STANDARD-Interview

"Ich will nicht mehr zurückschauen"

22. Februar 2010, 19:22

Österreichs Skiteam, männliche Abteilung, steht nach drei Rennen immer noch medaillenlos da - Cheftrainer Anton Giger im STANDARD-Interview

Standard: Weshalb läuft es so, wie es läuft?

Giger: Mir ist klar, dass wir hier sind, um Medaillen zu holen. Das ist uns bisher nicht gelungen. In der Innensicht ist es aber notwendig, dass wir jeden Lauf durchschauen. Wo sind Fehler gemacht worden, wo kann man was rausholen für den nächsten Bewerb? Abgesehen vom Fehler, bei dem er vier, fünf Zehntel liegengelassen hat, ist Raich eine starke Kombiabfahrt gefahren. Das war ein Resultat aus den Lehren aus Abfahrt und Super-G. Um zu gewinnen, muss sehr viel richtig gemacht werden.

Standard: Was ist falsch gemacht worden?

Giger: Es waren in jedem Rennen gute Teilleistungen dabei, aber keiner hat vom Start bis ins Ziel einen guten Lauf geschafft. Mario Scheiber zum Beispiel hat im Super-G zu viel riskiert, ist zwar gute Schwünge gefahren, hat aber bei den Übergängen verloren. Im Riesenslalom gibt es zum Teil die gleiche Aufgabenstellung.

Standard: Die Alpingroßmacht Österreich schickt nur drei Männer in die Superkombi. Wie gibt's denn so was? War der verletzte Hannes Reichelt nicht zu ersetzen?

Giger: Wir haben Verletzte wie den Rainer Schönfelder, der bei den letzten Olympischen Spielen eine Medaille für Österreich gewonnen hat. Dann habe ich auch junge Leute, die verletzt sind, dazu aktuell Verletzte wie Michael Walchhofer, der für die Kombi vorgesehen war.

Standard: Sonst hat niemand das Potenzial, hier mitzufahren?

Giger: Marcel Hirscher hat das Potenzial, aber seine Zielsetzung ist Riesenslalom und Slalom. Wenn man den auf die Abfahrt schickt, beeinträchtigt das die Vorbereitung auf seine Disziplinen.

Standard: War Mario Matt kein Thema?

Giger: Schon, ich habe vor einiger Zeit mehrmals mit ihm gesprochen. Aber er wollte nicht mehr auf die Abfahrt. Und ich halte es für nicht verantwortbar, dass man einen Läufer auf die Abfahrt zwingt.

Standard: Steigt der Druck im erfolgsverwöhnten Team?

Giger: Es ist im Sport wie im Leben. Man schleppt seine Erlebnisse und Gefühle wie einen Rucksack. Man darf sich nicht zu sehr von den Ergebnissen hier beeindrucken lassen. Sonst kommt man in eine Abwärtsspirale, die uns runterzieht, das ist die größte Gefahr. Für den Riesenslalom und Slalom haben wir aber großteils andere Leute.

Standard: Sind Sie als Teamchef der erfolgreichsten österreichischen Sportart, in der Siege ja ordentlich bejubelt werden, persönlich betroffen vom Misserfolg?

Giger: Natürlich ärgert mich das. Aber es ist auch wichtig, dass ich das nicht auf jemand anderen ablade. Ich will nicht mehr zurückschauen. Wir haben jetzt die technischen Disziplinen.

Standard: Kann es nicht sein, dass es in einem bewährten Trainerteam, das lange erfolgreich war, Abnutzungserscheinungen gibt?

Giger: Was uns bis hierher gebracht hat, wird uns nicht weiterbringen. Also muss man zuerst einmal schauen, was uns hergebracht hat, was gut dabei war, was erneuert gehört. Der Prozess läuft im Kleinen jeden Tag, im Großen nach der Saison, wenn alles zerpflückt wird.

Standard: Wie lange werden Sie noch der Trainer sein?

Giger: Es ist ausgemacht, dass ich bis Ende der Saison die Mannschaft als Cheftrainer betreue. Dann gibt es Gespräche.

Standard: Ob's stimmt oder nicht, Bode Miller vermittelt nicht den Eindruck, als würde er allzu viel analysieren. Jetzt kommt er nach einer mäßigen Saison her und wird zum ersten Mal Olympiasieger.

Giger: Miller hat ja schon viel gewonnen, er ist ein absoluter Ausnahmeskifahrer, war aber immer ein Verschwender seiner vielen Qualitäten. Jetzt hat er es geschafft, weil er reifer ist.

Standard: Miller sagt immer wieder, dass ihm die Freude am Skifahren wichtiger ist als Resultate.

