Osttimor: 16 weitere Indonesier wegen Kriegsverbrechen angeklagt

9. April 2003, 11:44
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Zwei der Beschuldigten sollen für Massaker in Kirche verantwortlich sein

Dili/Jakarta - Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Osttimor sind 16 indonesische Beamte angeklagt worden. Wie die Vereinten Nationen am Mittwoch mitteilten, richtet sich die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft in Dili gegen einen früheren Militärkommandanten, Achmad Mas Agus, und einen ehemaligen Bezirksgouverneur, Herman Sedyono, sowie 14 weitere Personen. Ihnen wird ein Massaker in einer Kirche in der Ortschaft Suai zur Last gelegt, dem 27 Menschen zum Opfer fielen. Sedyono war demnach selbst an dem Massaker beteiligt. Es war Teil einer Terrorkampagne, mit der die indonesische Besatzungsarmee und von ihr gesteuerte Milizen 1999 die Unabhängigkeit Osttimors vereiteln wollten.

Auslieferung durch Jakarta unwahrscheinlich

Einige der Angeklagten wurden bereits vor ein indonesisches Gericht gestellt, das bisher allerdings die meisten Beschuldigten freisprach. Es gilt als unwahrscheinlich, dass Jakarta einer Auslieferung an Osttimor zustimmt. Die indonesische Präsidentin Megawati Sukarnoputri hatte in ihrer Regierungserklärung um Vergebung für Menschenrechtsverletzungen der indonesischen Armee in Osttimor gebeten. Ihrem Ehemann Taufik Kiemas wurde Verwicklung in Verbrechen des Militärs in Osttimor zur Last gelegt. Er unterstützte unter anderem den Aufbau der Terrormiliz "Aitarak".

80 Prozent der stimmberechtigten Osttimoresen hatten am 30. August 1999 in einem von der UNO organisierten Referendum für die Unabhängigkeit des 1975 von Indonesien besetzten früheren portugiesischen Territoriums votiert. Die Besatzungsarmee und von ihr gesteuerte Milizen überzogen daraufhin die Inselhälfte mit einer Welle der Gewalt. Eine multinationale Eingreiftruppe unter Führung Australiens setzte dem Morden ein Ende. Nach dem Abzug der indonesischen Besatzungstruppen und den schweren Ausschreitungen stand Osttimor bis zur Verwirklichung der staatlichen Unabhängigkeit unter UNO-Verwaltung. (APA/AP)

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