Richterproteste ab Montag

Tausende Verfahren wegen Streiks ausgesetzt

18. Februar 2010 21:31
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    Foto: standard/newald

    Der Richterschaft reicht's: Die Verhandlungssäle bleiben ab Montag leer. Mit dieser einwöchigen Aktion versuchen sie, auf die drückende Personalnot aufmerksam zu machen

Da die Politik nicht reagiert, setzen die Richter ab Montag auf Eskalation - Nächste Woche wird nicht verhandelt

Wien - Kommende Woche geht es los: Ab Montag werden sämtliche Verhandlungen bei Gericht aus-gesetzt - österreichweit. Werner Zinkl, Präsident der Richtervereinigung, schätzt, dass "mehrere tausend" Verfahren davon betroffen sein werden. Und er erklärt im Standard-Gespräch, was die Richter, die seit Jahren wegen akuten Personalmangels Alarm schreien, zu dieser Maßnahme bewogen hat: "Wir haben zweimal beim Kanzler und im Finanzministerium um ein Gespräch ersucht", da sei aber "keine Antwort gekommen". Reden will man über 230 fehlende Richter und 200 benötigte Kanzleikräfte. Also sei es jetzt an der Zeit, dieser "Ignoranz" Taten folgen zu lassen - eben in Form einer verhandlungsfreien Woche, jeden Monat - bis Juni.

Klaus Schröder, Vorsitzender der Richter- und Staatsanwältegewerkschaft, berichtet von vergeblichen Gesprächsversuchen. Schröder sieht wie Zinkl "zigtausende Verfahren", die nicht stattfinden können. Die Richter seien außerdem längst nicht die Einzigen, die protestieren: "Die Staatsanwaltschaft zieht natürlich mit. Die führt keine Vernehmungen in dieser Woche durch", sagt Schröder. Und droht: "Welche Maßnahmen noch kommen, hängt davon ab, wie die Regierung reagiert."

Justizministerin Claudia Bandion-Ortner wird längst nicht mehr als Verbündete betrachtet. Zinkl: "Ihr Verständnis allein reicht nicht. Es wird viel zu wenig deutlich, dass sie sich dafür einsetzt, dass wir auch etwas kriegen." Und er ärgert sich: "Die reden sich alle auf den anderen aus."

Tatsächlich? Staatssekretär Josef Ostermayer lässt jedenfalls wissen, dass er in Vertretung von Bundeskanzler Werner Faymann bereits vor einiger Zeit mit einer Vertreterin der Richtervereinigung über die Forderungen gesprochen habe, ebenso Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Dies hätten die beiden SP-Politiker als Antwort auf die Schreiben der Richter verstanden.

Im Büro von Heinisch-Hosek will man jetzt aber nichts mehr von jenem runden Tisch wissen, den die Ministerin noch im Jänner einberufen wollte. Jetzt heißt es: Federführend müsse das Justizressort agieren. Auskunft dort: "Wir sehen uns nicht in der Lage, die Ankündigung der Beamtenministerin zu erfüllen."

Man führe laufend Gespräche mit Kanzleramt und Finanzministerium. Natürlich habe Bandion-Ortner (selbst früher Richterin) Verständnis für die Nöte der Richter. Nächste Station Finanzministerium: "Das ist eine Angelegenheit, die zwischen Justiz- und Beamtenministerium auszureden ist." Jene Mittel, die manim Jänner für die 70 Planstellen bei den Staatsanwälten freispielen konnte, habe man aufgrund des "akuten Anlassfalles" der Hypo-Bank-Ermittlungen bereitgestellt.

Was Heinisch-Hosek anbieten kann, sind 35 umgeschulte Postler - eine Umschichtung, die sie sich bisher nicht vorstellen konnte. Jetzt heißt es, man habe "in diesen Tagen, Gespräche mit Post und Telekom" aufgenommen.

Kommentar aus dem Justizressort: Ein entsprechendes Konzept gebe es seit August 2009. Ostermayer hat immerhin am Donnerstag mit Zinkl telefoniert und ihm weitere Gespräche zugesagt.

Die Richter müssen also weiter warten. Sie wollen die kommende Woche dafür nützen, um liegengebliebene Akten aufzuarbeiten. (Peter Mayr und Karin Moser, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.02.2010)

Kommentar posten
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Lapislazuli
19.02.2010 19:53
So viel Fehlinformation in einem einzigen Artikel tut weh.

