Bauherren verwenden immer öfter hochwertige Materialien. Der zunehmende Fokus auf die Qualität gilt auch für Fertighäuser
Einfamilienhäuser gehen zurück, Wohnungen und Reihenhäuser nehmen zu - das besagt eine Trendstudie zum Wohnverhalten der Österreicher von Andrea Baidinger, Kommunikationsexpertin in Immobilienfragen. Demnach leben derzeit 37 Prozent der Befragten in einem Einfamilienhaus, 2003 waren es noch 49 Prozent. Wer sich trotzdem für einen Hausbau entscheidet, macht das immer mehr im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit: Der Trend hin zu Niedrigenergie- und Passivhäusern der vergangenen Jahre setzt sich weiter fort und hat auch im Fertighausbereich Fuß gefasst. Laut Österreichischem Fertighausverband sind übrigens mehr als ein Drittel aller neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäuser bereits Fertighäuser.
Hochwertige Materialien
Neben der Nachhaltigkeit ist Qualität ein weiteres Kriterium, das für Bauherren immer mehr an Bedeutung gewinnt. "Sowohl was die Planung als auch die Ausführung betrifft", erzählt Gerda Maria Gerner vom Wiener Architektenbüro "gerner°gerner plus". "Die Bauherren nehmen sich für die Planung sehr viel Zeit und investieren auch in Studien und Forschungen zu unterschiedlichen Materialien", so Gerner.
Der zunehmende Fokus auf die Qualität gilt auch für Fertighäuser. "Und zwar nicht nur bei den Materialien, sondern auch, was energetische Standards betrifft", sagt Christian Murhammer, Geschäftsführer des Österreichischen Ferighausverbandes. Das liege einerseits an der Förderpolitik, andererseits am derzeit vergleichsweise hohen Eigenkapital von Häuslbauern. Was man wiederum daran erkenne, dass die Stückzahl an verkauften Häusern zwar eher rückläufig, der Umsatz insgesamt aber höher sei. "Viele Konsumenten stecken ihre Geldreserven jetzt nicht in Veranlagungen, sondern in Grund und Boden", sagt Murhammer. Das Mehr an Eigenkapital führe zu größeren, hochwertigeren und damit teureren Häusern.
Nachhaltigkeit beginnt bei der Errichtung
Den Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet Marina Hämmerle, Direktorin des Vorarlberger Architektur Instituts, aus einer etwas kritischeren Sicht. Das ökologische Bewusstsein von Bauherren nehme zwar stetig zu, der Trend gehe zu einer hochgedämmten Hülle und Heizsystemen mit erneuerbaren Energien. Aber: Nachhaltigkeit in Bezug auf Konstruktions- und Bauweise, Material- und Transporteinsatz würden nach wie vor noch wenig bedacht. "Nachhaltigkeit beginnt bei der Errichtung, das heißt bei der Wahl und Zusammensetzung der Baustoffe - dort wird viel belastende graue Energie produziert, die oftmals nicht ins Kalkül gezogen wird."
Es reiche außerdem nicht, Passiv- und Niedrigenergiehäuser zu bauen, wenn die Infrastruktur dafür nicht ausreiche und weitere Landschaftsräume dafür verbraucht würden. "Es ist ein Versagen auf verkehrs- und städtebautechnischer Seite zu orten. Hier werden kaum mehr dörfliche Strukturen entwickelt, dafür im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Sackgassen."
Kleinere Grundstücke im Westen
Ein weiterer Trend: Grundstücke werden zunehmend kleiner. "Zumindest für Vorarlberg kann ich sagen, dass viele Bauherren auf weniger großen Grundstücken ihren Haustraum errichten", sagt Hämmerle. Eine Erklärung dafür seien die hohen Preise oder der Rückgang an vererbbaren Grundstücken sowie eine größere Flexibilität bezüglich des Standortes.
"In den 1960er Jahren war ein durchschnittlicher Baugrund zwischen 1200 und 2000 Quadratmetern groß, in den 1980ern rund 700 bis 1200. Heute reichen in vielen Fällen schon 400 Quadratmeter", sagt Hämmerle. Das sei in Ostösterreich, wo es viele ebene Flächen gebe, noch anders, so Murhammer.
