OeNB

Bankensteuer kann mehr als 900 Millionen Euro bringen

Renate Graber, 21. Februar 2010 17:40
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    Pünktlich um elf Uhr nahmen die Banken-Vertreter am Montag im Ministerrats-Sitzungssaal des Kanzleramts Platz.

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    Neben Gastgeber Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und den Vorstandschefs der Großbanken (im Bildhintergrund Erste-Group-Boss Andreas Treichl) nimmt auch Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP; Bild), OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny sowie die Chefs der FMA, Helmut Ettl und Harald Pribil, am Gipfel teil.

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Die Nationalbank hat bis zu 911 Millionen Euro Erlös aus einer Bankensteuer errechnet. Als "erschöpfende Beantwortung" will sie die Expertise keinesfalls verstanden wissen

Ausreichend Diskussionsstoff liegt für den Bankengipfel am Montag im Bundeskanzleramt vor. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat ihre "ökonomische Analyse" einer Bankenabgabe vorgelegt, wie sie Bundeskanzler Werner Faymann befürwortet. Er geht von einem Steuersatz von 0,07 Prozent der Bilanzsumme aus.

Als maximalen Erlös für den Bundeshaushalt errechneten die Notenbanker 911 Millionen Euro. Darin enthalten sind freilich nicht nur alle österreichischen Geldinstitute, sondern der gesamte Finanzsektor, also auch Versicherungen und Kapitalanlagegesellschaften. Lässt man Letztere außen vor, würde das Steueraufkommen auf 769 Millionen Euro schrumpfen. Als Bemessungsgrundlage dienten der OeNB die konsolidierten Bilanzsummen abzüglich des Kernkapitals (Tier-1) der Banken im dritten Quartal 2009.

***

Wien - Am Montag, 11 Uhr, finden sich Österreichs Bankchefs zum "Bankengipfel" auf dem Ballhausplatz ein. Kanzler Werner Faymann will die Geldhäuser per Bankenabgabe (0,07 Prozent der Bilanzsumme, nach jüngsten Informationen des Bundeskanzlers ist dieser Satz aber "diskutabel" ; siehe Bericht unten) zu einem Budget-Obolus verdonnern.

Die Diskussionsgrundlage heißt "Ökonomische Analyse des Vorschlags zur Einhebung einer Bankenabgabe in Österreich" , umfasst 61 Seiten und stammt von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Fertiggestellt wurde die dem Standard vorliegende Analyse am Freitagabend - nach Politiker-Zurufen vor allem aus ÖVP-Kreisen, die erste OeNB-Rechenmodelle für "angreifbar und tendenziös" gehalten und weitere gefordert haben sollen.

Bilanzsummen legten stark zu

Die Rahmenbedingungen, unter denen die Banken arbeiten, beschreibt die OeNB so: Die Bilanzsumme wuchs in den vergangenen zehn Jahren um 112 Prozent, dreimal so stark wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP). 1995 betrug die konsolidierte Bilanzsumme aller Banken das 2,7-Fache des BIP, 2008 schon das 3,9-Fache.

Die bisherigen budgetären Kosten des Bankenhilfspakets der Republik (7,4 Mrd. Euro für Eigenkapital und Garantien) hätten den Bund 200 Mio. Euro Zinsen (für die Schuldenaufnahme) gekostet, im Vorjahr aber 263 Mio. Euro Dividenden und 217 Mio. Euro Haftungsentgelt eingespielt, also die Aufwendungen "mehr als kompensiert". Nicht inkludiert: Die Mehrbelastung des Bundes durch gestiegene Refinanzierungskosten. Die Schuldenquote Österreichs wird von 60 Prozent (2007) auf 77 Prozent 2011 steigen.

Die Eigenmittelausstattung von Österreichs Banken (sie wird gemäß Basel-III künftig höher sein müssen) sei "im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich" . Beim Kernkapital (Tier-1) seien in der EU 2008 nur portugiesische und italienische Banken noch schlechter dagestanden als österreichische; auch 2009 habe sich daran "wenig geändert" . Die Steuern, die die Banken inRelation zum Gewinn an den österreichischen Fiskus abführen, hält die OeNB für "niedrig" . In- und Ausland zusammengerechnet, betrage der effektive Steuersatz 15 Prozent; man liege damit im "unteren Mittelfeld der OECD-Länder".