Giger: Das gefällt mir. Das ist auch wichtig. Wenn einer gewonnen hat, frage ich ihn immer, was er für ein Gefühl gehabt hat. Da kriegst du genau die Antworten. Die Gefahr bei einem Großereignis ist, dass man es erzwingen will. Das ist falsch. Es muss mit Freude und locker passieren.

Standard: Gibt's im Riesenslalom eine Medaille?

Giger: Ich bin kein Wahrsager.  (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 23.02.2010)

ZUR PERSON:

Der Salzburger Anton Giger (46), seit 1987 im ÖSV, ist seit 1999 Cheftrainer. Lehramtsstudium Leibeserziehung und Mathematik. Verheiratet, zwei Kinder.

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Sophist1
00
26.2.2010, 17:24
Das ist genau der falsche Weg des Blickes.

Denn nur eine ehrliche Analayse hilft aus den Fehlern zu lernen. Der Herr will nur Chef sein, wenn die Teams alle gewinnrn.

Julian Casablancas
00
24.2.2010, 08:44

glatzentoni tritt endlich zurück! es muss platz gemacht werden für junge trainer!

Alibaba3339
01
23.2.2010, 23:35
Giger: "Ich will nicht mehr zurückschauen" - na wunderbar freut sich die Konkurrenz. wenn man aus den vergangenen Fehlern nichts lernen will !!!

Giger: "Ich will nicht mehr zurückschauen" - na wunderbar freut sich die Konkurrenz. wenn man aus den vergangenen Fehlern nichts lernen will !!!

NONE
00
23.2.2010, 16:39

Naja ... ohne Medaille gibt es nur einen logischen Schluss:

Die Skifahrernation Österreich ist abgebrochen.

Seit Herminator ... was ist hier bitte los?

Und Raich ist auch nicht mehr der Jüngste.

shaq34
03
23.2.2010, 15:37
Das wird schon wieder

Ich kann mich noch gut an Olympische Winterspiele erinnern, wo Österrreich gerade mal 1 Bronzene gemacht hat (1984 Sarajevo). Man kann nicht immer davon ausgehen, dass 4 Athleten alle 4 Jahre zum richtigen Zeitpunkt in Topform sind. Hin und wieder haben auch andere Nationen gerade ein Hoch. Und wenn ich mich an 1980 zurückerinnere, als Leonhard Stock sein allererstes Rennen gewonnen hat und damit gleich die Goldmedaille, muss man wohl auch sagen, dass das Pendel in beide Richtungen ausschlagen kann.
Natürlich wird es von Österreich immer erwartet zu gewinnen, nur finde ich dieses, in Selbstmitleid zerfliessen, wenns dann mal doch nichts wird, irgendwie extrem nervig.

Sophist1
00
26.2.2010, 17:30
Die Enttäuschung resultiert aus der Erwartungshaltung, die diese...

....Herrn in die Höhe gettrieben haben. Was für große Töne wurden gespuckt, als es um die Alpin-Weltmacht-Österrreich ging.

Und ein Vergleich mit Sarajewo mit einer Bronzemedaille ist typsch für unsere Art des Zurechtbiegens und unsere Wahrheit suchen.. Aber auf eine Lebensüge mehr, kommt es bei uns doch nicht an.

NONE
00
23.2.2010, 16:40

Klar. Aber die Glanzzeit mit dem Herminator, aber auch zuvor mit Patrick Ortlieb etc.. die ist irgendwo vorbei.

Waldhofer, Raich etc.. sind ja nicht mehr die Jüngsten.

Sägnüt
 
01
23.2.2010, 16:38

Es sind eh nur die Medien, die einen Hype aus den Olympiaresultaten machen.
Im Super-G sind die österreichischen Herren im Weltcup vorne dabei, und auch in der Abfahrt nahe dran. Im Slalom schaut's sowieso glänzend aus.
Auch ich kann nicht verstehen, dass man diese Leistungen nicht würdigt, und sich nun allein auf das Abschneiden bei den olympischen Spielen konzentriert.

Gespannt bin ich nur, wann der ORF wieder mit seiner Sportgerichterstattung beginnt. Ich bin sicher, dass die Schuldigen durch peinlichste Befragung gefunden werden, denn diese Frage müssen Sie sich schon gefallen lassen...

surgeon surgeon
01
23.2.2010, 15:26
Aber schon eine ernsthafte Frage an die Trainer:

Warum sind dauernd soviele Österreicher verletzt?

lobo marunga
00
23.2.2010, 15:52

weil es viele gibt? die anderen sind auch ständig verletzt.

Lichtfreak
00
23.2.2010, 13:40
2 Gründe:

Es fehlt der Wunderwachs und eine Wunderbindung...

