Rundruf

"Nicht der Titel, die Performance zählt"

Eva Tinsobin, 24. Februar 2010, 17:00
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    "Die Organisation der Ausbildung prägt die Persönlichkeit eines Absolventen." (Karin Schweinegger, InterContinental Wien)

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    "Es gibt noch sehr wenige Erfahrungen mit den neuen Titeln Bachelor und Master. In den nächsten Jahren werden diese Ausbildungen auf jeden Fall Einzug in die unternehmensspezifische Einstiegs- und Karriereplanung finden." (Georg Horacek, OMV)

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    "Wir hinterfragen zwar Details der Ausbildung beim Interview, letztendlich spielt das aber keine Rolle im Vergleich zur persönlich-sozialen Kompetenz." (Claudia Platzner, STRABAG)

Bachelor, Master, Magister, Diplom-Ingenieur... Vier Arbeitgeber berichten über den unternehmensinternen Umgang mit "alten" und "neuen" akademischen Graden

derStandard.at befragte die Unternehmen InterContinental Hotels Group, STRABAG, Hofer KG und OMV nach der Relevanz von akademischen Graden bei der Personalauswahl.

derStandard.at: Unterscheiden Sie bei Bewerbungen zwischen "alten" akademischen Graden, wie Magister oder Diplom-Ingenieur, und "neuen" Graden, wie Master oder Bachelor?

Karin Schweinegger, Director of HR InterContinental Wien bzw. Area Director of HR der InterContinental Hotels Group für die Region Central Europe: Der Titel spielt keine so große Rolle. Wenn, dann kommt er eher im direkten Vergleich der Bewerber zum Tragen. Es lässt sich aber nicht leugnen, dass unterschiedlichen Titeln und der damit einhergehenden Ausbildung eine unterschiedliche Herangehensweise zugeschrieben wird - Stichwort theoretisch ausgerichtete versus praxisnahe Ausbildung. Aber das betrifft eher den Unterschied zwischen Fachhochschulen und Universitäten.

Claudia Platzner, Leiterin der Personalentwicklung bei der STRABAG und Hans Mörwald, Generaldirektor der Hofer KG: Wir machen keinen Unterschied.

Georg Horacek, Senior Vice President Corporate Human Resources bei der OMV: Der neue Master dürfte etwas über den alten, bisherigen Magister hinausgehen. Allerdings gibt es noch sehr wenige Erfahrungen mit den neuen Titeln Bachelor und Master. In den nächsten Jahren werden diese Ausbildungen auf jeden Fall Einzug in die unternehmensspezifische Einstiegs- und Karriereplanung finden.

derStandard.at: Ist ein akademischer Titel Voraussetzung, wenn ich mich in Ihrem Unternehmen für eine anspruchsvolle Position mit Aufstiegschancen bewerben will?

Schweinegger: Letztendlich zählt für anspruchsvolle Stellenbesetzungen in der InterContinental Hotels Group immer die Kombination aus Ausbildung und Berufserfahrung. Der ideale Kandidat verfügt über beides. Je höher das Level der Ausbildung, desto größer die Chancen. Eine akademische Ausbildung allein, ohne jede Berufserfahrung wie Praktika in einer relevanten Branche, macht eine Abschätzung der Eignung für einen Einsatz auf hohem Niveau schwierig.

Platzner: Der akademische Grad alleine ist nicht ausschlaggebend. Die fachlichen Anforderungen an einen Bewerber können sowohl aufgrund eines Studiums und/oder aufgrund von Berufserfahrung abgedeckt sein. Neben den fachlichen Voraussetzungen sind auch die Persönlichkeit des Bewerbers bzw. dessen soziale Kompetenzen, Engagement und Lernbereitschaft für eine mögliche Einstellung ausschlaggebend.

Mörwald: Ein akademisches Studium ist Voraussetzung für eine Berufslaufbahn im Top Management der Hofer KG.

