Internationaler Skiverband FIS sprach nach Quali Machtwort - ÖSV verzichtet auf Protest gegen Bindungssystem
Whistler - Das Sportliche, die Qualifikation für den zweiten
Skisprung-Bewerb der Olympischen Spiele im Whistler Olympic Park, ist
am Freitag nur Nebensache gewesen. Doch besser an diesem Tag, als am
Bewerbstag. Die Jury ist nach den weltweiten Schlagzeilen um die
angeblich irreguläre Bindung von Simon Ammann selbst zur Tat
geschritten und hat das Arbeitsgerät des dreifachen Olympiasiegers
überprüft und für regelkonform erklärt.
Der österreichische Skiverband hat kurz
vor dem Großschanzenspringen am Samstag auf einen Protest
gegen die umstrittene Bindung Ammanns verzichtet. Das teilte Sportdirektor Toni Innauer mit. "Die Verantwortlichen des Internationalen Skiverbandes haben
Fakten geschaffen, indem sie Simon Ammann die Genehmigung zur
Verwendung des diskutierten Bindungssystems erteilten", hieß es in
der Pressemitteilung: "Der ÖSV wird unabhängig vom Wettkampfverlauf
auf einen Protest gegen das von Simon Ammann verwendete System
verzichten. Der Ausgang eines allfälligen Protestes ist
vorweggenommen. Heute soll einzig der sportliche Wettkampf in einer
tollen Atmosphäre im Vordergrund stehen."
Seinen Athleten ist der Mediensturm nicht völlig gleichgültig, den
die ÖSV-Präsentation eines Dossiers und die Ankündigung eines
Protests gegen Ammann, sollte dieser am Samstag seine Bindung
einsetzen, ausgelöst hatte. Andreas Kofler zur APA ob diese Aktion
seiner Meinung nach notwendig war? "Ich persönlich glaube nicht. Ich
kann nur sagen, dass ich die Energie für mich selbst brauche und ich
mich mit so einem Zeug nicht herumschlage. Wir als Athleten sind im
Endeffekt die Leidtragenden, aber ich kann es eh nicht ändern", so
der Sieger der Vierschanzen-Tournee.
Schaler Beigeschmack
Auch Normalschanzen-Weltmeister Wolfgang Loitzl nahm sich kein
Blatt vor den Mund, obwohl es am Vortag noch einen "Maulkorb" für die
ÖSV-Adler gegeben hatte: "Es hat mich nicht aus der Fassung gebracht.
Aber jetzt ist halt der schale Beigeschmack dabei, den wird man jetzt
nicht mehr los. Entweder es geht für Simi gut aus, dann heißt's, es
war die Bindung, oder es geht anders aus, dann heißt's, er ist aus
der Fassung gebracht worden."
Doppel-Olympiasieger Thomas Morgenstern zur Causa prima: "Taugen
tut es mir natürlich nicht. Ich kenne das Reglement nicht auswendig
und deshalb kann ich mir keine Meinung bilden. Das sollen andere auf
anderer Ebene lösen." Ob man die Diskussion vielleicht unter
Beteiligung von weniger Öffentlichkeit hätte machen sollen? "Dazu
sage ich jetzt nichts", meinte der Kärntner schmunzelnd.
Größe bewies jedenfalls Simon Ammann. Zunächst auf der Schanze mit
einem 140-m-Flug in der Qualifikation und danach im Auslauf, als er
jedem einzelnen Kamerateam und danach auch noch den Journalisten zur
Verfügung stand. "Die Weite stimmt, ich muss versuchen, mich trotz
Turbulenzen auf meine Sprünge zu konzentrieren."
Ob er denn nun sauer ist auf die Österreicher? "Nein, es ist
nichts Persönliches. Ich sehe, dass die Situation angespannt ist und
ich finde auch, dass es wichtig ist, die Athleten in Schutz zu
nehmen. Mit den Athleten habe ich es sowieso immer gut, die Stimmung
war sogar vor der Quali wirklich sehr gelöst. Das ist ein Haufen
Spitzenathleten - mal ist der stärker und mal der. Das muss man immer
vor Augen haben."
Schuh muss gerade in der Bindung stehen
Die FIS habe bei der Überprüfung nur gecheckt, ob sein Schuh
gerade in der Bindung steht, erklärte der dreifache Olympiasieger.
"Und dazu gab es ein Okay. Es ist überhaupt nicht möglich zu
protestieren und es wurde ja auch schon vorher genützt."
Grundsätzlich habe man schon länger überlegt, das Bindungssystem
einzusetzen. "Ich habe gesagt, wir müssen Geduld haben, werden
automatisch merken, wann es kommt. Das ist unser Vorteil hier, den
wir wirklich haben. Es ist anders zu springen, meine Form war sehr
gut, dann ist es einfacher, die Anpassung zu machen." Er sei aber
auch schon früher weiter als die Konkurrenz gesprungen, ohne dieses
System. "Dann reißt man ein Teil hervor, das Schuld an der guten
Leistung ist. Aber es ist natürlich eine ganze Summe, die einfach
jetzt hier schön zusammenpasst."
Und was meint Ammann zu den Sicherheitsbedenken der Österreicher?
"Wichtig ist, dass der Schuh gerade auf dem Ski steht, damit man
nicht schräg steht und man kein gefälschtes Gefühl hat. Und der Rest
gibt mir Stabilität im Flug und das ist ja nur für die Sicherheit."
Übrigens: Hätte die FIS nicht von selbst die Jury zur Überprüfung
eingesetzt, dann hätten die Schweizer Protest gegen sich selbst
eingelegt, um das Thema vom Tisch zu haben. Dieses Kasperltheater
wollte sich die FIS aber dann nicht antun. (APA)