Lufthansa-Streik

Reisende: "Man muss es hinnehmen wie eine Naturkatastrophe"

22. Februar 2010, 17:39

STANDARD-Reportage: Die Passagiere reagierten am Montag großteils gelassen, Kritik an Pilotenforderung

Schlecht schaut es aus am Schalter A 11 des Berliner Flughafens Tegel, ganz schlecht. Lufthansa-Flug nach München, 11.10 Uhr: gestrichen. Lufthansa-Flug 12.05 Uhr nach Frankfurt: gestrichen. Lufthansa-Flug 13.05 Uhr nach München: ebenfalls gestrichen. Die Damen am Check-in sitzen gelangweilt auf ihren Plätzen, ein bisschen wie Schaufensterpuppen in einer großen Auslage. Von 70 Flügen finden nur 26 statt.

Viel eiliger hat es Julia Lacina. Sie muss unbedingt nach Graz und strebt zum gegenüberliegenden Lufthansa-Counter. Nach quälend langen zwanzig Minuten hört sie von Lufthansa ein entschiedenes "vielleicht" . Statt über München geht es nun mit der AUA nach Wien, dann weiter nach Graz, aber nur, wenn ab Wien in der Businessclass noch Platz für sie ist. Dennoch hält sich ihr Frust in Grenzen: "Ich bin froh, dass ich hier überhaupt mit einem Flugzeug wegkomme." Da nimmt die Berlinerin auch die stundenlange Verspätung in Kauf.

Weniger Glück hat Martina Weber. Die Industriekauffrau geht am Streiktag höchstens vor Ärger in die Luft, nicht aber mit einem Flugzeug. "Ich will nach München, aber da geht gar nichts mehr. Jetzt muss ich mit der Bahn fahren" , klagt sie. Das bedeutet: Ankunft in München um 21 Uhr statt um 15 Uhr. "Was soll's," , meint Weber und versucht, sich nicht zu ärgern, "man muss es hinnehmen wie eine Naturkatastrophe. Wenn ein Orkan wäre, könnte ich ja auch nicht fliegen." Andererseits: Wenn die Münchnerin an die Gehälter der Lufthansa-Piloten denkt, gerät sie gleich selbst ein wenig in Wallung: "Das ist ja irre, was die verdienen."

"Streik ist ein Wahnsinn"

62.000 Euro Einstiegsgehalt pro Jahr, 110.000 Euro jährlich nach zwölf Jahren in der Luft - so schaut es auf den Gehaltszetteln der Lufthansa-Piloten aus. Die Flugzeugführer beim Konkurrenten Air Berlin bekommen rund ein Drittel weniger. "Insofern ist der Streik natürlich ein Wahnsinn" , sagt auch Thomas Evers, der jetzt ebenfalls mit der Bahn nach München fahren muss. Aber irgendwie hat er auch Verständnis für den Arbeitskampf an sich: "Ich arbeite im öffentlichen Dienst, wir haben vor kurzem auch gestreikt. Dieses Recht steht jedem zu." Dann dreht er sich noch einmal um und grinst: "Bei uns ging es allerdings um viel weniger Geld."

Warum ist er überhaupt nach Tegel gekommen, wo doch die Medien seit Tagen über den Streik berichten? "Ich hatte noch eine kleine Hoffnung" , sagt er. Vergeblich. "Im Großen und Ganzen aber sind unsere Kunden gut informiert und haben schon am Wochenende neu geplant" , sagt Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber zum Standard, während er wohlwollend auf die überschaubare Schlange vor dem Counter blickt. Kritisch sei nur eine Situation gewesen: Die Passagiere, die schon erleichtert in der Maschine nach München saßen, mussten alle wieder aussteigen, weil doch kein Pilot kam. "Nun ja" , räumt Weber ein, "da waren einige schon recht sauer." (Birgit Baumann aus Berlin/ DER STANDARD-Printausgabe, 23.2.2010)

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www.lufthansa.de

Kommentar posten
15 Postings
qwertztt
02
23.2.2010, 01:36
Ich fliege...

...lieber mit gut bezahlten Piloten und mit Maschinen die von Personen gewartet werden die auch gut bezahlt werden...hab ja jetzt schon genug Angst

Oder möchten Sie in einem Flieger sitzen wo der Pilot oder die Pilotin gerade an die letzte Gasrechnung denkt anstatt auf die Instrumente zu achten???

Roger Wilco
00
24.2.2010, 12:02

Darum geht es nicht. Auch bei 45000 EUR Einstiegsgehalt mit knapp über 20 Jahren müsste man sich nicht um seine Gasrechnung sorgen machen.
Die gleiche Gewerkschaft akzeptiert bei Air Berlin einen 30% niedrigeren Tarif, bei dem es den Piloten auch noch gut geht.
Den Piloten ging es gar nicht ums Gehalt, sondern um als einzige Beschäftigtengruppe im Unternehmen in Fragen der Unternehmensführung eingreifen zu können. Und das ist einfach inakzeptabel. Das sollte nicht Sorge der Piloten sein, noch sind sie durch ihre Ausbildung dazu befähigt.
Sie sollen Flugzeuge sicher fliegen und sich nicht um Gasrechnung oder Unternehmensstrategie Gedanken machen.

el topo negro
00
22.2.2010, 22:38
so so

Sie ging also vor ärger in die luft und versuchte gleichzeitig, sich nicht zu ärgern. Hm, tolle reportage, echt...

