Nicht nur die Anforderungen an die Turbinen steigen bei Megakraftwerken enorm, auch der angeschlossene Kessel wird bis an die Grenzen der Materialfähigkeiten gefordert
Im deutschen Irsching entsteht ein Megakraftwerk mit der größten Gasturbine der Welt. Ihre Leistung stellt völlig neue Anforderungen an den angeschlossenen Kessel des Abhitzedampferzeugers, der das Bindeglied zwischen Gasturbine und Dampfturbine darstellt. Hier werden die Abgase der Gasturbine in Dampf umgewandelt, der dann die Dampfturbine betreibt - eine Kombination, die den Wirkungsgrad der Anlage deutlich erhöht. Die Abgase der Dampfturbine können ziemlich heiß werden, in Irsching 640 Grad. Auch der Betriebsdruck liegt mit 180 bar über dem bisher üblichen Niveau. Mit diesen Werten konnten nur neue Werkstoffe fertig werden, beispielweise hochlegierte Stähle.
Enorme Hitze
Die Betriebstemperatur liegt nämlich mit 600 Grad und mehr auch deutlich höher als in vergleichbaren Anlagen. Durch diese enorme Hitze kann sich das Material des in einem Stahlgerüst eingehängten Dampferzeugers um bis zu zwanzig Zentimeter ausdehnen, eine gewaltige Masse, die auf diese Weise in Bewegung kommt: Mit einer Breite von rund 16 Metern, einer Höhe von 22 Metern ist der Abhitzekessel von Irsching weltweit der größte seiner Art, alleine die Heizflächen bringen ein Gewicht von 3.800 Tonnen auf die Waage. Konstruiert wurde er in Österreich, produziert werden die Einzelteile des Kolosses rund um die Welt. Irsching wird im kombinierten Endausbau eine elektrische Leistung von 570 MW und einen Wirkungsgrad von über 60 Prozent erreichen. Im Vergleich zum Durchschnitt der Stromerzeugung spart dieses Kraftwerk jährlich 700.000 Tonnen CO2-Emissionen.