Kommentar

Eingefädelt

23. Februar 2010, 14:23

Der Sport-Journalismus im ORF disqualifiziert sich mehr und mehr durch eine patzig, nationale Perspektive

Wenn Skifahrer am Ende ihrer Karriere stehen, müssen sie sich was einfallen lassen. Während gleichaltrige Normalverbraucher gerade in der ersten Beförderungsrunde kämpfen, treten ausrangierte Profisportler den zweiten Bildungsweg an. Wahlweise gründen sie dann Frühstückspensionen, Skischulen oder Familien, entwerfen Skiunterwäsche oder Tourismus-Strategien, legen ihre Profisaläre profitbringend an oder verschulden sich haushoch und einige treibt es sogar in die Politik.

Wer einigermaßen aussieht und glaubt die deutsche Sprache zu beherrschen versucht sich vielleicht als Kommentator im Fernsehen. Manche schaffen den Sprung sogar ganz und werden zu echten Stars, zwar mit unterschiedlich großem Talent doch mit Erfolg, der durchaus manchmal mit Musikantenstadel-Quoten gemessen werden kann. Die Exprofis sind natürlich "die Spezialisten", die auch hinter dem Mikrophon ihrer Sportart treu bleiben und - wenn überhaupt - oft nur durch ihr Fachwissen qualifiziert sind.

In den Kommentaren der reiferen Ski-Pensionäre beschränkt sich der Blick gerne auf selbst Erfahrenes und gerne auf Ausrutscher am bösen Innenski. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass die, in die Jahre gekommenen Granden über zu viel Sitzfleisch und zu wenig Schneid zum richtigen Carven mitbringen um eine annähernde Ahnung von moderner Skitechnik in die alpinen Wohnzimmer zu übertragen. Und auch die soziale Natur der Sprache macht hier offensichtlich, dass sich der Sport-Journalismus im ORF mehr und mehr disqualifiziert, indem er beim derben ÖSV-Jargon und einer patzig, nationalen Perspektive ziemlich arg eingefädelt hat.

Während viele TV Sender das Reservoir an olympischen Geschichten voll ausschöpfen und über Land, Leute und Bemerkenswertes am Rande der Ringe zu erzählen wissen, wartet der heimische öffentlich-rechtliche Berichterstatter einigermaßen sprachlos auf vergoldete Kulturaufträge aus dem Österreicher-Haus. Am Ende stellt man wieder einmal fest, dass nur der Griff zur Fernbedienung Erleichterung schafft, am besten bevor sich der Kommentator "Teifl noamol eine", zu Übertragungsbeginn selbst über die Piste stürzt.
 (Nicola Werdenigg, 23. Februar 2010)

Zur Person:

Nicola Spieß, verheiratete Werdenigg (* 29. Juli 1958 in Innsbruck) ist eine ehemalige österreichische Skirennläuferin. Ihre größten Erfolge feierte sie in der Abfahrt. Sie startete von 1973 bis 1979 im Skiweltcup und erreichte vier Podestplätze. 1975 wurde sie Österreichische Meisterin, bei den Olympischen Winterspielen 1976 belegte sie Rang vier im Abfahrtslauf.

Links:

edelwiser.com

Nicola Werdenigg auf wikipedia.de

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Posting 1 bis 25 von 83
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Little Lebowski
00
V.a. dem letzten Absatz...

...kann ich nur voll und ganz zustimmen. Der ORF hatte früher mal eine Vorreiterrolle bezüglich Hintergrundreportagen usw. (klingt abgedroschen; aber ich denke da an "Sport am Montag") inne. Im Gegensatz zu den Sendern ARD und ZDF hatten die ORF Übertragungen etwas beängstigend "eindimensionales" an sich. Einziger Lichtblick: Ernst Hausleitner; den ich für einen der besten Sportinterviewer im deutschsprachigen Raum halte.

Gerfried Huber
00
28.2.2010, 14:36
Danke für den Kommentar!


Ich unterschreib zu 99%.