Horacek: Ein akademischer Grad ist für uns eine wesentliche Vorraussetzung hinsichtlich einer Bewerbung für eine anspruchsvolle Position im Managementbereich. Die OMV sucht als international tätiges Unternehmen laufend nach top-qualifizierten Mitarbeitern. Eine fundierte Ausbildung mit internationaler Ausrichtung im technischen Bereich ist ein wesentlicher Grundstein um erfolgreich in der Energiewirtschaft Fuß zu fassen.

derStandard.at: Wenn sich jemand als Bachelor bewirbt, wie bewerten Sie diesen Abschluss in Ihrem Unternehmen? Wird ein Magister klar über dem Bachelor eingestuft?

Schweinegger: Ein Bachelor-Grad zeigt, dass sich der Bewerber auch theoretisch und inhaltlich intensiv mit einem Fachgebiet auseinandergesetzt hat und eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, was auch Rückschlüsse auf die Persönlichkeit zulässt.
Ob der Magister klar über dem Bachelor eingestuft wird, hängt vermutlich davon ab, welchen Ausbildungsweg die für die Einstufung Verantwortlichen selbst gegangen sind und wie sie diese gewichten. Man darf nicht vergessen, dass die Mindeststudiendauer für einen Bachelor, im Vergleich zum Magister, kürzer ist. Damit geht eine Komprimierung bzw. Reduzierung der Lehrinhalte einher, was sich wiederum auf die höhere Einstufung des Magisters gegenüber dem Bachelor auswirkt.

Platzner: Es ist ein Studiumsabschluss, der "unter" dem Abschluss Master bewertet wird. Die Bachelor-Absolventen werden in der Vorauswahl je nach ihrer vorausgegangenen Schulausbildung bzw. den absolvierten Praktika betrachtet.
Der Titel Magister wird besser angenommen und über dem Bachelor eingestuft.

Mörwald: Wir bewerten nicht den Titel, sondern die Performance des Kandidaten.
Ob der Magister klar über dem Bachelor eingestuft wird, können wir nicht bestätigen, aber wir besitzen diesbezüglich auch noch keine aussagekräftigen Erfahrungen.

Horacek: Der Bachelor stellt im Vergleich zum "klassischen" Magister eine kürzere Ausbildung dar. Wir werden in der OMV entsprechende Einstiegs- und Entwicklungswege für Bachelor-Absolventen definieren, insbesondere wenn ein Bachelor neben seiner Berufstätigkeit einen Master-Abschluss anstreben möchte.

derStandard.at: Seit Jänner 2010 ist der Zusatz "FH" nach dem jeweiligen Titel für Fachhochschulabsolventen passé. Macht es für Sie einen Unterschied, ob ein neuer Mitarbeiter Master (FH) oder Master ist?

Schweinegger: Wir fragen nur dann danach, wenn es für die Position von Bedeutung ist. Grundsätzlich ordnen wir diese Titel unterschiedlich ein. Fachhochschulen wird mehr Praxisnähe in einem eher schulisch orientierten Umfeld zugeschrieben. Wer ein Universitätsstudium absolviert hat, bringt dafür andere Erfahrungen ein. Das soll nicht wertend sein, beides hat Vorteile. Das Universitätsstudium ist zumeist inhaltlich umfassender und das analytische Denkvermögen durch den wissenschaftlichen Ansatz der Universitäten stärker ausgeprägt. Außerdem zeichnen sich Universitätsabsolventen durch höhere Eigenverantwortlichkeit und Selbstmotivation aus. In Bereichen, in denen solche Eigenschaften gefragt sind, hat der FH Absolvent möglicherweise einen Nachteil.

Die Organisation der Ausbildung prägt die Persönlichkeit eines Absolventen. Künftig wird es darauf ankommen, wie sich die Lehre an den Universitäten in den nächsten Jahren entwickelt und ob es gelingt, die Vorteile beider Ausbildungswege erfolgreich miteinander zu verknüpfen.

