CO2-Emissionen laut Schweizer Untersuchung höher als bisher angegeben - Abbau von Uran wird immer energieintensiver
Zürich - Viele Atomkraftbefürworter argumentieren, dass bei der Stromherstellung auf nuklearem Weg weniger CO2 produzieren werden würde als etwa mit der Photovoltaik oder durch Windkraftwerke. Dies konnte nun durch die Schweizerische Energie-Stiftung erneut widerlegt werden. Darüber hinaus sei der 2,5-Prozent-Anteil der Atomkraftwerke an der globalen Energieversorgung viel zu klein, um als "Klimaretter" gelten zu können.
"Um die Welt mit Atomstrom zu versorgen, müssten hunderttausende neue Atomkraftwerke errichtet werden", so Sabine von Stockar, Projektleiterin Atom & Strom bei der Schweizerischen Energie-Stiftung . Das sei alleine schon deshalb nicht machbar, weil die weltweiten Uranvorräte beim gegenwärtigen Jahresverbrauch für nur noch 65 Jahre ausreichen.
Studienanhängig
"Wieviel vom schädlichen Treibhausgas im Atomstrom tatsächlich enthalten ist, hängt von der konsultierten Studie ab", betont von Stockar. Ein Teil der Studien beurteilt den gesamten Uranzyklus inklusive dem Abbau, der andere hingegen nur einen Teil der Kette. Zudem hängt es von der Art des Transports ab. Die Aufbereitung wie auch der Rückbau der Anlagen sowie die Lagerung der Abfälle komme noch hinzu.
"Ein Problem dabei ist, dass die Urangewinnung in den kommenden Jahrzehnten deutlich Energie- und deshalb auch CO2-intensiver wird, denn Uran ist endlich und das Gestein enthält immer weniger Uran", erklärt die Expertin.
Nach aktuellen Angaben der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der OECD gibt es weltweit etwa 4,7 Mio. Tonnen wirtschaftlich abbaubare Vorkommen von Uran. "Wir die Atomkraft massiv ausgebaut, gehen die Vorräte noch schneller zur Neige", so die Expertin.
Revidierte CO2-Bilanz
"Das AKW Beznau hatte 2008 eine Klimabilanz präsentiert, in der von 3,04 Gramm pro Kilowattstunde die Rede war. Diese Zahl musste erst kürzlich revidiert werden", erklärt von Stockar. "Ein Grund war die Komplexität und die Intransparenz der Urankette, die der Betreiber Axpo offensichtlich selbst nicht kennt."
"Für eine saubere Berechnung der CO2-Belastung von Atomstrom muss selbstverständlich die ganze Kette berücksichtigt werden", so die Expertin. Storm van Leeuwen hatte in einer Studie im Jahr 2007 einen CO2-Gehalt von Atomstrom von 139,1 Gramm errechnet, die WISE-Studie kommt auf 230 Gramm. "Die Schweizerische Energie-Stiftung stützt sich deshalb auf höhere Werte als die Stromwirtschaft", so von Stockar. (red/pte)