Umstrittene Fusion

Börsianer glauben nicht an Fusionspläne

23. Februar 2010, 17:52
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    foto: r. hendrich

    Das gewichtige Machtzentrum von Raiffeisen: Generalanwalt Christian Konrad, Raiffeisen-International-Chef Herbert Stepic und der Chef der Raiffeisen Zentralbank, Walter Rothensteiner (v. li.).

Bei geplanter Fusion von RZB und Raiffeisen International wittern Börsianer Hilfsaktion für RZB, auf Kosten der Minderheitsaktionäre

Der geplante Zusammenschluss von Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Raiffeisen International (RI) hat am Tag nach Bekanntwerden des Vorhabens für Ernüchterung am Kapitalmarkt gesorgt. Die RI-Aktie stürzte um mehr als zwölf Prozent ab.

An der Börse wird vermutet, dass die RZB frisches Kapital brauchen könnte, was deren Chef Walter Rothensteiner aber dementierte. Bestätigt wird von der Bank in einem "internen Argumentarium" freilich, dass die Börsennotiz der RI"breitere Zugangsmöglichkeiten zu den Geld- und Kapitalmärkten" schaffe. Thomas Stögner, Analyst bei Sal. Oppenheim spricht von einer "Verwässerung der Investmentstory", andere Börsianer gar von einem "Todesstoß" für die Raiffeisen-Aktie, die 2005 an die Börse gebracht wurde. Der Wiener Leitindex gab knapp drei Prozent nach.

Nicht nur bei Investoren sorgen die Pläne für Unmut. Auch größere Genossenschafter, allen voran die oberösterreichische Landesbank, soll Vorbehalte angemeldet haben. Die RZB setzt allerdings auf einen Beschluss des Konzepts innerhalb von sechs bis achte Wochen. Die personellen Strukturen sind bereits klar: RI-Chef Herbert Stepic wird die Bank leiten, RZB-General Walter Rothensteiner die Sektor-Agenden.

***

Wien - Die Fusionspläne im Raiffeisen-Geldsektor sind intern ebenso umstritten wie extern. Die Börsen reagierten am Dienstag auf die überraschende Mitteilung des Vorabends, wonach die Zusammenlegung von RZB und Raiffeisen International geprüft werde, entsetzt. Händler und Analysten sparten nicht mit Kritik.

An der Börse wird vermutet, dass "die Raiffeisen Zentralbank frisches Kapital brauchen könnte, zu dem nur die börsennotierte Raiffeisen International (RI) Zugang hat", wie Thomas Stögner von Sal. Oppenheim meint. Im Gespräch mit dem Standard skizziert er auch die mögliche Umsetzung: RI könnte eine Kapitalerhöhung durchführen und im Gegenzug zentrale RZB-Bereiche wie Treasury, Firmenkundengeschäft und Aktienhandel übernehmen.

RI wäre dann freilich eine ganz andere Bank, der bisherige Osteuropa-Fokus fiele weg. Stögner spricht von einer "Verwässerung der Investment-Story" und rät zur Reduktion des Aktienbestands. Börsenprofi Wolfgang Matejka hält das Konzept für einen "Todesstoß" und meint, die Transaktion zeige, dass bei Raiffeisen "noch lange nicht alles in trockenen Tüchern" sei.

Bewertung

Diese Bewertung des noch nebulosen Plans teilten auch andere Marktteilnehmer: Der RI-Kurs brach um mehr als elf Prozent ein. Die Raiffeisen-Spitzen unternahmen recht wenig zur Beseitigung der Unklarheiten. RZB-Chef Walter Rothensteiner sprach im Ö1-Mittagsjournal von Optimierungen, die noch keinesfalls beschlossen seien. Zudem beteuerte er, dass man kein frisches Geld benötige. Dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte, dass auch die RI unter Zugzwang stehe. Berater sollen eine radikale Rückführung des Geschäfts in Osteuropa empfohlen haben, gegen das sich RI-Chef Herbert Stepic aber quergelegt habe.

Es blieb die Fusion: In einem "internen Argumentarium" für den Zusammenschluss, das dem Standard vorliegt, heißt es: "Eine integrierte Refinanzierungsstruktur in Verbindung mit der Börsennotiz der fusionierten Bank würde breitere Zugangsmöglichkeiten zu den Geld- und Kapitalmärkten schaffen." Hinzu kämen eine "erleichterte Risikosteuerung" sowie "Kostenvorteile für die Gruppe". Was nicht erwähnt wird: RZB hat Verbindlichkeiten gegenüber RI im Ausmaß von zwölf Milliarden Euro in den Büchern stehen, die bei einem Zusammenschluss saldiert werden können.