Stein, Glas und Metall
Bei den verwendeten Materialien gibt es eindeutige Vorlieben: "Stein, Stein, Stein", weiß Gerner, "und zwar hochwertige, langlebige Naturmaterialien." Holz werde eher nur im Innenbereich eingesetzt, auch Glas und Metall werde gerne verwendet. Für beides gelte: "Keine kurzzeitigen Experimente, sondern hochwertige Lösungen."
Den vermehrten Einsatz von Glas bestätigt auch Baumeister Walter Ruck, derzeitiger Landesinnungsmeister der Wirtschaftskammer Wien. "Bedingt durch das große Bedürfnis der Menschen nach Licht und offenen Räumen sind großzügige Fensterflächen nach wie vor sehr gefragt", so der Experte.
Offen und mit viel Licht durchflutet
Die Wohnbereiche werden zunehmend offen und naturnah gestaltet: Fließende Übergänge von innen nach außen, größtmögliche Verglasung, der Natur angepasste Farben, heller Stein und dunkle, geölte, wertvolle Hölzer. Für Kinder gebe es etwa eigene Bäder, integrierte Einliegerwohnungen würden im Trend liegen, so Gerner. Wohnküchen seien out, in sind dagegen große Wohn- und Speiseräume mit angrenzender Küche. Suite-ähnliche Schlafbereiche mit begehbaren Schrankräumen und mehreren Bädern seien ebenfalls in Mode, so Ruck. Trotz offener, ineinander übergehender Wohnräume sei es für die Kunden immer wichtiger, für jedes Familienmitglied eigene Rückzugsräume zu haben, weiß Murhammer.
Wichtig sei den Kunden außerdem eine unverwechselbare Architektur, viel Freiraum, großzügige Terrassen und Balkone, weiß Gerner. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Sicherheit: Viele Kunden seien bereit, für spezielle Alarmsysteme - von Alarmanlagen bis hin zu einbruchsicheren Gläsern - mehr Geld auszugeben.
Parks, Pools und wenig Farbe
Im Außenbereich würden Gärten immer mehr wie Parks angelegt, Gartenanlagen mit Teich, Schwimmteich, Pool oder einer Kombination seien beliebt. Zum Thema Farbe erklärt Gerner: "Wenn Farben verwendet werden, dann werden sie individuell und punktuell eingesetzt, als so genannte Eyecatcher, um Identität zu schaffen."
Der Einbau von Systemen zur alternativen Energiegewinnung ist je nach Bundesland aufgrund hoher und weniger hoher Förderungen sehr verschieden. "Sonnenkollektoren oder andere alternative Energieformen sind in Wien im Einfamilienhausbau kaum ein Thema, weil die Preise der erstmaligen Anschaffung noch zu hoch und die Förderungen im Vergleich zum restlichen Österreich sehr gering sind", erklärt Gerner. In Vorarlberg nimmt Hämmerle, auch aufgrund von Zuschüssen von Seiten des Landes, einen Trend zur Sanierung wahr. "Wohnungssuchende überlegen sich zunehmend, das Elternhaus zu adaptieren", so die Expertin.
Neue Förderung für Fertighäuser
Im Fertighaus-Bereich ist besonders eine kubische Architektur modern. Das liegt daran, dass "einfacher" gebaute Häuser ohne Extras wie zum Beispiel Erker am energieeffizientesten sind. Seit Dezember 2009 gibt es eine neue, bundesweite Fertighaus-Förderung des Klima- und Energiefonds für integrierte Photovoltaik-Anlagen. Das heißt, dass die Solarzellen bereits beim Hausbau direkt im Dach oder in die Fassade und nicht erst im Nachhinein eingebaut werden. Die Förderung steht nur jenen Bauherren zu, die bestimmte energierelevante Kriterien einhalten. (Maria Kapeller, derStandard.at, 22.2.2010)