Das 1% gehört Andi Goldberger, der der einzige Kommentator überhaupt in der ORF-Sportredaktion ist, der sich für Teilnehmer anderer Nationen interessiert, ja sogar ihre Namen, ihre Stärken und ihre Probleme kennt. Und der sich auch freut für z.b. einen Adam Malysz oder Simon Ammann oder "sogar" für deutsche Springer, wenn die tolle Leistungen zeigen.

Sowas sucht man bei einem Assinger, Polzer, Pariasek etc. natürlich vergebens. Dort gilt nur die Devise: Sichs gemütlich machen im eigenen nationalen Sud, im Nicht-Bescheidwissen und im Nicht-Recherchieren. Weil 1. hammas immer schon so gmacht, und 2. kommt das Gehalt ja auch so aufs Konto.

rasenmähermann
00
28.2.2010, 20:48

Sie tun der, meiner Meinung nach exzellenten Alexandra Meisnitzer unrecht.

Proconsul
00
28.2.2010, 18:50

Stadlober ist auch ein ausgezeichneter Co_kommentator - ups, is ja a Nordischer...

mistvieh666
 
00
28.2.2010, 00:16

schlimm ist, was unsere professionellen reporter so von sich geben. sie reden nicht ueber sport sondern ueber ergebnisse. und das niveau das sie dabei haben fuehrt dazu, dass menschen, die sich fuer sport interessieren, als dumm gelten.

Weiser Weisnich
00
27.2.2010, 09:48
:-)

zischfrisch
12
26.2.2010, 01:56

"Wer einigermaßen aussieht und glaubt die deutsche Sprache zu beherrschen versucht sich vielleicht als Kommentator im Fernsehen. Manche schaffen den Sprung sogar ganz und werden zu echten Stars..." oje, dass ist offenbar eine traurig, dass sie die kriterien offenbar nicht erfüllen konnte und daher nie im fernsehen mitreden durfte....

Dr._Caipirinha
00
27.2.2010, 23:49
bei deinem Deutsch

müsstest du wie Gisele Bündchen aussehen um auch nur im Dunkeln moderieren zu dürfen...

Grinsegelb
00
26.2.2010, 00:19
witzig

auf der internetseite der süddeutschen war vor kurzem ein für deutsche verhältnisse richtiggehendes lobpreisen der orf-kommentatoren samt "expertInnen" zu lesen. die autorInnen würden lieber von den deutschen sendern auf den österreichischen sender umschalten!!!

Tadc Krutor
11
25.2.2010, 08:19
Mir stellt es...

...heute noch die Haare auf, über die Kommentare die in Turin getätigt wurden. Bei dieser Olympiade bin ich zu 100% auf Eurosport.

WLG
00

"Olympiade" ist die Zeit ZWISCHEN den olympischen Spielen

Nigel Levins
00
24.2.2010, 20:43

das gleiche hab ich mir heute auch gedacht:

im vergleich mit den anderen sendern, die ich so reinbekomme, ist im orf tatsächlich nur der österreichische sportler an sich das thema.

im deutschen fernsehen erfährt man auch was über alle anderen athleten. bei uns beschränkt sich das auf allgemeinplätze über das land des sportlers oder der sportlerin ("die amerikaner sind bei olympia immer gefährlich") oder mutmaßungen über das alter ("der ist ja noch jung").

auch hintergrundbeiträge über verschiedene sportarten oder die spiele gibt es keine. da ist der dominik heinzl (egal wie man zu ihm stehen mag) noch die einzige ausnahme - gefällt mir aber auch nicht so, weils doch recht seicht ist.

grosser laaschatza
11
24.2.2010, 18:17
Nationalistisch

sind sie, die österreichischen Kommentatoren. Doch man muss nur einmal hören, wie im ARD/ZDF ein Erfolg der deutschen Rodlerinnen abgefeiert wird (außer Deutschland macht das niemend, so ehrlich sind sie selber), dann wirkt das ganze schon wiedre fast neutral. Fazit: In der Tat schlecht (aber nicht die Co-Kommentatoren), aber nicht schlechter als anderswo (Norwegen, Finnland und Belgien sind auch nicht besser)

Alibaba4491
00
"Doch man muss nur einmal hören, wie im ARD/ZDF ein Erfolg der deutschen Rodlerinnen abgefeiert wird (außer Deutschland macht das niemend, so ehrlich sind sie selber)" das ist eine LÜGE !!!

