Dämmen ist das neue Heizen

21. Februar 2010, 17:00
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    grafik: baumit

    Infografik: Wärmeverluste eines Hauses

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    Dasselbe Objekte vor der Anbringung des neuen Vollwärmeschutzes ...

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    ... und danach. (Fotos: Baumit)

Vollwärmeschutz wirkt wie eine zweite Haut

Die Gebäude aus der Nachkriegszeit bis etwa 1990 sind energetisch desolat, ihr Heizwärmebedarf ist nach heutigen Maßstäben ausufernd. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel bzw. dem Schutz des Weltklimas ist deshalb seit mehreren Jahren die thermische Sanierung von Bestandsbauten das Gebot der Stunde (aber natürlich nicht die einzige notwendige und zielführende Maßnahme). Mit einer Dämmung der Außenwände und der obersten Geschoßdecke lässt sich dabei die meiste Heizenergie einsparen (siehe Grafik).

Dämmsysteme an sich sind aber freilich keine neue Erfindung. Schon im Jahr 1957 wurde in Berlin erstmals ein so genanntes Wärmedämmverbundsystem - auch Vollwärmeschutz genannt - eingesetzt. Ein solches dämmt die Gebäudehülle an der Außenseite, es wird also auf die Fassade montiert und wirkt wie eine zweite Haut.

"Nicht mehr zeitgemäß"

Die Firma BASF hatte damals unter dem später weithin bekannten Markennamen "Styropor" einen Polystyrol-Hartschaum auf den Markt gebracht. Dieser war zwar zunächst bloß dazu gedacht, die Mauer vor dem Verputzen zu begradigen. "Später ist die Styroporschicht dann aber immer dicker geworden, von einem auf drei Zentimeter, dann auf fünf", erzählt Baumit-Geschäftsführer Robert Schmid. Damals erschien das noch als ausreichend, und so wurden in den 1970er- bis 1990er-Jahren in Österreich rund 50 Millionen m² Fassadenfläche mit drei bis fünf Zentimetern gedämmt. "Heute ist das aber nicht mehr zeitgemäß", so Schmid.

Heutzutage ist eine wesentlich dickere Dämmschicht angesagt - und auch vorgeschrieben: Um die Vorgaben der nö. Bauordnung (U-Wert von max. 0,40) zu erreichen, ist beispielsweise bei einer 25-cm-Hochlochziegelwand eine Dämmstärke von mindestens 8 Zentimetern nötig, wie die Umweltberatung in einer Gegenüberstellung verschiedener Baustandards berechnete. Für Niedrigenergie-Standard wären diesfalls mindestens 15 cm, für Passivhaus-Standard mindestens 25 cm nötig. Üblicherweise ist das Wärmedämmverbundsystem beim Wandaufbau für 85-95 Prozent des gesamten Wärmeschutzes verantwortlich, den Rest steuert die Wand bei.

Besseres Raumklima auch im Sommer

Und grundsätzlich gilt: Je mehr gedämmt wird, desto besser ist der Wärmeschutz im Winter, und auch im Sommer wirkt sich eine bessere Dämmung gemeinsam mit speicherfähigen Materialien umso günstiger auf das Raumklima im Inneren des Gebäudes aus. Wenn der Temperaturunterschied zwischen Wandoberflächen und Raumluft nämlich mehr als drei Grad Celsius beträgt, ergibt sich eine "Strahlungsasymmetrie" mit Zugluft, die der menschliche Körper als unangenehm empfindet. Je wärmer die Innenseite der Außenwände, umso weniger Raumluftwärme ist erforderlich, damit sich die Bewohner in ihrem Haus wohl fühlen.

Baumit hat mit "Duplex" kürzlich ein System auf den Markt gebracht, das die vorhandene Dämmung schlicht "aufdoppelt". Und zwar mithilfe eines speziellen "Klebeankers", der im bestehenden Wärmedämmverbundsystem bzw. im dahinter liegenden Mauerwerk verankert wird. Der Klebeanker wurde als "Innovation 2010" von Schmid und Wopfinger-Geschäftsführer Georg Bursik auf der "Bauen & Energie"-Messe in Wien vorgestellt.

Mit diesen Ankern - sechs Stück pro Quadratmeter - kann die neue zusätzliche Dämmschicht wärmebrückenfrei angebracht werden. Aus Kostengründen wird als Dämmstoff auch heute noch meist expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS) verwendet, erhältlich (und ebenso gut geeignet) sind aber auch Dämmplatten aus Mineralfasern, Mineralschaum sowie solche aus nachwachsenden Rohstoffen wie Kork, Hanffaser oder Holzweichfaser.

