Bandion-Ortner laut OECD "hilflos"

19. Februar 2010, 18:24
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    foto: apa-foto: helmut fohringer

    Kritik an Claudia Bandion-Ortner von der OECD: "Ich bin erstaunt, dass die Justizministerin sich überhaupt mit dem Thema befasst. Als Aufsichtsinstanz kommt sie nur infrage, wenn etwas dramatisch schiefläuft."

Österreich gerät in der Causa Mensdorff-Pouilly ins Visier der Korruptionsbekämpfer - Vor­­abprüfung beim EuGH sei "merkwürdig"

Wien - Kein Verständnis für die Überlegungen von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, in der Causa Mensdorff-Pouilly den Europäischen Gerichtshof (EuGH) anzurufen, hat der OECD-Korruptionsexperte Mark Pieth. Im Gespräch mit dem Standard meint er, das Vorhaben "zeugt von einer gewissen Hilflosigkeit" .

Die Pläne seien "merkwürdig" und überhaupt handle es sich um eine Frage der Staatsanwaltschaft: "Wir sind bei der Justizministerin am falschen Ort", sagt Pieth, der auch auf Uno-Ebene diverse Einsätze zur Korruptionsbekämpfung durchgeführt hat. In der Waffenbestechungsaffäre rund um Alfons Mensdorff-Pouilly habe sich die britische Behörde SFO lediglich mit British Aerospace verglichen. Der Fall Mensdorff hingegen sei "Sache der Österreicher", interpretiert Pieth die Entscheidung in London.

Aus diesen Gründen ist er der Ansicht, dass das Doppelbestrafungsverbot, dessen Anwendbarkeit eben vom EuGH geprüft werden soll, nicht gelte. Österreich rät er in der Causa: "Nur Mut." Für Mensdorff-Pouilly gilt die Unschuldsvermutung.

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Standard: Justizministerin Claudia Bandion-Ortner erwägt, in der Sache Mensdorff-Pouilly den Europäischen Gerichtshof anzurufen. Er soll vorab klären, ob eine allfällige Verfolgung nach der Einstellung der britischen Ermittlungen mit dem Doppelbestrafungsverbot kollidiert. Wie beurteilen Sie diesen Vorgang?

Pieth: Es ist schon merkwürdig, wenn ein Land eine Vorabprüfung will. Das bedeutet, dass die Ministerin mit dem, was sie vom anderen Land gehört hat, nicht einverstanden ist, und zeugt auch von einer gewissen Hilflosigkeit. Es handelt sich um eine Rechtsfrage, und das kann der Staatsanwalt in Österreich klären, das braucht nicht die Justizministerin zu machen. Wir sind bei der Justizministerin am falschen Ort. Sie ist die Aufsichtsinstanz, und zuerst soll der Staatsanwalt arbeiten. Aber jetzt misch ich mich bereits in österreichischen Angelegenheiten ein.

Standard: Die Staatsanwaltschaft ressortiert zum Justizministerium. Ist es bei Zweifeln nicht naheliegend, den EuGH zu befassen?

Pieth: Ich bin erstaunt, dass die Justizministerin sich überhaupt mit dem Thema befasst. Als Aufsichtsinstanz kommt sie nur infrage, wenn etwas dramatisch schiefläuft. Der erste Zuständige ist der Staatsanwalt von Wien.

Standard: Und wenn die Staatsanwaltschaft diesen Schritt setzt?

Pieth: An sich sollte die Staatsanwaltschaft aufgrund der Unterlagen, die sie aus Großbritannien erhält, entscheiden können, ob sie zuständig ist. Das ist etwas, das sie selbst entscheiden soll. Nur Mut bitte. Ich meine, die Leute müssten ja nicht das Recht im Ausland erfahren.

Standard: Die Vorlage von europarechtlich relevanten Fragen an den Europäischen Gerichtshof ist in Österreich gängige Praxis.

Pieth: Aus meiner Perspektive ist es eine relativ klare Frage, die man so oder so entscheiden muss, und die Basis der Entscheidung ist zunächst mal der Sachverhalt. Ich habe es bewusst so gemacht, dass ich in der Vermittlung zwischen den beiden Staaten gesagt habe, lasst mich außen vor, ich bin nicht der Vermittler in dem Sinne. Das ist Sache der beiden Staaten.

Standard: Noch einmal zum Grundproblem. Es geht ja um die Frage, ob der Vergleich der britischen Antikorruptionsbehörde SFO mit British Aerospace (BAE Systems) einer Aburteilung Mensdorffs entspricht und er somit nicht noch einmal wegen des gleichen Delikts verfolgt werden kann.

Pieth: Das betrifft den Herrn Mensdorff überhaupt nicht, weil sich das SFO mit dem Unternehmen BAE verglichen hat. Da wird sogar bestritten, dass er mit dem Unternehmen was zu tun hat, nicht wahr. Er selbst bestreitet es ja auch. Mit Mensdorff wurde überhaupt kein Vergleich geschlossen.

