Atomkraft ist kein Klimaretter

22. Februar 2010, 16:41

CO2-Emissionen laut Schweizer Untersuchung höher als bisher angegeben - Abbau von Uran wird immer energieintensiver

Zürich - Viele Atomkraftbefürworter argumentieren, dass bei der Stromherstellung auf nuklearem Weg weniger CO2 produzieren werden würde als etwa mit der Photovoltaik oder durch Windkraftwerke. Dies konnte nun durch die Schweizerische Energie-Stiftung erneut widerlegt werden. Darüber hinaus sei der 2,5-Prozent-Anteil der Atomkraftwerke an der globalen Energieversorgung viel zu klein, um als "Klimaretter" gelten zu können.

"Um die Welt mit Atomstrom zu versorgen, müssten hunderttausende neue Atomkraftwerke errichtet werden", so Sabine von Stockar, Projektleiterin Atom & Strom bei der Schweizerischen Energie-Stiftung . Das sei alleine schon deshalb nicht machbar, weil die weltweiten Uranvorräte beim gegenwärtigen Jahresverbrauch für nur noch 65 Jahre ausreichen.

Studienanhängig

"Wieviel vom schädlichen Treibhausgas im Atomstrom tatsächlich enthalten ist, hängt von der konsultierten Studie ab", betont von Stockar. Ein Teil der Studien beurteilt den gesamten Uranzyklus inklusive dem Abbau, der andere hingegen nur einen Teil der Kette. Zudem hängt es von der Art des Transports ab. Die Aufbereitung wie auch der Rückbau der Anlagen sowie die Lagerung der Abfälle komme noch hinzu.

"Ein Problem dabei ist, dass die Urangewinnung in den kommenden Jahrzehnten deutlich Energie- und deshalb auch CO2-intensiver wird, denn Uran ist endlich und das Gestein enthält immer weniger Uran", erklärt die Expertin.

Nach aktuellen Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der OECD gibt es weltweit etwa 4,7 Mio. Tonnen wirtschaftlich abbaubare Vorkommen von Uran. "Wir die Atomkraft massiv ausgebaut, gehen die Vorräte noch schneller zur Neige", so die Expertin.

Revidierte CO2-Bilanz

"Das AKW Beznau hatte 2008 eine Klimabilanz präsentiert, in der von 3,04 Gramm pro Kilowattstunde die Rede war. Diese Zahl musste erst kürzlich revidiert werden", erklärt von Stockar. "Ein Grund war die Komplexität und die Intransparenz der Urankette, die der Betreiber Axpo offensichtlich selbst nicht kennt."

"Für eine saubere Berechnung der CO2-Belastung von Atomstrom muss selbstverständlich die ganze Kette berücksichtigt werden", so die Expertin. Storm van Leeuwen hatte in einer Studie im Jahr 2007 einen CO2-Gehalt von Atomstrom von 139,1 Gramm errechnet, die WISE-Studie kommt auf 230 Gramm. "Die Schweizerische Energie-Stiftung stützt sich deshalb auf höhere Werte als die Stromwirtschaft", so von Stockar. (red/pte)

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Posting 1 bis 25 von 67
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Otto W.
11
24.3.2010, 15:28
Sehr fraglich

Die Publikation einer Anti-AKW NGO als großartige wissenschaftliche Studie darzustellen ist nicht gerade eine Glanzleistung. Wenn ich dann lese, dass Uran in 65 Jahren ausgeht, dann disqualifiziert sich die Studie von selbst. Den alten Fehler des Club of Rome zu wiederholen ist lächerlich, der hat nämlich schon 1970 publiziert, dass uns in 30 Jahren alle Rohstoffe ausgehen.

Hanzelic
00
Sehr fraglich

Ob Informationen einer Industrie, die jährlich Milliarden verdient, vertrauenswürdiger sein können, als eine Publikation einer Anit-Atom-NGO?

Liegt die Wahrheit in der Mitte? Oder doch weiter da oder dort?

