STANDARD-Interview

"Österreicher sind die besten Skifahrer"

21. Februar 2010, 18:29
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    foto: epa/alessandro della bella

    Russi fährt heute besser Ski als beim Olympiasieg 1972.

Der Schweizer Olympiasieger Bernhard Russi über Andrea Fischbacher, die Skikunst der Österreicher, körperliche Kraft, mentale Stärke und die Eiger-Nordwand

Standard: Haben Sie Frau Fischbacher auf der Rechnung gehabt?

Russi: Nur als Platzfahrerin, aber nicht als Sieganwärterin.

Standard: Gewinnt Fischbacher erneut, wenn dieser Super-G morgen nochmals ausgetragen wird?

Russi: Wahrscheinlich nicht. So funktioniert der alpine Skirennsport heute. Gerade auf einer schwierigen Piste wie dieser, auf der man überall Fehler machen kann, kannst du deine Erfolge nur sehr schwer wiederholen.

Standard: Was war mit den Favoritinnen los?

Russi: Es wurden viele Geschenke gemacht. Das hat nichts mit Fischbachers Leistung zu tun, die hat sich im Rennen gesteigert, das war fantastisch. Aber das kannst du nur, wenn du eine solide Technik hast. Und in erster Linie nicht nur Gold gewinnen willst, sondern das Problem lösen, Chef auf der Piste sein willst.

Standard: Wer hat die Geschenke konkret gemacht?

Russi: Mancuso, Görgl, Vonn und Suter, die nicht die Flucht nach vorne angetreten ist, sondern eine Verteidigungsfahrt gemacht hat. Wie Vonn im unteren Teil.

Standard: Wird zu viel auf die körperliche Kraft und zu wenig auf die mentale Stärke Wert gelegt?

Russi: Wenn ich sehe, wie die Vonn das Zeug verschenkt, wie der Cuche unten auf einmal drei Zehntel verliert. Wie die Kanadier am Druck förmlich zerbrechen. Was sie im Kopf haben, bringen sie nicht auf die Ski. Kann sein, dass das für einige ein Problem ist. Absolut möchte ich das aber nicht unterschreiben.

Standard:
Woran ist Cuche, für alle der große Favorit, gescheitert?

Russi: Wenn du so in Topform bist, so in der Favoritenrolle, und dich dann dem Ziel näherst, weißt du, eigentlich brauche ich nur keinen Fehler machen, dann habe ich die Goldmedaille in Griffnähe. Dann packst du sie und lässt sie nicht mehr los. Und wenn du mit den Händen greifst, nicht locker, sondern wenn du fest zupackst, dann geht das in die Füße. Und wenn du mit den Füßen zukrallst, dann geht's nicht mehr vorwärts.

Standard:
Sind Österreichs Skifahrerinnen die besten der Welt?

Russi:
Sie haben die beste Technik, davon bin ich überzeugt.

Standard:
Österreichs Herren?

Russi: Die Österreicher sind die besten Skifahrer. Aber die Fehlerquote war hier ein bisschen zu groß. Das Herrenteam hat unter den Rücktritten von Maier oder Eberharter gelitten. Die, die sie ersetzen mussten, wurden durch Verletzungen zurückgeschlagen. Dann hast du kurz ein Loch.

Standard: Ist das Loch zu vergleichen mit jenem der Schweizer nach Zurbriggen oder Heinzer?

Russi: Das ist immer wieder zu vergleichen. Aber die Österreicher hatten ja einen Höhenflug über Jahrzehnte. Das war historisch und einfach zu lang. So wie es jetzt ist, finde ich es gut, das sollte länger so bleiben.

Standard:
Wird es das?

Russi: Ich mache mir keine Sorgen um die Österreicher. Denn wenn ich runterschaue in den Europacup, sehe ich Leute, die haben so ein gutes technisches Rüstzeug, die sind bereit für den Weltcup. Ich muss nicht einmal die Leute kennen, ich brauche nur das Gewand sehen, da weiß ich, da ist wieder ein Junger, der die saubere, solide Technik fährt.