Es wird KEIN Verfahren "ausgesetzt" (was soll das überhaupt sein ?), sondern Verhandlungstermine auf später verlegt. Es ist auch KEIN Streik, sondern bestenfalls eine Demo, wenn beim Weiterarbeiten nur die Reihenfolge der Erledigungen umgestellt wird.

kathi baum
19.02.2010 16:49
schön

dann könnte ja wegen zeitmangel (und wegen absoluter unnötigket und demokratiegefährdung!!!!)
der monsterprozess gegen die 13 tierrechtsaktivist_Innen abgesagtvwerden?!
- ich würds den engarierten jungen leuten gönnen!!!!!
kathi

Philipp Gudenus
 
19.02.2010 12:52
Minister, keine Staatsdienerin, will

lückenlose Aufklärung aller Vorfälle“

Bez.Ger., in A3830, AZ: A 203/90 fünf Jahre nach Todesfall ward einem - endlich - ein eigenhändiges Testament - aus zweierlei Hand! , also eine getürkte Sache! - zum 31. Mai 1995 in Photokopie präsentiert. Noch immer nicht verbessert; von anderen Testamenten - selbe GZ - noch immer zumindestens einfache Photokopie erhalten. 2010, also nach 20 Jahren läuft Verfahren noch immer. Im Osten [also auch] nichts Neues.

Evelyne R.
19.02.2010 11:17
Der Artikel ist gut!

Viele Meinungen die gepostet wurden sind ignorant, unwissend und leider oft ziemlich dumm.

edmundo5
19.02.2010 19:40

dann sollen sie halt die seite wechseln und anwalt werden, dann wüssten sie das der arbeitstag länger als 8 stunden dauert...!

Ludwig Rosenberger
25.02.2010 15:20
Habe beides probiert,

beides hat Vorteile und Nachteile. Der Vorteil des (selbstständigen) Anwalts - er kann Arbeit ablehnen, falls es ihm tatsächlich zuviel werden sollte. Dann nimmt man nur mehr die Klienten, bei denen was rausschaut oder deren Sache sonst interessant ist. Und vor allem: der Anwalt verdient auch umso mehr, je mehr er arbeitet. Beides trifft auf Richter nicht zu, die müssen jeden Quatsch verhandeln, dazu auch noch gute Miene machen, und Mehrarbeit ist unbezahlt. Die Ausspielerei einzelner Berufe gegeneinander ist aber das Dümmste überhaupt.

Sherlock85
19.02.2010 20:38

Wobei Richter auch um einiges weniger verdienen! Ich bin nicht darauf neugierig von 8 bis 23 Uhr und auch am Wochenende zu arbeiten! Wer sich so quälen will soll das bitte tun! Man weiß nie wie lange das Leben noch dauert... wer es mit übermäßiger (!) Arbeit verbringen will tut mir leid! :-)

baumfreund
19.02.2010 21:29
das ist zwar verständlich,

aber löst eigentlich auch nicht das problem!

Sherlock85
19.02.2010 23:22

Ich weiß, ich wollte es trotzdem mal erwähnt haben! Speziell für diejenigen, die Richtern vorhalten wie lange Anwälte arbeiten! Selber schuld kann ich da nur sagen!
Wobei ich aus meiner bisherigen Erfahrung sagen kann, dass die meisten Richter schon von 8 bis 17 Uhr bei Gericht sind und in der Zeit auch arbeiten!

Philipp Gudenus
 
19.02.2010 12:54
R.

hat die Chance ihres Lebens vertan, nicht zu korrigieren. Ist der Pöbel dies wert?

Atlas Shrugged
 
19.02.2010 13:42

für euch gilt - und hättest du geschwiegen .....

luis trew
19.02.2010 11:09
Peinliche Personalplanung

Die Justiz ist selbst schuld.

Man(n) hat jahrelang fast ausschließlich junge Frauen Richter werden lassen. Logisch, dass die dann irgendwann ihre Familien gründeten und zu Hause blieben - aber am Arbeitsplatz fehlen.

