herbert Stepic aber quergelegt habe.
Es blieb die Fusion: In einem "internen Argumentarium" für den Zusammenschluss, das dem Standard vorliegt, heißt es: "Eine integrierte Refinanzierungsstruktur in Verbindung mit der Börsennotiz der fusionierten Bank würde breitere Zugangsmöglichkeiten zu den Geld- und Kapitalmärkten schaffen." Hinzu kämen eine "erleichterte Risikosteuerung" sowie "Kostenvorteile für die Gruppe". Was nicht erwähnt wird: RZB hat Verbindlichkeiten gegenüber RI im Ausmaß von zwölf Milliarden Euro in den Büchern stehen, die bei einem Zusammenschluss saldiert werden können.
Nicht nur bei Investoren sorgen die vorzeitig veröffentlichten Pläne für Unmut, vor allem aus Oberösterreich kommt Widerstand: Und zwar gegen die Abspaltung der Sektor-Funktionen, die das Spitzeninstitut derzeit erfüllt (wie IT oder Zahlungsverkehr). Für diese Dienstleistungen will Raiffeisen-Oberösterreich-Chef Ludwig Scharinger dem Vernehmen nach nicht mitzahlen. Kleinere Landesbanken befürworten hingegen das Konzept.
Obwohl Raiffeisen betont, dass noch nichts fix sei, dürften die personellen Strukturen bereits stehen. Demnach wird RZB-Chef Walter Rothensteiner die Sektor-Agenden übernehmen, Stepic die Bank leiten. Unter seiner Führung sind die RZB-Vorstände Patrick Butler für das gemeinsame Treasury, Karl Sevelda für das Kreditgeschäft und Johann Strobl für das Risikomanagement vorgesehen. Als neuer starker Mann wird intern der für das Retail-Geschäft zuständige RI-Vorstand Aris Bogdaneris gehandelt. Doch dürfte es sich nur um eine Übergangsbesetzung handeln, denn Rothensteiner gilt als Fixstarter für die Nachfolge von Christian Konrad als Raiffeisen-Generalanwalt, wobei er weiter die Holding leiten soll. Stepic und Sevelda treten in den nächsten Jahren ab. (Renate Graber, Claudia Ruff, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2010)