Plagiate

Hahns Dissertation soll untersucht werden

22. Februar 2010, 12:18

Medienwissenschaftler will 70 alte Fälle aufrollen - Anzeige bei Korruptionsanwaltschaft

Wien - Der als "Plagiatsjäger" bekannt gewordene Medienwissenschafter Stefan Weber will nach einer in der Vorwoche bekannt gewordenen Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) demnächst rund 70 "alte" Fälle wieder neu aufrollen.

Als ersten Schritt habe er in einem Plagiatsfall an der Uni Salzburg eine Anzeige an das Bundesamt für Korruptionsbekämpfung und Korruptionsprävention (BAK) formuliert, so Weber. Als nächste Arbeiten könnten die Dissertation von Ex-Wissenschaftsminister und EU-Kommissar Johannes Hahn und die Habilitation des Vizerektors der Montanuni Leoben, Hubert Biedermann, wieder in sein Visier geraten.

Das Thema sei bis zu der VwGH-Entscheidung für ihn bereits "archiviert" gewesen, so Weber. Da die betroffene Dissertation aber "nicht so eindeutig plagiiert war wie andere Fälle, sehe ich das jetzt in einem anderem Licht". Er wolle "nicht mit jedem Fall zum VwGH, aber Gerechtigkeit in jenen Fällen, wo ungerechtfertigt ein Auge zugedrückt wurde".

Salzburger Fall "stinkt"

Der VwGH hatte die Beschwerde einer Absolventin der Uni Klagenfurt verworfen, die gegen die Aberkennung ihres Titels wegen eines von Weber aufgezeigten Plagiats vorgegangen war. Dabei habe das Höchstgericht unter anderem auch zur Frage Stellung genommen, ab wann ein Plagiat wesentlich für die Arbeit sei. Im Fall der Klagenfurter Absolventin sei etwa ein Drittel der Arbeit unzitiert übernommen worden, so Weber. In einem ähnlichen Fall an der Uni Salzburg wurden aber etwa gleich die ersten 47 Seiten einer Diplomarbeit aus dem Internet kopiert, ohne dass der Verfasser seinen Titel verloren hätte. "Hier muss mit dem selben Maß gemessen werden", meinte Weber.

Weber vertraut Agentur für wissenschaftliche Integrität nicht

Er habe mit dem Salzburger Fall begonnen, weil er "auf jeden Fall stinkt". Deshalb hat Weber eine Anzeige an das BAK formuliert, das ihn erst vor wenigen Wochen zu einem anderen Fall einvernommen habe. Diesen Schritt habe er gewählt, weil er den Universitäten und der neu gegründeten Agentur für wissenschaftliche Integrität nicht traue. "Die Gutachternetzwerke halten zusammen", so Weber. "Man wird immer einen finden, der sagt, dass die Arbeit kein Plagiat ist. Deshalb muss ich einen anderen Weg finden, um das aufzuzeigen."

Hahns Dissertation soll noch einmal unter die Lupe genommen werden

Er will "sich jetzt einmal anschauen, was passiert. Vielleicht gibt es ja einen Schneeballeffekt". Wenn dieser Fall neu aufgerollt werde, könne er sich vorstellen, sich auch die Dissertation Hahns komplett vorzunehmen, in der bereits in den ersten Kapiteln seitenweise unzitiert abgeschrieben worden sei. Allerdings könne er nicht einfach so anfangen, sich 40 Bücher zu Hahns Dissertation auszuleihen: "Das wäre etwas für ein eigenes Forschungssemester." Zu diesem Zweck müsste es eine Instanz geben, die dafür Aufträge vergebe - "nicht an mich bitte" -, um den Vorwürfen nachzugehen.

Im Fall Hahns hatte die Universität Wien nach Einholung einer Stellungnahme der Universität Zürich auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahren verzichtet. Bei Biedermann war ein "Uni-Weisenrat" zum Schluss gekommen, dass dieser nur den "akademischen Anstand, aber keine urheberrechtlichen Normen verletzt" habe. Er ist nach wie vor im Amt. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 59
1 2
wilko0070
 
01
11.3.2010, 10:19
Zum Glück kann man Dr. Wolfgang Schüssel oder Dr. Jörg Haider

nicht nachträglich mit Schmutz bewerfen, da sie erst keine Dissertation geschrieben haben!