"Ältere" Frauen oder Männer (30,35 Jahre), die ihre Familienplanung bereits hinter sich haben, die Karriere außerhalb der Justiz machten und sich nun für den Richterjob interessierten (Quereinsteigerinnen) haben dagegen keine Chance.


Solch eine stümperhafte Personalplanung verkraftet kaum ein Unternehmen.





baumfreund
19.02.2010 21:31
stammt alles aus dem 19. jahrhundert

da gab es allerdings in der justiz keine frauen!

Lapislazuli
19.02.2010 19:55
Man fasst es bei der Lektüre Ihres Ergusses eigentlich nicht,

wie wenig Intelligenz es benötigt, aufrecht zu gehen oder einen PC einzuschalten ...

baumfreund
19.02.2010 14:25
richter sollten überhaupt nur erfahrene menschen werden können

die idee qurereinsteiger zu favorisieren finde ich gut

Sherlock85
19.02.2010 20:39

Und was qualifziert Neueinsteiger automatisch als erfahren?

baumfreund
19.02.2010 21:35
eigentlich gar nichts,

drum plagen sich die jungen mittzwanziger ja so mit den (oft jeder beschreibung spottenden) urteilen. quereinsteiger mit zb wirschaftberufserfahrung fände ich gut, auch aus der anwaltei "zurückkehrende".

Ludwig Rosenberger
25.02.2010 15:27
In der Theorie gut, kommt auch vor,

aber Faktum ist: um das auch für schon etablierte, juristisch vife Anwälte oder Notare, die schon in die Selbstständigkeit investiert haben, attraktiv zu machen (den Bodensatz aus diesen Berufen braucht auch in der Justiz keiner), müssten die Richtergehälter deutlich anziehen. Also wenig budgetrealistisch.

Sherlock85
19.02.2010 23:24

Um ein "gutes" Urteil schreiben zu können braucht man Erfahrung im Urteil-Schreiben. Da hilft auch lange Berufserfahrung nicht wenn man den Aufbau und die Gliederungsmöglichkeiten perfekt beherrscht! Das Schreiben eines Urteils ist nicht so einfach wie es sich jeder vorstellt!

locken
19.02.2010 11:03
Bei Althaus ist es schnell gegangen,da waren die Richter sofort da wegen Politiker ODER ?

Ludwig Rosenberger
25.02.2010 15:32
Überhaupt nicht vergleichbar. Bei Althaus gings schnell, weil er

ein volles Geständnis abgelegt hat und verurteilt werden wollte. 10 Minuten Verhandlung lassen sich immer einschieben. Das kann zB auch jeder gewöhnliche Autounfalllenker so flott haben, wenn er nur will (will aber kaum einer ...) .

Philipp Gudenus
 
19.02.2010 10:45
Ausgezeichnet,

Richter haben Zeit Akten bis auf weitertes aufzuarbeiten

forever52
19.02.2010 10:43
Der Justizskandal in Vorarlberg...

...beweist, dass es unbedingt mehr Personal braucht.
Die Vizepräsidentin des Landesgerichts ist in einem der größten Jusitzskandale Vorarlbergs/Österreichs inivolviert (Unschuldsvermutung), in den Bezirksgerichten Testamentfälschungen "en masse" von der Nazi-(über Behinderte) bis zur heutigen Zeit, jede Menge Rechtsanwälte, Notare inbegriffen, wie auch Rechtspfleger etc., und keine Hilfe aus dem Ministerium (absichtlich?) !!!

Philipp Gudenus
 
19.02.2010 10:52
Kein Beweis,

Vom Richter an wird korrupt gehandelt. Richter hat sich seinem Lohndiener, Notar, etc ausgeliefert. Letzter handelt korrupt, arbeitet schneller als schnell, somit schlampig. Richter prüft nicht Leistrung des Lohndieners! Richter, Notar, Advokat wissen nicht mehr korrect abzuhandeln. Man hat es verlernt bzw. G'schaft'l nie erlernt.

Arbeit als Arzt: Tote über Tote.

scala2
19.02.2010 10:38

Ich weiß nicht wie es jetzt ist aber zu meiner Zeit vor 15 Jahren wollte jede(r) zweite Jus-Student(in) Richter(in) werden, weil es bei weitem der bequemste Job ist vor allem wenn man viel wert auf Familie und Kinder legt.

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