Maria Pichler hat das Burnout übersehen
STANDARD: Sie haben die Personalentwicklung eines großen österreichischen Unternehmens geleitet, als Sie das Burnout einholte ...
Pichler: Ja. Jetzt werden viele denken: Als Expertin hätte sie es erkennen sollen. Dazu kann ich nur sagen: Ich habe es einfach übersehen. Auch weil ich der Typ Mensch bin, der meint: "Ein bisschen geht schon noch."
STANDARD: Wie haben sich die Symptome bei Ihnen geäußert?
Pichler: Die Arbeit hat aufgehört, Spaß zu machen, aus der Kür wurde Pflicht, und die Pflicht wurde zur Last. Ich konnte nicht mehr abschalten, war unkonzentriert. Das Arbeitspensum hat mich erdrückt und gelähmt, ich konnte keine Qualität mehr liefern. Es war klar: So geht es nicht mehr weiter.
STANDARD:Was passierte dann?
Pichler: Ich habe gekündigt und mir gedacht: In drei Monaten fange ich an anderer Stelle neu an. Als ich mich aber nicht und nicht erholen konnte, war mir klar - es ist Burnout. Eine harte Erkenntnis, die ich erst lernen musste zu akzeptieren.
STANDARD: Wie geht's Ihnen heute?
Pichler: Ich bin startklar, nur der Wiedereinstieg wollte noch nicht klappen. Ich weiß, ich habe den richtigen Schritt getan, wenn auch mittlerweile, trotz Ersparnissen, ab und an Existenzängste hochkommen.
STANDARD: Was tun Sie dann?
Pichler: Ich denke mir: Das sitzt du aus. Ich suche den für mich richtigen, keinen Zwischendurch-Job. Ich bin ein positiver Mensch mit dem Vertrauen, dass zur richtigen Zeit das Richtige passiert. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 20./21.2.2010)
Zur Person
Maria Pichler, Personal- und Bildungsmanagerin, hat
Wissensmanagement studiert. Knappe zehn Jahre war sie als
Personalentwicklerin tätig.