David-Lauritz
30
Zwerglein Weber ignorieren!

smea_gol
14

mir ist hr. weber unsymphatisch bis dorthinaus, da er meint, seine persönliche abneigung gegen plagiate macht ihn zum weißen ritter der wissenschaft. Was er sicher nicht ist...

Aber einer gewissen schadenfreude, dass dem hahn es an den kragen geht, kann ich mich nicht erwehren...
vielleicht sollte man gleich bei einigen anderen övp-politikern schauen, wie sich die sachen da so bewegen...

skyrock
02
29.3.2010, 09:48
das genaue Gegenteil täte der österr. Seele gut

keine Schadenfreude und persönliche Befindlichkeiten sondern allgemein eingehaltene und kontrollierte wissenschaftliche Standards

kata tonik
02
28.2.2010, 19:38

analyse der 100 seiten der hahn-dissertation von h. hrachovec hier: ftp://phaidon.philo.at/1244703174__0__lm_194.zip

mountaineer
01
26.2.2010, 09:54

wenigstens ein mögliches betätigungsfeld eröffnet sich für kowi-absolventen, nachdem der orf leider keine mehr nehmen kann...
als absolventin kann man ja wenigstens nach abschluss des publizistikstudiums schwanger werden und gut einheiraten...

mountaineer
00
26.2.2010, 09:49

Das stelle ich mir ziemlich uninteressant vor, Hahns ganze Diss. zu lesen. Da ist der Weber wahrscheinlich auch der Erste, neben Hahns Ghostwriter.

füllhornkäfer
03
25.2.2010, 15:33
Viel Arbeit!

Entgegen der allgemeinen Meinung: die wissenschaftlichen Arbeiten von früher waren oft auch um nichts besser. Ich hatte für meine Studien öfter mit Hausarbeiten und Dissertationen aus den 1950-er und 1960-er Jahren zu tun, die waren sagenhaft schlecht, oft nicht länger als 60 bis 70 Seiten und abgeschrieben, wo es nur ging...

(Lustige Anektdote: eine Dissertantin hat ihren Professer zitiert, wahrscheinlich wollte Sie ihm schmeicheln - das besagte Zitat des Professors war allerdings geklaut...)

johnLEE
11
25.2.2010, 09:36
Jetzt wird mir klar

...wie man in Österreich zum gutverdienenden Leistungsträger wird.
Werd mich demnächst aus der sozialen Hängematte aufmachen ;-)

Hannes Gruber
03
23.2.2010, 23:21
letzte woche auf der UB

das niveau der dipl.arbeiten – auch in geisteswissenschaftlichen fächern – ist teilweise erschreckend. und kopiert wird oft völlig unverschämt.

letztlich habe ich zu einer bestimmten sache recherchiert und mir bücher in der unibibliothek ausgeliehen. zwei davon waren diplomarbeiten: die eine hiess ca. "das x und die y", die andere hiess "das x in bezug auf die y". beide arbeiten waren ZUR GÄNZE identisch, mit jeweils umgestellten wörtern hie und da... vom inhaltsverzeichnis bis seite 107.

die eine arbeit war aus 1995, die andere arbeit aus 1998. an der selben fakultät geschrieben, an zwei fachlich benachbarten instituten.

diese 1998-person läuft nun seit 12 jahren als magister herum. und hat für seine arbeit geschätzte 2 tage gebraucht.

der bunte faschist
111
25.2.2010, 11:52
melden

tux
010
24.2.2010, 20:47
fair wäre es...

...diese Arbeiten an entsprechender Stelle zu melden. Solange so etwas nicht sanktioniert wird, hört es nicht auf.

moody 100
 
42
23.2.2010, 11:21
Angeben hätt er die Quellen ...