Standard: Was unterscheidet den Sport von heute von jenem 1972?

Russi: Am stärksten entwickelt hat sich der Athlet selbst. Die Voraussetzungen, die heute nötig sind, um vorne mitzufahren, sind überhaupt nicht mit 1972 zu vergleichen. Ich war 1972 nicht viel besser beieinander als heute.

Standard: Sie fahren heute besser?

Russi:
So, wie ich heute Ski fahre, hätte ich '72 leicht gewonnen.

Standard:
Mit heutigem Material.

Russi: Mit dem heutigen Material, der heutigen Technik. Vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber mein Wettkampfgewicht war fünfundsiebzig Kilo, heute hab ich vierundsiebzigeinhalb.

Standard:
Heißt das, dass Sie heute gleich viel oder sogar mehr trainieren als damals?

Russi:
Nein, nein, ich habe damals sehr viel trainiert. Jetzt trainiere ich anders, ich trainiere, damit ich nicht so schwer werde, weil ich ein Kletterer bin.

Standard: Sind Sie schon durch die Eiger-Nordwand geklettert?

Russi: Noch nicht die klassische Route, ich wollte die Steine nicht auf den Kopf bekommen. Es ist eine Sportkletterroute, die geht leider nicht ganz auf den Gipfel.

Standard:
Wann sind Sie zuletzt die Lauberhornabfahrt gefahren?

Russi: 2003 mit der Kamera.

Standard:
Wie lange waren Sie da unterwegs?

Russi:
Drei null sechs oder null acht. Aber ich weiß, dass ich mit der Kamera schneller war als bei meinem ersten Rennen am Lauberhorn. Der Karl Schranz hat damals gewonnen, er hatte drei null vier. Ich hatte drei null neun. Ich war Dreiundvierzigster oder so.

Standard:
Was wurde 1972 bei der Olympia-Abfahrt in Sapporo für die Sicherheit getan?

Russi: Bei der Besichtigung musstest du genau schauen, wo du nicht rausfliegen darfst. Jetzt gibt es eine Entwicklung, die ich für gefährlich halte. Dass du dir als Rennläufer eben darüber keine Gedanken machen musst. Wir sprechen viel von der Eigenverantwortung. Die gehört gefördert.

Standard: Was sagen Sie zu den österreichischen Skispringern?

Russi: Ich hab ja einen Joker, oder? Den nehme ich jetzt. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 22.02.2010)

ZUR PERSON:

Bernhard Russi (61) aus Andermatt, Abfahrtsolympiasieger 1972, Weltmeister 1970. Russi ist Pistenbauer, kommentiert für den "Blick" und das Schweizer TV.

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Araschmarrn
00
23.2.2010, 16:37

So ein Zufall, dasselbe Interview steht auch in der Presse vom 22.02.2010 (Printausgabe).

sal ami
01
22.2.2010, 19:45
"Die Österreicher sind die besten Skifahrer"

Die besten - nicht die schnellsten ...

stopmakingsense
00
22.2.2010, 20:33

und die richtigen :-)

ferdinand dreier
00
22.2.2010, 19:34
hauptschuldiger am niedergang unseres

wintersports ist der ÖSV, und hier insbesondere der schröcksna(g)del; durch abcashen bei seinen unter vertrag stehenden profis (z.B. maier) und diverser anderer umtriebe (turin) zum multimillionär aufgestiegen, aber kein wort deutsch gelernt, hinterwäldlerischster tichrrouler ötzidialekt.

bösartigster Schlechtmensch
00
23.2.2010, 14:45

wo haben sie denn dich ausgelassen?