Nicht nur bei Investoren sorgen die vorzeitig veröffentlichten Pläne für Unmut, vor allem aus Oberösterreich kommt Widerstand: Und zwar gegen die Abspaltung der Sektor-Funktionen, die das Spitzeninstitut derzeit erfüllt (wie IT oder Zahlungsverkehr). Für diese Dienstleistungen will Raiffeisen-Oberösterreich-Chef Ludwig Scharinger dem Vernehmen nach nicht mitzahlen. Kleinere Landesbanken befürworten hingegen das Konzept.

Obwohl Raiffeisen betont, dass noch nichts fix sei, dürften die personellen Strukturen bereits stehen. Demnach wird RZB-Chef Walter Rothensteiner die Sektor-Agenden übernehmen, Stepic die Bank leiten. Unter seiner Führung sind die RZB-Vorstände Patrick Butler für das gemeinsame Treasury, Karl Sevelda für das Kreditgeschäft und Johann Strobl für das Risikomanagement vorgesehen. Als neuer starker Mann wird intern der für das Retail-Geschäft zuständige RI-Vorstand Aris Bogdaneris gehandelt. Doch dürfte es sich nur um eine Übergangsbesetzung handeln, denn Rothensteiner gilt als Fixstarter für die Nachfolge von Christian Konrad als Raiffeisen-Generalanwalt, wobei er weiter die Holding leiten soll. Stepic und Sevelda treten in den nächsten Jahren ab. (Renate Graber, Claudia Ruff, Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 24.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
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Pol e Mike
00
24.2.2010, 13:26
Den "Verlust" von Raiffeisen....

...wünscht sich die Bawag!

mike sierra
02
24.2.2010, 12:49
Managerspiele

Für mich sieht das ganze weniger nach einem wirtschaftlich sinnvollem Konzept als nach persönlichen Machtspielchen innerhalb der Vorstandsetagen im Raiffeisenkonzern aus.
So was hat halt leider Tradition.

Spi an
00
26.2.2010, 09:28
wobei wenn dass stimmt

dann ist das machtmissbrauch und echt fahrlässig
ich kenne einige der proponenten, ein hammer wenn sie recht hätten, es wird zeit dass sich dieser nebel lichtet, das da glasnost einzieht

Wurzelloser Kosmopolit
00
24.2.2010, 09:47

Jetzt rächt sich das jahrzehntelange, auch noch von der ÖNB geförderte, Wegschauen beim Jörgale und seiner Hypo Kärnten.
Und die klammheimliche Bewunderung vieler, auch nicht FPler, für diesen Hütchenspieler, dem es gelang die deppaten Bayern um 3 Mrd übers Haxl zu hauen.

Nun, da der Bankensektor auf ausländische, weil im Inland keiner mehr flüssig ist, Kapitalspritzen angewiesen ist, wird kein Investor mehr sein Geld nach Ö pumpen.
Das nur, weil man für einen schnellen Zock seinen Ruf verspielt hat.
Was wird mit RZB, RI, Övag, Hypo, Kontrollbank...
Das System Österreich frisst sich selbst auf...

Der Retter der Welt
03
24.2.2010, 09:41
Wenn diese "Börse-Experten"

so richtig liegen wie in den letzten Jahren, dann steht der RZB eine goldene Zukunft bevor.

Da melden sich ja wirklich die richtigen zu Wort...

nationaler untersucher
00
24.2.2010, 10:12

wenn ich auf die aktuellen aktienkurse schau würde es mir schon reichen, wenn einmal das management richtig liegen würde ....

Pol e Mike
21
24.2.2010, 10:05
Die ORF-Nachrichten strotzen auch nur so vor Sachkenntnis:

Zitat: Raiffeisen verliert in Osteuropa "viel" Geld.
tatsächlich verdienen Sie 200 Mio (!!!) + 1 Mrd. Risikovorsorge.....na den Verlust möchten andere haben!

Aber der linksllinken Propaganda ist ja verbrannte Erde egal!

Ing. Rambo Einfältig
01
24.2.2010, 09:33
Goldeseln bräuchte die Bauernbank,

aber nicht die anderen. Von denen hat sie mehr als genug. Siehe Bild.