Christoph Angster
 
00
20.5.2010, 11:38

ich bin gegen Atomenergie, aber da muss ich dir absolut recht geben. Technologischer Fortschritt wurde hier nicht berücksichtigt (zumindest nicht in der Berichterstattung) Hab die Studie nicht gelesen...

rolech
00
31.3.2010, 19:04
83 Jahre laut Internationaler Atomenergie Agentur IAEA

Na gut, dann nehmen wir halt den Wert der sicherlich sehr objektiven Internationalen Atomenergie Agentur IAEA. Diese geht in ihrem Jahresbericht von 2009 davon aus, dass bei gegenwärtigem (!) Verbrauch die Reserven 83 Jahre halten. Würde die Atomstromproduktion verdoppelt werden, dann halt nur mehr 41,5 Jahre.
Das erlebe ich mit der durchschnittlichen Lebenserwartung in Europa ja selbst noch ...
Und wie sie sicher wissen, ist die IAEA was die Promotion von Nuklearenergie betrifft, mehr als objektiv ... :-)

Otto W.
00

Es sind weder 83 noch 65 Jahre bis das Uran aus ist. Das sind lediglich Momentaufnahmen der bekannten gesicherten Vorräte für die Statistik. D.h. das sind die Vorräte in Bergbauen die durch Bohrungen usw. abgesichert sind. Das hat mit dem was insgesamt da ist überhaupt nichts zu tun.
Bei den Vorräten spielt auch der Preis eine große Rolle, ist der Preis wie bei Uran grad im Keller (40$/lbs) schwinden die Vorräte, weil zu dem Preis manche Abbaue nicht rentabel sind. Steigt der Preis, so steigen die Vorräte...

Meine Wenigkeit mit viel Senf
00
30.3.2010, 07:24
Na klar...

Rohstoffe sind ja unendlich...

Anfang der 1970er Jahre ging den USA, dem bis dahin größten Ölexporteur der Welt, das Öl aus, weil die Quellen nach und nach versiegten. Folge: Ölkrise.

Daraufhin gab Gerald Ford eine wissenschaftliche Studie in Auftrag, die 1976 fertig war. Die Wissenschafter berechneten den Peak Oil für 2006 - 2010. Und 2008 war es so weit! Peak Oil bedeutet nicht, dass das Öl aus ist, es heißt, dass ab nun mehr gefördert wird, als neu erschlossene Ölvorkommen abdecken können. Dh. die Badewanne, die aus dem geöffneten Hahn nachgefüllt wird, wird nun langsam leer.

Im Übrigen stoppte der Industrie-finanzierte Reagan das Umweltprogramm inkl. Erforschung erneuerbarer Engergien, das Carter auf Grund der Studie begonnen hatte.

Otto W.
20
30.3.2010, 09:17

Hier geht's aber nicht um Öl sondern um Uran, und das gibts reichlich.

fizcaraldo
00

Da bin ich aber froh, dass es sich bei Uran im Gegensatz zu Öl um einen unendlich vorkommenden Rohstoff handelt.

Michael Jack Dundee
 
01
30.3.2010, 10:41
Uran ist wie Erdöl endlich

Und damit wird es wie Erdöl entweder extrem teuer oder extrem unwichtig.

Cyber Motzer
00
16.3.2010, 00:23
CO2 Bloedsinn

wohl eher die Abwaerme. Schon Mal darueber nachgedacht ???

I bis
65
24.2.2010, 10:40
Diese ewig gleiche, immer noch falsche Anti-AKW-Propaganda nervt.


Der Anteil der Kernenergie am gesamten Primärenergieverbrauch (inkl. Treibstoffe, Heizöl ...) ist 7%. Die 2,5% kommen dadurch zustande, dass die elektrische Energie mit der gesamten Primärenergie verglichen wird, was einfach Unsinn ist.

370 AKWs erzeugen derzeit 17% des Stroms. Man würde für eine 100%-Versorgung also 2200 Reaktoren brauchen, "hunderttausende neue AKWs" ist völlig absurd.

Uran geht nicht aus. Es ist derzeit sehr billig und wird verschwendet, nur die wertvollsten Vorkommen werden statistisch gezählt. In weniger konzentrierten Lagerstätten gibt es aber Uran für Jahrtausende. Dieses Uran würde den Strompreis um sage und schreibe 1 Cent nach oben treiben.

Die CO2-Berechnungen sind unseriös. (siehe Posting von gigngogn)

fizcaraldo
00

Quellen?

Aber selbst wenn Sie recht haben sollten. Was machen wir mit dem Atommüll aus 2200 Reaktoren?

I bis
00
12.4.2010, 11:45

Ich habe nicht behauptet, es gäbe keine Argumente gegen AKWs. Ich kenne sogar ein paar, die kaum je genannt werden.

Ich mag nur keine sachlich falschen Argumente, und leider bestehen viele Atomgegner darauf, ständig auf den gleichen falschen Argumenten herumzureiten.

