Habsburgs Sonne geht im Internet nicht unter

19. Februar 2010 09:27
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    Foto: schloss schönbrunn kultur- und betriebsges.m.b.h.

    2.000 Seiten Text und 1.400 Abbildungen umfasst die Online-Ausstellung "Die Welt der Habsburger".

Die Online-Ausstellung "Welt der Habsburger" will ab Mai mehr als 600 Jahre Geschichte neu erlebbar machen - per Mausklick und ohne Zuckerguss

In Österreich gibt es in Sachen Vergangenheitsbewältigung noch viele offene Kapitel. "Nicht nur für die Jahre 1938 bis 1945", stellt der Wiener Historiker Karl Vocelka fest. "Dies trifft auch auf die Habsburger zu." Verehrt und verhasst gleichermaßen, prägte die Herrscherfamilie 640 Jahre lang (von 1278 bis 1918) die Geschichte des Landes und Europas. Und sorgt noch heute für politische Diskussionen.

Vergangenheitsbewältigung

Als Ansatz zur Vergangenheitsbewältigung versteht sich die Ausstellung "Welt der Habsburger". Veranstaltet wird sie in einem Ort, der heute einer wachsenden Bevölkerungszahl Zugang zu einst vornehmlich den Eliten vorbehaltenen Bildungsmaterialien ermöglicht: dem virtuellen Raum des Internets. "Anders als ein Buch, ist diese virtuelle Ausstellung ein Projekt, das nie fertig wird, das verändert werden kann", nennt Vocelka den entscheidenden Vorteil für diese Präsentationsform. Ein weiterer Vorteil: 2000 Seiten Text und 1400 Abbildungen hätten in gedruckter Form einen kaum handhabbaren, geschweige denn für jedermann leistbaren Geschichtsfolianten ergeben.

Der Grundstein für das Projekt, das mit 600.000 Euro budgetiert ist, findet sich im Regierungsübereinkommen 2008 der damaligen Staatslenker Alfred Gusenbauer (SP) und Wilhelm Molterer (ÖVP), das für Schloss Schönbrunn die Errichtung eines Habsburg-Zentrums festschrieb. Da angesichts der ständigen Umbauarbeiten in der imperialen Schlossanlage ein physisches Museum sehr schwierig geworden wäre, griff die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft gerne die Idee auf, im Cyberspace eine Zweigstelle zu eröffnen.

Ohne Zuckerguss

Befürchtungen, dass mit dem Projekt der Habsburg-Mythos im Interesse des touristischen Publikums mit einer weiteren Schicht Zuckerguss getüncht würde, versucht Schloss Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker im Vorhinein zu zerstreuen. "In den 'Club zur Wiederauferstehung' der Habsburger werden wir damit sicher nicht aufgenommen". Denn die Ausstellung soll vor allem eins sein: "eine kritische Präsentation". Sprich: Das Volk soll nicht zu kurz kommen.

"Die Welt der Habsburger geht über eine reine Dynastiegeschichte hinaus", betont denn auch Sozialhistoriker Franz Eder, der gemeinsam mit Vocelka die Online-Ausstellung kuratiert. Der virtuelle Museumsbesucher soll sich hier ebenso über Arbeitsbedinungen am Hof oder im Erzbergwerk, über Energie- und Umweltprobleme der Epoche, Vergnügungen für Aristokratie und Volk ein Bild machen können.

Ende Mai soll die Ausstellung mit in deutscher Sprache online gehen. Eine Englisch-Version soll Juli/August folgen. In einem Blog können Habsburg-Interessierte den Entstehungsprozess der Website bereits jetzt schon mitverfolgen - und mit der Vergangenheitsbewältigung beginnen. (kat, DER STANDARD, Printausgabe, 19. Februar 2010)

Kommentar posten
20 Postings
Em sembla que ara em toca a mi.
20.02.2010 10:51
Übrigens sind die Habsburger 1740 mit Kaiser Karl VI

im Mannesstamm ausgestorben. Ab Maria Theresias' Sohn Kaiser Joseph II sind es Lothringer.

