Enuresis

Das Schweigen der Bettnässer

Regina Philipp, 28. Februar 2010 17:00
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    Foto: apa/pr

    Die Initiative "Guten Tag, trockene Nacht" wollte schon im Jahr 2000 das Thema Bettnässen enttabuisieren.

60.000 Kinder in Österreich sind Bettnässer – Das Thema wird trotzdem tabuisiert – Der Druck auf die Kinder erhöht sich

„In jeder ersten Volksschulklasse sitzen zwei bis drei Kinder die nach wie vor nachts nicht trocken sind", weiß Christian Radmayr, Leiter der Abteilung für Kinderurologie der Medizinischen Universitätsklinik in Innsbruck. Enuresis, von der WHO als nächtliches Bettnässen an mindestens zwei Nächten pro Monat nach dem fünften Lebensjahr definiert, betrifft allein in Österreich über 60.000 Kinder. Keine Einzelfälle also, trotzdem verliert die Öffentlichkeit kaum Worte darüber. Das Thema berührt peinlich, die Eltern schämen sich und Fünfjährige üben sich bereits in Diskretion.

Das Trockenwerden wird den lieben Kleinen nicht einfach gemacht. Die Berufstätigkeit beider Elternteile erfordert heute in vielen Fällen frühzeitig eine Fremdbetreuung in Kinderkrippen oder -gärten. Die Freude über einen ergatterten Betreuungsplatz währt mitunter kurz, gilt doch die Windelfreiheit oft als Vorraussetzung für die Aufnahme eines Kindes. „Gründe, die dazu führen, dass viel zu früh mit dem Toilettentraining begonnen wird", weiß Radmayr und ergänzt: „Wer ein Kind mit eineinhalb Jahren auf den Topf setzt, greift in einen physiologischen Entwicklungsprozess ein und kann damit viel Schaden anrichten."

Wann und warum?

In welchem Alter aber sollte ein Kind die Kontrolle über die eigene Blase gewinnen? „Sobald es alleine ohne anhalten und ohne fremde Unterstützung aufrecht eine Stiege hinunter gehen kann, ist anzunehmen, dass die neurophysiologischen Entwicklung des Kindes soweit gediehen ist, dass auch die Blasenentleerung funktionieren kann", beantwortet Radmayr eine Frage, die viele Eltern beschäftigt. Über den Daumen gerechnet, sind allein aufgrund dieses neurologischen Reifungsprozesses 80% aller Kinder im Alter von vier Jahren trocken.

Reichlich spät für eine Gesellschaft, in der bereits Säuglinge tagsüber aus dem Familienverband entlassen werden und die aufgrund dessen früh nach sauberen Kindern verlangt. Der Druck auf den Nachwuchs ist groß und wird noch größer, wenn die letzte Windel auch im Alter von fünf Jahren nicht das zeitliche segnet. Die Frage nach dem „Warum" taucht auf und lässt viele Eltern psychische Probleme hinter einem nächtlichen Einnässen vermuten. Im Fall einer sekundären Enuresis, die sich dadurch auszeichnet, dass Kinder nach einer mindestens sechsmonatigen Trockenphase zum Bettnässen beginnen, ist diese Vermutung berechtigt. Traumatische Ereignisse, wie die Trennung der Eltern oder der Tod eines nahen Verwandten werden häufig damit assoziiert.

„Die Ursache einer primären Enuresis ist dagegen nur in den seltensten Fällen im psychischen Bereich zu finden", weiß der Tiroler Experte. Vordergründig sind hier unter anderem genetische Faktoren, unzureichende Blasenkapazität oder aber eine verzögerte Ausbildung der zirkadianen Rhythmik der ADH (Antidiuretisches Hormon)-Sekretion an dem multifaktoriellen Geschehen beteiligt. Übertriebene Sauberkeitserziehung und sämtliche verzweifelte Versuche der Eltern ein Kind am Bettnässen zu hindern, gehen jedoch an der kindlichen Seele nicht spurlos vorbei. So artet ein per se harmloses Phänomen schnell zum Psychodrama aus. Eltern und Kinder geraten in einen Teufelskreis, dem sie nur schwer alleine entrinnen.

