Innovation aus Linz

Linzer Sparpläne fürs Patschenkino

Sascha Aumüller, 18. Februar 2010, 12:42
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    foto: photodisc

    Die Patschen als bequeme Schaltzentrale für Stromfresser.

Sensoren in Hausschuhen steuern den Standby-Modus von Elektrogeräten

Das Institut für Pervasive Computing an der Johannes-Kepler-Universität zeigt, wie Energiesparen im Vorbeischlapfen funktioniert. Sensoren in Hausschuhen steuern den Standby-Modus von Elektrogeräten. 

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Selbst wenn die Vision von Alois Ferscha nach einer futuristischen Pantoffelheldensaga für Europa klingt, die bessere Zukunft in Patschen ist uns bereits näher als gedacht - nicht nur idiomatisch. Aus Linz kommt nämlich derzeit ein ebenso amüsant wie vielversprechend klingendes Konzept zur Umsetzung des EU-Aktionsplans für Energieeffizienz. So erprobt das Institut für Pervasive Computing unter der Leitung von Alois Ferscha das im September 2008 begonnene Konzept Power Safer bereits in mehreren oberösterreichischen Haushalten.

Die verblüffend simpel klingende Hypothese von Ferscha: Wer daheim Hauspatschen trägt, kann ohne Nachdenken Energie sparen. Das Institut geht nämlich davon aus, dass explizites Energiesparen - etwa durch die bewusste Vermeidung, Haushaltsgeräte über längere Zeit im Standby-Modus zu belassen - einfach nicht funktioniert. Es ist also ganz klar eine Frage der Aufmerksamkeitsökonomie, glaubt Ferscha. Niemand soll sich zu Hause damit beschäftigen müssen, aktiv den Energieverbrauch eines Fernsehgeräts oder einer Kaffeemaschine zu steuern. Würde demnach ein körpergetragener Sensor die Aufgabe übernehmen, nur tatsächlich benötigte Geräte in die Betriebsbereitschaft zu schalten, könnten Standby-Verluste im Haushalt drastisch reduziert werden.

Vorhandene Technologie

Die Infrastruktur für die automatisierte Steuerung des Standby-Betriebs ist, technisch gesehen, nicht einmal besonders aufwändig: Beschleunigungsensoren wie sie in modernen Mobiltelefonen verwendet werden, sind bereits so klein, dass sie eben auch unauffällig in Patschen, in einen Schlüsselanhänger oder in ein Armband integriert werden können. Wo die Sensoren am Körper getragen werden, ist für die Funktion zunächst einmal irrelevant.

Ein Hintergrundrechner - und das kann ein ganz gewöhnlicher PC sein - registriert dann, ob die Person gerade geht, steht oder liegt. Diese Information wird schließlich zur Steuerung eines Adapters an der Steckdose weitergeleitet. Mit solchen Durchflusszählern können also auch vorhandene Geräte nachgerüstet werden.

In diesem Kontext-Server-System werden Bewegungsmuster aufgezeichnet, der Hintergrundrechner sammelt "Trends" von einem Tages-, Monats- und Jahresablauf. "Die Bibliothek der Füße hat sich bisher als die zuverlässigste Methode zur Steuerung der Systemarchitektur erwiesen", so Ferscha. Ein Sensor in Patschen ist also nicht nur besonders unauffällig, sondern auch die verlässlichste Art, implizit und vorausschauend Strom zu sparen. Eine simple Zeitschaltung wäre dagegen deutlich weniger "robust" - Geräte würden damit ohne jegliche Berücksichtigung der Benutzergewohnheiten geschaltet.

Hohes Sparpotenzial bei Stand-by-Geräten

Ein vorhandener PC im Haushalt vorausgesetzt, wäre eine Kostenuntergrenze zwischen 60 und 70 Euro für das System realistisch, glaubt Ferscha. Ungefähr drei bis vier Prozent der Energiekosten im Haushalt könnten eingespart werden. Aufs Jahr gerechnet, sind das laut einer exemplarischen Kalkulation der Salzburg AG bei der Verwendung von durchschnittlichen Neugeräten rund 120 Euro. Ob die Rechnung so stimmt, könne das Institut der Universität Linz allerdings erst im Sommer 2010 durch Feldstudien belegen. Zu diesem Zeitpunkt werden die Ergebnisse aus den derzeit von der oberösterreichischen Ernergie AG installierten Power-Safer-Systemen in den ersten vier Haushalten bereits evaluiert sein.