Standard: Es hat also weder eine Verurteilung noch eine Einstellung des Verfahrens gegeben?

Pieth: Es gab ein Verfahren gegen Mensdorff persönlich, und man hat beschlossen, ihn freizulassen und das Verfahren einzustellen oder "to discontinue" , was seine Person anbelangt. Erledigt hat man das Verfahren gegen das Unternehmen. Bei ihm, das ist meine Interpretation, hat man gesagt: Das ist die Sache der Österreicher. Die müssen den Fall weiter betreiben. Deshalb greift das Schengener Durchführungsübereinkommen nicht. Die Sache müsste auf der Grundlage der Akten begutachtet werden. Das ist eben die Sache der österreichischen Staatsanwaltschaft, eine Entscheidung zu fällen. Ich denke, das Recht kennt die Justiz selbst. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2010)

Kommentar posten
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Alexander Patjomkin
01
25.2.2010, 11:45
Die meisten Minister sind nur Problemverwalter,

Ideen, Kraft und Mut zur Problemlösung haben sie nicht.

Ernst Weiss
01
25.2.2010, 09:32
Bandion ortner

soviel zur parteiunabhängigen und vormals schon ÖAAB personalvertreterin haha das ich nicht lache wer glaubt das.

El Rick
01
25.2.2010, 09:12
"Das ist die Sache der Österreicher. Die müssen den Fall weiter betreiben."

Na toll, d.h. es versandet oder wird sonstwie vertuscht und abgewürgt...

Josef Weinheber
01
23.2.2010, 19:34
Danke für die Info, aber....

Das die Bandion-Ortner hilflos ist, wissen wir auch ohne OECD schon längst!

also dann ...
16
23.2.2010, 10:36
im "vouraiseilendem gehorsam"... offenbart B & O ihre juristische UN-kenntniss : ein doppelbestrafungsverbot ... liegt nicht vor , da

- dies NUR im Falle abgehandelter Prozesse (welche die Elementen eines Prozesses aufweisen) und NICHT im Falle eines de facto Vergleiches, gegen Zahlung eines Pönale - um von einer Durchführug d.Prozesses a b z u s e h e n..., zutrifft.
- dies KEIN prozeß war.. - sondern der Verzicht auf einen Prozeß !

auch liegt DERSELBE FALL... nicht vor,
- in GB wurde BAE wegen falscher angaben an us-behörden/bilanzungereimtheiten verglichen ...,
- in Ö wird gegen mensdorff wegen falscher zeugenaussage/bestechung ermittelt,
...zudem auch noch in einem a n d e r e n fall und
...einem a n d e r e n involv. unternehmen (eads).

frau B & O...
sollte sich weniger in cafe`s...herumtreiben,
sondern sich WEITER(AUS) - bilden.

system1
01
25.2.2010, 12:31
treffend!

Lazy Jones
00
22.2.2010, 15:24
Mark Pieth = Captain Obvious

... ;-)

Manhã de Carnaval
08
22.2.2010, 12:23
Jetzt hat sie's quasi amtlich


Der Dörfler bekommt Konkurrenz

system1
03
22.2.2010, 11:41
warum fragt man in dieser causa erstmalig

VORHER beim eugh nach? wenn ein kleiner bürger betroffen wäre würde man ihn zuerst vor gericht stellen und verurteilen. erst wenn dieser bürger selber beim eugh dagegen klagt würde man das revidiern (nach ausschöpfung aller berufungen).... so schauts aus mit der gerechtigkeit.

kleiner mann1
01
22.2.2010, 08:51
klar ist sie hilflos

entweder Standeskollegen mitreissen und dann selbst Probleme bekommen oder entgegen aller Gesetze nichts tun.

Aber womöglich gibts beim EUGH auch Leute mit leeren Taschen die beglückt werden sollen.

Shazmandur
12
22.2.2010, 08:40
Bandion-Ortner laut OECD "hilflos"

... naturblöd!

Bluestone
00
22.2.2010, 06:34

Immerhin ist sie so ehrlich, daß sie zugibt, sich nicht auszukennen.

So manche "Experten" haben uns in diesem Land schon ins Unglück gestürzt, weil sie nicht wussten, was sie tun.

Dritter von Links
01
22.2.2010, 11:08



Es ist Ihnen aber schon klar, dass ganz generell Vorabentscheidungen nichts mit "Nicht Auskennen" zu tun haben, sondern sie sind in manchen Fällen mit EU Bezug zwingend, da sonst das Recht auf den gesetzlichen Richter verletzt ist.

