Secession

Wirbel um Swingerclub-Installation von Christoph Büchel

22. Februar 2010 13:11
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    sujet: secession

    Einladung in den Swingerclub "Element6", der bis 18.04.2010 in der geschichtsträchtigen Wiener Secession seine Heimat hat.

Besucher gelangen tagsüber durch Club-Räumlichkeiten zum einst skandalösen Beethovenfries

Wien - Hohe Wellen schlägt seit dem Wochenende die neue Ausstellung von Christoph Büchel in der Secession: Der Schweizer Künstler, der bereits vor einigen Jahren in Kassel ein Solarium, einen Billig-Supermarkt und ein Wettbüro im Fridericianum installiert hat, bespielt das Untergeschoß der Secession nun mit einem echten Swingerclub.

Tagsüber werden jene Besucher, die sich für das Beethovenfries interessieren, durch die leeren Räumlichkeiten geschickt (Jugendliche ausgenommen), in der Nacht läuft im "Element6" Normalbetrieb, wie die Pressesprecherin der Wiener Kunstinstitution Urte Schmitt-Ulms erklärte.

Gepaarte Institutions- und Gesellschaftskritik

Der Künstler, der in seinen Rauminstallationen und Projekten stets reale Gesellschaftszustände inszeniert und soziale Situationen in den Kunstraum transportiert, spielt auch auf die Raumvermietung von Kulturinstitutionen an. Und eben diese Vermietungskonstellation schlägt sich auch in der in den Medien kritisierten Finanzierung der Schau nieder, so Schmitt-Ulms. Die Secession finanziere sich zu zwei Dritteln selbst, im Falle der Ausstellung von Christoph Büchel kommen die Einnahmen aus den Eintrittspreisen des "Vereins der kontaktfreudigen Nachtschwärmer", der für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstraße in die Secession gezogen ist.

Ein bereits historischer Skandal

Die ausgelöste öffentliche Diskussion ist jedenfalls intendiert: So spielt Büchel auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, so die Pressesprecherin, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich.

Organisatorisch habe es im Vorfeld einige Arbeit gegeben: Die Konzession bringe der Club selbst mit, zum Schutz des Beethovenfrieses ist der ebenfalls als Swingerclub gestaltete Raum in der Nacht geschlossen, die im Nebenraum installierte Sauna dient lediglich der Vollständigkeit, in Betrieb geht sie aus konservatorischen Gründen nicht. Die von der Tageszeitung "Österreich" genannten Umbau-Kosten von 90.000 Euro könnten laut Secession "so stimmen, aber es ist ja noch nicht alles fertig". (APA)

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el gomero
07.05.2010 13:12
manche erregt schon weniger als der Swingerklub >

http://archiv.print-gruppe.com/ausgabe.php?id=5659

Leider sogar prominente Grüne.

MarioV
11.03.2010 16:14

Wenn der Beethofenfries nicht ins Etablissment kommt, dann muss das Etablissment eben zum Beethofenfries kommen.

okami
28.02.2010 00:51
Ich habs mir angesehen, bei Tag und bei Nacht, ob es Kunst ist mag ich immer noch nicht beurteilen.

Bei Tag ist es einfach ein Museum, wie die Gemächer in Schloss Schönbrunn, nur weniger 'barock'. Gerade das würde ich nicht als Kunst empfinden.

Die Spannung entsteht dadurch, dass es in der Nacht 'echt' ist. Ohne das wäre auch kein Skandal, es wäre einfach fad.
Ich glaube das Thema (und Spannungsfeld) ist: kunst = künstlich vs. 'echt'!

Jedenfalls geht es in der Nacht viel gesitteter zu, als sich das die uninformierte 'Volksseele' vorstellen mag. Ich würde es vergleichen mit einer Party, bei der sich manche in das Schlafzimmer der Gastgeber zurückziehen.

Gruppensex, Rudelbums, Gangbang, willenlose Frauen auspeitschen, all das gibt es, aber mehr in den Köpfen derer die dort 'niemals' hingehen.
Es geschieht nichts ohne Einverständnis.

okami
28.02.2010 00:10
Nur um Größenordnungen zurecht zu rücken.

Weils mich interessiert hat hab ich gegoogelt.

Veröffentlicht: http://kurier.at/kultur/1965343.php
Derzeit erhält die Staatsoper 51,5 Millionen Euro Basisabgeltung, das sind ca. 147.143.- Euro am Tag. Bei ca 1000 Opernbesuchern pro Tag wären das 147.- Euro für jeden Opernbesucher an Subvention. Kein Lercherl!
Besucher des Element6 zahlen am Abend ganz sicher kostendeckende Preise.

Nein, ich bin es den Opernfans nicht neidig, obwohl ich das mitfinanziere und es wohl recht eindeutg Subventionierung von Eliten ist.

Auch die künstlerische Berechtigung ist vom Standpunkt dessen, der mit Oper gar nix am Hut hat legitimerweise hinterfragbar: Oper, so ein Schaas, wer braucht des!

