Österreichs Fachhochschulen haben einige neue Master Studiengänge zu bieten und richten den Fokus verstärkt auf "Soziale Arbeit"
"Die sozialen Problemfelder werden komplexer und umfassender. Die Ausbildung in der Sozialarbeit stellt sich diesen Herausforderungen", weiß Michael Himmer, Studiengangsleiter an der FH Vorarlberg. In den letzten sechs Monaten sind an drei österreichischen Fachhochschulen Master Studiengänge für "Soziale Arbeit" gestartet.
Alternde Gesellschaft
"Wir haben das Masterstudium vor allem vor dem Hintergrund initiiert, dass unsere Gesellschaft immer älter wird", erklärt Johanna Theurl, Leiterin PR und Marketing der FH Joanneum. "Speziell die Pflege und Betreuung alter Menschen ist ein weites Feld, über das wir noch immer wenig wissen. Hier herrscht Forschungs- und Handlungsbedarf." Peter Pantucek, Leiter des Master Studienganges "Soziale Arbeit" an der FH St. Pölten bestätigt: "Im Zuge des sogenannten demographischen Wandels wird Soziale Arbeit zusehends gefragt sein, um mit den gesellschaftlichen Folgen des wachsenden Anteils an alten Menschen zurecht zu kommen."
Positives Image, schlechte Bezahlung?
"Wir beobachten großes Interesse an unserem Angebot, obwohl die psychische Belastung in sozialen Berufen hoch ist", verweist Theurl von der FH Joanneum auf eine hohe Zahl an Bewerbern. "Das Image der Sozialen Arbeit ist nicht schlecht, aber viele Menschen sehen nicht, dass gute, wirksame und letztlich auch kostengünstige Soziale Arbeit große Fachkenntnis erfordert", betont Pantucek und setzt nach: "Guter Wille allein ist zu wenig."
Der Studiengangsleiter hofft, der Master werde dazu beitragen, dass die Expertise der Sozialen Arbeit ähnlich anerkannt und genutzt wird, wie die von den "Nachbarn", zum Beispiel aus Psychologie und Gesundheitswissenschaften.
Dass die gesellschaftliche Anerkennung hoch sei, zeige die Bereitschaft, ehrenamtlich mitzuarbeiten oder zu spenden, weiß Himmer von der FH Vorarlberg. "Die Bezahlung ist im Vergleich zu anderen Professionen aber niedrig." Daran werde der Master in Sozialer Arbeit als Ausbildungsprogramm nichts ändern, aber fachlich kompetente Sozialarbeit sei der beste Imageträger.
Qualifikationen
Das Master-Studium ist in allen Fachhochschulen als eine berufsbegleitende Zusatzausbildung und Höherqualifizierung in einem bestehenden Arbeitsverhältnis konzipiert. Studierende des Master Studienganges an der FH Joanneum können sich in den Bereichen soziales Management, soziale Forschung oder soziale Arbeit vertiefen. Die FH Vorarlberg bietet Qualifizierung in drei Bereichen: für eine gehobene wissenschaftliche Tätigkeit, für Koordinations- und Leitungsaufgaben und für eine in der Vertiefungsrichtung fundierte Fachkompetenz.
"Soziale Arbeit ist ein international vernetztes und inzwischen erfahrungsreiches Wissensgebiet. Auf Master-Niveau lernt man, auf diesen weltweiten Schatz an Wissen und Empirie zurückzugreifen", klärt Studiengangsleiter Pantucek von der FH St. Pölten über die Relevanz des Studienganges auf. Absolventen werde das Know-how vermittelt, innovativ, leitend und qualitätssichernd tätig sein zu können. Sie sollen auf ihre kompetente Rolle in mehrprofessionellen Teams vorbereitet werden.
Die Zukunft
"Die Betätigungsfelder nach einem Masterstudium in Sozialer Arbeit sind breitest gestreut", weiß Pantucek: von der Jugend- und Familienarbeit über die psychiatrische Versorgung bis zu arbeitsmarktbezogenen Einrichtungen; von Einrichtungen für Suchtkranke über die Prävention bis zur Schulsozialarbeit; von Bewährungshilfe und Sachwalterschaft über integrationsorientierte Arbeit mit Migranten bis zu Schulsozialarbeit.
Den Absolventen stehen neben den klassischen Handlungsfeldern der Sozialarbeit neue Tätigkeiten vor allem in der Zusammenarbeit mit Kranken- und Pflegehäusern, mit Betrieben, Vereinen oder Kommunen offen.
Theurl von der FH Joanneum: "Managementfunktionen im sozialen Bereich werden vorwiegend von BWL-Absolventen ausgeübt. Da diese aber mit den Inhalten sozialer Arbeit oft nicht vertraut sind, ist es an der Zeit, qualifizierte Mitarbeiter für diesen Bereich zu bekommen."