Shazmandur
01
22.2.2010, 08:43

... die Personalreserve der ÖVP

Dritter von Links
82
21.2.2010, 15:35



Der Herr Professor mögen sich um die löchrigen Schweizer Banken kümmern, und um die Leute, die einfach Betriebsgeheimnisse an ausländische Regierungen verkaufen, und das einer rechtlichen Beurteilung unterziehen, oder den Fokus seines kriminalistischen Sprürsinns auf die Schweizer Waffenindustrie richten, die andauernd an kriegsführende Länder Waffen exportiert,ohne sich zu fragen, ob das der schweizerischen Neutralität ziemlich wäre, anstatt sich da groß aufzupudeln. Damit wäre er eine Weile ausgelastet.

Wir haben hier in Österreich genügend Straf- und Europarechtler, die sich um Strafrechtsfälle mit Eu Bezug kümmern könnten.

Kalvarienberg
20
22.2.2010, 17:19
(Genau) Lesen bildet !!!

Pete AMBER
68
21.2.2010, 09:24
Wo sind die Zeiten, wo Politiker noch ganz offen und ehrlich

Dreck am Stecken hatten?

Rechtskräftige Strafurteile:

Blecha: Fälschung von Beweismitteln, Urkundenunterdrückung
Sinowatz: falsche Zeugenaussage
Androsch: Steuerhinterziehung
Gratz Poldi: falsche Zeugenaussage

War aber genauso wurscht (siehe Androsch, Blecha - gehören zu den absolut mächtigsten Leuten in Ö.).

MacAllen Fine Oak
03
22.2.2010, 10:51
Westi, Winter...Scheuch entzieht sich gleich einem Urteil in Ungarn...

Ihre Liste scheint einwenig einseitig

fprands
012
21.2.2010, 17:15
Was soll das Aufrechnen?

Ohne die Roten und den Sumpf rund um den Club 45 verteidigen zu wollen - die wurden alle rechtskräftig verurteilt und traten zurück.

Wie sah das in den letzten 10 Jahren aus?

Wir kennen nur die Spitze vom Eisberg und die besteht aus:
Weisungen, Bespitzelung, Lügen, null Konsequenzen, immense Schadenssummen für den Steuerzahler, ...

*Das* ist eine andere Qualität.

graeslein
 
03
22.2.2010, 01:43



Es hätte vielleicht insoweit was zu tun, als es beweist, dass Macht korrumpiert. Und das ist unabhängig von der Parteicouleur.

Und es hat vielleicht auch was damit zu tun, dass es eben gerade nicht die charakterfestesten Personen und intellektuellen Leuchten dieses Landes sind, die es in die Politik zieht.

Atlas Shrugged
 
00
21.2.2010, 14:22

super!! Jetzt haben sie es den Roten aber gegeben!

Und was hat das mit der heutigen Situation und den heutigen Problemen zu tun? Genau gar nix, net wahr?

Aber wenn sie schon unbedingt wollen - damals, im Zuge der Lucona Sprengung durch Proksch und Komplizen, ging es um 6 Morde und ca. 15 Mio. Euro. Das können sie gern mit den Toten der Finanzkrise und den Milliarden Schaden aufrechnen.

el ka
03
21.2.2010, 08:23

wieder ein anlass zum fremdschämen...

das kommt davon, wenn einer - durch zufällige geschäftseinteilung - in einem prominenten anklagefall in die medien gekommene richterin, die sich im licht der öffentlichkeit auch so richtig wohl gefühlt hat und dafür von den medien auch geliebt wurde.... soviel juristische kompetenz zugestanden wird, dass man sie gleich zur justizministerin macht...

welche partei hat das nochmal getan? ach ja, dieselbe, die auch die vera rußwurm zur ministerin machten wollte...

was für ein operettenstaat!

Bigmouth
01
21.2.2010, 10:14

Stimmt schon. Aber Gott ist gerecht - dass die Dame der ganz große Bringer für die Schwarzen geworden ist, kann man ja nicht gerade behaupten. Eher eine Hypothek. Und da bei uns ein Austausch einer überforderten Ministerin als Eingeständnis eines Fehlers und Zeichen von Schwäche gilt, wird sie weiterwerkeln dürfen und weiterhin dafür sorgen, dass der Ruf der Schwarzen als Heimat der Kompetenz ramponiert wird. Gut so.

Jan Nesbeda
01
22.2.2010, 10:00
Was sie für die Schwarzen gebracht hat?

Eine Gewerkschaft, die sich wegen leerer Kassen nicht wehren kann!
Man hätte vielleicht nachsehen sollen, wohin das von Herrn Flöttl angeblich verspekulierte Geld gekommen ist, denn vielleicht isses garnicht weg?
Da hatte doch der Herr Phillip Bennett eine Firma, die ständig Zahlungen von Refco erhielt und bei der von Gegenleistungen wenig bekannt ist....

Hr. Wolf
10
21.2.2010, 10:05

ja, schäm dich.

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