Atommüll ist definitiv ein Problem, wenn man auch unterschiedlicher Meinung sein kann, wie man das Problem bewertet und wie man damit umgeht. Im Vergleich zu CO2 aus Kohlekraftwerken halte ich persönlich Atommüll für das kleinere Übel, ich bin also dafür, zuerst aus der Kohleverstromung auszusteigen und dann erst die AKWs abzudrehen.

rolech
00
31.3.2010, 19:34
Irritation ....

Die Internationale Atomenergie Agentur selbst geht im aktuellen Jahresbericht von einer Reichweite von Uran von 83 Jahren aus. Diese statistische Reichweite bezieht sich auf den derzeitigen Verbrauch. Natürlich können sie Uran (Öl, Gold, ...) auch anderswo als es derzeit wirtschaftlich vertretbar erachtet wird, gewinnen. Die Frage ist nur, ob sich das wirklich rechnet.

Die zweite Irritation bezieht sich auf den aktuellen Energiereport der Internationalen Energieagentur (2009; Verbrauchswerte 2007/08)). Da ist die Rede von 5,9% Nuklearenergieanteil am Gesamtprimärenergieverbrauch. Und von 13,8% Anteil am Stromverbrauch. Würde ich also den Verbrauch verdoppeln, bleiben laut IAEA 41,5 Jahre, würde ich ihn vervierfachen, nur mehr 20 Jahre ...

I bis
00
Deine Zahlen bzgl. Anteil der Kernenergie an der Energieversorgung sind ja nicht sehr weit von meinen entfernt.

Diese Statistiken haben immer gewisse Unschärfen, z.B. ist in meinen Zahlen traditionelle Biomasse, die nicht gehandelt wird (Holz für die Almhütte, Kameldung in der Wüste ...) nicht enthalten. Die ist v.a. in Entwicklungsländern nicht ganz unwesentlich, aber nur sehr schwer statistisch erfassbar und wird deshalb oft nicht mitgezählt. Auch sind deine Zahlen eine Spur aktueller.

Zur Reichweite: Uran macht heute nur 5% der Kosten von AKWs aus. Deshalb könnte auch um ein Vielfaches teureres Uran verheizt werden, der Strom würde nur geringfügig teurer. Damit muss man davon ausgehen, dass auch heute völlig unwirtschaftliche Vorkommen (die in Summe riesige Mengen Uran enthalten) genutzt würden, bevor auch nur ein einziges AKW abgedreht wir

Meine Wenigkeit mit viel Senf
01
30.3.2010, 07:28
17 % des Stroms.

Wo, weltweit oder in Europa?

Was ist mit dem Gesamtenergiebedarf, und was mit den ständigen Steigerungen? Wir müssen ja weg von der fossilen Energie, wie soll das gehen, wo doch, bevor der Brennstab im Reaktor landet, erst einmal eine Menge Energieeinsatz notwendig ist?

Sicher 100.000e sind übertrieben, aber mehr, als die Atomindustrie in der notwendigen Zeit jemals bauen kann, auf jeden Fall. Und wenn sie so viel baut, schaut's mit dem Uran auch schlecht aus.

Was mich nervt, ist die Pro-AKW-Propaganda. Alleine das Problem der Endlagerung sollte einem denkenden Menschen Abschreckung genug sein!

Oder wollen Sie die Abbauprodukte mit einer mit Atomstrom betriebenen Rakete in die Sonne schicken?

I bis
01
30.3.2010, 10:06

Die 17% sind weltweit.

Mich nerven allgemein schlechte Argumente. Und leider gibt es davon in der emotional aufgeheizten Atomdebatte sehr viele. Manche Atomfreaks sind tendenziös, aber die schlimmsten Argumente (schlimm im Sinne von unhaltbar, abstrus) kommen leider von den Atomgegnern. Diese Menschen sind oft sehr engagiert (was ich sympatisch finde), verfügen aber oft über kein Fachwissen und wiederholen deshalb manche abstrusen Argumente (die sie nicht als falsch erkennen können) immer und immer wieder. Sie tun ihrem Anliegen damit keine Gefallen, denn sie machen sich unglaubwürdig. Vor allem fachkundige Atombefürworter tun sich so leicht, ihre Gegner als völlig ahnunglose Spinner und quasi-religiöse Eiferer abzutun.

F S 3
14
Die Lösung hieße THORIUM…

…Kaum Risiken einer Kernschmelze, und um Aeonen geringere Halbwertszeiten des Abfalls, der auch wesentlich geringer als bei herkömmlichen Uran-Reaktoren ist.


Jedoch entschied man sich in den 60ern für Uran - um das Plutonium für Waffen einsetzten zu können.