Um 51,5 Millionen müsste in Wien niemand obdachlos sein!

Igor Gassner
26.02.2010 18:13
Kunst ist absolut wird sie gefördert ist sie

nur noch relativ

phaidros
02.03.2010 16:39

relativ wozu?

onduras
25.02.2010 14:07

natürlich gehört kunst gefördert und darf nie irgendwelcher zensur unterliegen
aber es sollte durchaus die diskussion erlaubt sein, ob jede provokation, kunst ist
betrachtungsweisen sind immer subjektiv, einer fühlt sich sich in seinen moralischen werten erschüttert, der andere mag darin den anstoss für eine rege diskussion sehn
fäkalkünstler wie kolig, nitsch mögen ihre fans haben, aber ist es kunst wenn ich sch.... kunstvoll trapiere, ich würde sagen mehr als provokation seh ich darin nicht, die kunst ist es vermutlich dies als kunst irgendwelchen pseudointellekuellen zu verkaufen
es wird sicher immer einen personenkreis geben die jeden furz diverser aktionisten, als gottessignal verstehen

okami
26.02.2010 14:46
Klar, es gibt die 'outer skirts' ...

... hinter denen das Nichts beginnt.
Aber manche halten bereits eine Erdumrundung für interstellare Raumfahrt.
Früher war eine Kutschenfahrt in die Hauptstadt eine Fernreise.

So hat halt jeder seine Grenzen, da stimme ich zu. Über diese Grenzen zu reden ist ein netter Zeitvertreib. Die eigenen Grenzen anderen als absolut einzureden ist aufdringlich.

Es wäre ja auch möglich Kunst nicht nach dem Ergebnis zu definieren, sondern als Teil des Menschseins. Alles was nicht zum Lebenserhalt notwendig ist, sondern sich als kreative Tätigkeit in der 'Pause' ausdrückt könnte man als Kunst bezeichnen.

Nach dieser Definition wären alle Postings hier Kunst. Nach dem Ergebnis wohl eher nur wenige.

MarioV
26.02.2010 07:33

Aber ohne Provokation, ohne Skandal entstehen keine neuen Freiräume.
Wenn es einem Künstler gelingt die Grenzen des Erlaubten zu verschieben, dann macht er die Gesellschaft insgesamt freier, und zwar für alle Menschen.
Und das ist ein Dauerauftrag.

universelles recht auf atomwaffen
27.02.2010 02:09
und wärt ihr ein wenig schneller, müsste der künster fritz seine kunst nicht im keller ausüben

vielleicht werden wir ihn ja in einigen jahren als begründer neuer bahnbrechender freiräume ehren...

okami
07.03.2010 11:32
Ein Kellerverlies ist niemals ein 'Frei'-raum!

hcl
05.03.2010 23:50

Es ist Ihnen aber hoffentlich schon klar, daß an einem Kunstprojekt künstlerisch Mitwirkende dies aus freien Stücken tun müssen und nicht unter Zwang. Diese eine Grenze kann ohne Diskussion ziehen – alles andere ist eine Frage der Einstellung.
Insofern ist Ihre Anspielung vollkommen fehl am Platz – die vermutlich nur noch kein rotes Stricherl bekommen hat, weil Sie sichtlich Probleme mit dem L auf Ihrer Tastatur haben.

okami
26.02.2010 15:08
Neue Freiräume ...

... entstehen (auch) durch gesellschaftliche Diskussion. Diese wird fallweise duch Provokation und Skandal beschleunigt, manchmal auch erst ermöglicht.

Sien
26.02.2010 09:12

wenn es einem kleinkind gelingt, durch nervtötendes geplärre an der kassa im supermarkt die grenzen zu verschieben und die mama so weit zu bringen, das dort angebotene süße, überteuerte klumpert zu kaufen, wird es auch triumphieren und sich freier fühlen.
um welchen freiraum geht's im fall der swingerclubinstallation genau?

werwolfi
27.02.2010 01:24
"um welchen freiraum geht's im fall der swingerclubinstallation genau?"

darum, dass offensichtlich noch immer nicht erwachsene privat und konsensual (miteinander oder auch nicht) tun und lassen dürfen, was sie wollen.

solange so etwas einen skandal provoziert, war die provokation offensichtlich notwendig...

das beethovenfries war damals auch ein skandal, und die selben, die jetzt über die installation schimpfen, und vor diesem (inzwischen so wahrgenommenen) kunstwerk knien, hätten vor gut 100 jahren garantiert gegen das fries opponiert - das ist nur eine frage der verschiebung des gesellschaftlichen grundkonsenses.

ergo: solange so etwas provozieren *kann*, *muss* es auch sein.

würde sich keiner aufregen, wär das wohl die letzte provokante installation hierzulande... die gefahr ist aber gering ;o)

