Klima-Studie: Vor allem gesundheitsschädliche Aerosole tragen zur Kühlung bei
Washington DC - Smog über weiten Teilen Asiens hat - zumindest oberflächlich betrachtet - auch positive klimatische Auswirkungen. Die dichten Wolkendecken reflektieren das Sonnenlicht ins All zurück. Forscher um Drew Shindell vom NASA Goddard Institute for Space Studies haben nun errechnet, wie und wo die Luftverschmutzung von Kohlekraftwerken den Treibhauseffekt verlangsamen kann. Zum Jubel besteht allerdings kein Anlass, denn ausgerechnet gesundheitsschädliche Aerosole tragen dazu bei.
Die Studie hat verschiedene Szenarien zwischen 2000 und 2080 analysiert und ist von einer Zunahme von Kraftwerken zwischen fünf und zehn Prozent jährlich ausgegangen. Ins Kalkül gezogen wurden auch verschiedene Abgaskontrollen von Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxiden (NOX). SO2 spielt aufgrund seiner Eigenschaften zur Bildung von Schwefelaerosolen eine große Rolle beim Kühleffekt. Dieser Effekt entfällt allerdings dann, wenn die Kraftwerke mit modernen Filtern ausgestattet sind, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Atmospheric Chemistry and Physics.
Fundamentales Ungleichgewicht
In einem Szenario der Studie beschreiben die Autoren die Zeit zwischen 2040 und 2060. Spätestens dann werden Filter die Stickoxide und das SO2 soweit beseitigen, dass die CO2-Emissionen die Aerosolmenge überschreitet. Der Effekt ist allerdings nicht weltweit der gleiche. In der nördlichen Hemisphäre sorgt das SO2 für eine Kühlung. In der Arktis und der südlichen Hemisphäre hingegen gibt es eine geringere Aerosol-Belastung und dadurch eine steigende Erwärmung.
Die Studie zeige deutlich das fundamentale Ungleichgewicht und die Ungerechtigkeit des anthropogenen Klimawandels. "Erfreuen wir uns jetzt und lassen wir andere dafür bezahlen", so Meinrat Andreae, Aerosol-Experte am Max Planck-Institut für Chemie in Mainz, der nicht an der Studie teilgenommen hat. "Die dreckigen Kohlekraftwerke könnten hier als sehr primitive Art des Geo-Engineering gesehen werden."
Mittlere und hohe geographische Breiten besonders betroffen
Erst im Vorjahr hat Shindell untersucht, wie sensitiv verschiedene regionale Klimate auf Veränderungen von CO2, Ozon und Aerosole reagieren. Besonders betroffen sind Regionen in mittleren und hohen geographischen Breiten. Im Modell sind die Wissenschaftler zum Schluss gekommen, dass die Aerosole für 45 Prozent oder mehr für die Erwärmung der Arktis in den vergangenen drei Dekaden verantwortlich sind. (red/pte)