Ein Schelm, wer dabei an "Verschwörung" denkt.

I bis
00
30.3.2010, 10:32

Deine Quelle sagt, dass Uranoxid für 500$/Pfund zu Mehrkosten von 2 Cent führen würde.

Tatsächlich gibt es aber umfangreiche, heute wegen Unwirtschaftlichkeit nicht zu den Reserven gezählte Lagerstätten, die zu deutlich geringeren Kosten abgebaut werden können (Phosphate, Schwarzschiefer ...).
Insbesondere Uran aus Meerwasser kann voraussichtlich für 300$/kg Uran, also unter 150 $/Pfund UO2, gewonnen werden.
(siehe Seite 13 in http://www.greenpeace.de/fileadmin... 06_lf.pdf)
Und im Meerwasser gibt´s Uran für zigtausende Jahre.

Dein Argument des finanziellen Risikos ist angesichts der raschen Entwicklung der Solarenergie allerdings interessant.

I bis
01
30.3.2010, 09:48
Da scheinen ein paar Leute plötzlich an grünen Atomstrom zu glauben.


(1) Thorium kann nur als Brutstoff verwendet werden, Wiederaufarbeitung ist also zwingend notwendig.
(2) "um Äonen geringere Halbwertszeiten des Abfalls" ist bestenfalls ein Gerücht. Tatsächlich bleiben weitaus weniger Transurane zurück, das ist aber nicht nur der Physik geschuldet (es entstehen bereits ca. 10mal weniger Transurane), sondern insebesondere der Wiederaufarbeitung. Das könnten wir bei Uran auch haben. Die mengenmäßig dominierenden Spaltprodukte (Cs137, Tc99 ...) sind aber genau die gleichen, die Müllmenge identisch. Es gibt also ein bisschen weniger Müll, aber nicht viel weniger.
(3) Auch bei manchen Uran-Reaktor-Designs (THTR300, PBR) kann es zu keiner Kernschmelze kommen, das ist kein Privileg von Thorium.

F S 3
00
30.3.2010, 12:12
Danke für ihren Input. Werde ich näher studieren…

…Habe ihre (noch nicht veröff.) Antwort auch erhalten

Falls es sie interessiert - Die entsprechende FS3-Quelle zum Beitrag war:
http://www.wired.com/magazine/... new_nukes/

Einen Vergleich finden sie auf Seite 2.

Heavyweather
00

Bal werden einige der AKWs ohne Brennstoff da stehen.
Übrigens wirkt sich der Uranpreis schon ein wenig anders auf die Stromkosten aus.
http://energy-watch-group.com/fileadmin... 4-2007.pdf

Das Problem ist auch der Abbau. Der zahlt sich zu diesem Preis nicht aus. Wenn aber dann das Uran gebraucht wird sind die Minenkapazitäten nicht vorhanden. Wenn das HEU Abkommen ausläuft dann wird zuerst einmal die USA um ihr Uran laufen.

Das finanzielle Risiko für ein AKW ist zu groß. Es muss ja mit zukünftigen Technologien konkurrieren.

Otto W.
01
30.3.2010, 09:34

Seit 2007 hat sich der Preis wieder halbiert, die Aktien der Uranproduzenten sind auf ein Drittel ihres damaligen Wertes gefallen... Der hohe Preis war, wie so oft, reine Spekulation und nicht vom Markt bzw. dem Bedarf bestimmt. Der Markt ist ohne hin gestört, weil durch den Abbau der Nuklearwaffen große Lagerbestände wieder auf den zivilen Markt kommen. Erst unlängst wurde wieder eine umfangreiche Atomwaffenreduktion vereinbart.

Heavyweather
00
30.3.2010, 14:39

Ist auch logisch dass Waffenplutonium verwendet werden muss. Das Abkommen mit Russland läuft aus. Es sind nicht genügend Minenkapazitäten vorhanden. Der Preis ist zu niedrig um neue Minen zu entwickeln. Da wartet man lieber bis es knapp wird oder die AKW Betreiber steigen in den Rohstoffabbau ein.

Rohstoffmarktanalysten geben das Szenario genau so wieder.
Und auch Techniker sehen es so.
http://europe.theoildrum.com/node/5631

AlterEgo
 
15
23.2.2010, 13:14

Es ist nach wie vor ziemlich dreist unseren Nachfahren gegenüber, weiter auf Atomenergie zu setzen, solange die Endlagerung ungelöst ist.

Nach euch die Sintflut, gell?

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