Hedy Lamarr Lectures

"Krasse Diskrepanz zwischen potenzieller und genutzter Information"

23. Februar 2010, 09:24
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    foto: derstandard.at/kremmel

    Pelinka: "Es gibt wenige, die über
    vieles und viele, die über wenig
    informiert sind."

Vortragsreihe über die gesellschaftlichen Folgen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien startet mit den Herausforderungen für die Demokratie

"Wir müssen akzeptieren, dass es keine Volksherrschaft geben kann, wie sie in den Sonntagsreden immer wieder vorkommt. Allein deshalb, weil es das Volk als solches nicht gibt, weil das ein naives, gedankenloses Konstrukt ist", sagte der Politologe Anton Pelinka anlässlich des ersten Vortrags in der Reihe der "Hedy Lamarr Lectures", veranstaltet von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit dem Medienhaus Wien und der Telekom Austria.

Das politische Verhalten sei heute vor allem durch das Geschlecht, das Alter und die Bildung geprägt. Hätten beispielsweise 2002 in Österreich nur Frauen wählen dürfen, hätte es eine rot-grüne Mehrheit gegeben und dürften nur Personen über 50 wählen, so wären die Grünen kaum existent, führte Pelinka, der derzeit an der Central European University von Budapest lehrt, als Beispiele an.

Nicht Dummheit, sondern fehlendes Interesse

Pelinka widmete sich in seinem Vortrag "Die unvollkommene Information - Voraussetzung für die unvollkommene Demokratie" der Tatsache, dass obwohl in der Informationsgesellschaft immer mehr Informationen verfügbar und zugänglich sind, diese trotzdem höchst ungleich verteilt sind. "Die krasse Diskrepanz zwischen dem Potenzial von und der tatsächlich genutzten Information wird immer spürbarer", sagte Pelinka vor rund 250 Zuhörern im Festsaal der Akademie der Wissenschaften.

Dabei müsse man sich vom Gedanken verabschieden, dass dies auf Dummheit zurückzuführen sei, sondern einfach oft das Interesse fehle. Es gebe zwar wenig Menschen, die sich nie, aber auch wenige, die sich immer für Politik interessieren würden. "Es gibt wenige, die über vieles und viele, die über wenig informiert sind." Das sei zu akzeptieren, es ginge aber darum diese Widersprüche in der Informationsgesellschaft mit der Demokratie in Einklang zu bringen.

Interesse an Demokratie als Sisyphosarbeit

Zwar seien normativ in einer Demokratie alle gleich, jedoch sei messbar, das viele einfach nicht interessiert seien. "Hier ist Sisyphosarbeit gefragt", forderte Pelinka. "Denn wenn wir nicht beharrlich an der Verbreiterung der Informierten arbeiten, dann wird die Diskrepanz noch größer." Auch wenn klar sei, dass es sich um eine unvollkommene Demokratie handle.

Wenn man nicht immer mehr Demokratie fordere, dann würde man auch immer weniger ernten. "Demokratie ist, wenn es sie gibt, nicht mehr mit dieser positiven Leidenschaft besetzt, wie wenn es sie nicht gibt". Als Beispiel führte Pelinka die Solidarność-Bewegung in Polen an. Er sei auch sehr skeptisch, dass politisches Interesse durch demokratische Mittel auf Dauer in einem hohen Maß zunehmen könne. "Außer in heroischen Zeiten und die sind nicht unbedingt positiv zu sehen", so der Politologe.

"Wettstreit der Ideen"

Pelinka sprach sich für eine pluralistische Information und eine innere Vielfalt in einer Demokratie aus. Es gehe darum, Interesse an Informationen zu steigern, und um den Wettstreit der Ideen, denn "objektive Information", wie sie beispielsweise in Rundfunkgesetzen gefordert sei, sei eine "Lebenslüge". (krm, derStandard.at, 23.02.2010)

Hedy Lamarr Lectures

Die achtteilige Vortragsreihe wird veranstaltet von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der Telekom Austria und dem Medienhaus Wien. Benannt ist sie nach der österreichischen Schauspielerin und Naturwissenschaftlerin Hedy Lamarr, ohne deren Erfindung des Frequenzsprungverfahrens die heutige Mobilfunktechnik nicht denkbar wäre.

