"Er ist kein Klotz, sondern ein liebender Mensch"

23. Februar 2010, 17:39
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    Ein Mann, der sich wie ein Tier im Dickicht versteckt: Andreas Lust in der existenziellen Filmballade "Der Räuber" - ab Freitag im Kino. 

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    B. Heisenberg: Trennung von Kino- und TV-Film ist wichtig.

Ein Marathonläufer, der Banken überfällt, ist Held des Films "Der Räuber" - Regisseur Benjamin Heisenberg über Psychologieverzicht, Action und Menschen als Instinktwesen

Standard: "Der Räuber" basiert auf dem Fall des "Pumpgun Ronnie" , eines Bankräubers aus den 1980er-Jahren, der auch Marathonläufer war. Im Film rennt er jedem, der ihm näherkommen will, davon. Warum dieser unpsychologische Zugang?

Heisenberg: Johann, der Protagonist, funktioniert für mich nicht psychologisch, sondern wie ein Phänomen - deswegen wollte ich ihn auch anders behandeln. Das erste Treatment haben Martin Prinz und ich noch nahe am Roman konzipiert. Der ist stark verschränkt, die Psychologie baut sich erst langsam auf. Im Film haben wir chronologischer gearbeitet, um die Spannung aus dem klaren Ablauf der Ereignisse zu erzeugen und den Zuschauer dadurch zu involvieren. Jetzt folgt man der Figur gespannt, es baut sich ein Puzzle zusammen, aus Motiven, Dialogstücken, Beziehungselementen, bis es am Ende eine starke Identifikation mit dem Charakter gibt.

Standard: Wie sind Sie auf den Hauptdarsteller Andreas Lust gekommen, dem die Rolle ja auch physisch einiges abverlangt?

Heisenberg: Ich hatte ihn in Revanche gesehen und fand ihn da sehr gut. Wir haben ein ganz normales Casting gemacht, auch mit Franziska Weisz, und da haben sich beide durchgesetzt. Andreas hat so eine gute sportliche Veranlagung, dass er auch Profiläufer hätte werden können: Diese Fähigkeit ist nicht selbstverständlich und war ein großes Geschenk für uns.

Standard: Andreas Lust strahlt Härte, auch eine unbestimmte Traurigkeit aus. Eine Ambivalenz, die Sie gesucht haben?

Heisenberg: Für mich hatte die Figur immer diese Festigkeit und Konzentration. Marathonläufer sind Menschen mit unglaublicher Selbstdisziplin. Wenn so jemand Bankräuber wird, das zusätzlich macht, muss das jemand sein, der sich im Griff und eine unglaubliche Willenskraft hat. Andererseits gibt es diese physische Verletzlichkeit, die mich fasziniert hat. Er ist nicht nur einfach ein Klotz, sondern ein liebender Mensch.

Standard: Der Film ist eine österreichische Produktion: Es gibt Sprachfärbungen, lokale Schauplätze - wie wichtig war das?

Heisenberg: Ich bin ein Österreich-Fan und fand die Geschichte immer sehr österreichisch, deswegen wollte ich den Dialekt auch betonen. Die Wiener Sprachfärbung, die hart und weich sein kann, gefällt mir. Ich fand, der Film gehört hierher. Filmisch habe ich versucht, Wien wie jemand zu betrachten, der hier lebt. Da sehe ich dann weniger die Sehenswürdigkeit, sondern ganz normale Orte in der Fußgängerzone oder im Park. Wenn ich dort Actionszenen ansetze, wird das umso spektakulärer, weil ich es mit dem eigenen Leben verbinden kann.

Standard: Action ist ja Neuland für Sie. Überwogen technische Herausforderungen oder eher Fragen des Ablaufs, der Inszenierung?

Heisenberg: Beides gab zu denken. Technisch, um die Szenen herzustellen. Dann gab es die Frage, wie man das überhaupt gut inszeniert. Ganz grundsätzlich: Wie muss die Bewegung der Kamera mit jener des Läufers übereinstimmen? Wie gehe ich mit dem Schnitt um - bei manchen Szenen hab ich viel zu viel gedreht, andere Szenen bestanden aus einem einzigen Take. Es war sehr lehrreich zu sehen, welche Einstellungen funktionieren, welche weniger. Wir haben versucht, einen eigenen Stil zu kreieren, im Gegensatz zur klassischen Bauart, der aber die Dynamik des Mainstream behält.

Standard: Worin sehen Sie die stärksten Abweichungen?

Heisenberg: Es gibt einen Mainstream-Stil, der auf eine Art Shutter-Ästhetik hinausläuft. Es wird schnell geschnitten, man kann der Erzählung kaum mehr folgen. Alles ist auf die Hyperventilation des Zuschauers ausgerichtet. Das wollte ich vermeiden, weil ich es spannender finde, wie in besseren Actionfilmen das Gefühl zu erzeugen, dass man dabei ist und der Handlung im Tumult noch folgen kann.

