Neben der Warmwasseraufbereitung wird auch das Heizen mit der Sonne immer attraktiver
Viele Häuslbauer setzen bereits auf Solaranlagen bei Warmwasseraufbereitung. Angesichts eines volatilen Energiemarktes und stabiler Förderungen wird aber auch das Heizen mit der Sonne attraktiver.
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Verfolgt man die Entwicklung der Solarbranche über die letzten dreißig Jahre, entsteht der Eindruck, dass dieser Wirtschaftszweig von den diversen Energiekrisen profitiert hat. So löste die Erdölkrise anno 1979 einen ersten Solarboom aus, der zweite folgte Anfang der 1990er, als die Diskussion um den Treibhauseffekt durch die Medien ging. Damals vervierfachte sich hierzulande binnen zwei Jahren die jährlich installierte Kollektorfläche.
Der dritte Boom folgte 2000, als die Preise für fossile Energieträger eine deutliche Preisentwicklung nach oben verzeichneten und die Folgen des Klimawandels die Konsumenten zusätzlich verunsicherten. "Schon davor hat sich der Solarmarkt stabilisiert", stellt Roger Hackstock, Geschäftsführer von Austria Solar, dem Verband zur Förderung der thermischen Solarenergie, fest. Förderungen, eine größere Sensibilität der Öffentlichkeit und eine Standardisierung der Technologie hätten dazu beigetragen, dass Österreich heute bei der höchsten jährlichen Solaranlageninstallation pro Kopf weltweit auf Platz drei hinter Zypern und Israel liegt, resümiert er.
Solaranlagen werden mittlerweile als Set angeboten, die Gaskrise und der Anstieg des Ölpreises haben manche zum Umdenken veranlasst. "Das ist mehr wert gewesen als jede Kampagne", sagt er.
Krisenresistenter Markt
Und erzählt, dass Häuslbauer auf einschlägigen Messen die Stände der Anbieter beinahe überrannt hätten. "Leider", meint Hackstock, "hat sich das aufgrund der Wirtschaftskrise kaum auf die Anzahl der Neu-Installationen niedergeschlagen." Der Markt sei dennoch stabil geblieben und hätte sich als krisenresistent erwiesen: "Es gab weder Entlassungen noch Kurzarbeit", sagt er.
40.000 Privathaushalte haben derzeit eine Solaranlage. Davon dienen rund 90 Prozent der Warmwasseraufbereitung. Der Trend geht in Richtung Heizen mit Solarunterstützung. Um die Jahrtausendwende machten diese Anlagen noch ein Viertel aller Neuinstallationen aus, heute ist deren Anteil auf ein Drittel gewachsen. Insgesamt waren in Österreich Ende 2008 rund 3,96 Millionen Quadratmeter Kollektoren in Betrieb mit einer Wärmeleistung von 2775 Megawatt. Zum Vergleich: Die Gesamtleistung aller heimischen Donaukraftwerke beträgt 2100 Megawatt. Der Jahreswärmeertrag aller Solaranlagen beträgt 1330 Gigawattstunden - damit könnte man alle Vorarlberger Haushalte mehr als ein Jahr mit Wärme versorgen.
"80 Prozent der heimischen Produktion geht ins Ausland, vor allem nach Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, aber auch Übersee und China", betont Robert Kanduth, Obmann von Solar Austria und unter anderem Geschäftsführer und Firmengründer des Sonnenkollektorherstellers Greenonetec.
Klares Bekenntnis
Aber, fährt er fort, es brauche auch einen starken Heimmarkt. Und der sei gerade, was die Stromerzeugung aus Sonnenenergie, die Fotovoltaik, beträfe, kaum gegeben. Trotz hoher Nachfrage. "Im Klima- und Energiefonds gab es eine Förderung für Häuslbauer", erzählt Kanduth. Der Ansturm sei groß gewesen, aber "von den rund 20.000 Antragstellern wurden schließlich nur 1200 gefördert". Mit dieser Förderung, rechnet Kanduth vor, würde es tausend Jahre brauchen, um jedes Haus in Österreich mit einer Fotovoltaikanlage auszustatten. Sein Fazit: Es braucht mehr Subvention und ein klares Bekenntnis der Politik. Erfreulicher stellt sich die Lage in Sachen Solarthermie dar. Diese sieht Kanduth bereits gut positioniert, was auch an der stabilen Förderung der Technologie (siehe Text unterhalb der Grafik) liegt. So wurden in den ersten drei Quartalen 2009 14.478 Förderanträge für thermische Solaranlagen gestellt. Das waren 16 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Hoffnungen setzen Kanduth und Hackstock in die Energiestrategie: "Man muss sich überlegen, wie man die umweltfreundlichen Technologien pushen kann", meint Hackstock. Förderungen alleine seien zu wenig: "Eine Förderung kann immer nur ein Appell sein." (Markus Böhm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.2.2010)