Nächster Vortrag: Helga Nowotny, Vizepräsidentin des Europäischen Forschungsrats, am 15. März ab 18:15 Uhr in der Akademie der Wissenschaften. Weitere Informationen: oeaw.ac.at

er t
00
24.2.2010, 09:03
It's HEDLEY Lamarr

(check blazing saddles if you don't know)

molekühl
00
23.2.2010, 21:23

Das übliche realitätsferne (aber kundenfreundliche) Pelinka-Geschwurbel.
Der stärkste Filter ist heute nämlich nicht die "Dummheit" der Bürger, und auch nicht das "Desinteresse", sondern Machtinteressen, die darüber entscheiden, was die Menschen wissen dürfen bzw. sollen, und was nicht.
Und die Schwere zwischen "verfügbarer" und "wahrgenommener" Information geht auch nur deshalb scheinbar auf, weil viele Informationen nun eben nicht mehr exklusiv den "Mächtigen" und den mit ihnen verbündeten Medien zur Verfügung stehen, sondern (theoretisch) jedem. Die Diskrepanz war schon vorher da.

Camilla Vanilla
00
23.2.2010, 14:51
bis heute gibt es zwar im nachweisbaren armutsfall eine befreiung von rundfunkgebühren

aber keine befreiung von gebühren, die den zugang zum internet in den eigenen vier wänden für alle erschwinglich machen.
es gibt bis heute kein fach in der schule, das sich mit informationstechnologien und ihren eigenheiten auseinandersetzt.
es gibt leider kaum mehr geschichtsunterricht, der mit der gegenwart verknüpft wird und kaum mehr geographie- und wirtschaftskundeunterricht, der imstande ist, weite bögen der wechselseitigen verbindungen zum einzelnen zu spannen.
die beobachtung, die ich immer wieder mache ist folgende: kinder und jugendliche sind sehr an politik interessiert, ihnen fehlt aber oft das verständnis der begriffe. ihnen fehlt die sprache für politisches.

molekühl
00
23.2.2010, 22:51

Rundfunk ist "Staatsfunk", und es bringt nichts, wenn jemand Zwangsgebühren abführt von dem Geld, das er vom Staat vorher als Unterstützung gekriegt hat. Ausserdem will man ja, dass der Volksempfänger allumfassend in jeder Hütte wirkt - deshalb die "großzügige" Befreiung im Armutsfalle.
Internet ist privat, das kann man evtl. in den "Warenkorb" zur Berechnung der Unterstützung aufnehmen, aber warum soll man das Porno-Saugen und File-Sharing befreien?
Ausserdem gibts drahtlos mittlerweile um ein paar Euro im Monat. Das nötige Endgerät dürfte der größere Faktor sein (und der Strom, der beim Surfen verbraten wird).

+DieMeinung+
02
23.2.2010, 11:10
... dies nicht auf Dummheit zurückzuführen sei, sondern einfach oft das Interesse fehle.

Dummheit definiert sich ja gerade dadurch, dass man sich für nichts wesentliches interessiert.

Hubert Hawkins
00
23.2.2010, 10:50
Lamarr - Lamar

Im ersten Absatz falsch ...

der tueftler
00
23.2.2010, 15:47
ein multitalent

wodurch ist fr. lamar denn noch berühmt geworden?

Der Große von Gegenüber
00
24.2.2010, 07:39

durch ihren Film Ekstase ...

Redaktion derStandard.at/Etat
00
23.2.2010, 11:53

Besten Dank für den Hinweis! (sb)

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