Malaysia verhängte Einreiseverbot für Chinesen

9. April 2003, 11:26
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Experten vermuten schnelle Ausbreitung der Seuche in chinesischem Wohnblock durch undichtes Abflussrohr oder Kakerlaken

Hongkong - Aus Angst vor der Lungenkrankheit SARS greifen die Behörden in Asien zu immer drastischeren Maßnahmen: Malaysia verhängte am Mittwoch ein weit reichendes Einreiseverbot für chinesische Staatsbürger. Die malaysische Botschaft in Peking dürfe nur noch in Ausnahmefällen Visa erteilen, teilte das Außenministerium in Kuala Lumpur am Mittwoch mit. Unterdessen wollte Hongkong am Mittwoch mehr als 200 Bewohner des Infektionsherds Amoy Gardens aus der Quarantäne entlassen.

Isolierte Personen

Die auf zehn Tage angelegte Quarantänefrist laufe um Mitternacht (Ortszeit) ab, teilten die Behörden mit. Nur 16 der rund 240 in Lagern isolierten Personen zeigten Symptome von SARS und müssten in Quarantäne bleiben. Die übrigen dürften in den Wohnkomplex Amoy Gardens zurückkehren, der teilweise evakuiert worden war, nachdem mindestens 283 Krankheitsfälle aufgetreten waren. Inzwischen wurde der am schwersten betroffene Wohnblock E desinfiziert, wie eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde mitteilte.

Schnelle Ausbreitung durch undichtes Abflussrohr oder durch Kakerlaken

Experten vermuten, dass die schnelle Ausbreitung der Seuche im Wohnblock E auf ein undichtes Abflussrohr oder eine Übertragung durch Kakerlaken zurückzuführen sein könnte. Ein Untersuchungsbericht werde in wenigen Tagen veröffentlicht, sagte die Sprecherin. Unterdessen stehe ein Amoy Gardens gegenüberliegender Wohnblock unter Beobachtung, wo bereits 30 Bewohner erkrankt seien. Weltweit haben sich mehr als 2.600 Menschen mit der Lungenseuche infiziert, mindestens 104 erlagen der Krankheit.

90 Prozent taiwanische Reisegruppen Chinareise abgesagt

Tourismusverbände und Fluggesellschaften meldeten weitere Einbußen auf Grund von SARS. Nach Angaben Taiwans haben 90 Prozent der taiwanischen Reisegruppen, die nach China fahren wollten, ihre Reise im März abgesagt. Dies entspreche einer Anzahl von rund 4.900 Touristen pro Tag, teilte die Regierung am Mittwoch mit. In Thailand werden nach Einschätzung des Verbands thailändischer Reisekaufleute zehn Prozent der 500 Mitglieder ihr Büro in den kommenden Wochen schließen.

Nach einem Einbruch bei den Passagierzahlen seit Ende März strich die Schweizer Fluggesellschaft Swiss am Mittwoch eine von sechs wöchentlichen Verbindungen nach Tokio. Die australische Airline Qantas kündigte die Entlassung von 1.000 Mitarbeitern bis Ende Juni an. Grund seien der Irak-Krieg und SARS.

Hostienvorschriften für Priester

Um eine Weiterverbreitung von SARS zu verhindern, verbot die katholische Kirche in Singapur ihren Priestern, Gläubigen die Beichte abzunehmen, wie die Zeitung "Straits Times" am Mittwoch berichtete. Statt sich in den Beichtstuhl zu begeben, sollten die 150.000 Katholiken des Landes "in ihren Herzen um Vergebung bitten". Die Priester würden nach ihren Gottesdiensten Absolution für alle im Stillen gebeichteten Sünden erteilen, schreibt die "Straits Times". (APA/AP)

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