Alarmsystem Klingelmatte

„Den Kindern kann aber geholfen werden", betont Radmayr und legt den Eltern betroffener Kinder nahe, das Thema endlich zu enttabuisieren. Zentrale Hinweise in der Basisdiagnostik liefert ihm das Miktions-Trink-Stuhlprotokoll, welches das Trink- und Essverhalten der Kinder über Tage hinweg exakt dokumentiert. „Ein Liter Flüssigkeit täglich mag für ein Kind zwar ausreichen. Allerdings wird es nachts kaum trocken bleiben, wenn es von dem Liter den Großteil nach 16 Uhr trinkt.", erklärt Radmayr. Präsentiert sich das Protokoll in dieser Weise, dann bieten Lifestylemanagment und ein nächtliches Alarmsystem, wie eine Klingelmatte oder Klingelhose oft schon die endgültige Lösung. Ergibt sich aus den Aufzeichnungen dagegen eine erhöhte nächtliche Harnproduktion, der die kindliche Blasengröße nicht gewachsen ist, dann ist dem Kind mit einer medikamentösen Therapie geholfen.

Die Erfolgsraten der Behandlungsoptionen sind groß. Diejenigen, die sich trotzdem scheuen Hilfe in Anspruch zu nehmen, dürfen dem Erwachsenenalter einigermaßen getrost entgegensehen: 15% aller Kinder die nach dem fünften Jahr einnässen, werden auch ohne Therapie innerhalb eines Jahres trocken. Statistisch hochgerechnet sind also 99% aller Betroffenen spätestens im Alter von 15 Jahren keine Bettnässer mehr. (derStandard.at, 28.2.2010)

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Posting 1 bis 25 von 67
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hui buh
07.03.2010 20:46
Bis zum Alter von ca. 10 Jahren, habe ich ins Bett gemacht.

Ich bin schrecklich gequält worden, mußte TÄGLICH (!!!) den Kinderarzt anrufen um ihm zu sagen, ob die Nacht trocken, oder nass verlief. Welche Schande, es war mir immer so schrecklich peinlich und unangenehm. Das zweite war, dass meine Eltern die Matratzen auf dem Fensterbrett zum Trocknen aufstellten , und mir dazu sagten, jetzt sieht jeder, der unten auf der Straße vorbei geht, dass du heute Nacht wieder ins Bett gemacht hast. Es war wirklich eine Schmach und ich denke heute noch, mit über 50 Jahren, mit Schaudern daran zurück.

Freudenspender
03.03.2010 12:43
Definitionen sind auf folgender Seite zu finden

und weitere hilfreiche Information wissenschaftlich aufgearbeitet: http://www.gesund.co.at/gesund/Ki... aesser.htm

t-bonesteak
03.03.2010 11:01
nächtliches Bettnässen an mindestens zwei Nächten pro Monat nach dem fünften Lebensjahr

auf welcher grundlage wird das so definiert?

A Voice
01.03.2010 22:30
Krippe ist schuld

halte ich für ein Gerücht. Nicht einmal jetzt, im öffentlichen KiGa, müssen die Kinder sauber sein (3 JAhre).

zellu lloyd
03.03.2010 12:59
ich auch

meine Tochter ging mit 2 Jahren in eine Krippe (Gemeinde Wien), anfangs hatten in ihrer Gruppe alle Windeln, im Lauf des Jahres wurden aber auch alle zumindest untertags (ohne viel Tamtam) trocken.

Dr. Seltsam
 
01.03.2010 14:34

Bettnässen wird nicht totgeschwiegen! Es gibt genug Selbsthilfegruppen:
FPÖ, FPK, BZÖ ... um nur einige zu nennen.

clemens1001
01.03.2010 13:20
lifestylemanagement?

das ist folter! bei mir wurde auch alles ausprobiert und lange durfte ich nach 16:00 nix mehr trinken. hat überhaupt nicht funktioniert und ich war nur durstig. einmal musste ich vor einer röntgenuntersuchung vor dem schlafengehen ein paar liter saft trinken. was ist mit dem "freibrief zum bettnässen" passiert? ich blieb trocken! hat mich fasziniert...

der bunte faschist
01.03.2010 13:08
ich mach immer noch ins bett


einfach windeln tragen, kein problem

fuchstritt
01.03.2010 12:57

bettnässen ist eine psychiatrische diagnose,sorry leute."experten" die etwas anderes behaupten sind nicht state of the art

urschl
01.03.2010 13:44
woher beziehst

du deine „weisheiten“?

. Diogenes
08.03.2010 15:09
Offensichtlich aus dem vorigen Jahrhundert

Damals glaubte man das nämlich.

Simba
01.03.2010 10:50
Ich hab mit Sicherheit mit

11/2 am Topf gesessen, so wie meine Geschwister auch. Und wir haben uns alle samt nicht angeludlt in der Nacht.

So what?

GreyPaladin
01.03.2010 14:09

mit 11/2? also mit 5 1/2 jahren? na das geht eh.

