Erste Patientinnen-Leitlinie zur Diagnose Brustkrebs

19. Februar 2010, 11:07

Der 66-Seiten starke Ratgeber informiert über Diagnostik, Behandlung, Nachsorge und stärkt die Patientinnenkompetenz

Auf dem Deutschen Krebskongress vom 24. bis 27. Februar 2010 in Berlin wird die erste nationale Patientinnenleitlinie zum Thema Brustkrebs vorgestellt. Die Leitlinie behandelt die Ersterkrankung an Brustkrebs und DCIS (duktales Karzinom in situ), eine Sonderform des Brustkrebses, teilt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in einer Aussendung mit.

Fundierter Begleiter

"Mit der Patientinnenleitlinie zur Ersterkrankung an Brustkrebs erhalten betroffene Frauen einen fachlich fundierten Begleiter, der ihnen nach der Diagnosestellung hilft, die medizinischen Hintergründe zu verstehen", sagt Rolf Kreienberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie (DGGG). Die 66-Seiten starke Leitlinie informiert über Behandlungsmöglichkeiten und Beratungsangebote und bietet Ratschläge für mögliche Probleme in Familie, Partnerschaft und am Arbeitsplatz sowie für eine gesunde Lebensführung. Die Leitlinie stärkt die Patientinnenkompetenz und will dazu beitragen, die Kommunikation zwischen der an Brustkrebs erkrankten Frau und den behandelnden Ärzten zu verbessern. "Die Patientinnen werden durch die Leitlinie erheblich im Gespräch mit ihren Ärzten unterstützt. Sie erfahren, was sie ihre Ärzte fragen müssen", Kreienberg, Autor der Leitlinie.

"Lass dir Zeit"

Die Diagnose Brustkrebs ist für die Patientinnen, Angehörige und Freunde ein Schock. Je nach Größe des Tumors und dem Krankheitsstadium können Operationen, eine Chemo-, eine Hormon- und Antikörpertherapie und/oder Bestrahlungen erforderlich sein. "Die wichtigste Botschaft in dieser Situation: Lass dir Zeit, Brustkrebs ist kein Notfall!" sagt Hilde Schulte, von 1999 bis August 2009 Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. Betroffene sollten sich genügend Zeit nehmen, Informationen einzuholen - seriöse Informationen, die im Einklang mit den wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen stehen.

Die Patientinnenleitlinie Brustkrebs ist Bestandteil des "Leitlinienprogramms Onkologie" der Deutschen Krebsgesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften und der Deutschen Krebshilfe. An der Erstellung waren Vertreter von allen relevanten medizinischen Fachgesellschaften und Selbsthilfeorganisationen beteiligt. Die Leitlinie bietet auf ihrem Themengebiet die derzeit umfangreichste und aktuellste Zusammenstellung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. (red)

Patientinnen brauchen evidenzbasierte Patientinnen-Informationen

Diese Patientinnenleitlinie zu Brustkrebs entspricht nicht den Anforderungen für eine informierte Entscheidungsfindung. Für Frauen mit Brustkrebs wird evidenzbasierte, modular aufgebaute schriftliche Patientinneninformation, auf die Patientinnen zumindest ein ethisches Recht hätten, gebraucht. Die komplexe Therapie bei Brustkrebs mit allen möglichen Behandlungsschritten in dieser Patientinnenleitline ist eine Überfrachtung für jene Frauen, die nicht alle aufgeführten Therapien brauchen und sie hat für schwierige Entscheidungen - z.B. über eine Chemotherapie - nicht die notwendige Informationstiefe.

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