Eine französische Fastfoodkette feuert mit dem Verkauf islamkonformen Fastfoods eine politische Debatte an
Eine französische Fastfoodkette hatte eine Idee für einen neuen Verkaufsschlager: In acht von insgesamt 350 Quick-Filialen sollten nur mehr Burger mit nach islamischen Schlachtregeln produziertem Fleisch (halal) verkauft werden. Schweinefleisch und gewöhnliches Rindfleisch wurden von der Speisekarte verbannt. Mit durchschlagendem Erfolg: Der Umsatz verdoppelte sich. Die ausgewählten Zweigstellen stehen allesamt in Gebieten mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an muslimischen Bürgern - darunter Marseille, Toulouse und Roubaix.
Was nun klingt wie ein märchenhafter Start für ein zielgruppenorientiertes Angebot, entpuppt sich als politischer Zündstoff. Der Bürgermeister von Roubaix droht mit einer Klage - das ausschließlich an muslimische Bürger gerichtete Halal-Angebot sei nicht jedermanns Sache - und komme deswegen einer Diskriminierung gleich. Ein Kollege aus dem Gemeinderat rief sogar zum Boykott auf, um die "Freiheit der Wahl" in Roubaix wieder möglich zu machen.
Aber nicht nur auf Gemeindeebene sorgte das neue Angebot von Quick für Aufregung. Marine Le Pen (die Tochter von Jean-Marie) von der rechtsextremen Front National unterstellte, dass Kunden wegen der islamkonformen Burger auch Steuern an islamische Organisationen zahlen würden, die Halal-Produkte zertifizieren. Letztendlich seien die Halal-Laberl ein Zeichen für die schleichende Islamisierung Frankreichs, fügte sie in einem Radio-Interview hinzu. Schließlich hält die französische Staatsbank Caisse des Depots et Consignations einen 99,63-Prozent-Anteil am Schnellimbiss Quick.
Das Unternehmen selber versteht die ganze Aufregung nicht wirklich. Ein Sprecher von Quick meinte, die Fastfood-Kette habe schlicht auf die Konkurrenz kleiner Halal-Restaurants reagiert. Immerhin machen Frankreichs fünf Millionen Muslime rund acht Prozent der Bevölkerung aus. Als Unternehmen davor die Augen zu verschließen, sei nicht möglich. Einer Markt-Studie zufolge werden im Jahr rund 4,5 Milliarden Euro mit Halal-Speisen - vorwiegend Fleisch - in Geschäften umgesetzt, eine weitere Milliarde mit Halal-Fastfood. (red, derStandard.at, 19.2.2010)