Auf dem ostösterreichischen Markt ist laut Raiffeisen Immobilien Vermittlung "Die Stunde der Verkäufer" angebrochen
Wer ein Haus, eine Wohnung oder ein Grundstück verkaufen will, sollte dies nun in die Wege leiten, rät die Raiffeisen Immobilien Vermittlung (RIV): Es sei nämlich nun "die Stunde der Verkäufer" angebrochen, so die RIV-Experten in ihrer aktuellen Analyse über den ostösterreichischen Immobilienmarkt.
Die Wirtschaftskrise habe einen Run auf Immobilien als Wertanlage gebracht, der vor allem in Wien dazu führe, dass für gut gelegene und top ausgestattete Eigentumswohnungen und Häuser Rekordpreise gezahlt werden. Beispielsweise wechselte kürzlich eine gebrauchte, 225 m² große Eigentumswohnung in attraktiver Lage in Wien-Döbling um 900.000 Euro den Besitzer; in Floridsdorf wurde ein 150 m² großes, ebenfalls gebrauchtes Einfamilienhaus mit großem Garten um 475.000 Euro verkauft.
Verstärkt werde dieser Trend noch durch die ungebrochen starke Nachfrage nach Wohnfläche in der Bundeshauptstadt. "2009 haben wir doppelt so viele Investment-Objekte vermittelt wie 2008 - und wir könnten noch 20 mal so viele verkaufen, weil die Nachfrage so stark ist", so RIV-Geschäftsführer Christoph Petermann.
Erst vermieten, dann selbst nutzen
Besonders beliebt seien derzeit in Wien neben den klassischen, steuerlich begünstigten Vorsorgewohnungen auch etwas größere Eigentumswohnungen (von 100 bis 150 m²) in attraktiver Lage. "Viele Anleger sorgen mit derartigen Wohnungen für ihre Pension bzw. Familie vor: Bis zum Ruhestand wird die Wohnung vermietet, danach selbst genutzt." Oder aber man übergibt die Wohnung an Kinder bzw. Enkel, sobald diese auf eigenen Füßen stehen. "Dafür darf die Wohnung aber eine gewisse Mindestgröße nicht unterschreiten", so Petermann. Gefragt sind vor allem Eigentumswohnungen in den Bezirken zwei bis neun, aber auch in den klassischen Nobel-Lagen im 13., 14., 18. oder 19. Bezirk.
Weitere Immobilien-Hot-Spots in der Bundeshauptstadt lokalisieren die RIV-Experten im 4. Bezirk, der vom Bau des neuen Zentralbahnhofes profitieren wird, sowie auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs Wien-Nord im 2. Wiener Gemeindebezirk: Hier entsteht in den nächsten Jahren ein ganz neuer Stadtteil. Gut nachgefragt sind auch Objekte an den Außenrändern des 16. und 17. Bezirks (z.B. Wilheminenberg, Neuwaldegg).
Wirtschaftskrise macht Niederösterreicher vorsichtig
In Niederösterreich beobachte die RIV derzeit einen ausgeprägten Trend zu kleineren Objekten. Petermanns Co-Geschäftsführer Peter Weinberger führt das auf das stärker ausgeprägte Risikobewusstsein im Gefolge der Wirtschaftskrise zurück. "Viele Immobilienkäufer, vor allem junge Familien, scheuen in unsicheren Zeiten das Risiko hoher Kredite." Statt großer, teurer Objekte suche man daher vermehrt nach kleineren Häusern und Grundstücken mit geringerem Finanzierungsbedarf.
Um das persönliche Risiko zu begrenzen, weichen Kauf-Interessenten in Niederösterreich derzeit auch verstärkt auf Mietobjekte aus. "Das finanzielle Risiko eines Mietvertrages wird in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit geringer eingeschätzt als jenes eines langfristigen Kredites. Weil langsam auch das Angebot an mietbaren Häusern zunimmt, entwickelt sich hier ein für Niederösterreich ganz neues Marktsegment. Denn bisher dominierte in diesem Bundesland klar das Wohnungseigentum", analysiert Weinberger.
Starke Preissteigerungen in Korneuburg und Stockerau
In Niederösterreich zeigten sich auch 2009 starke Preis-Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Teuerstes Pflaster bei Einfamilienhäusern ist weiterhin Klosterneuburg. Hier muss man für den Traum vom Wohnen im Grünen bis zu 2.600 Euro/m² berappen - um acht Prozent mehr als noch 2008. Auf Platz zwei folgt Mödling mit einem Quadratmeter-Preis von 2.200 Euro, gefolgt von Korneuburg mit 2.100 Euro. Korneuburg gehört damit auch zu den Bezirken mit den höchsten Preiszuwächsen: Um bis zu 40 Prozent mehr kosten Häuser hier im Vergleich zum Vorjahr.
Die stärksten Preissteigerungen bei Einfamilienhäusern gab es allerdings in Stockerau: Hier kostet der Quadratmeter aktuell 1.700 Euro, gegenüber 1.100 Euro im Jahr 2008. Das entspricht einem Plus von 55 Prozent in einem Jahr. "Bereits seit einigen Jahren beobachten wir, dass sich der Wiener Speckgürtel nach Norden ausweitet. Die Bezirke Korneuburg, Stockerau, aber auch Tulln profitieren enorm von diesem Trend", berichtet Weinberger aus der täglichen Makler-Praxis.
Fallende Haus-Preise nur in Amstetten
In den meisten anderen Regionen sind die Preise gleich geblieben bzw. moderat gestiegen. Fallende Preise für Einfamilienhäuser beobachteten die Experten von Raiffeisen Immobilien 2009 lediglich im Bezirk Amstetten. "In dieser Industrieregion ist die Nachfrage nach Wohnobjekten in Gefolge von Wirtschaftskrise, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit rückläufig", so Weinberger. Am billigsten kommt man derzeit in Gmünd (500 Euro/m²) und Waidhofen an der Thaya (700 Euro/m²) zum Eigenheim. (red)