An der FH Joanneum behandelt man soziale Fragen fächerübergreifend: Im Projekt "Ökotopia" widmen sich die Studiengänge Bauwesen und Architektur, Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement sowie Soziale Arbeit gemeinsam der Frage: Wie muss eine nachhaltige Stadt unter energietechnischen und sozialwissenschaftlichen Aspekten entwickelt sein?
Neue Master nach dem Bachelor
An der FHWien, die den Schwerpunkt auf Management und Kommunikation legt, starten kommenden Herbst sieben neue Masterstudiengänge: Financial Management & Controlling, Immobilienmanagement, Journalismus, Kommunikationsmanagement, Organisations- & Personalentwicklung, Tourismus-Management und Unternehmensführung-Executive Management - alle berufsbegleitend. Die Anforderung für ein Master-Studium ist mindestens ein Bachelor-Abschluss. Das bedeutet, auch Magister-, Diplomingeneur- und auch Doktor-Abschlüsse befähigen zu einem Master-Studium, und damit zu einem Vertiefungsstudium in einem bestimmten Berufsfeld.
"Unsere Master-Studien bieten konkrete Vertiefungen in die jeweilige Branche, die es in dieser Art noch nicht gibt: Chief Financial Manager, Immobilienmanager, Leiter der Unternehmenskommunikation oder Fachjournalist mit umfangreichen Medien-Know-how sind nur einige der Berufsbilder der Master-Studien. Ein hoher Anteil an Praxisnähe in der berufsbegleitenden Ausbildung schafft außerdem bereits während dem Studium einen regen Austausch unter den Studierenden und die Möglichkeit zur sofortigen Umsetzung im Job", sagt Michael Heritsch, Geschäftsführer der FHWien-Studiengänge der WKW.
Mehr neue Master
Die FH Joanneum bietet neben dem Master "Soziale Arbeit" vier neue
Studiengänge: den internationalen, englischsprachigen Studiengang
"Informationsmanagement" zu den Kernthemen Micro- und Nano-Electronics
sowie Automotive Electronics; weiters "Advanced Electronic
Engineering", "IT-Recht & Management", und "eHealth". Letzteres
widmet sich dem wachsenden Feld der Datenverarbeitung im
gesundheitsmedizinischen Bereich - von der e-card bis zu
Auswertungsverfahren medizinischer Diagnostik.
2009 startete die FH St. Pölten mit zwei weiteren neuen Master Studiengängen: "Medienmanagement" und "Information Security". Für das Studienjahr 2010/11 ist ein "Master Industrial Simulation" geplant, in dem Entwicklung und Design neuer Produkte, Werkstoffe oder Produktionsprozesse am Computer vermittelt werden.
"Applied Life Sciences"
An der FH Campus Wien beginnen 2010 unter dem Überbegriff "Applied Life Sciences" die Masterstudiengänge "Bioverfahrenstechnik", "Biotechnologisches Qualitätsmanagement", "Bioinformatik", "Molekulare Biotechnologie" und Wirkstoffchemie". "Molekulare Biotechnologie" und Wirkstoffchemie" sind Vollzeitstudien und legen den Fokus auf anwendungsorientierte Forschung für Medizin und Pharmazie. "Bioverfahrenstechnik", "Biotechnologisches Qualitätsmanagement", "Bioinformatik", sind berufsbegleitend und auf die biopharmazeutische Industrie ausgerichtet.
"Risk Management and Corporate Security"
Abseits der "Applied Life Sciences" startet der Master Studiengang "Risk Management and Corporate Security". Sonja Wallner von der FH Campus Wien: "In Konzernen und Großbetrieben gibt es eigene Organisationseinheiten für Risk Management und Unternehmenssicherheit. Diese Qualifizierung bietet branchenübergreifend sehr gute Beschäftigungsmöglichkeiten." (derStandard, 26. Februar 2010)
Termine
FHWien: Tag der offenen Tür: 9. April 2010
FH St. Pölten: Tage der offenen Tür: 19. und 20. März 2010.
FH Vorarlberg: Anmeldung für "Soziale Arbeit" bis zum 15. Mai 2010.
FH Joanneum: Die Bewerbung für sämtliche Master Studiengänge läuft bis zum 1. Juni 2010.
FH Campus Wien: Infotag "Risk Management and Corporate Security", 18. März 2010, mit Master Talk ab 17.00 Uhr.
Anmeldungen
für die "Applied Life Sciences" Studiengänge sind bis Juni 2010, für
"Risk Management and Corporate Security" bis 30. April 2010 möglich.