Hohe Durchlässigkeit

Bauphysikalisch betrachtet ist ein Wärmedämmverbundsystem mit niedrigem Diffusionswiderstand (und damit hoher Wasserdampfdurchlässigkeit) von Vorteil, damit Feuchtigkeit nach außen entweichen kann. Gängige Dämmstoffe und Putze folgen diesem Prinzip meist, nur bei organisch gebundenem Oberputz (Kunstharz) raten die Experten von der "Umweltberatung" zur Vorsicht.

Wer sich dazu entschließt, einen Vollwärmeschutz an sein Gebäude anzubringen, muss mit Kosten von etwa 60 Euro (bei Verwendung von Polystyrol) bis 140 Euro (Kork) rechnen, jeweils pro Quadratmeter und inkl. Montage. Letztere erscheint zwar auf den ersten Blick oft sehr einfach, Experten raten aber dennoch zum Profi-Monteur, der die nötige Erfahrung beim Anbringen der Dämmung an kritischen Stellen, wie etwa den Eckbereichen von Fenster- und Türöffnungen, mitbringt und außerdem für die richtliniengerechte Ausführung haftet.

Je nach Ausführung, Dämmdicken und Finanzierung liegt die Amortisationszeit eines Wärmedämmverbundsystems zwischen 7 und 14 Jahren, Dämmen ist damit eine der besten Investitionen in die Zukunft. Im Rahmen der thermischen Sanierungsförderung wurde und wird die Anbringung eines Vollwärmeschutzes von den Bundesländern finanziell unterstützt. (map, derStandard.at, 21.2.2010)

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stormy andy
 
00
22.2.2010, 17:36
muss das so schei.e aussehen?

blackdeeper
00
22.2.2010, 17:02

das thema ist komplex:

ich seh nur die zerstörung der letzten alten (zugegeben: nicht denkmalgeschützten) fassaden im ganzen land. sowas ist auch ein wert-verlust.

und vom technischen her sind alte häuser selten vollkommen trocken. wer da was draufpappt, hat schon verloren.

und die vorschläge von geändertem lüftungsverhalten, neuem innenputz etc. "Wasserregulierende Innenwandverkleidungen mit Lehm, Gipskarton oder auch Kalkputz helfen, das klima im Haus in Ordnung zu halten" ... dass kommt nem totalabriss gleich und wird SO nicht gesagt von denen, die dämmuen propagieren. dann bau ich gleich neu!!!

Commander Echelon
00
22.2.2010, 18:18
"dann bau ich gleich neu"

...is meistens eh das gscheitere, können sich aber die wenigsten leisten, aber eine durchgängig gedämmte Gebäudehülle ist im nachhinein kaum anders hinzukriegen als mit Neubau! Sanierung kann somit in den wenigsten Fällen zu Passivhausstandard führen, auch die Fenster sind ein Problem, da man die Seiten nur nach freistemmen dämmen kann. Das mit der Lüftung stimmt so nicht, man sollte tatsächlich nicht soviel lüften wie vorher, man sollte sich aber auch eine (bestenfalls natürlich vorgewärmte) Lüftung einbauen. Schade nur, dass im Artikel leider nichts von Lüftungen und von den Fenstern an sich steht, da kann nämlich auch noch fett gespart werden, mit Vakuum-Dreifachverglasung z.B.!

Queen of Sheba
 
01
25.2.2010, 20:20
Wieso "eine durchgängig gedämmte Gebäudehülle ist im nachhinein kaum ... hinzukriegen" ?

Raubmordkopierer
01
22.2.2010, 15:51

Zumindest optisch ein schlechtes Beispiel.
Der alte Verputz macht zwar auch nicht viel her, aber wenigstens löst er nicht sofort akuten Augenkrebs aus. Die neue Farbwahl ist einfach nur scheußlich. Auch ein Haus mit WDVS kann noch "würdig" aussehen.

Autobahnraser
02
22.2.2010, 15:40
Amortisationszeit zwischen 7 und 14 Jahren ?

Habe Bekannte die ihr Haus top isoliert haben, kostenpunkt liegt bei über € 30.000 nur für die Wärmedämmung.