"Volkswirtschaftlich unerwünschte Effekte nicht auszuschließen"

Viel Platz in politischer Diskussion und Studie nimmt die Frage ein, wie sich gesetzlich steigende Eigenmittelerfordernisse und Bankensteuer auf die (in Krisenzeiten laut OeNB "eminent bedeutende" ) Kreditvergabe auswirken würden. Laut OeNB ist das Wachstum der Kreditvergabe der Banken seit Beginn des Vorjahres "massiv" zurückgegangen.

Sollte die Bankenabgabe nicht nach außen abgewälzt werden, würde "die Reduzierung des Eigenkapitals um je 100 Mio. Euro eine Reduzierung des Spielraums bei der Kreditvergabe um je 1,25 Mrd. Euro bedeuten" . Wie die Banken "tatsächlich" reagieren würden, sei aber nur "empirisch zu beantworten". Jedenfalls seien in dem Konnex "volkswirtschaftlich unerwünschte Effekte einer Bankenabgabe nicht auszuschließen", so die OeNB.

Die Einnahmen aus einer Bankensteuer beziffert die OeNB in einer "grobenSchätzung" und verschiedenen Rechenmodellen mit 432 Mio. bis 911 Mio. Euro. Würden alle Banken, Versicherer und Kapitalanlagegesellschaften (KAGs) - also der gesamte Finanzsektor - mit 0,07 Prozent zur Kasse gebeten (Bemessungsgrundlage: Bilanzsumme minus Kernkapital), ergäbe das auf unkonsolidierter Datenbasis 825 Millionen Euro im Jahr; auf konsolidierter Basis 911 Millionen Euro. Versicherungen und KAGs ausgenommen, ergäben sich 769 Mio. Euro Steueraufkommen. Am geringsten wären die Einnahmen, würden nur die Banken besteuert und neben dem Kernkapital auch die Spareinlagen von der Bilanzsumme abgezogen: 432 Mio. (siehe Grafik).

Warnung vor Bilanzflucht

Vorausgesetzt, die Banken würden nicht weiteres Geschäft "off balance" verlagern. Die "Flucht aus der Bilanz" sei "zu vermeiden; eine Förderung dieser Trends durch eine auf Einzelbilanzen ausgerichtete Steuer (unkonsolidiert; Anm.) wäre problematisch. Will man eine Bankenabgabe einführen, muss verhindert werden, dass Banken zur Umgehung der Steuer z. B. über Auslandstöchter Kredite vergeben und Investitionen abwickeln", sagen die Notenbanker. Voraussetzung dafür wäre die Zugrundelegung der konsolidierten Bilanzen, die in den Augen der OeNB künftig nicht nur die ausländischen Banktöchter, sondern "für Steuerzwecke" auch deren Projektgesellschaften im Ausland umfassen sollen.

Für Diskussionsstoff ist gesorgt, die OeNB warnt bereits vor Vereinnahmung: Die Studie biete keine "erschöpfende Beantwortung aller offenen Fragen", zudem seien "steuerpolitische Maßnahmen eine politische Entscheidung, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der OeNB fällt". (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2010)

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Atlas Shrugged
 
23.02.2010 00:28

ich frag mich ja nur, wie das Verhältnis von Korrupten und Blöden im Finanzministerium ist. Zuerst haben sie sich bei den Hilfspaketen reinlegen lassen und jetzt mit dieser Pseudosteuer. Bin ja nur gespannt, ob uns Pröll wieder erzählt, daß "das ein ausgezeichnetes Geschäft für Österreich" ist. :)

Kapitalismus Luege
22.02.2010 23:05
die Flucht aus der Bilanz vermeiden ...

http://www.youtube.com/watch?v=NmAtmn7cvdo

hier läuft eine riesen Ver@rsche ab, Geld wird staatlich verordnet hinaufgeschaufelt.

Confusius
22.02.2010 20:33
Wenn es wenigstens eine Garantie waere!

