Roman Polanski mit Regie-Preis ausgezeichnent - Keine Auszeichnung für Österreicher
Berlin - Dem Goldenen Bären schmeckte der "Honig". Mit "Bal" hat erstmals seit 46 Jahren
wieder ein türkischer Film den Hauptpreis der Berlinale gewonnen. Regisseur
Semih Kaplanoglu erzählt in seinem poetischen Werk, einer türkisch-deutschen
Koproduktion, von einer Kindheit in einer von Zerstörung bedrohten Natur im
ländlichen Anatolien. Der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Roman
Polanski wurde für seinen Politthriller "Der Ghostwriter" mit dem Silbernen
Bären für die beste Regie ausgezeichnet. Die Darstellerpreise wurden nach Japan
und Russland vergeben, der als Mitfavorit gehandelte Österreicher Andreas Lust
("Der Räuber") konnte keinen Bären erjagen.
"Die Jury war klasse. Wir haben relativ schnell ein Ergebnis gehabt, bestimmt
schneller als jede andere vor uns", sagte Jurypräsident Werner Herzog am
Samstagabend. Zur Jury gehörten auch Hollywoodstar René Zellweger und Cornelia
Froboess. "Honig" ist nach "Milch" und "Ei" der Abschluss einer autobiografisch
geprägten Trilogie über den Dichter Yusuf als kleinen Jungen, Studenten und
alten Mann. In dem ganz ohne Musik gedrehten "Honig" spielt die Natur eine der
Hauptrollen. Traumwandlerisch schöne, ruhige Bilder zeigen den Kosmos des
Kindes, seine Hoffnungen, Sehnsüchte und Ängste. "Honig" bekam auch den Preis
der ökumenischen Jury.
Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül gratulierte Kaplanoglu, zu seinem
Erfolg. In einem Telegramm habe Gül das Niveau des türkischen Films gewürdigt,
berichteten türkische Medien am Sonntag. Die Türkei freue sich mit dem
Filmemacher. Silberne Bären für Darstellung extremer Lebenssituationen
Der Silberne Bär für die beste Schauspielerin ging an die Japanerin Shinobu
Terajima. Sie spielt in dem Antikriegsfilm "Caterpillar" (Raupe) von Koji
Wakamatsu eine junge Ehefrau, die ihren sadistischen Ehemann pflegen muss, als
dieser ohne Arme und Beine aus dem japanisch-chinesischen Pazifikkrieg
zurückkehrt.
Den Preis für die besten männlichen Darsteller teilen sich die Russen Grigori
Dobrygin und Sergej Puskepalis. Sie spielen in Alexei Popogrebskys "How I Ended
This Summer" (Wie ich diesen Sommer zu Ende brachte) zwei Männer auf einer
einsamen Wetterstation in der Arktis. Für seine Kameraführung in dem Film
erhielt Pavel Kostomarov einen Silbernen Bären für eine herausragende
künstlerische Leistung.
Den Regie-Preis für "Der Ghostwriter" nahmen die Produzenten entgegen und
richteten eine Botschaft von Roman Polanski aus: "Selbst wenn ich gekonnt hätte,
wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen
bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet." Polanski
droht in den USA ein Prozess wegen Vergewaltigung.
Bestes Drehbuch für chinesischen Regisseur
Den Preis für das beste Drehbuch gab es für den chinesischen Regisseur Wang
Quan'an, der mit seiner Tragikomödie "Tuan Yuan" (Getrennt zusammen) die
Berlinale eröffnet hatte. Er erzählt von einem Ex-Soldaten, der einst vor den
chinesischen Kommunisten nach Taiwan floh und bei einer Reise in die alte Heimat
seine ehemalige Geliebte wiedertrifft.
Im Bären-Rennen gingen die drei österreichischen Koproduktionen ("Der Räuber"
von Benjamin Heisenberg, "Jud Süß - Film ohne Gewissen" von Oskar Roehler, "Auf
dem Weg" von Jasmila Zbanic) leer aus. Den Großen Preis der Jury erhielt der
Rumäne Florin Serban für sein Jugenddrama "Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich".
Der Film wurde außerdem mit dem Alfred-Bauer-Preis gewürdigt.
Die Jubiläumsausgabe des Festivals erhielt am Ende durchwachsene Reaktionen,
blieben doch viele Stars aus und präsentierte sich auch der Wettbewerb insgesamt
eher durchschnittlich. Das Publikum ließ sich davon jedoch nicht abschrecken und
sorgte für einen neuerlichen Rekord. Bis zum Festivalende am Sonntagabend wird
in Berlin mit fast 300.000 Besuchern gerechnet. (APA)