Platzner: Wir hinterfragen zwar Details der Ausbildung beim Interview, letztendlich spielt das aber keine Rolle im Vergleich zur persönlich-sozialen Kompetenz.

Mörwald: Da wir nicht nur nach dem Titel fragen, sondern selbstverständlich auch nach entsprechenden Ausbildungsurkunden, erhalten wir ein umfassendes Bild über die Qualifikationen eines Bewerbers.

Horacek: Die OMV unterscheidet bezüglich Berufseinstieg, Gehaltsniveau und Entwicklungsperspektiven nicht zwischen "klassischem" Magister und Magister (FH). Für den Unterschied Master(FH) und Master wird dies ebenso gelten.
(Eva Tinsobin, derStandard.at, 25.2.2010)

fromelino
00
11.3.2010, 11:00
Lerne gerade für den CFA

und der stellt mein Diplomstudium an der WU sowohl vom Schweregrad als auch vom Unfang in den Schatten. Und wird von mir auch als sinnvoller erachtet.

Management Quatscher
01
25.2.2010, 20:20

"Der Titel zählt nicht", sagt der Senior Vice President Corporate Human Resources.

Eine amüsante Aussage, besonders im Lichte eines ziemlich langen Phantasietitels.

Ich lache nicht mit den Phrasendreschern sondern über sie.

piroschka d.
01
25.2.2010, 15:13
maaa

dieses titelgeschwafel ... kleingeistig und leider totaaal österreichisch.

bah, würg.

Prian Alb
00
10.3.2010, 09:30

Kleingeistig ja, aber nicht typisch österreichisch. Die Titelreiterei gibt es überall. Während im deutschsprachigen Raum mehr Wert (gesellschaftlich) auf akad. Titel und Amtstitel gelegt wird, sind es, vor allem im anglo-amerik. Raum, Arbeitstitel wie Manager, Director, Supervisor, usw.

mikey frau
01
25.2.2010, 12:38
"Der neue Master dürfte etwas über den alten, bisherigen Magister hinausgehen."

...ahja, warum?....ich werde Diplomischönööör...wo ist der anzusiedeln? Auch ein bisschen drüber oder ein bisschen drunter, oder viel drüber oder drunter oder ungefähr ein bisschen gleich in etwa?

wenn ich jetzt noch warte und nicht mit dem alten DI-Studienplan abschliesse bin ich als Master ein bisschen über allen....HUI!!!!...

knievel
01
25.2.2010, 08:46

Karin Schweinegger, Director of HR InterContinental Wien bzw. Area Director of HR der InterContinental Hotels Group für die Region Central Europe

Georg Horacek, Senior Vice President Corporate Human Resources
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wer so einen jobbeschreibungs-wurmfortsatz hat braucht sich wohl über den titel vor dem namen wenig gedanken zu machen :-)

teuerzahler
01
25.2.2010, 07:26
weg mit den titeln und graden von

visitekarten und türschildern.

so eine diskussion ist nur in österreich möglich.

gute nacht, herr professor.

The Sunshine State
06
24.2.2010, 18:39

"Der neue Master dürfte etwas über den alten, bisherigen Magister hinausgehen."

Der Mann weiß ja nicht, wovon er redet. Einen Master kriegst nach einem Jahr Fernstudium an der Donau-Uni ohne Vorbildung, ein echter Magister kostet vier Jahre Full-Time.

"Master" heißt gar nichts, wenn er nicht einem Bachelor folgt und von einer ordentlichen Uni kommt.

EuroExpert
00
24.2.2010, 17:49
so ist es

für berufseinsteiger ist der akademische abschluß natrülich sehr wichtig ! ob man den titel dann auf die visitenkarte schreibt ist ein anderes kapitel und sache der unternehmenskultur.......je älter man wird desto mehr zählt dann einfach die berufserfahrung und die funktion...titel hin oder her, funktion ist dann einfach wichtiger.

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