Lange Zeit wurde akzeptiert, dass Grossbanken eine ueberdurchschnittle Eigenkapitalrendite einfahren, da sie im Genuss einer Gratis Garantie durch den Staat waeren. Ueber Ertragssteuern auf Bank und Mitarbeiterebene wurden allerding ein grosser Teil dieser Ueberschussertraege "resozialisiert". Will der Staat nun die Kosten der Rettung ueber eine Substanzsteuer abdecken, verschiebt er erstens nur Geld von der linken in die rechte Tasche - und loest zweitens nicht das Grundproblem: wenn es eine Garantie gibt, sollte diese benannt werden, also wann wird was vom Staat garantiert - so wie bei den Garantiegebuehren. Dies gebe stabilitaetsfoerdernde Klarheit, die Bilanzsteuer waere eine Gebuehr und wuerde nicht im allgemeinen Budget verschwinden.

carbonara
22.02.2010 19:59
Typisch....

....das einzige, was unseren Polit-Dodeln einfällt, sind neue Steuern.

Fipo1
22.02.2010 19:33
Super !!!

Und wer glaubt ihr alle hier, wird die Bankensteuer letztendlich zahlen ? Wir alle ! Über Kontoführungsgebühren, Buchungszeilen usw. Ihr glaubt doch nicht wirklich, daß sich die Banken das Geld bei den "Reichen" holen. Dann legt doch keiner mehr von denen das Geld hier an. Ein Prozent mehr Mehrwertsteuer wäre sozial gerechter gewesen. Wer teure Sachen kaufen kann, hätte auch mehr Steuer bezahlt. Nur trauen sich die Streithanseln das vor der Wahl nicht. Den Gag mit der Bankensteuer durchschauen 95 % der Ösis eh nicht.

Anzi Entlebucher
22.02.2010 17:48
Lieber würde Pröll die Verbrauchssteuern

für ALLE anheben. Wenn Österreich jetzt auch noch ein paar Steuersünder-DatenCDs einkauft, hat es in Bälde einen jährlichen Budgetüberschuss und weiß nicht mehr wohin mit dem vielen Geld. Es ist genug Geld da, doch haben sich die Finanzkapitalisten bisher geschickt vor ihrem Beitrag zum allg. Wohlsstand gedrückt.

erwin meier
22.02.2010 19:17
Es ist genug Geld da

ihnen sind offenbar die größenordnungen nicht ganz klar. wissen sie was eine Schuldenquote von 77 prozent des bip bedeutet? da helfen ein paar millionen aus der schweiz genau gar nichts.

desillusionierend
22.02.2010 15:37
die französische revolution und ihre errungenschaften

lief nicht per gesetz ab in dem sinne, dass sich die herrschenden von sich aus gebessert hätten. sie hieße dann ja auch nicht revolution.

nur EIN beispiel.

wollte ich mal kundtun!

th004900
 
22.02.2010 12:05
Ausbeuten und abzocken

Die Devise schlechthin - und die Krise wird ausgenutzt, um die Masse - wie immer - zur Kasse zu bitten.
Jaja - "die Banken haben uns das eingebrockt, in sie wurde Geld gepumpt, drum sollen sie auch eine Steuer zahlen" - aber: nicht die Kunden und nicht die Masse hat spekuliert, verprasst und verspielt, sondern das Management - warum sollen dann Kunden oder die Masse letztendlich für die Steuer aufkommen (das genau wird nämlich passieren - eine Ausbeuterei der Sonderklasse)?
Werte Regierung! Bittet doch endlich einmal die tatsächlichen Verursacher zur Verantwortung und zur Kasse und zockt nicht ständig die Falschen ab.

W.Hammerl
22.02.2010 16:03

Es wird für den österreichischen Finanzminister wohl schwer sein, die Verursacher der internationalen Finanzkrise zur Kasse zu bitten, denn diese sitzen in Amerika und nicht in Österreich.

