Türkischer Premier droht mit Neuwahlen

Jürgen Gottschlich, 21. Februar 2010, 16:50

Kampf in der Justiz zwischen Anhängern und Gegnern von Erdogan – Neues Verbotsverfahren gegen AKP droht

Ein Verfassungsstreit zwischen der türkischen Regierung und den obersten Justizbehörden droht sich zu einer institutionellen Krise auszuweiten, die zu vorgezogenen Wahlen führen könnte. Die oberste Justizbehörde, der neben fünf Richtern der beiden höchsten Gerichte auch der Justizminister angehört, und die Regierungsspitze werfen einander vor, die Arbeit der Justizorgane in unzulässiger Weise zu beeinflussen. Während der Justizrat beklagt, dass die Regierung mit illegalen Weisungen die Unabhängigkeit der Justiz einschränke, sprach der Vizepremier Bülent Arinc dagegen von einem "Justizputsch".

Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein bisher einmaliger Akt in der türkischen Justizgeschichte: Mitte vergangener Woche ließ Osman Sanal, der Generalstaatsanwalt des im Nordosten der Türkei gelegenen Erzerum, seinen Kollegen aus dem benachbarten Erzincan, Ilhan Cihanger, verhaften und in das örtliche Gefängnis sperren. Daraufhin wurde Sanal, zusammen mit seinen drei Kollegen in Erzerum, vom obersten Justizrat in Ankara - gegen das Votum des Justizministers - suspendiert. Ihm droht ein Verfahren wegen Amtsmissbrauch.

Cihanger sitzt derweil weiter im Gefängnis. Ihm soll ein Verfahren wegen Verschwörung gegen die Regierung drohen. Angeblich gehört er zu einer Gruppe in Erzincan, die mit den Angeklagten im sogenannten Ergenekon-Prozess an Plänen zum Sturz der Regierung von Tayyip Erdogan beteiligt waren. Die Auseinandersetzung zwischen Erzincan und Erzerum begann, als Ilhan Cihanger 2007 ein Ermittlungsverfahren gegen die religiöse Sekte der Ismailaga einleitete. Sie soll Kinder in illegalen Schulen unterrichtet haben.

Rückendeckung für Sekten

Angeblich beschwerten sich daraufhin Mitglieder der Sekte bei der AKP-Regierung, was zu einer Intervention von Vizepremier Cemil Cicek führte. Mit Ciceks Unterstützung entzog daraufhin der Erzerumer Staatsanwalt Osman Sanal seinem Erzincaner Kollegen Ilhan Cihanger das Verfahren. Im Mai 2009 eröffnete Cihanger ein neues Verfahren, dieses Mal gegen die einflussreiche Gülen-Sekte. Kurz darauf berichtete die Tageszeitung Taraf, es gäbe in Erzincan eine Zweigstelle von Ergenekon, die an Plänen zum Sturz der Regierung beteiligt sei. Ein Waffenversteck wurde gefunden und der örtliche Chef des Geheimdienstes MIT verhaftet. Die Verhaftung Cihangers wird nun ebenfalls damit begründet, er gehöre der Ergenekon-Verschwörung an.

Die Suspendierung des Erzerumer Staatsanwaltes Sanal durch den obersten Justizrat wertet die Regierung deshalb als Versuch, die Aufklärung im Ergenekon-Verfahren zu behindern. Die Zeitung Radikal berichtete, der Generalstaatsanwalt in Ankara bereite ein neues Verbotsverfahren gegen die Regierungspartei AKP vor. Premier Erdogan kündigte für diesen Fall an, er werde Neuwahlen noch in diesem Jahr anstreben. Gleichzeitig werde man eine Verfassungsänderung, die das Justizwesen neu ordnen soll, dem Volk zur Abstimmung vorlegen. (Jürgen Gottschlich aus Istanbul, DER STANDARD, Printausgabe 22.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2
Kubilay Aslan
71
22.2.2010, 09:22
Die Geheime Agenda der Akp...

wer jetzt noch daran zweifelt ist nicht mehr zu retten....

