Grüne wieder Protestpartei, aber die Spitze will regieren

21. Februar 2010 18:24

Auf der Hauptstadt-Ebene sollten die Grünen Opposition bleiben - Und das andere, das kritische und sozial progressive Wien vertreten

Nach jüngsten Market-Umfragen liegen die Grünen bei 14 Prozent. In Wien angeblich höher. Der Hauptgrund: Protest gegen die Asylpolitik der ÖVP (und auch der SPÖ).

Offenbar ist durch den Abgang Alexander Van der Bellens der liberale Silberstaub verweht und das Hauptanliegen der grünen Bewegung wieder zum Vorschein gekommen - eine linke Alternativ-Variante zum ultra-rechten Protestgetue. In Wien mag da auch der Nachhall der Uni-Besetzungen mitspielen.

Aber was tun die Wiener Grünen? Sie wollen schon wieder in eine Koalition mit Michael Häupl und nach den Wahlen mit unterfinanzierten Ressorts im Rathaus sitzen.

Selbst wenn Häupl nur 43 bis 45 Prozent der Stimmen erobern würde und somit auf eine Stützung angewiesen wäre, genügten ihm geschwächte Grüne - oder zurückgefallene Schwarze - um über 50 Prozent zu kommen. Er könnte es sich aussuchen und würde zur Befestigung der rot-schwarzen Koalition eher mit Christine Marek eine Stadtregierung bilden.

Wenn die SPÖ in Wien unter 40 Prozent zu liegen käme, erschütterte zunächst einmal ein Erdbeben die Sozialdemokratie. Häupl würde ebenso gehen wie vielleicht auch Werner Faymann. Gewiss eine Regierungschance für Grün.

Das "rote Wien" wäre deshalb noch lange nicht Geschichte - politisch in der Intensivstation, verwaltungstechnisch und wirtschaftlich natürlich nicht. Die Stadt bliebe noch jahrelang fest in der Hand der sozialdemokratischen Kaderfunktionäre. Kleine Parteien (die nicht zu den etablierten Lagern gehören) ziehen in Regierungen immer den Kürzeren. Sie haben keinen Apparat, der bürokratische Tricks beherrscht, und werden von der Bevölkerung bei Misserfolgen mit verantwortlich gemacht.

Zu diesen Fehleinschätzungen gehört auch die Idee, für Alexander Van der Bellen den Posten eines Bürgermeisters der City oder den eines Häupl-Vizes anzupeilen. Für das eine ist er ungeeignet, für das andere er zu gut. Ihn jetzt als liberalen Lockvogel einzusetzen, ist eine Wählertäuschung.

Wenn es Heinz Fischer nicht gäbe, wäre Van der Bellen der ideale Bundespräsident. Und dass er (mit seiner Kompetenz) nicht als wirtschaftspolitischer Guru der Grünen öffentlich und seriell auftreten möchte, ist ein schwerer Fehler. In Werner Kogler haben die Grünen einen bemühten, aber schwachen Wirtschaftssprecher.

In Wirklichkeit sollte die Landessprecherin Maria Vassilakou heraus aus ihrer taktischen Warteposition. Es sieht so aus, als würde sie Van der Bellen forcieren, um selbst die Bundessprecherin Eva Glawischnig zu beerben.

Wenn die gebürtige Griechin ihre politische Aufgabe ernst nimmt, muss sie sich deklarieren: Zum Beispiel als Herausforderin von Ursula Stenzel. Die City ist ein überschaubarer Bereich, war immer multikulturell (siehe die Kirchen vieler Religionen) und ist internationaler Boden. Dort könnte sie sich matchen, das wäre spannend.

Auf der Hauptstadt-Ebene sollten die Grünen Opposition bleiben. Und das andere, das kritische und sozial progressive Wien vertreten. (Gerfried Sperl, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2010)

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Martin Margulies
23.02.2010 15:02
Danke für den tipp, aber ...

Gegenwärtig sind die Grünen Opposition und vertreten neben dem "kritischen, sozialen und progressiven Wien" (© Sperl) auch das umweltbewußte und demokratische Wien.

Warum sich daran etwas ändern sollte - gleich ob in Opposition oder Regierung bleibt angesichts des Kommentars unergründlich. Weder besteht die Gefahr sich billig abspeisen zu lassen, noch eines vorweg Freibriefs für rot-schwarz bzw. rot-blau.

