Die Bürgerinitiative rief zu ihrer letzten Versammlung, die Menschen waren sich einig: Kein Erstaufnahmezentrum in Eberau - eine Reportage
Beendet wird die Versammlung volkstümlich theatralisch. In einer Diashow werden Fotos aus der Gemeinde gezeigt, musikalisch unterlegt von Rainhard Fendrichs "I am from Austria". Damit man sehe,
wie schön wir es hier haben und "was auf dem Spiel
steht", sagt Manfred Weiß, einer der beiden Verantwortlichen der Eberauer Bürgerinitiative. "Die haben gedacht, wir sind so am
Sand, wir nehmen alles, was man uns anbietet", sagt Günther Krobath, der andere. Maria Fekter hat sich verrechnet.
Die Beiden wissen, wovon sie reden. Seit Wochen sind sie von Haus zu Haus gegangen, um Stimmen zu sammeln gegen Fekters Plan ein Erstaufnahmezentrum in Eberau zu bauen. Nun haben sie zur letzen Versammlung gebeten, vor der Volksabstimmung am Sonntag.
Etwa zweihundert Menschen kommen zu dem Treffen in den Turnsaal der
ansässigen Hauptschule Josefinum. Die Stimmung ist entspannt und
zuversichtlich, der Tenor klar: Das Aufnahmezentrum von bis zu
dreihundert Menschen sei zu groß für die Gemeinde, für den Ort, der
unter der Woche lediglich 150 Einwohner hat. Die Sicherheit sei
gefährdet, zu wenig Polizei eingeplant. Die Wut auf die
verantwortlichen Politiker ist zu spüren.
Die Eberauer haben sich längst entscheiden - Sie wissen was sie wollen. Es bleibt kein Zweifel, wie die 995 Wahlberechtigten abstimmen werden: Mit einem Nein zu einem Asylerstaufnahmezentrum in ihrer Gemeinde, mit einem Nein zu Fekters Versuch, Eberau das Zentrum ohne öffentliche Diskussion aufzudoktrieren.
"So springt man mit Bürgern nicht um"
Am 19. Dezember verkündete Fekter öffentlich ihren Deal mit dem Bürgermeister der Gemeinde, Walter Strobl. "So springt man mit Bürgern nicht um", sagt ein älterer Herr mit vor Ärger rot gefärbtem Gesicht. "Die sind über uns und unsere Rechte einfach drüber gefahren, dass lassen wir uns nicht gefallen." Es ist unwahrscheinlich, dass die Eberauer bei einer offenen Diskussion für ein Asylzentrum gestimmt hätten - die Stimmung wäre aber deutlich besser. Drohanrufe gebe es nun beim Bürgermeister, die Menschen in den Dörfern fühlen sich hintergangen. Ein Riss ziehe sich durch die Gemeinde, sagen viele.
"Vergeben und vergessen"
"Wir stimmen über einen geeigneten Standort ab", sagt der zuständige Kreisarzt Gert Moser. "Nicht darüber, ob man Verfolgten Hilfe bieten soll." Er wäre allein zuständig für die medizinische Versorgung der Asylanten - zusätzlich zu seiner sonstigen Arbeit. Ein Pensum, dass sich nicht machen ließe und das zeige, wie "wenig durchdacht das alles ist." Moser schließt mit einem Aufruf zur Versöhnung, denn "vergeben und vergessen ist auch eine Art der Bewältigung." Er kriegt nach der Rede stehende Ovationen.
"Würde das Zentrum kommen, die Zahl der Bevölkerung würde um sechzig Prozent ansteigen", sagt Initiator Manfred Weiß. "Unsere wirtschaftsschwache Region wird zu einer toten Region, die Jungfamilien werden ausbleiben und es werden keine Kinder mehr geboren."
"Dürfen uns nicht blenden lassen"
Der Ankündigung Fekters, man werde für Aufenthaltspflicht bei den Asylsuchenden sorgen, glaubt man nicht: "Wir dürfen uns nicht blenden lassen", ruft Zweitinitiator Günther Krobath: "Das ist kein Gefängnis." Es fehle an Infrastruktur, den Menschen würde "fad werden." Eine funktionierende Integration werde durch den raschen Wechsel der Personen nicht ermöglicht.
Die Politik hat in Eberau versagt, eine sachliche Annäherung an das Thema von Anfang an unterbunden. Die Emotionen der Menschen drücken sich vor allem in Angst aus, die genährt wird durch Informationen der bevorzugten Kronen Zeitung und durch Landespolitiker, die Asylwerber mit Kriminellen gleichsetzen, als hätten sie keine höhere Verantwortung. "Eberau wird mit Nein stimmen", sagt Weiß am Ende der Veranstaltung. Er hofft auf neunzig Prozent, glaubt an achtzig. "Wir sind vielleicht ein kleines Zeichen dafür, dass man doch die Möglichkeit hat, über sich selbst zu entscheiden und dass man das nicht anderen überlassen sollte." (nik, derStandard.at, 20.2.2010)