Es mag sich schön anhören und den Eu Unterstützern der Akp gelegen kommen, wenn man das Wort Demokratie in den Mund nimmt. Es hörte sich auch für unsereiner schön an, wenn die Korrupten die selbsternannten Vaterlandsbeschützer mit Gewaltpotenzial endlich verhaftet wurden.
Nur hörte sich das nur schön an. Mittelerweile haben sogar die kritischen Akp Anhänger bedenken, dass in Ergenekom wirklich Ergenekom drin ist.
Und die Opposition immer noch verstockt trotzig einige Grundlegende Fehler einzugestehen die sie jahrelang gemacht haben(z.b Sprachverbote die hiesig bekannteste) lassen den Menschen bei der nächsten Wahl nur die Wahl zwischen der Pest(Akp) und der Blödheit übrig...

Cyber Motzer
39
22.2.2010, 04:13
Wieder ein Grund um die Tuerkei

nicht in die EU aufzunehmen. Die paar Kosmopoliten in Konstantinopel koennen wir gerne aufnehmen, aber den Rest bitte nicht. Noch mehr Tuerken in Europa, nein danke. Und das hat nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun. Zu viel ist zuviel, und wir brauchen endlich Einwanderungsgesetze in der EU wie in den USA.

Dido54
 
10
Kommt's....

einmal klar mit Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Polen, Spanien usw... die ja alle EU Kriterien voll und ganz erfüllen und es verdienen in der EU zu sein. Ich bin auch gegen den Beitritt der Türkei. Die Türkei hat in der EU nichts verloren. Was soll die Türkei in einer Gemeinschaft die bald wie ein Kartenhaus in sich stürzen wird?

Halbmond
21
24.2.2010, 17:27
Istanbul wollen sie aufnehmen in die EU,bitte 16 millionen Türken !

LOL

Apollonios
11
24.2.2010, 17:48
Konstantinopel

Nein, nicht Istanbul ! Konstantinopel !

User Nr.1
 
31
24.2.2010, 20:46
@ Apollonios ...

ISTANBUL, und NICHT konstantinOpel bzw. NIE WIEDER KonstantinOpel - basta!

Gewöhn' dich lieber dran, indem du z.B. die Ayasofia besuchst!!!

1stanBUL
C*

Halbmond
11
24.2.2010, 18:18
Konstantinopel ?

Das war einmal,in der Schule nichts gelernt !

Pendolino
31
22.2.2010, 11:36

Einwanderungsgesetzte gibt es schon. Nach Bestehung der Prüfüng und aller Kriterien kann man niemanden zwingen sich anders zu benehmen, kleiden oder zu sprechen. ;) thats life

Madame Haram
32
23.2.2010, 14:26
Naja, gerade bei den

österr. Einwanderungsgesetzen kann man noch einiges verschärfen. Und man könnte auch bei jenen Migranten, die erfahrungsgemäß am integrationsunwilligsten (etwa Türken), grundsätzlich einen Riegel vorschieben.

Man kann alles, man muss nur wollen.

Sahin A.
31
23.2.2010, 15:32
verstehe und wieviele "integrationsunwilligsten (etwa Türken)" kennen Sie denn persönlich?

Madame Haram
11
24.2.2010, 15:32
Ich möchte Ihnen Ihr Lieblings"argument" wirklich nicht madig machen.

Aber ich muss nicht mit jedem/jeder einzelnen in Ö lebenden Türken/Türkin intim geworden sein, um festzustellen, dass unter den türk. Migranten die Integrationsunwilligen und -unfähigen die Mehrheit darstellen.
Zumal es mittlerweile statistisch belegt ist, wie es bei dieser Gruppe in Sachen Erwerbstätigkeit, Bildung, Einstellung zu Religion, Respekt gegenüber hiesiger Kultur etc. aussieht.

Sahin A.
20
24.2.2010, 16:20
Einfache Frage, ist denn Antwort denn so schwer?

Statistisch belegt ist auch der hohe Anteil pädophiler öster. Männern bzw. Vätern in Österreich und jetzt?

Madame Haram
01
26.2.2010, 23:22
Natürlich gibt es in Ö pädophile Männer.