Standard: Eine Qualität des Films ist die Dauer der Flucht. Sie reicht bis zu existenzieller Erschöpfung am Berg...

Heisenberg: Das ist im Piestingtal. Der Räuber gleicht dann schon fast einem Tier im Wald. Der Mensch ist ja eine Art Tier, das Tierische ist im Verhalten mindestens so groß wie das Psychologische. Ich bin selbst in der Nähe eines Walds aufgewachsen, bin geritten, und da merkt man, dass man auch nur ein Lebewesen ist. Auch deshalb habe ich den Film teils wie ein Tierfilmer gedreht. Tarkowskij schafft es, Natur so darzustellen, dass man die Gräser spürt. Ich wollte auch den Wind in den Föhrenwäldern hörbar, den Fluss spürbar machen - den Film zu einem archaischen Erlebnis machen.

Standard: Sie verbinden in "Der Räuber" Genre- mit Autorenkino. Bekennen Sie sich eigentlich zu einem "kleinen Kino" mit Handschrift?

Heisenberg: Nein, im Gegenteil, es hat nichts mit der Frage klein oder groß zu tun. Das ist ein Holzweg. Ich finde, man muss sich fragen, was die Filme aus sich selbst heraus fordern. Es ist super, dass es kommerzielle Filme gibt. Auch das will gekonnt sein. Umgekehrt ist Kunstkino nichts Zuschauer- oder Lustfeindliches.

Standard: Warum gibt es im deutschen Mainstream so wenige Autoren - liegt das an Produzenten wie Bernd Eichinger?

Heisenberg: Bernd Eichinger ist kein so gutes Beispiel, weil das doch jemand ist, der mit Herzblut Filme macht. Der hat eine bestimmte Vorstellung und zieht sie durch. Als Regisseur weiß ich da zumindest, was mein Gegenüber will. Was ich schlecht finde, ist, wenn man Filmen die Ecken abschleift, weil man Angst davor hat, den Zuschauer zu verlieren. Das ist doch genau das, was die Besucher suchen - das Unverwechselbare. Und da ist das Fernsehen mit seiner starken Einflussnahme sicher mit schuld. Wir brauchen eine Trennung zwischen Fernsehfilm und Kinofilm. Damit beide Bereiche mehr Selbstbewusstsein und eigene Formen entwickeln. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe 24.2.2010)

 

ZUR PERSON: Benjamin Heisenberg (35) studierte zunächst Bildhauerei, dann Regie in München. Für sein Debüt "Schläfer" erhielt er den Max-Ophüls-Preis; er ist Mitgründer der Filmzeitschrift "Revolver".

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14 Postings
Sergej Lebed
11
24.2.2010, 12:39

Mit Verlaub, aber der Herr Regisseur verniedlicht hier einen Menschen, der - unter anderem - einen Polizisten aus dem Hinterhalt mit einem Sturmgewehr in den Kopf geschossen hat, eine Prostituierte hingerichtet und einen anderen Mann gleich nach Öffnen der Wohnungstüre mittels Schuss ins Gesicht getötet hat. Insgesamt hat der "physisch verletzliche, liebende Mensch" fünf Menschen getötet.

*kopfschüttel*

queen of soup
11
24.2.2010, 17:05

ebenfalls mit verlaub: heisenberg spricht hier von der filmfigur, nicht von der historischen figur. natürlich ist die filmfigur angelehnt am kastenberger, aber zb ist die geschichte in die gegenwart versetzt - er macht da kein porträt, er erzählt auf basis einer realen geschichte was von einem, der eben so ist wie die filmfigur ist. der rettenberger im film ist ein anderer als der kastenberger in der realität war. (stimmen die namen jetzt? bin grad unsicher)
gruß
qos

Brandy Ortner
32
24.2.2010, 12:11
und demnächst dann

Fritzl der geniale Aufreisser oder was ?
mit der Steadicam durch den Keller
mannomann - einfach nur hohl das Ding
unfassbar und der gute Kamalzadeh zieht den Kopf aus der Schlinge in dem er den Regisseur sprechen lässt -
zumindest das ist elegant gelöst mit sicherheit das Einzige an dem Machwerk.

generation degeneration
10
24.2.2010, 04:15
scheniales filmchen

einmal aus der tiefgarage (in der innenstadt) raus --
-- und schon ist man in den wäldern von Nö.

dann versteckt man sich im erdloch (wie Saddam H.?) und die hunde verstummen....

sodann überlebt man eine nacht im winter (schnee) mit leiberl (nass im fluss) um dann....


achja, einfach nur sinnlos
(bestes casting: markus schl.)

Wasmichstört
22
23.2.2010, 20:58
Is ja echt niedlich...