Ingesamt liegt das Einsparungspotenzial bei Standby-Verlusten sogar zwischen 16 und 17 Prozent des Energieverbrauchs in Haushalten - und in Büros noch deutlich darüber. Die gültige EU-Anweisung der Kommission zur Energieeffizienz (siehe "Wissen") verlangt eine Reduktion des Primärenergieverbrauchs um 20 Prozent bis zum Jahr 2020.   (Sascha Aumüller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2010)

Link

www.pervasive.jku.at

Wissen: Energieeffizienz in Europa

Eine gültige Mitteilung der Kommission aus dem Jahr 2006 - die KOM(2006)545 - beschreibt den Aktionsplan für Energieeffizienz in der Europäischen Union. Darin wird festgehalten, dass mindestens 20 Prozent der Energie ineffizient genutzt werden. Bis zum Jahr 2020 könnte das nicht nur den Klimawandel beschleunigen, sondern auch jährlich mehr als 100 Milliarden Euro unnötige Kosten verursachen. Das größte Einsparungspotenzial liegt im Bereich der Haushalte (27 Prozent) und bei den gewerblich genutzten Gebäuden (30 Prozent). Die Ausschöpfung dieses Gesamtpotenzials bis 2020 kann ohne Zweifel bei gleich bleibender Lebensqualität und ohne wirtschaftliche Nachteile erfolgen und im Wesentlichen mit bereits vorhandenen Technologien umgesetzt werden. (saum)

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14 Postings
carbonara
00
19.2.2010, 19:19

....daher der Ausdruck "Patschenkino".

Der Waehlerwille
 
00
19.2.2010, 15:57
danke für "Patschen"

vielen vielen dank :)

savoir vivre
00
19.2.2010, 12:01

Ich gehe zu Hause aber immer barfuß....
Muss ich mir den Sensor jetzt implantieren lassen?

Gregor Dorfbauer
 
00
19.2.2010, 11:51
Steckdosenleisten mit Schalter ...

... kann man auch mit den Hauspatschen steuern.

Bertel Mann
00
19.2.2010, 08:06
Dafür muss der Hintergrundrechner die ganze Zeit laufen - und wie lange dies ein "vorhandener PC" aushält, schau' ich mir an

WoHo
01
19.2.2010, 00:40
wenn der Hintergrundrechner

ein PC ist, der den ganzen Tag rennt, ist die Ersparnis
vielleicht nicht ganz so groß ?

Rainer Maichin
02
18.2.2010, 22:45
Eine andere Möglichkeit,

nämlich Geräte, die nicht benötigt werden, einfach vom Netz zu nehmen, wird in meinem 4-Personen-Haushalt betrieben. Ein 3-jähriges Mädchen hat sogar dabei mitgemacht. Mittlerweile ist Katharina schon 5 Jahre alt und für sie ist es eine Selbstverständlichkeit, Geräte die nicht benötigt werden, einfach auszuschalten oder vom Netz zu nehmen.

Vor 2 Wochen habe ich unseren Stromverbrauch analysiert und dokumentiert. Die Ersparnis in 4 Jahren betrug immerhin 746,68 Euro.

Die 17-Seitige Analyse ist auf meinem Weblog ersichtlich unter:

http://meinekleine.kleinezeitung.at/999999/st... es/384928/

Claus_W
00
19.2.2010, 10:42
Das was Sie machen nenne ich logischen Hausverstand...

...diesen haben die Herren mit Ihren RFID Schlapfen leider ausgeschaltet... Standby von Gehirn würde ich mal sagen.

In diesem Artikel wird wieder mal bewiesen wie verkalkt schon viele Leute denken, anstatt Dinge auszuschalten erfinden wir neue Dinge die Strom brauchen damit sich die anderen Dinge die Strom brauchen von alleine ausschalten...

a brave new world...

http://www.youtube.com/watch?v=AzL0tUP4Aqg

Brunzol
03
18.2.2010, 23:30

Bewunderung!

chavs on the run
20
18.2.2010, 21:02

ein gentleman hat keine hausschuhe oder ähnliches zu haben.

Der Waehlerwille
 
00
19.2.2010, 15:57
reihen sie sich somit ein ins heer der ahnungslosen

gerade! der gentleman hat patschn.

Brunzol
04
18.2.2010, 21:57

beg to differ
hab zwar weder Hausschuhe, noch bin ich ein Gentleman, aber ein Gentleman hat Patschen, Zigarre und einen echten Smoking, will heißen so eine Art samtseidiger Bademantel über dem restlichen Zeugs - spart damit auch Heizung, UND lockt Bunnys an ;)

ExtremSuderer
05
18.2.2010, 14:23
Apropos Energieeffizienz

Wandert eigentlich das gesamte EU-Parlament samt SekretärInnen und DolmetscherInnen und tonnenweise Akten immer noch einmal im Monat zwischen Brüssel und Straßburg hin und her? Wieviele StandBy-Geräte kann man mit der Energie der LKWs und Flugzeuge eigentlich füttern?

werwolfi
02
19.2.2010, 00:20

1. die menge machts beim standby

2. das eine schließt das andere ja nicht aus - bin auch für die abstellung solcher blödheiten, aber weniger, weil sie absolut so viel ausmachen, sondern weil die masse sie gerne als ausrede benutzt, ihren eigenen a*sch nicht zu bewegen... ;o)

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