Poldi Fesch
10
23.2.2010, 01:47
bisserl

angsoffen

jefferson airplane
00
22.2.2010, 18:55

ich nehm auch den joker:

...

purzl
 
00
22.2.2010, 16:45

statt feiern [tschechern]sollte man mehr arbeiten,ist wie bei den fussballern,wir werden durch völlerei bedeutungslos,aber die kohle muss auch ohne leistung stimmen,ist wie bei den politikern,keine leistung aber ......

bösartigster Schlechtmensch
00
22.2.2010, 16:23

Poldi Fesch
00
23.2.2010, 01:47

doch

Langstätter Toni
00
22.2.2010, 13:00

aha

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
22.2.2010, 15:32
Soso

Hans Soanders1
00
22.2.2010, 16:32

Na bitte!

José Atento
01
22.2.2010, 12:58
;-)

<Ich war 1972 nicht viel besser beieinander als heute.>

Ja, die Entwicklung der Technik im Schifahren ist kaum vorstellbar, wenn man nicht schon in den 70er oder sogar 60er Jahren Schi-gefahren ist.

Damals war Schifahren auch hauptsächlich die Beherrschung des Gerätes. Heute ist es sehr sehr viel Athletik.

Am deutlichsten merkte man die Entwicklung im Carving- Schi, die das Erlernen des durchschnittlichen Schifahrens immens erleichtert hat.

Poldi Fesch
00
22.2.2010, 16:36
:) aber das

Schi fahren immens erschwert

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
22.2.2010, 11:02
Die Schweizer sind die besten Pistenbauer!

(C;

Grüazi in die Swiss

rocknroll13
02
22.2.2010, 10:45

Oje da werden einige Berufsnörgler hier im Standard gleich durchdrehen nach dieser Aussage.

Aber es stimmt halt auch wenn man mit den paar Kanadiern oder Amis redet die sich für ski fahren nur etwas interessieren kommt immer zuerst österreich.

Diese dominanz die in den 90er begann wird es nie wieder geben und auch heuer gewinnen wir den nationencup und das in einer Zeit der "Krise"...

Ob trotz oder wegen der strukturen im ÖSV darüber kann man streiten.


helmut wiesel
00
22.2.2010, 10:40
ich befürchte,

es hat sich für Russi auskommentiert.





bei blick ;)

catfish eyes
02
22.2.2010, 09:23

Sir Bernhard war immer schon ein Freund der Österreicher:
- 1976 in Innsbruck verbremste er die allerletzte Kurve, sodass Franz Klammer trotz schweren Fehlers doch noch Olympiasieger werden konnte.
- Er baute die wunderschöne Abfahrtsstrecke von Hakuba/Nagano, die den Herminator weltberühmt machte.

ewald berkmann1
27
22.2.2010, 08:31
herr russi hatte immer schon stil und niveau, . . .

. . . und dass im interview das offensichtliche post-doping-syndrom von österreichs wintersportler sowie der funktionäre nicht vorkommt, ist mehr als diplomatie.

Poldi Fesch
00
22.2.2010, 16:38
bei den

nordischen nahm er eh den Joker

W. Schaffenrath
23
22.2.2010, 09:05
Ja, wobei Österreich

als Zentrum des Blutdopings gilt. Firma Humanplasma, Wien! Olympiasieger Hoffmann zurückgetreten, als man ihm auf die Schliche kam, der berühmte Tour-Dritte Mitbesitzer einer Blutzentrifuge! ÖSV-Präsident behindert Strafverfolgung, die schrecklichen Vorgänge rund um die Trainer in Turin.

Angesichts dieser blamablen Vorgänge und der peinlichen Hilflosigkeit des Innauer gegenüber dem gebogenen Amann-Bolzen, ist Russi ein Musterbeispiel von Anstand und Takt. Mensch mit Charakter einfach!

poco loco
10
22.2.2010, 12:23
den hm1 nicht vergessen!

der macht die ganze saisonvorbereitung mit und tritt dann unter trainen zurück.

Samma Ritter
00
22.2.2010, 13:41
trainen lügen nicht

Petzi Bär
00
22.2.2010, 16:13
trainer lügen nicht!!

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