WikiPeda
13
24.2.2010, 21:01
ich habe die rodlerinnen im deutschen fernsehen verfolgt.

die kommentatoren haben sich über das ergebnis gefreut, speziell darüber, dass reithmaier das stockerl der dominierenden deutschen ein bisserl bunter gemacht habe.

so etwas ginge dem pariasek niemals über die lippen, nämlich dass ein sportler einer fremden nation das fast sicher mit einheimischen sportlern besetzte siegespodest sprengt.

Ausgeflippter Lodenfreak
03
25.2.2010, 13:36

Das stimmt schlicht nicht. Über das wieder erstarkte Schweizer Skiteam wurde sich ehrlich gefreut ("unsere Lieblingsgegner sind zurück"). Letztens hat ein ORF-Reporter auch lobend ein Transparent erwähnt auf dem dem "Alpenlandl Schweiz und Österreich" Glück gwünscht wurde. Weiters wird den Deutschen jeder Erfolg gegönnt, wenn auch mit den nicht uneigennützigen Unterton, dass das der Sportart wirtschaftlich nützt.
Für Miller und Svindal sind die Reporter auch mmer voll des Lobes und der Bewunderung.

Petzi Bär
00
24.2.2010, 14:08
im ZDF bekommen sie ja auch hin...

...woran scheitert es im ORF?

Multivac, 2010-18-42, Donnerstag
52
24.2.2010, 12:24

schade, dass man nicht dem artikel selbst ein rotes stricherl geben kann.
denn im vergleich zu anderen sendern ist der orf-kommentar meist(!) angenehm, kompetent und neutral.

Weiser Weisnich
00
27.2.2010, 09:55
lustig, dass sie das jetzt sagen...

... ich heaett' ein gruenes stricherl gegeben... schon mal von ironie gehoert? (genau lesen, die autorin ist selbst "ausrangierte schilaeuferin im zweiten bildungsweg") ... I like it und hab' sehr gelacht

roman@ch
00
27.2.2010, 00:00

das war jetzt eine bezahlze Anzeige des ORF.

redram
01
24.2.2010, 15:36

Sie schauen aber nicht wirklich viel andere Sender, oder?

Henry Flower
04
24.2.2010, 10:07
ganz einfach: alexandra meissnitzer für chefin!

sie zeigt wie es sein kann, wenn jemand

1) vom schifahren redet, wie irgendein sonstiger mensch, der von etwas eine ahnung hat - es auch anscheulich erklärt.
2) sprachlich meiner einschätzung nach weder es überbetont-pseudoregional krachen lässt noch irgendeinem schriftsprachlichen ideal nacheifert.
3) das biertisch-kumpelhaft-patriotische sein lässt.
4) kursvorführungen etc. wirklich aufs erklären ausrichtet und nicht wie bei den alternden kollegen aufs beweisen, dass mans noch kann.

Pferdefleischhauer Schlapota
00
24.2.2010, 12:00
für mich sind

meissnitzer und stadlober kaum auszuhalten. goldberger und knauss finde ich angenehm.

hcl
00
25.2.2010, 17:33

Also Goldberger finde ich gut, bei dem hat man das Gefühl, daß er eine Ahnung hat wovon er spricht und seine Erklärungen sind auch gut verständlich. Natürlich hat er auch einen patriotischen Einschlag (ist ja auch logo). Das kommt aber ziemlich locker rüber und nicht derart krankhaft, wie bei einigen seiner Kollegen (und manchen ORFlern). Meissnitzer kann da sicher nicht ganz mithalten, kommentiert aber sehr sachlich und durchaus angenehm. Der Co-Kommentator beim Biathlon ist auch noch ganz erträglich. Den Rest kannst schmeißen.

soyo
00
28.2.2010, 07:58
Uuuuuh!

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