Und jeder einzelne ist einer zuviel.

Die Statistik, wonach der Anteil in Ö höher sein soll als in anderen Ländern, könnten Sie mir aber netterweise noch nachreichen (oder zumindest die Quelle nennen).

Google-Trends jedefalls hat schon vor einiger Zeit zutage befördert, dass die Liste an Städten, in welchen am meisten Kinderpornographie im Internet aufgerufen wird, von türkischen Städten angeführt wird.

Und das Integrationsfiasko unterm Halbmond wird auch dann nicht weniger offensichtlich, wenn Sie bei Ihnen unangenehmen Hinweisen schnell einmal das Thema wechseln.

Standard Leser4
 
10
24.2.2010, 11:00

SAHIN A. nachdenken! Ein Integrationsunwilliger Tuerke wuerde niemals einen Unglaeubigen die Hand geben, was soll also diese Frage???

Sahin A.
20
24.2.2010, 13:03
Alles klar....

"Ein Integrationsunwilliger Tuerke" verspeist auch kleine Kinder zum Frühstück....

Standard Leser4
 
11
24.2.2010, 16:17

Was Sie alles erfinden!?? Tztztztz, wie langweilig, Es genuegt wenn er seine Frauen zu Hause einsperrt.!!!!

Sahin A.
20
24.2.2010, 21:47
Das Einsperren überlassen wir lieber den öster. Vätern, siehe Kampusch...

Standard Leser4
 
00
25.2.2010, 13:35

Der war aber nicht Ihr Vater, wenn Sie doch etwas genauer arbeiten wuerden!

Deniz Mermerci
01
22.2.2010, 02:18

Erdogan hat nicht mit Neuwahlen sondern mit Justizreform gedroht, wenn das eine Drohung ist. Der Präsident des Verfassungsgerichtshofes flucht, und kreischt, es geht um die geheimnisumwitterte 3. Armee. Der Generalstabschef Ilker Basbug ist ergraut zwischen den Putschisten und Demokraten. Kürzlich meinte er, er sei beschämt dass man immer noch vom Putsch redet, er habe die Desaster der letzten 40 Jahre miterleben müssen.

artemis70
02
21.2.2010, 23:04
... und wieder wird einmal die ergenekon-kamelle ausgegraben,

ist mir direkt schon abgegangen.

n.b.: ich wüsste gern, warum herr g. permanent erzerum schreiben muss.

Osman Mert
210
21.2.2010, 21:51

ist doch ganz einfach.

der staatsanwalt aus erzurum ist regierungstreuer akp'ler.

der staatsanwalt aus erzincan ist kemalist.

der kemalist hat islamische sekten bei ihren umtrieben entdeckt. zu seinem pech sind die aber engstens mit der akp verbündelt.

daraufhin weist der akp justizminister seinen erzurumer handlanger an den kemalisten, wie soviele andere, mit dem todschlagargument er sei in ergenekon verstrickt, in den knast zu schicken.

nur hat die akp nicht damit gerechnet, dass der justizrat in ankara in die suppe spucken wird.

das ganze ist ein richtiger skandal und deckt die verstrickung der akp mit den mächtigen gülen und ismailaga sekten auf. eigentlich nichts neues, aber jetzt sehr schön medial in tv und presse.

Herr Unforgettable
42
21.2.2010, 20:50
...

schlecht recherchiert...

premier hat nie mit neuwahlen gedroht.. ist nunmal ein punkt.. und es gibt weitere...

und außerdem gibts paar fehler im artikel...

Der Bobo-Experte
00
21.2.2010, 21:19
Der Fischer Heinzi kann

das besser, ohne weniger Aussagekraft!

Der ist aber auch BP, aller Esterreicher, glaub ich, glaubt er.

Udys
26
21.2.2010, 19:45
Kampf in der Justiz zwischen Anhängern und Gegnern...

Putsch, Ergenekon, Neuwahlen...

...endlich mal was neues.

;)

Udys

Gerd Huber1
 
615
21.2.2010, 18:40
Europa Reife auf türkisch

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.