Selbst bei einer Heizkostenersparnis von € 700, was extrem optimistisch ist, liegt die Amortisationszeit über 42 Jahre. Restwert nehme ich keinen an, denn dann kann man wieder von vorne anfangen.

helmut wiesel
00
22.2.2010, 16:02
absolute zustimmung

wir brauchen in einem fast ungedämmten haus 1600 euro im jahr für heizung + warmwasser.
wenn ich jetzt davon ausgehe, dass es sich in 7 jahren rentiert (dämmung und solar um sagen wir einmal günstig geschätzt 20.000 euro)
würde ich schon während der amortisationszeit ein plus machen mit jährlich 1300 euro :))))

Queen of Sheba
 
00
22.2.2010, 16:56
Die Kosten für die Wärmedämmung ist die Differenz zwischen den Kosten mit Wämmung zu denen ohne Wärmedämmmaßnahmen.

Etwa beim Neubau und bei anstehender Sanierung.

helmut wiesel
00
22.2.2010, 17:02

das sehe ich auch so.

Queen of Sheba
 
00
22.2.2010, 17:05
Dann verstehe ich nicht die 30.000 EURO von "Autobahnraser".

helmut wiesel
00
22.2.2010, 17:16

30.000 euro kann ich mir schon vorstellen:

zb:
- fassade
- dach dämmen
- fenster neu
- kellerdecke dämmen
- heizungskessel erneuern oder
- heizung umstellen (von öl auf pellets,.... etc)
- warmwasser auf solar umstellen
- solare heizungsunterstützung
- ........................................

schwer von Begriff
00
24.2.2010, 13:39
also bei dem Vorhaben welches Sie da beschreiben würde ich eher

45k versanschlagen...

Fassade 10-15k
Fenster 10-15k
Pelletheizung 15k
Solar 12k

helmut wiesel
00
25.2.2010, 08:28

gebe ich ihnen recht.

es war auch und/oder gemeint ;)

Queen of Sheba
 
01
22.2.2010, 17:22
Gesamtamortisationsrechnung ist unzulässig.

Für jede Maßmahme muss der Kostenanteil der erhöhten Dämmung herausgerechnet und der durch die dadurch verursachten Kostenreduktion gegengerechnet werden.

politisch verfolgt
01
22.2.2010, 17:35
wieso?

wenn ich das an meinem haus machen lasse, bin es ja immer ich, der die rechnungen bezahlt. und zwar alle rechnungen. deshalb interessiert mich natürlich nur der gesamteffekt, da hat hr. wiesel recht.

Queen of Sheba
 
00
22.2.2010, 21:35
Jede EINZELNE Investitionsentscheidung sollte auf Rentabilität untersucht werden.

helmut wiesel
00
23.2.2010, 08:01
In den Diskussionen wird alles auf Rentabilität reduziert.

es geht allerdings auch um wesentlich qualitative Verbesserungen der Immobilie.

Es ist eigentlich einfach:
man muss nur schauen, wer der jeweilige Auftraggeber diverer Studien zum Thema Sanierung ist. Und wer sich daraus ein Geschäft erhofft.

Queen of Sheba
 
00
23.2.2010, 14:27
Nicht, wenn man die Grundrechnungsarten beherrscht.

helmut wiesel
00
23.2.2010, 15:09

bitte um ein konkretes beispiel. zb wie sich die Dämmung der obersten Geschossdecke in wenigen Monaten amortisiert.

Queen of Sheba
 
00
23.2.2010, 19:10
Mineralwolle 20 cm auf Betondecke (bei ungenütztem Dachraum).

helmut wiesel
00
24.2.2010, 10:38

gibts es dazu auch Zahlen?

Queen of Sheba
 
00
24.2.2010, 15:08
Finden Sie in Baustoffdatenkatalog des (ehemaligen) Bautenministeriums.

helmut wiesel
00
24.2.2010, 17:33

ok. ich stell keine fragen nach konkreten beispielen.

Queen of Sheba
 
00
25.2.2010, 02:01
Konkrete Beispiele erzeugen immer allgemeine Schlüsse.

Dazu ist die Materie zu vielfältig. Gut zusammengefasst findet sich das Thema übrigens in der ÖNorm B8110 Teil 4 "Betriebswirtschaftliche Optimierung der Wärmedämmung". Die vielleicht hohe Zahl meiner Berechnungen ergibt sich aus der systematischen Variation von Parametern wie Energiepreis, Dämmstoffpreis, Dämmstoffdicke, Primärkonstruktion, Planungsszenario.

Queen of Sheba
 
00
24.2.2010, 21:37
Habe selbst zig-tausende durchgerechnet.

Aber die Formel für die Amortisations ist - wie Ihnen sicherlich bekannt - denkbar einfach. Sie kann für den einzelnen sanierten Quadratmeter berechnet werden :

WDSanierungskostenanteil / (deltaU*HGT*KostendernutzbarenkWh)

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