Vertreter der UNO, der Afrikanischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft kommen am Sonntag nach Niamey
Niamey/Rabat - Nach dem Militärputsch in Niger wird am Sonntag eine gemeinsame Delegation von
UNO, Afrikanischer Union (AU) und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft
(ECOWAS) in der Hauptstadt Niamey erwartet. Wie der UNO-Vertreter für
Westafrika, Said Djinnit, der Nachrichtenagentur AFP am Samstag in der
senegalesischen Hauptstadt Dakar sagte, wollen die Delegierten mit der
militärischen und politischen Führung über die Lage im Niger und den
schnellstmöglichen Übergang zur verfassungsmäßigen Ordnung sprechen.
Die nigrische Militärregierung hatte Stunden zuvor Wahlen zwar in Aussicht
gestellt, dafür aber keinen Zeitpunkt genannt. In Niamey bekundeten etwa 10.000
Menschen auf einer Kundgebung vor dem Parlament ihre Unterstützung für die
Putschisten, forderten jedoch auch freie Wahlen in dem an Uran-Vorkommen reichen
Land. Auch in der westnigrischen Stadt gingen Radioberichten zufolge tausende
Menschen aus Solidarität mit der neuen Militärführung auf die Straße.
Der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade, einer der Vermittler in der
nigrischen Krise, sagte in Bamako, Niger brauche eine neue Verfassung. Diese
müsse mit allen Parteien, einschließlich der Militärs, abgestimmt und in einem
Volksentscheid bestätigt werden. Wade äußerte sich am Rand eines Gipfeltreffens
der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion in Malis Hauptstadt.
Gaddaf-Gesandter spricht mit Putschisten
Ein Gesandter des libyschen Revolutionsführers Muammar Gaddafi sprach
unterdessen in Niamey mit dem Chef der neuen Militärregierung, Salou Djibo. Wie
der nigrische Hörfunk berichtete, wollte Mohammed Madani im Auftrag Gaddafis
unter anderem Näheres über die weiteren Pläne der Militärjunta erfahren. Madani
sagte, ihm sei versichert worden, dass der gestürzte nigrische Präsident Mamadou
Tandja und dessen Familie in Sicherheit seien. Madani hat den Vorsitz der
Wirtschaftsgemeinschaft der Sahara- und Sahelstaaten (Censad) inne, der mehr als
20 afrikanische Staaten angehören.
Die Putschisten hatten Tandja am Donnerstag festgenommen und die Verfassung
außer Kraft gesetzt. Der Staatschef hatte die Verfassung vergangenes Jahr unter
großem internationalen Protest ändern lassen, um sich nach zehn Jahren an der
Macht eine weitere Amtszeit bis mindestens 2012 zu ermöglichen. (APA)