...ein vermutlich mehrfacher Mörder als "Held"...man kann auch beim Fanclub mitmachen: http://www.szene1.at/group/pum... ronniefans - echt trollig das! Echte Helden braucht das Land... seltsam, was man alles "toll" finden kann...

es ist zu spät um nichts dagegen zu tun.
32
23.2.2010, 18:22
alles, worauf die deutschen bei den ösis stehen

wird in den letzten jahren sukzessive versucht,zu zerstören:nicht nur der dialekt,auch die vielen kleinen geschäfte,cafés,altehrwürdiges, schmuddeliges,altes,kuscheliges,biedermeier- und barockhäuser-abgerissen für bauspekulationen,ersetzt durch austauschbare glas-stahl-beton-ästhetik (und oft genug noch schlechte architektur dazu).barockgärten sollen absichtlich zerstört werden, tolle architektur der 50-er jahre "modernisiert"=zerstört,wie das stadthallenbad.ob westbahnhof,südbahnhof,praterstern,augarten oder landstraßer markthalle, cafe ritter...
deshalb kommen die deutschen zu uns, wegen des authentischen wiener flairs.der sukzessive und mit voller absicht von der politik an den kommerz verschachert wird.bald werden sie nimma kommen...

Allmächtiger Satan
10
24.2.2010, 10:03

Taj, die Zukunft liegt eben im Morgen und nicht in der Vergangenheit. Das wird auch das mozarthörige Salzburg eines Tages erkennen.

es ist zu spät um nichts dagegen zu tun.
00
24.2.2010, 11:08
"die Zukunft liegt eben im Morgen und nicht in der Vergangenheit"

so kann man sich irren. was bitte wären wir ohne unsere wurzeln? was wären wir ohne die pflege unserer identität? grausliche gestalten wie strache und co. gedeihen genau WEGEN dieses missverständnisses. weil die menschen unseres landes nämlich immer weniger möglichkeit haben, sich mit IHRER EIGENEN kultur zu identifizieren, haben sie immer mehr angst vor fremden kulturen. weil nichts mehr nebeneinander existiert, sondern nur mehr das fremde. warum? weil das eigene verloren geht. so simpel ist das.
richtig müsste es heißen: die zukunft liegt im gestern, heute und morgen. neue architektur: ja! aber nicht auf kosten alter, kostbarer architektur.

Allmächtiger Satan
01
24.2.2010, 11:26

Der Mensch lernt nichts aus der Vergangenheit. Wäre dem so, gäbe es keinen Strache, denn auch er und seine Ahnänger hätten dann daraus gelernt. Niemand lernt aus der Vergangenheit, weder was Kriege, Politik, Gesellschaft oder Umweltzerstörung angeht. Im Gegenteil, die Vergangenheit wird immer als neuer Vorwand für zukünftige Konflikte herangezogen: Du hast mich gestern geschlagen, dein Opa hat aber meinen Opa erschlagen, du hast meinem Volk vor 5000 Jahren Land weggenommen, wie vertrottelt ist das denn? Dieses künstliche "ja nicht vergessen" hält diese längst erledigten Konflikte nur auf kleiner Flamme am Leben. Wenn Leute die Vergangenheit endlich abschneiden und nur ans Morgen denken würden, wäre die Welt um Einiges ruhiger.

es ist zu spät um nichts dagegen zu tun.
00
24.2.2010, 12:53
grober unfug! gefährlich, so zu denken!!!

strache hätte lange nicht so viele anhängerInnen, wenn die vergangenheit österreichs bewältigt wäre. wie macht man das? erinnern, erinnern, erinnern.
schauen sie sich "das weiße band", das anfang des 20. jhdts spielt an. da können sie viel über uns und unsere GEGENWART lernen.
und da sind wir in dieser debatte wieder beim film... der macht oft nämlich auch nix anderes, als an der vergangenheit anzuknüpfen.

zukunft ohne vergangenheit, das wäre wie ein baby, das ohne mutter geboren würde.

Allmächtiger Satan
00
24.2.2010, 12:58

Ewiggestriger, der weder vergeben noch vergessen kann. Sie und Ihre Gesinnungsgenossen sind der zähe Teer, der die Schritte in die Zukunft so zäh macht.

es ist zu spät um nichts dagegen zu tun.
00
24.2.2010, 13:08

sie schreiben verwirrt.
und ihr name sagt alles.
ende dieser debatte.

Allmächtiger Satan
00
24.2.2010, 13:18

Was kann ich dafür, dass meine Antworten über Ihren Verstand hinausgehen und Sie verwirren, kleines Schmollpinkerl?

Tethys
10
24.2.2010, 08:58

Was war denn am alten Praterstern "tolle Architektur"? Das Stadthallenbad war auch mehr grindig als sonst was, der Westbahnhof hatte viel, nur keinen Charme. Und die Landstraßer Markthalle... naja. Um es schön zu sagen: Zweckbau.

Unter "toller Architektur" verstehe ich etwas anderes.

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