Schnabeltierfresser
03
24.2.2010, 09:30
Konrad muss endlich die Krone kaufen,

sonst können die Raiffeisenprobleme nie elegant gelöst werden. ;)

Umgefallener Reissack aus China
02
24.2.2010, 09:26
Wenn's blöd hergeht...

Wird wohl nimmer lang dauern und wir dürfen auf Geheiß vom Vizegoderl die „systemrelevante“ Raika mit unserem Steuergeld vollpumpen. Verabschiedet euch schon mal von Gratis-Bildung, Soziallleistungen, Pensionen, Infrastruktur etc., denn diesmal wird es RICHTIG teuer.

dagobert60
06
24.2.2010, 09:21
Fotos...

So schaut halt Arroganz aus...aber die anderen (Treichl, usw schauen auch nicht besser aus). Wir haben halt nichts anderes verdient. Oder ist schon einer einmal demonstrieren gegangen wegen diesen Bankengaunern, die von unserem Geld leben?? Ich übrigens auch noch nicht, würde ich aber.

mikromalist
 
00
24.2.2010, 09:15
Je nach politischer Position.

Nicht über den Downturn verzweifeln bzw frohlocken.

IMO, ist das eine Modernisierungschance mit entsprechender Managementfestigung.
(Selbst nach dem Finanzschock ist Behäbigkeit kein kritischer Erfolgsfaktor mehr?).

Dalien
 
02
24.2.2010, 09:10
Beim ZIB 2 Interview

hat sich Rothensteiner ständig die Lippen geleckt, ein untrügliches Zeichen für die Einnahme von "Beruhigungs" Medikamenten.
Seht`s Euch mal an...
http://tvthek.orf.at/programs/... 7223-ZIB-2

caffènoir
00
24.2.2010, 08:59

war klar!

madman
00
24.2.2010, 08:47
dinosaurier leben doch noch

netko
00
24.2.2010, 08:36
“Der Untergang des Raiffeisenlandes”

Die erste österreichische Schweinsschädeloper:
...viel lieber würde ich den Raffeisen-Konrad danach fragen, warum er Jagen cool findet und Schweinschädelessen, darauf würde er sagen, “Man bleibt unter sich”

http://wp.me/psThQ-iG

who´s.next
05
24.2.2010, 07:46

Wenn ich mir so das Foto und die Meldungen der letzten Tage anschaue: Da ist einigen der Anzug zu klein, dafür aber der Job zu groß...

Überwachungskamera1
00
24.2.2010, 07:18
oooohhhh

die arme raika

schafmeister
00
24.2.2010, 06:29
Giebelkreuzmoloch

Auch für den grünen Giebelkreuzmoloch wird es eng!

lessismore
011
24.2.2010, 04:38

Irgendwo gibt es ein Buch: "From Rübenfarming To Debt Farming in Ten Easy Steps."

Success guaranteed!

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
24.2.2010, 08:10
Titel falsch zitiert:

recte: "From Eapföfarming to..."

;-))

trace route
05
24.2.2010, 03:25
Aha, ich hab's mir gedacht. Offenbar steht Raiffeisen vor dem Bankrott.

In solchen Situationen gibt's dann Expansion (siehe RI) und Fusion, um die wahre (negative) Eigenmittelsituation zu verschleiern. Blöd nur, wenn man zu wenig Geld hat, um irgendein anderes Unternehmen zu schlucken, sodass nur die Hochzeit mit dem eigenen Geschwisterchen bleibt...

Immerhin verstehe ich jetzt, warum Raiffeisen so Druck gemacht hat, dass die Kärnter Pleitebank unbedingt vom Staat gerettet wird. Wenn die Anleger spitz kriegen, dass eine österreichische Bank hops gehen kann, ziehen alle ihr Geld ab, und Raiffeisen ist Geschichte...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
24.2.2010, 08:11
Nun ja,

in der Astronomie gibts die Gschicht von den roten Riesen, und von weißen Zwergen... aber auch von schwarzen Löchern.

michelkholhaas
02
24.2.2010, 06:07
Bank Inzest

führt zu genetischen Defekten wie Wasserkopf ...

ferdinand dreier
03
24.2.2010, 06:01
diese giebelkreuzmafia ist

für mich schon lange geschichte. wenn aber erst die kleinen genossenschafts-bäuerlein endlich draufkommen, wie sie ständig abgezockt werden, könnte es eng werden für die dicken rübenbauern (konrad, stepic, rothensteiner, osw.)

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