AttHerInn
22.02.2010 20:18
hm

die Krise begann in Amerika - aber in dieser Sche...e sind unsere Banken nicht unerheblich beteiligt. Das nur so nebenbei !

gaisbock
22.02.2010 12:00
zur erinnerung

http://video.google.com/videoplay... 67580603&q
solange wir nicht das geld(produktions)system ändern, werden wir bis ans ende der menschlichen wirtschaft um das selbe diskutieren und posten und postenundposten

no na Part of the Game
22.02.2010 11:53
alles in allem

eine Steuererhöhung für alle Bankkunden.

sir osis of liver
 
23.02.2010 07:43

das sind keine steuern - das sind "nur" gebühren.
was ist eigentlich aus der verwaltungsreform geworden? sollte die nicht "milliarden" einsparen?
tät der seppl vielleicht in niederöstereich anfangen?

Winter20
22.02.2010 11:49
Banken und das österr. BIP: Österreich in der Geiselhaft der großen Banken

2008 kam allein die Bank Austria mit ihrer Bilanzsumme 2008 von umgerechnet 309 Mrd. Dollar auf 75% des österr. BIP; Erste Group mit 280 Mrd. Dollar (68%) und RZB mit 218 Mrd. Dollar (53% des BIP).
Internationale vergleiche zeigen, dass Europas Banken im Verhältnis zum jeweiligen nationalen BIP wesentlich größer sind als amerikanische Banken. Goldman Sachs stand 2008 bei ca. 6% des US-BIP, Morgan Stanley bei 4%. Die Schweizer Banken sind ein mehrfach größer als das schweizerische BIP. Allein die Deutsche Bank kam 2008 auf 84 Prozent des deutschen BIP.
Man kann daher durchaus die Ansicht vertreten, dass sich Österreich in der Geiselhaft der großen Banken befindet.

erwin meier
22.02.2010 19:21

die USA und österreich vergleichen ist schon ein wenig seltsam finden sie nicht? als nächstes vergleichen sie am besten die EU mit New York City.

Sidlo
22.02.2010 12:47
Hoffe nur dass auch die Politiker diese ganz offensichtlich

lethale Bedrohung für das Land sehen und alles nur Erdenkliche daran setzen werden um diese Banken mittel bis langfristig zu zerschlagen, am besten mit einer stark progressiven Steuer auf Bilanzsumme minus Kernkapital.

W.Hammerl
22.02.2010 16:07

Wenn der Staat florierende Banken zerschlagen würde, so würde er sich wohl dabei ins Knie schießen.
Wie grün oder links muss man eigentlich sein, um so schwachsinnige Forderungen zu stellen?

Demokratiefan
22.02.2010 12:47
man könnte aber auch viel einfacher, logischer und präziser

feststellen:

je kleiner der Staat, desto kleiner das BIP desto internationaler agieren dessen Banken und desto größer der Bankenanteil am BIP.

Davon abgesehen: ein U.S. Finanzinstitut mit einer österreichischen Universalbank zu vergleichen zeugt von einer grundsätzlichen Ahnungslosigkeit ob der Organisation der Finanzsysteme hier wie dort.

Sidlo
22.02.2010 12:58
Das Beispiel Liechtenstein zeigt ganz deutlich:

Je kleiner, sicherer und unabhängiger das Land, desto beliebter ist es bei Steuer- und Kapitalflüchtlingen, desto größer sind die Banken im Vergleich zum BIP und desto größer die Gefahr für das Finanzsystem die von ihnen ausgeht. Darum steigt auch der internationale Druck auf die Steuer- und Bankgeheimnisoasen massiv an.

Winter20
22.02.2010 12:54
je kleiner der Staat, ....

Sie haben diesbzgl. völlig recht, und Island ist das beste Beispiel für die potentiellen Folgen dieser Entwicklung.

Demokratiefan
22.02.2010 14:51
so wie Liechtenstein...

Dort ist der Staat faktisch eine Bank.

rnix
22.02.2010 11:55
danke für die zahlen

wo haben sie die her?

skkh
22.02.2010 11:24
jaja die bösen banken

wenn die leute wüssten was versicherungen anstellen würden sie nicht mehr über die bösen banken sprechen.
wenn ich mir ansehe welche produkte versicherungen von banken kaufen wird einem schlecht. da werden risiken eingekauft die jedem riskmanager in einer bank den magen umdrehen.

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