..schon sollen, stimmt. Aber abgesehen vom Abschreib-Hahn: man darf halt nicht glauben, dass die Hundertscharen von Huso / Sowi-Absolventen die sich jährlich ihren Titel abholen dürfen, die große Ahnung vom wissenschaftl. Arbeiten haben. Wie soll das auch funktionieren? Man sammelt anonym seine Scheine ein und findet irgendwann einen Prof., der einen nach 2 Semestern Diplomarbeitsgestottere nicht mehr sehen kann und das Pamphlet durchwinkt. Mit etwas Ausdauer folgt dann die "Diss". Und: nein, ich bin nicht für Zugangsbeschränkungen. Man muss bei d. Massenuni allerdings realistisch sein. Dort kommen eben keine "Bildungseliten" sondern kommt eben ein Bissl was Halbertes raus. Teig für alle ist eben a weng dünner, und ich mein´ das net bös.

eze eze
 
00
12.4.2010, 16:14

Es gibt Lehrveranstaltungen dazu - die braucht man nur besuchen. Oder ein paar Euro für Umberto Eco "Wie man wissenschaftliche Arbeiten schreibt" ausgeben. Das gabs damals auch schon ;-)

Eine Kreatur
04
23.2.2010, 17:36
es gibt vorschriften und vorgaben ..

wer sich nicht daran hält, hat die konsequenzen zu tragen, egal ob nur ein hahn oder wer anderer ..

und die, die solche arbeiten "durchwinken", sollen genauso in die verantwortung genommen werden ..

wir leben im informationszeitalter, da wäre es ein leichtes, plagiate herauszufinden und wenn wer zu faul ist, zu zitieren, dann hat diese person es auch nicht verdient, einen akademischen titel zu bekommen ..

Titus Feuerfuchs
21
23.2.2010, 16:38
Schmarrn

das hat mehr mit Faulheit als mit Inkompetenz zu tun.

Eigene Formulierungen zu finden macht halt Mühe.

moody 100
 
03
23.2.2010, 17:52

nun, zumindest eine Diss sollte sich eigentlich nicht aufs Um"formulieren" beschränken.

Pepito Sbazzegutti
01
23.2.2010, 09:35

das geht dem hahn (wie so vieles) wahrscheinlich voll am keks.

Hubert Ungeist
 
10
23.2.2010, 10:09
Würd mir auch am Keks

Jahre danach - melden sich die Leute - und dann musst wieder verteidigen - Blödsinn

Georg-99
01
23.2.2010, 16:12

Wenn er sie selber geschrieben hat, dann muss er gar nichts, weder nochmal verteidigen noch schwitzen, so einfach ist das...

Hubert Ungeist
 
10
23.2.2010, 17:03
Doch ...

er muss jedesmal antworten und antworten und antworten.

Georg-99
01
23.2.2010, 19:33

Er muss nicht, er darf!
Wenn er's positiv sieht und seine phd selber geschrieben hat, dann braucht er sich für die Antwort wenigstens keine, sonst so üblichen, Geschichten ausdenken oder irgend wie der Frage aus dem Weg gehen wie das Politiker ja ständig tun!

Muss ja eine enorme Belastung sein 10 min. in der Zib 2 sämtliche Fragen ständig zu umgehen, da ist doch die Frage über die *eigene* Doktorarbeit sozusagen ein Paradies dagegen, da kann man wenigstens ein Mal die Wahrheit sagen! ;-)

stuffy
210
23.2.2010, 06:41
Darum ist er ja nur Politiker geworden ...

Wer nichts kann, und wer nichts ist - geht darum in die Politik.

Hätte mich auch gewundert wenn er irgendeine Qualifikation oder ein Talent gehabt hätte - darum ist er ja Politiker geworden!

Als Politiker braucht man ja nur ein S..leimer und A..kriecher zu sein - für die echte/tatsächliche Arbeit hat man ja seinen Mitarbeiterstab!

Er hat es eben schon in der Uni praktiziert - früh übt sich wer ein Gesellschaftsschmarotzer sein will!

Alter vs. Ego
18
23.2.2010, 01:08

„Es handelt sich um eine Arbeit minderer Qualität, die stellenweise an das Banale und sogar Peinliche grenzt. In ihrer Abfassung sind elementare Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens vielfach mißachtet worden. Die Schlamperei grenzt an Fahrlässigkeit. Mit Wissenschaft hat das nur als abschreckendes Beispiel zu tun.“ Zitat Herbert Hrachovec ( Quelle Wikipedia)

Danke Herb- das is die feine Klinge- göttlich - schöne Grüße an den Glücksspielminister an dieser Stelle. Aber die Besetzung der Ministerien ist sowieso lächerlich,also nichts gegen dich Gio , bist eh nur eine oarme, noch dazu austauschbare Sau. Nach der in ein paar Jahren kein Hahn mehr kräht.

Jacksonson6
10
25.2.2010, 07:39

Also was daran feine Klinge ist entgeht mir...

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