Gerade Gottfried Sperl sollte es klar sein, das einzig und allein rot-grün (sofern die SPÖ Lernfähigkeit beweist) Wien positiv verändern und gleichzeitig die "Freunderlwirtschaft" aufbrechen kann.

Martin Margulies
Landtagsabg. der Wiener Grünen

PS.: Maria Vassilakou gegen Ursula Stenzel zu empfehlen ist eigentlich echt tief.

robert kock
22.02.2010 18:17

Na Herr Sperl, Hut ab, nicht jeder bekommt die Gelegenheit so wenig Inhalt auf so viel Platz zu verteilen.

kmmm
22.02.2010 17:29
wie gehabt.

die grünen sind zu nichts - nämlich wirklich zu nichts - zu gebrauchen.

fine
22.02.2010 16:58

Ich würde ja ganz im Gegensatz zu Sperl sagen,d ass Wien eine einmalige Chance wäre, endlich die Grünen in die Regierung zu holen und damit der Mär vom rot-grünen Schreckgespenst endlich das Wasser abzugraben! Das wäre für mich in Österreich ein wichtiger Schritt!

0bsidian
22.02.2010 16:54
Grünen haben ein Problem

Die Grünen haben ein Problem oder eigentlich mehrere:
1) Wozu soll man sie wählen (= Hauptproblem)
2) Wo wollen sie hin?
3) Was ist ihr Programm für die Stadt, das allgemein bekannt wäre?
4) Verleugnung von Problemen (Ghettobildung, nichtfunktionierendes Multikulti, etc.) limitiert ihren maximalen Stimmenanteil auf ca. 15%

fine
22.02.2010 16:50

De Kommentar fängt ja schon bedenklich an, indem er sich auf Umfragen stützt! Als wären Umfrageergebnisse bei den Wahlen je zugetroffen! Sollten wir uns nicht lieber aus Sachpolitik stützen? aber ach ja-da stünde Wien ja viel zu gut da, um das Gesuder aufrecht zu erhalten!

illuminat_0815
22.02.2010 16:18
dann können wir nur mehr hoffen

dass die SPÖ unter 40% erreicht, nur ob dann Häupl wirklich weg vom Ruder ist kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Hintergrund: innerhalb der SPÖ werden nun scheinbar auch 34% Ergebnisse als Sieg verkauft und in den Medien breitgetreten......

fine
22.02.2010 16:43

und welcher vernünftige Mensch kann sich in Wien wünschen,d ass die SPÖ weg ist? wer kann sich ernsthaft Verbesserungen für die Stadt durch eine schwarz-blaue Regierung erwarten? *grusel*

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
22.02.2010 17:27

Wer kann wirklich eine schwarz-blaue Regierung erwarten, in Wien ??

fine
22.02.2010 17:32

na was sonst, wenn die Roten eklatant geschwächt würden? diesbezügliche Ambitionen sind ja längst bekannt!

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
22.02.2010 17:46

So eklatant, dass sich schwarz-blau ausgeht? Sehr unwahrscheinlich.

illuminat_0815
22.02.2010 17:01
von weg habe ich nicht geschrieben (außer die Person Häupl),

sondern dass es nur bei einer unter 40% Marke zu einer zwangsläufig sinnvolleren Koalitionsbildung kommen kann als eine rot/schwarze - es ginge sich z.B. eine rot/schwarz/grüne aus - die FPÖ möchte ich genau so wenig sehen. Es geht hierbei um endlich der SPÖ einen gewissen Machtverlust in Wien und allen damit verbundenen Einrichtungen zu bescheren!

fine
22.02.2010 17:34

wozu solche Spielchen, wenn sich bei halbwegs vernünftigem Agieren locker rot-grün ausginge. Die grünen wären grad in Wien gut beraten, sich auf Stimmen von der ÖVp zu konzentrieren. Werden sie aber wie ich befürchte, auch diesmal wieder nicht tun!

