Zwei Jahre Puls 4: Sender sieht sich "über Plan"

23. Februar 2010, 12:06
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Breitenecker: Marktanteile schneller erreicht als erwartet - Programmumstellung mit 15. März

Wien - Puls 4 feiert den zweiten Geburtstag: Am 28. Jänner 2008 ging der Sender, der zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehört, erstmals österreichweit on Air. Puls 4-Chef Markus Breitenecker zeigte sich im Interview zufrieden mit der bisherigen Performance und sieht die gesteckten Ziele sogar übererfüllt: Das für 2010 geplante Marktanteilsniveau sei bereits 2009 erreicht worden, entsprechend liege man auch trotz der gesamtwirtschaftlichen Turbulenzen finanziell noch im Plan. Kritik übte Breitenecker einmal mehr am dominanten ORF und betonte, dass auch die Privaten immer mehr öffentlich-rechtliche Aufgaben übernehmen würden.

Marktanteil von 2,2 Prozent

Ziel sei es gewesen, Puls 4 als "Österreichs viertes Vollprogramm" zu positionieren, so Breitenecker. "Das haben wir in den zwei Jahren erfreulicherweise schneller geschafft als im Plan." 2009 erreichte Puls 4 in der Gruppe der 12- bis 49-Jährigen einen Marktanteil von 2,2 Prozent (national), was laut Breitenecker erst die Zielvorgabe für heuer gewesen wäre. Trotz der Werbeeinbrüche, die die Wirtschafts- und Finanzkrise in der Medienbranche zur Folge hatte, liege man daher im Mehrjahresplan. Der Break-Even werde "in absehbarer Zeit" erreicht sein. Details zu den Ergebnissen gibt Puls 4 allerdings nicht bekannt.

Ein Vorteil des Senders ist die Einbindung in die ProSiebenSat.1-Familie, sagte Breitenecker. So stärke die Ausstrahlung von Eigenproduktionen wie "Austria Top News" oder "Cafe Puls" in den Österreich-Fenstern der deutschen Sender die Marke Puls 4, außerdem werde beiderseitig Cross-Promotion für Programminhalte betrieben.

Neues Vorabendprogramm

Mit 15. März baut Puls 4 sein Programm im Vorabend um. Die aktuelle Nachrichtensendung "Austria Top News" wird rund eine Stunde nach vorne verlegt und um 18.30 Uhr ausgestrahlt werden, danach folgt das Societymagazin "Pink". Die Überlegung dahinter: Der Wechsel von Dominic Heinzl von ATV zu ORF habe beide Seiten Seher gekostet, glaubt Breitenecker. "Die wollen wir zu uns holen." Im Anschluss versuche man mit "Talk of Town" um 19.15 Uhr im Pool der Zuseher der "Bundesland heute"-Sendungen des ORF zu fischen. Um 19.40 Uhr folgt die "Bill Cosby-Show", nach der eine neue österreichische Kurzcomedy unter dem Motto "Zehn nach acht" das Hauptabendprogramm einläutet. Wie gehabt soll um 20.15 Uhr entweder ein Spielfilm oder eine TV-Serie gezeigt werden.

Keine Entscheidung gibt es derzeit über eine dritte Staffel von "Austria's next Topmodel". Darüber werde aber noch im ersten Halbjahr 2010 entschieden, sagte der Puls 4-Chef.

"Überprivilegierter ORF"

Grundsätzlich sei der Fernsehmarkt in Österreich außerordentlich schwierig, so Breitenecker: "Die Konkurrenzsituation ist eine der höchsten, weil wir nicht nur einen überprivilegierten ORF haben, sondern auch noch die einstrahlenden Sender aus dem Ausland - plus österreichische Private."

Heftige Kritik übte der Puls 4-Chef, der im Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) die Fernsehbelange vertritt, an der dominanten Marktstellung des ORF: "ORF 1 ist 'privater' programmiert als alle Privaten." Immer öfter würden außerdem die kommerziellen Sender öffentlich-rechtliche Inhalte verbreiten. So habe "Puls 4" nach einer Studie der Rundfunkregulierungsbehörde RTR "mehr fernsehpublizistische Sendungen als ATV oder ORF 1", was nach Ansicht des Senderchefs ein Gradmesser für den "Public Value" sei. Breitenecker fordert eine Änderung in der Finanzierung des ORF: Entweder werde der öffentlich-rechtliche Rundfunk werbefrei, oder man müsse den Privaten Zugang zum Gebührentopf gestatten, indem die Gelder ausgeschrieben werden. (APA)

  • Puls 4-Chef Markus Breitenecker.
    foto: puls/franck

    Puls 4-Chef Markus Breitenecker.

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