"Ein bisschen geht schon noch"

19. Februar 2010, 16:48
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    foto: pichler

    Maria Pichler

Maria Pichler hat das Burnout übersehen

STANDARD: Sie haben die Personalentwicklung eines großen österreichischen Unternehmens geleitet, als Sie das Burnout einholte ...

Pichler: Ja. Jetzt werden viele denken: Als Expertin hätte sie es erkennen sollen. Dazu kann ich nur sagen: Ich habe es einfach übersehen. Auch weil ich der Typ Mensch bin, der meint: "Ein bisschen geht schon noch."

STANDARD: Wie haben sich die Symptome bei Ihnen geäußert?

Pichler: Die Arbeit hat aufgehört, Spaß zu machen, aus der Kür wurde Pflicht, und die Pflicht wurde zur Last. Ich konnte nicht mehr abschalten, war unkonzentriert. Das Arbeitspensum hat mich erdrückt und gelähmt, ich konnte keine Qualität mehr liefern. Es war klar: So geht es nicht mehr weiter.

STANDARD:Was passierte dann?

Pichler: Ich habe gekündigt und mir gedacht: In drei Monaten fange ich an anderer Stelle neu an. Als ich mich aber nicht und nicht erholen konnte, war mir klar - es ist Burnout. Eine harte Erkenntnis, die ich erst lernen musste zu akzeptieren.

STANDARD: Wie geht's Ihnen heute?

Pichler: Ich bin startklar, nur der Wiedereinstieg wollte noch nicht klappen. Ich weiß, ich habe den richtigen Schritt getan, wenn auch mittlerweile, trotz Ersparnissen, ab und an Existenzängste hochkommen. 

STANDARD: Was tun Sie dann?

Pichler: Ich denke mir: Das sitzt du aus. Ich suche den für mich richtigen, keinen Zwischendurch-Job. Ich bin ein positiver Mensch mit dem Vertrauen, dass zur richtigen Zeit das Richtige passiert. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 20./21.2.2010)

Zur Person

Maria Pichler, Personal- und Bildungsmanagerin, hat Wissensmanagement studiert. Knappe zehn Jahre war sie als Personalentwicklerin tätig.

Wüstenläufer
73
21.2.2010, 13:49
dieser Fall ist echt interessant und verdient studiert zu werden!

Ich kenne einen Burnout Fall aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Eine pragmatisierte Berufsschullehrerin hat schon zum zweitenmal "Burnout" - Ihr persönlicher Kommentar dazu:
"wenn die keine Rücksicht auf meine Wünsche beim Stundenpaln nehmen, dann habe ich eben BURNOUT". Beim erstenmal war sie über ein Jahr zu Hause-natürlich bei voller Bezahlung, ging sogar Golf spielen, etc., jetzt ist sie schon wieder weit über ein Jahr zu Hause bei voller Bezahlung-arbeitet im Garten, geht Golf spielen, ist lustig...
Meiner Meinung nach wäre hier die einzig richtige Therapie: ein Tritt in den Hintern oder eben Gehaltsstilllegung, dann wäre das Burnout schnell kuriert!
Ist überhaupt eine Lehrerkrankheit, wie allgemein gemunkelt wird, warum wohl?

grashopper
00
habe auch burnout

ein tritt in den hintern, hätte mich jedenfalls direkt in die nervenklinik gebracht und das wäre noch teurer geworden. vielleicht sollten sie, wenn sie sich für die geschichte ihrer nachbarin interessieren mit ihre ein vorurteilsloses gespräch führen - da könnten sie dann möglicherweise noch was für ihre eigenes arbeitsleben lernen.

cbrzeasu
11
21.2.2010, 00:08
Burnout ist ja auch ein Zeichen dafür,

dass über die Arbeit hinaus etwas im Leben nicht richtig läuft, sonst würde man sich ja nicht so in die Arbeit stürzen, und damit hat man sich nach dem Zusammenbruch auseinanderzusetzen, das geht nicht so schnell, es muß ja oft ein ganzes Leben neu organisiert werden

Mag Filip
53
20.2.2010, 23:01
Ich hab den Eindruck

dass dieses Syndrom klein wenig "in Mode" ist...
will niemandem zu nahe treten, doch kenn ich genügend Kollegen, die einfach mit sich selbst nicht klar kommen und plötzlich schuldige - die Firma, verlangt zu viel... - suchen und *huch* "Burnout-Syndrom" schreien.

Leute: Selbstverantwortung !!!
Positiv Denken ist zu wenig!

nostra57
07
21.2.2010, 10:09
Wenn man genau hinschaut ...

... und die Symptome und Dynamik des Burn-Out-Syndroms ansieht, erkennt man darin im Wesentlichen die altbekannte Erschöpfungsdepression wieder. Die Gefahr besteht darin, dass Modediagnosen und ein von vielen Leuten bei jeder beruflichen Krise locker dahingesagtes "jetzt kriag i a böan aut" die wirklich Kranken, Betroffenen und Leidenden nicht ernst genommen werden und in der Masse derer, die unwissend und gedankenlos mit dem Begriff hantieren, untergehn.
Für die persönlich Betroffenen wie auch volkswirtschaftlich ist dies eine Katastrophe.

theEdge
 
00
21.2.2010, 09:36

Wenn das private Leben Probleme macht, ist das in meinen Augen gravierender, als wenn die Firma Probleme macht.
Letzteres kann man ausschalten, das Privatleben nicht, denn das braucht man um geistig zu überleben. Von der Firma kann man im Fall des Falles ein paar Monate Pause machen. Möchte wissen, wie's Ihrer Meinung nach aussehen soll, vom Privatleben ein paar Monate Pause zu machen.

Wüstenläufer
00
21.2.2010, 13:51
ein paar Monate Pause machen von der Firma...

wenn's aber Ihre eigene ist?

my thoughts...
00
21.2.2010, 16:24

auch selbständige haben burnout mit allen konsequenzen...

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