Missbrauchsskandal

Deutsche Bischöfe diskutieren Konsequenzen

22. Februar 2010, 13:21

Kirchenkritiker beklagt Versagen der Kirche - Ehemaliges Opfer glaubt nicht an Aufklärung

Freiburg/Berlin - Die Bischöfe der 27 katholischen Diözesen in Deutschland sind am Montag zu ihrer Frühjahresversammlung zusammengekommen, um unter anderem über das aktuelle Missbrauchsthema und dessen Aufarbeitung sowie die Konsequenzen für die Zukunft zu diskutieren. Wichtigstes Thema seien die in den vergangenen Wochen bekanntgewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs an katholischen Schulen, berichtete die Kathpress am Montag. Hier wollten die Bischöfe über Sanktionen für Täter bzw. Mitwisser und Hilfen für Opfer sprechen. Die Beratung der Bischöfe stoße auf großes öffentliches Interesse. Aus Freiburg berichten laut Aussendung mehr als 100 Journalisten.

Der Berliner Erzbischof, Kardinal Georg Sterzinsky habe im Vorfeld in scharfer Form jegliche Fälle von sexuellem Missbrauch und Misshandlungen in der Kirche verurteilt, hieß es weiter. In seinem Fastenhirtenbrief habe Sterzinsky von einer "Ungeheuerlichkeit" gesprochen. Unabhängig vom Ergebnis der juristischen Untersuchungen "müssen wir schon jetzt einen in seiner Tragweite schwer zu ermessenden Schaden feststellen und alles Fehlverhalten verurteilen und es dem Gericht auch unseres Gottes überantworten", so Sterzinsky.

Weitere Missbrauchsfälle

Am Wochenende waren weitere Missbrauchsfälle aus kirchlichen Einrichtungen in Deutschland bekanntgeworden. Im Gespräch seien jetzt strengere Auflagen für die Priesterausbildung und eine Überprüfung der bestehenden Richtlinien im Umgang mit Missbrauchsfällen. Gleichzeitig wollten die Bischöfe in Freiburg deutlich machen, dass es keinen Generalverdacht gegen Priester oder katholische Schulen geben dürfe, so Kathpress.

Die deutschen Bischöfe dürften bei ihren Beratungen laut Aussendung auch die Erfahrungen der US-amerikanischen Bischöfe heranziehen. Deren Schritt zu einer "Null-Toleranz-Strategie" bei Missbrauchsfällen lenke die Debatte weg von den alten Skandalen hin zu einer Zukunftsperspektive für die katholische Kirche. Seither reiche in den USA ein einmaliger unsittlicher Kontakt mit Minderjährigen aus, um einen Priester auf Lebenszeit seines Amtes zu entheben. Hinzu kämen strenge Vorschriften für den Umgang mit Minderjährigen, die unbeobachtete Einzelbegegnungen fast unmöglich machten.

Missbrauchsopfer: "Niemand hat mit mir gesprochen"

Das Missbrauchsopfer Norbert Denef glaubt nicht an eine wirkliche Aufklärung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche. Diese habe kein Interesse am Umgang mit den Opfern, sagte er im Deutschlandradio Kultur. "Bis heute hat keiner bei mir angerufen, niemand mit mir gesprochen." Stattdessen habe die Kirche ihn massiv unter Druck gesetzt und ihm mit Klagen gedroht, sollte er seine Vorwürfe öffentlich machen.

Denef, der in seiner Jugend in den 50er und 60er Jahren von zwei Kirchenmännern missbraucht worden war und sich erst nach Jahrzehnten offenbart hatte, erwartet auch von der Tagung der Deutschen Bischofskonferenz "im Prinzip nichts". Wenn die Bischöfe etwas ändern wollten, sollten sie sich für eine Aufhebung der Verjährungsfristen einsetzen, forderte Denef. "Das wäre ein wirkliches Bekenntnis, alles andere wären Lippenbekenntnisse."

Drewermann hält Zölibat für Hauptproblem

Der Kirchenkritiker Eugen Drewermann hat der katholischen Kirche unterdessen vorgeworfen, einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den Missbrauchs-Vorwürfen aus dem Weg zu gehen. Die "reine heilige Kirche" werde scheinbar vom Frevel einiger Mitglieder belastet, doch in Wirklichkeit sei sie daran mit beteiligt, sagte der aus der katholischen Kirche ausgetretene Theologe dem Deutschlandradio Kultur mit Blick auf die Bischofs-Versammlung in Freiburg.

Im Zusammenhang mit dem sexuellen Missbrauch sei der Zölibat unter den gegenwärtigen Bedingungen ein Hauptproblem, erklärte Drewermann dem Sender. Jeder wisse, dass diese Verpflichtung nur unter enormen Konflikten einzuhalten sei. Wer sich dazu entscheide, habe die Auffassung verinnerlicht, dass sexuelle Erfahrungen sündhaft seien und gebeichtet werden müssten. "Mit all diesen Konflikten fliehen viele bereits schon in das Priestertum und hoffen, von sich selber in gewissem Sinne befreit zu werden durch die Gnade Gottes." Weil das nicht funktioniere, stünden am Ende neue Fehlbarkeiten. (APA)

Max Watzenböck
 
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http://www.gottes-suche.de/1.Aktuelles.html

gibt eine Überblick über die aufzuarbeitenden Missbrauchsfälle

Lichtfreak
01
26.2.2010, 17:35
Konsequenzen für wen?

Die Opfer?

Ich fordere eine ausserkirchliche, aber von der Kirche voll bezahlte Anlaufstelle für Missbrauchsopfer der Kirchen.

Vielleicht kann man irgendwie die Opfer dazu bewegen, sich zu melden, denn die Dunkelziffer wird gross sein!

countdawn
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Sexuelle Missbrauchsopfer brauchen unabhängige Hilfe

Wir brauchen einen unabhängigen Verein zur Hilfe von Missbrauchsopfern der Kirchen.
Was derzeit an den diözesanen Ombudsstellen läuft ist ein Hohn! Wer geht schon an dieselbe Organisation, die ihr/ihm GRÖSSTEN Schaden zugefügt hat, um Hilfe?
Ich hoffe es gelingt mir und anderen einen Verein wie die ehemaligen Heimkinder in BRD auch in Österreich auf die Beine zu stellen.
Wer Interesse daran hat, möge sich bitte melden.
calendersign@gmx.at

Quasis Herr Karl
02
26.2.2010, 15:53
Deutsche Bischöfe diskutieren Konsequenzen

Langjährige Haftstrafen für die Mißbrauchten?

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