Der Österreicher
11
22.2.2010, 19:46

Nach Graz fährt man mit dem Auto. 2 h und man ist dort.

sir osis of liver
 
00
24.2.2010, 09:06

von berlin-tegel aus?

Max Nolte
11
22.2.2010, 23:11
oder noch besser mit der Bahn

in der man heutzutage sogar mit einem Laptop online arbeiten kann. Die Businessfliegerei ist überwiegend ohndedies eine Fehlentwicklung.
Ehe sich Mitarbeiter des mittleren und Topmanagement Alternativen überlegen (Telekomunikation), fliegen sie lieber einmal schnell zum nächsten Termin, bestellbar bei der Sekretärin (habe nicht nur ich selbst gemacht).
Und nachdem eine weitaus größere Anzahl von Arbeitnehmern dzt. zu akzeptieren haben immer weniger zu verdienen, werden das gefälligst auch die Piloten zu akzeptieren haben. Und von wegen "neu lernen" und checks, das muss mittlerweile jeder in jedem Beruf und bereits ab dem Einstiegsjahr.
Übrigens Arbeitsplatzsicherheit gibt es heute kaum mehr in einem Beruf !

Hans Vogel
03
22.2.2010, 19:43
Hoffentlich bleiben sie hart

sonst werden die Manager größenwahnsinnig und stecken die Gewinne nur noch in die eigene Tasche. Es geht nicht nur um die Piloten, sondern um das ganze Personal, speziell die Technik.

NegR h.c.
00
22.2.2010, 19:37

Man *muss* das gar nicht hinnehmen.

Wolfgang Ullram
14
22.2.2010, 18:23
volle unterstützung

solange die vorstände im dienst mercedes vorfahren, bonis in schwindelerregenden höhen kassieren, solange haben tagtäglich arbeitende menschen das recht, auf menschenwürdige arbeitssituationen. das dumping über ausländische bedienstete die dann als konkurrenz den preis drücken sollen sind sowas.
LH dachte wohl, dass sie überschlau sind, aber wehret den anfängen. in der seefahrt gibts schon nur mehr billig matrosen aus asien...jetzt wird diese dienstleistungs outsourcing by foreign workforce wohl forciert, weil manche den kanal nicht vollkriegen.
die mitteleuropäer sollen nur mehr zahlen, beschäftigen will sie keiner... so kann das nicht funktionieren....wertschöpfung muss stattfinden. in der eu von eu-ropäern.

Max Nolte
51
22.2.2010, 23:24
ich verstehe nicht

warum es einer relativen Minderheit von extrem hochbezahlten Arbeitnehmern einer Branche, die ohnedies eine strukturelle Fehlentwicklung ist, irrwitzige Gehälter bezahlt werden müssen. Während in anderen Bereichen - etwa IT - hundertausende (und nicht ein paar tausend) Arbeitnehmer im Expertenrang laufend gegen billigere Zeitarbeitskräfte (die oft gekündigte Exmitarbeiter sind) ersetzt werden. Diese Herren (Frauen gibt es ja kaum in der Fliegerei) werden sich gefälligst in Zukunft auch an die Gesetze des Arbeitsmarktes gewöhnen müssen. Und Verantwortung müssen andere auch tragen und sich jährlich weiterbilden. Sonst sind sie pfutsch.

Hubert Machwas
00
23.2.2010, 11:19
Während in anderen Bereichen ...

Und ich verstehe nicht, warum Sie die Zustande in anderen Bereichen - etwa IT - anprangern und aber nicht verstehen wollen, dass sich die Piloten gegen eben genau solche miesen Praktiken zur Wehr setzen?

Ich bin selbst im IT-Sektor tätig, kenne die Machenschaften hier aus persönlicher Erfahrung leider zu gut und wünsche den Piloten viel Erfolg.
Sie sind meine letzten Mohikaner!


NegR h.c.
40
22.2.2010, 21:34

Wollen Sie sich vom AMS bitte einen Deutsch-Kurs zahlen lassen? Danke!

Max Nolte
03
22.2.2010, 23:25
wieso ?

sind sie arbeitsloser Deutschprofessor ?

NegR h.c.
00
23.2.2010, 19:57

..aber was erzähl' ich jemandem, der in zwei Zeilen fünf Fehler unterbringt. :(

NegR h.c.
00
23.2.2010, 19:52

Weder noch. Danke dennoch der Nachfrage.

Drei schwere Fehler allein im ersten Satz (ungeachtet der Kleinschreibung) zeugen von einer erstaunlichen Verachtung gegenüber den Lesern.

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