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
22.02.2010 17:50
"auch diesmal wieder nicht tun"

Ja, weil die Grünen haben ja in harten Wahlkämpfen im 21. und 22, Bezirk die Mehrheit erlangt, während sie der ÖVP Neubau usw. überlassen haben.

fine
22.02.2010 17:33

eine rot-schwarz-grüne Koalition? wer von uns beiden ist hier der Träumer?

sotho talker
 
22.02.2010 15:49
reality check: graz

es gibt ein definitionspapier zwischen schwarz und grün.
ein plan dessen was umzusetzen ist.

vom grünen teil bisher umgesetzt: 0
die ÖVP putzt sich ganz locker ab und die grünen knirschen mit den zähnen, akzeptieren aber alles.

stellt sich die frage warum glauben die grünen solle der wähler sowas gut finden?

nach dem motto "besser grüne ideen auf dem papier die zwar vereinbart wurden aber nicht umgesetzt als überhaupt keine absichtserklärung"?

es gibt eigentlich nur noch eines was schlimmer ist als seine wahlversprechen zu brechen:
diese auf dem papier zu erfüllen und sich vom "partner" vorführen lassen...

warum sollte dies übrigens mit rot anders sein?

zahnlos, harmlos, grün!

baumfreund
22.02.2010 15:06
der größte horror wäre wohl eine rot-schwarze packelei partie im rathaus!

was sich da im baubereich abspielen würde ist nicht auszudenken ist schon jetzt zum kotzen.

santa fe
 
22.02.2010 14:25

ohne offensive mit dem BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMEN eine wischi waschi partei.

dölerich hirnfidler
22.02.2010 14:10

eine grüne regierungsbeteiligung wär genau so ein alptraum wie eine blaue regierungsbeteiligung. wien braucht keine hetzer!

Michael Jack Dundee
 
22.02.2010 14:36

Welchen Grünen Hetzer gibt es?

scala2
22.02.2010 13:58
Bitte Hr Sperl tuns das wofür Sie gelesen werden:

Auf die ÖVP (insbesondere Schüssel/Grasser) schimpfen, auch wenns noch so wiederholt und schlussendlich dumpfsinnig ist, das vereint Ihre Leserschaft und interessiert an Ihnen.

Kräuterpfarrer Escobar
22.02.2010 13:07
Der Hauptgrund: Protest gegen die Asylpolitik der ÖVP (und auch der SPÖ).

Paperlapapp. Diejenigen, die sich überhaupt für Asylpolitik interessieren, haben eh seit jeher grün gewählt. Die anderen interessierts eigentlich nicht wirklich, da es nicht ihren Lebensbereich betrifft. Mit dem Thema Asyl gewinnen die Grünen jedenfalls keine zusätzliche Stimme. Ist leider so.

Der Hauptgrund grün zu wählen, ist für mich seit Jahren der Mangel an einer Alternative - alle anderen sind ja praktisch unwählbar.

byron sully
22.02.2010 14:05

"Mit dem Thema Asyl gewinnen die Grünen jedenfalls keine zusätzliche Stimme."

das glaub ich nicht bzw. betrachten wir das ganze mal umgekehrt herum: ohne ihre linie in der asylpolitik hätten die grünen doch um einige wählerInnen weniger, denk ich. ich kann mir gut vorstellen, daß ein nicht unwesentlicher teil der grünen zugewinne in den letzten 10 jahren auch (wenngleich natürlich nicht nur) auf dieses thema zurückgeht. natürlich gibt es dann auch umgekehrt leute, die genau aus diesem grund die grünen nicht wählen (etwa rechtsnationalistische umweltschützerInnen). netto gesehen könnte es also vielleicht ein nullsummenspiel sein, aber ich denke, es ist doch ein thema, das den grünen zusätzliche wählerInnen gebracht hat.

ama gütesiegel
22.02.2010 12:20
hättiwari

das ist wieder einmal ein typischer "mir fallt nichts ein, aber da die kommentarseite gefüllt werden muss, nehme ich einfach die position einer beliebigen partei her und behaupte, genau das gegenteil ist das allein seeligmachende"-artikel.

ich bin mir sicher, hätten die grünen von vornherein angekündigt, in opposition bleiben zu wollen, gäbe es an dieser stelle genauso besserwisserische belehrungen - nur in die andere richtung.

brün ist glöd
22.02.2010 12:05
die grünen

sind genauso eine "idio*en partei wie die blauen....sehe da keinen unterschied....der eine schreit "links" der andere "rechts"...d.h. in den "Graben fahren" sowieso beide !

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