Death 'n' Roll
01.03.2010 13:15
Nach elf Halbe muss ich meist auch auf den Topf.

Simba
01.03.2010 16:51
:)

ich meistens schon nach 1 und 1/2 Halbe!

Jahaaa, wahrscheinlich muss ich deswegen nach a bissi Bier gleich lullin, weil meine Mama mir verboten hat in die Hose zu pinkeln und das scho mit 1 und 1/2.

Totaler Durchblicksstrudel
 
01.03.2010 10:49

Also ich halte die Argumentation, dass heute - aus welchen Gründen auch immer - mehr Wert auf ein frühes Trockenwerden gelegt wird, für vollkommen falsch. Bei meinen eigenen Kindern, aber auch im Freundeskreis, konnte ich immer wieder beobachten, dass es gerade die Großeltern (eigentlich nur die Omas) waren, die mit ständigen Fragen "Jetzt ist er schon drei, wann wird der ENDLICH sauber?" herum nörgelten. Ich musste meiner Schwiegermutter dann einmal mit dem Stellwagen ins Gesicht fahren, als ich bemerkte, dass die alten Frau subtil Druck auf den Kleinsten ausüben wollte. Gut, hat sie ihn zwei Monate nicht mehr gesehen! Das nenne ich DRUCK!

standardabweichung
01.03.2010 10:30

ich erinnere mich einmal eine radiosendung über das thema gehört zu haben die eine physische dispostition für das phänomen postulierte

Georg Scholz
01.03.2010 09:58
KLINGELMATTE ???

Ich hau mich ab ... Das soll zeitgemäß sein? Ich glaube ich lese nicht richtig ...

clemens1001
01.03.2010 13:25
klingelmatte...

... hat bei mir überhaupt nicht funktioniert und hat mir nur den schlaf geraubt. das medikament minirin hat mir sehr geholfen...

tom2312
01.03.2010 13:19

Zeitgemäß wahrscheinlich nicht, denn an mir wurde dieses Ding appliziert, und das ist nun 35 Jahre her.

Ich weiß nur noch, dass sie gewirkt hat, nach drei-, viermal war ich trocken (als Achtjähriger). Und ich war sooo froh darüber ...

Der physiologische Hintergrund war übrigens eine Nierenentzündung, aber das ändert nix dran, dass die Klingelmatte gewirkt hat.

Bin seither auch nie in psychiatrischer Behandlung gewesen oder habe sonstige seelische Begleitung in Anspruch genommen ...

clemens1001
01.03.2010 13:17
terror

ich hatte als kind so eine klingelmatte und erlebte sie als psychoterror. das ding hat mir den schlaf geraubt und geholfen hat sie nicht. hilfe hab ich durch das medikament minirin bekommen. das war das einzige mittel das mir trockene nächte beschert hat.

nicola brazilier
01.03.2010 09:36

Habe drei Söhne von denen mein zweiter bis zum Alter von 7 Jahren jede Nacht einnässte. Aber meine Kinderärztin hatte mich immer beruhigt, denn bei ihm (wie auch bei den meisten Kindern die noch nie sauber waren) war es erblich bedingt. Sein Vater und sein Grossvater hatten das gleiche Problem. Auch jetzt mit 9 passiert es ihm noch manchmal, meistens wacht er aber rechtzeitig auf. Meine Ärztin hat mir auch geraten nach 18 Uhr nichts mehr zu trinken, was im Sommer fast nicht möglich ist. Sonst muss man einfach abwarten, es wird besser und wenn man selber und vor allem das Kind weiss, dass der Vater\dieMutter das gleiche Problem hatten, ist es nicht so schlimm.

Susanne_B
01.03.2010 07:55

Jaja, die bösen, bösen Mütter, die ihre Kinder viel zu früh in die Krippen stecken, nur um wieder arbeiten zu gehen, damit sich noch ein Paar Manolos ausgeht. Die armen Kinderlein, die ach so schweren Schaden erleiden, weil sie schon mit anderthalb Jahren trocken sind....

Wer hat den Artikel verfasst? BArbara Rosenkranz? erzbischof Mixa?

ölika
01.03.2010 12:42

; ) ja sehr großartig dieser experte. und interessant, dass die autoren des artikels sich nicht einmal die mühe gemacht haben jemanden zu finden, der ihm widerspricht. das dürfte nämich nicht allzu schwer zu finden sein.

KTHXBYE
01.03.2010 12:29

Genau. Ab 0.5 Jahren ab zu den jungen Pionieren, damit stramme Kommunisten draus werden.

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