Lawinensituation

9. April 2003, 16:41
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Erhebliche Gefahr in Salzburg, Steiermark und Kärnten - Neuschnee und umfangreiche Verfrachtungen

Innsbruck - In Tirol hat sich am Mittwoch die Lawinensituation leicht entspannt. Auf der fünfteiligen Skala wurde der Wert "2" erreicht. Hochalpin gab es verbreitet erhebliche Lawinengefahr.

Vereinzelt Schneefall

Über Nordtirol sollte es vor allem am Alpennordrand am Vormittag oft noch dicht bewölkt sein, vereinzelt schneite es leicht. Bis Mittag sollten die Schauer aber abklingen, die Sonne sollte zumindest kurz zwischen den Wolken zum Vorschein kommen. Am Abend sollte es wieder zuziehen. In Osttirol war es wechselnd bewölkt.

Die Lawinengefahr in den Tiroler Tourengebieten war hauptsächlich höhenabhängig. Unterhalb von etwa 2.500 Meter war die Gefahr überwiegend mäßig. Gefahrenstellen bildeten hier vor allem eingewehte Rinnen und Mulden sowie sehr steile, schattseitige Hänge. Mit Selbstauslösungen von Lawinen war auf Grund der eingeschränkten Sonneneinstrahlung kaum zu rechnen.

Erhebliche Lawinengefahr über 2500 Meter

Oberhalb von etwa 2.500 Meter war die Lawinengefahr verbreitet erheblich. Hier war vor allem auf die zum Teil ausgeprägten Triebschneeablagerungen zu achten. Vor allem in kammnahen Geländepartien könnten diese schon von einem einzelnen Wintersportler ausgelöst werden. Das Erkennen dieser Gefahrenstellen erfordere Erfahrung in der Beurteilung der Lawinensituation, warnten die Experten.

Erhebliche Gefahr in Salzburg

Die Lawinengefahr blieb am Mittwoch im gesamten Bundesland Salzburg weiter erheblich (Stufe 3 der fünfteiligen Skala). Grund dafür waren der Neuschnee und die umfangreichen Verfrachtungen. Besonders beachten sollte man eingewehte Steilbereiche in den Richtungen Ost bis Südwest vor allem oberhalb der Baumgrenze. Die Wahrscheinlichkeit der Selbstauslösung von Schneebrettern und Lockerschneelawinen war nur mäßig.

Die Möglichkeit zu Skitouren durch schlechte Sichtverhältnisse und erhebliche Gefahr blieb durch Schneebrettlawinen weiter eingeschränkt. Wegen der Erwärmung in Talnähe und in mittleren Höhen nahm die Wahrscheinlichkeit von Feuchtschneelawinen bis etwa 1.700 Meter Seehöhe sogar zu.

Schlechte Strassenbedingungen

Auch im Land Salzburg zeigte der Winter noch einmal seine Zähne. Wenige Zentimeter Neuschnee führten erneut zu schlechten Fahrbedingungen. Es ereigneten sich mehrere Unfälle mit Sachschäden. Auf der Westautobahn bei der Ausfahrt Thalgau kam ein Auto auf schneebedeckter Fahrbahn ins Schleudern und prallte gegen die Mittelleitschiene.

Laut ARBÖ wurde bei dem Unfall niemand verletzt. "In diesem Bereich war die Autobahn spiegelglatt", berichtete ARBÖ-Verkehrsexperte Thomas Woitsch. Auf der Westautobahn gab es durch den Unfall leichte Behinderungen. Gegen 9.00 Uhr waren aber laut Auskunft der Gendarmerie-Verkehrsabteilung alle Straßen in Salzburg bereits salznass.

Warnstufe drei in der Obersteiermark

In der Steiermark herrschte am Mittwoch Lawinenwarnstufe drei für die Nordalpen und die Niederen Tauern. Da die Schneedecke an vielen Hängen nur schwach verfestigt ist, sprach man seitens der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Flughafen Graz-Thalerhof von "erheblicher" Lawinengefahr. Bis jetzt seien allerdings noch keine Lawinenabgänge registriert worden. Die Gefahr bleibe aber auch für die nächsten Tage aufrecht, da es bei wärmeren Temperaturen zu Selbstauslösungen kommen könne.

Neuschnee in den Nordalpen

In den Nordalpen und Niederen Tauern galt "wegen der ergiebigen Neuschneemengen in Verbindung mit kräftigem Sturm" die Lawinenwarnstufe drei auf der fünfteiligen Skala. Die in Kamm-Nähe angesammelten Schneemengen führen zu hohlförmigen Tiefschneeablagerungen. Diese komprimierten Ablagerungen stehen so unter Spannung, dass sie bei der geringsten Zusatzbelastung losgelöst werden können, so die Lawinenexperten. Bei Sonneneinstrahlung sei auch mit Selbstauslösungen zu rechnen. Gegen Süden hin nimmt die Gefahr aber ab.

Laut ÖAMTC hat sich am Mittwoch die Verkehrssituation in der gesamten Steiermark weitgehend entspannt. Nur auf den höher gelegenen Bergstraßen herrschte nach wie vor Kettenpflicht für Schwerfahrzeuge.

Kärnten - Vor Touren wird gewarnt

Die Lawinengefahr in den Kärntner Tourengebieten war am Mittwoch in hohen Lagen (2.300 Meter und darüber) überwiegend noch erheblich. In tieferen Lagen hingegen hat die Sonneneinstrahlung bereits günstige Wirkung auf die Setzung und Festigkeit der Schneedecke gezeigt.

Gefahrenstellen in hochalpine Lagen bildeten weiterhin eingewehte Mulden und Rinnen sowie steile kammnahe Hänge, in welchen der Triebschnee abgelagert wurde. Dort hat der Wind fast den gesamten Neuschnee in die windabgekehrte Seite verfrachtet, weshalb viele Grate und Steilhänge einerseits aper, aber anderseits mit Triebschnee befüllt waren. Vor Touren wurde daher gewarnt.

Für die kommenden Tage waren keine wesentlichen Änderungen zu erwarten.(APA)

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