Johannes Wancata, Ombudsmann für sexuellen Missbrauch, über Pädophilie innerhalb und außerhalb der Kirche
Johannes Wancata leitet seit einem Jahr die Ombudsstelle für sexuellen Missbrauch der Erzdiözese Wien. Die Nähe zur Kirche sei weder für seine Job-Besetzung noch für die Auswahl seiner Mitarbeiter relevant gewesen, meint der Psychologe im Video-Interview. "Es wurde lange Zeit verleugnet, dass es so etwas wie sexuellen Missbrauch gibt", meint Wancata im Gespräch mit Hans Rauscher über den Umgang mit Pädophilie. Unter den acht Fällen, mit denen er im vergangenen Jahr betraut war, waren zwei Kinder und der Rest Erwachsene. Manche Fälle seien schon vor 50 Jahren passiert und deshalb strafrechtlich nicht mehr verfolgbar. Die Opfer hätten sie bis heute nicht aufgearbeitet. Dafür, dass Missbrauch innerhalb der Kirche verbreiteter sei als außerhalb gäbe es keine gesicherten Daten. Auch eine "kleine deutsche Studie", die besagt, dass es innerhalb der Kirche weniger Fälle gibt als außerhalb, hält Wancata für nicht aussagekräftig. Wieviele Fälle es tatsächlich gibt, wisse man einfach nicht. Die 510 Anzeigen vom Vorjahr seien auf jeden Falle für ein kleines Land wie Österreich eine hohe Zahl, und: "Es gibt noch eine gewaltige Dunkelziffer". (rasch, derStandard.at, 23.2.2010)