Im Ernst:

Ö ist und bleibt die Skination Nr. 1
>> Gold hin oder her .... !

Gruss aus der Schweiz :)

Walter Kaiser
00
23.2.2010, 16:46
Ö ist und bleibt die Skination Nr. 1

Danke :-)

Aber das ist eigentlich kein Wunder: Schifahren ist den sehr vielen oder auch den meisten Österreichern ziemlich wichtig - schon von klein auf.

Man muss nur auf die Pisten schaun, die begabtesten herauspicken und ordentlich trainieren.

Natürlich und begabte Läufer einer jeden Nation herbrettern - aber in der Breite sollten wir eigentlich unschlagbar sein.

Ein Schweizer Trainer hat mir, allerdings vor vielen Jahren schon, erzählt, dass in der Schweiz sich die Begabten selber melden - und damit fallen viele Hochbegabte durch den Rost. Hier werden diese Begabten systematisch gesucht.

Alibaba2270
00
24.2.2010, 00:24
Besser 'Skisportgrosskotznation' Österreich

Walter Kaiser
00
24.2.2010, 06:59
Armseliges Posting

NONE
00
23.2.2010, 16:41

Ohne Medaillen kann man das aber nur schwer behaupten - bis jetzt tut sich das österreichische Herrenteam extrem schwer.

Am schlimmsten wäre es wenn sie ohne Medaille nach Hause fliegen.

Michael Holzermayr2
01
23.2.2010, 12:36
It is time for a change.

Gary Grantscherbn
00
23.2.2010, 12:02

hat ganz schön Haare gelassen, der Giger Toni.

ela vie
00
23.2.2010, 11:37
auch die schweizer sind jahrelang hinten her gefahren

auf und ab, wie in jedem anderen sport auch, das gibts nun mal. blöd halt nur, wenn das bei einer olympiade passiert. wird schon werden, im slalom :-)

Heartbreak Hotel
00
23.2.2010, 14:11

Die Schweizer haben nur eine Alpingoldmedaille, durch Defago, der vorher nichts gewonnen hat und in Zukunft auch nichts gewinnen wird. Wir haben eine goldene ( Fischbacher) und eine bronzene Medaille ( Görgl), und wer weiss, was in den teschnischen Disziplinen noch dazukommt. Vor den Schweizern brauchen sich unsere Alpinen nicht verstecken...

heiliger bimbam
00
23.2.2010, 14:37
zurbriggen bronze

@ defago: der gute hat immerhin voriges jahr die wichtigsten abfahrten gewonnen: wengen, kitz.
aber stimmt schon, die schweizer sind auch nicht grad überragend, nur haben sie 2 herrenmedaillen (davon gold in der "königsdisziplin") und wir 2 damen. bin aber guter dinge, dass wir bei den herren noch gleichziehen können...

Vater von Lisa
00
23.2.2010, 14:37

Auch die Schweizer haben Gold und Bronze (Defago und Zurbriggen)!

Heartbreak Hotel
00
23.2.2010, 14:46

Sorry, habe ich übersehen

parapente
00
23.2.2010, 11:10
Vielleicht haben unsere Skifahrer


während des Sommers in Hawaii nur Surfen trainiert?

Markus Wagner
16
23.2.2010, 10:03
Verstehe das Problem nicht

Mein Gott, dann machen wir halt vielleicht keine Medaille, na und?! Ich verstehe schon, dass das das Ziel sein muss und in der Breite ist man sicherlich noch immer die beste Nation der Welt, aber bei Olympia zählen halt nur die ersten 3 und da haben wir momentan einfach nicht mehr die Fahrer vergangener Jahre, zumindest in den schnellen Disziplinen. Und wenn halt dann der einzige, der wirklich stark ist nicht auf 100% ist (Walchhofer) und der andere Superstar ein paar blöde Fehler macht (Raich), dann wirds halt nix. Das ist auch keine Tragödie deshalb, waren halt andere um eine Spur besser.

1 Wolfgang 1
00
23.2.2010, 13:57

Stimme allem zu, was Sie sagen. Andererseits vermischt sich die bisherige Madaillenlosigkeit mit der Sieglosigkeit in dieser Saison in Abfahrt und Super G, mit der Erwartungshaltung, mit der Selbstgefälligkeit mancher Langzeitfunktionäre, mit dem Aufwand der, im Vergleich zu anderen Sportlern, getrieben wird.

Wäre der ÖSV ein Fußballverein würden schon sehr viele nach Trainerwechsel brüllen, was nicht unbedingt richtig sein muß, aber so läuft halt die öffentliche Meinung.

Analysieren alleine wird jedenfalls nicht genügen, einige konkrete Maßnahmen sollten sich die Herren schon einfallen lassen.

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