politisch verfolgt
22.02.2010 02:26
übrigens

sind sie vielleicht sogar in wahrheit schon viel früher ausgestorben, weil rudolf IV. vielleicht unhelich war.

kleiner_großstädter
22.02.2010 15:20
Völliger Unsinn, da alle relevanten Habsburger nach Rudolf IV

von seinem Bruder Leopold III. aus der (älteren) steirischen Linie abstammen, Klugscheißer!

kleiner_Großstädter
22.02.2010 19:18

Das Aussterben der Habsburger mit des Heiligen Röm'schen Reichs sechsten Kaiser Karls Tod war im Mannesstamm endgültig. Nur das "Haus Österreich" lebte weiter.

karlFranz
22.02.2010 16:18

Ja, zweimal starben die "Wiener Habsburger" im Mannesstamm aus, und zweimal kam eine steirische Linie wieder ans Ruder des (Erz-)Hauses Habsburg.

hotzenplotz1001
21.02.2010 23:09
Das teilweise Aussterben der Habsburger hat auch nichts geändert.

para-Celsus
23.02.2010 18:17

Gibt es heute Teil-HabsburgerInnen

mukuli
19.02.2010 20:34
cool

Reinhold Loecker
19.02.2010 19:08
Namensänderung

Jede Woche ein Gefälligkeitsartikel für die Habsüchtler!

Schön langsam kann sich der STANDARD in KAISERKRONENZEITUNG umbenennen! Da ist ja die FRAU IM SPIEGEL unserer Putzfrau noch erträglicher!

Marten E. Vanderveen
 
19.02.2010 15:29
Die Habsburger haben viel für Österreich getan

Der Erste Weltkrieg hätt' zwar nicht sein müssen, aber sonst war die Leistung sehr ordentlich. Beispiele sind mir leider entfallen.

Lapislazuli
19.02.2010 19:37
Noja, zumindest den zweiten WK hätts jedenfalls unter

Kaiser Otto in der uns bekannten Form nicht gegeben.

kleiner_Großstädter
22.02.2010 19:15

Von diesem Otto existiert keine uns bekannte Kaiserform.

karlFranz
22.02.2010 16:38
Erzherzog Otto in der uns bekannten Form

brachte es nur zu einem Kronprinzen
und zu keinem Regenten.

Lapislazuli
22.02.2010 17:21
Was ist ein Konjunktiv ?

Und wann ist der Karl selig schon verstorben ?

karlFranz
22.02.2010 19:04

Konjunktiv ist zwar Konjunktiv, doch Ihre Aussage ist eine unbeweisbare Spekulation und damit wertlos.
Daten über Kaiser Karl/Kiroly Karoly sind bekannt.

optimist70
19.02.2010 12:00
die haben auch einen Heiligen in der Familie: den Giftgas Karl

hilft gut gegen Krampfadern

Nick Tameer
19.02.2010 15:48

Der Hl. Chemie-Charly malgré lui. Er war Realist genug, um zu sehen, dass der Krieg nicht gewinnen war, aber nicht, um ihn zu beenden.

Papst Pius XI. soll 1911 folgendes gesagt haben:
"Karl ist der große Lohn des Himmels für Österreich, wegen der Treue dieses Landes zur Kirche und zum Papst".

Das sollte uns allen zur Warnung dienen.

Em sembla que ara em toca a mi.
19.02.2010 16:55
Papst Pius XI. wurde erst 1922 Papst,

hat also 1911 über den damals 24-jährigen und noch kinderlosen Erzherzog Karl (Sohn des 1906 an Syphilis verstorbenen Erzherzog Otto) nicht viel Relevantes gesagt. Thronfolger wurde Karl ja erst 1914.

hast1
19.02.2010 18:56
spielverderber!

Em sembla que ara em toca a mi.
19.02.2010 14:38

Möge Beatus Carolus dem Schmäher verzeihen!

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