MarioV
26.02.2010 09:54

Im Gegensatz zu anderen biologischen Vorgängen wie Essen oder Trinken wird Sexualität in unserer Gesellschaft noch immer versteckt.

phaidros
02.03.2010 16:48

versteckt? wo leben sie? sexualitaet ist doch eh schon omnipraesent als wurm an der werbungsangel, als woechentlich widergekautes thema in medien, von mtv bis zu tratschzeitschriften, weil sich mit sexualitaet und unserem wissen darueber und unserer angst, nicht normal zu sein, einfach unglaublich viel geld machen laesst.
wieviel praesenter wollen sies noch? und welchen zweck solls denn haben?

vor diktat verreist
26.02.2010 11:40

die endstufe der verarbeitung des gegessenen und getrunkenen finden auch unter ausschluß der öffentlichkeit statt. zum glück. ich bin auch froh darüber, daß es als nicht salonfähig gilt, vernehmlich zu rülpsen und zu furzen.
"versteckt"? ja.....komisch. ich frag mich auch immer, warum man in der u-bahn oder am stephansplatz nie jemand hingebungsvoll vögeln sieht. könnte sein, daß das ev. als erregung öffentlichen ärgernisses interpretiert würde? ich bin halt so eine spießerin, daß sex für mich ein 2personen-stück ist, und da hab ich's gern ein bißl intimer.

okami
28.02.2010 01:19
am Stephansplatz ist es zu windig, und in der U-Bahn zu voll!

Aber ansonsten, mitten in Wien: in Parks, in Toreinfahrten, in Aufzügen, auf Parkplätzen, in Umkleidekabinen ... so wurde es mir von AkteurInnen erzählt.

werwolfi
27.02.2010 01:13

"ich bin halt so eine spießerin, daß sex für mich ein 2personen-stück ist, und da hab ich's gern ein bißl intimer."

ist ja auch völlig o.k., keiner zwingt dich in einen swingerclub.

da es aber offenbar leute gibt die das brauchen, musst du sie genauso lassen, sie verlangen ja auch nicht von dir, dass du ihre lebenseinstellung übernimmst - und *das* ist auch der entscheidende unterschied (und der grund, warum sowas noch ein skandal und daher offenbar notwendig ist!):

die moralapostel (das ist jetzt nicht auf dich gemünzt) wollen den anderen ihren lebensentwurf aufdrängen und erklären alles was ihnen nicht in den kram passt für "pervers" und "abnormal", was dagegen ein libertin niemals tun würde.

werwolfi
26.02.2010 05:16
ui ui ui...

"fäkalkünstler wie kolig, nitsch"

egal ob einem jetzt die kunst der beiden gafällt oder nicht - das große problem dabei ist, dass du hier entscheidest, wer ein "fäkalkünstler" ist und glaubst, dieses verdikt müsste automatisch von allen "normalen" (wo du dich natürlich auch dazuzählst) geteilt werden - und alle, die es anders sehen, sind "pseudointellektuelle".

dünnes eis...

du weißt, dass z.b. Kolig senior von den nazis als "entartet" angesehen wurde?
die haben auch geglaubt, sie hätten das kunstverständnis nicht nur mit löffeln gefressen, sondern ihr urteil gälte auch für alle die ein "gesundes volksempfinden" haben.

mit solchen leuten stellst du dich mit deinem urteil vom "fäkalkünstler" auf eine stufe, sorry...

onduras
26.02.2010 23:53

sie können es natürlich drehen und wenden wie sie wollen, sie können auch die verschiedenen subjetiven empfindungen vergleichen
ich respektiere alle individien und dies erwarte ich auch von anders denkenden, es wird immer leute geben sie sich durch solch entartete provokation in ihren moralischen wertvorstellungen gestört fühlen
für mich ist kunst etwas erbauendes, das meine gefühle berührt
kolig,nitsch und dergleichen glänzen mangels anderer ergüsse, eben durch sch.. oder anderer perversionen
sie werden sicher ihren raum finden und eine gewisse klientel beglücken, zum glück muss und will ich das nicht verstehen
und was kunstverständnis mit politik zu tun hat, obliegt vermutlich einer eigenen diktion

werwolfi
27.02.2010 15:30

"ich respektiere alle individien"

nein, tust du nicht, wenn du sie "fäkalkünstler" nennst und von "perversionen" sprichst, weil das ist deine rein subjektive einschätzung.

vor gut 100 jahren waren Klimt (etwa mit dem Beethovenfries) und Schiele auch im allgemeinen empfinden "fäkalkünstler", und jetzt knien die selben spießer vor dieser großen kunst und schimpfen dafür auf Nitsch etc.

dass auch jede neue generation das nicht kapiert, dass sie das selbe im anderen rahmen und kontext tut, versteh ich nicht...

anderswahrundwieder
28.02.2010 19:50

@werwolfi
wahre worte.

Sien
25.02.2010 21:31
@ onduras

Zustimmung.

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