Scharfer Protest Chinas

19. Februar 2010, 12:40
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Der US-Präsident empfängt Dalai Lama im Weißen Haus und setzt sich über Chinas Warnungen hinweg

Peking - Die chinesische Regierung hat das Treffen von US-Präsident Barack Obama mit dem Dalai Lama scharf verurteilt. Obamas Gespräch mit dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter in Washington habe "die Normen verletzt, die die internationalen Beziehungen bestimmen", erklärte das Außenministerium in Peking am Donnerstag nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Treffen widerspreche den wiederholten Beteuerungen der USA, dass sie Unabhängigkeitsbestrebungen Tibets ablehnten und das Gebiet als Teil Chinas betrachteten, kritisierte Außenamtssprecher Ma Zhaoxu. Der Sprecher forderte die Regierung in Washington auf, etwas gegen die "schädliche Wirkung" des Treffens zwischen Obama und dem Dalai Lama zu unternehmen. Washington solle "aufhören, anti-chinesische separatistische Kräfte zu dulden und zu unterstützen".

"Nachhaltige Unterstützung"

Bei einem Treffen mit dem Dalai Lama im Weißen Haus hatte US-Präsident Barack Obama seine Unterstützung für den Schutz der tibetischen Kultur und die Wahrung der Menschenrechte erklärt. Der Präsident unterstütze den Weg des Dialogs, den der Dalai Lama im Verhältnis mit China eingeschlagen habe, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Weißen Hauses. China hatte vergeblich von Obama verlangt, das Treffen abzusagen.

Der US-Präsident habe dem Dalai Lama bei dem Treffen "seine nachhaltige Unterstützung beim Erhalt von Tibets einzigartiger religiöser, kultureller und sprachlicher Identität" zugesagt, teilte das Weiße Haus schriftlich mit. Obamas Unterstützung gelte insbesondere auch "dem Schutz der Menschenrechte für Tibeter in der Volksrepublik China". Der Präsident habe zudem das "Engagement des Dalai Lama für Gewaltlosigkeit und Dialog" gewürdigt.

"Sehr glücklich"

Der Dalai Lama sagte, er sei "sehr glücklich" über die rund 45-minütige Begegnung. "Der Präsident hat seine Unterstützung zugesagt", sagte der Tibeter vor dem Weißen Haus gegenüber Journalisten. Mit dem vertraulichen Treffen, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatte sich der US-Präsident über Warnungen aus Peking vor einer weiteren Verschlechterung des Verhältnisses hinweggesetzt.

Als Zugeständnis an die Volksrepublik wurde der Empfang sehr diskret gestaltet. Die US-Regierung verzichtete auf einen öffentlichen Auftritt des Präsidenten mit dem Dalai Lama. Kameras waren bei der Unterredung entgegen sonstiger Gepflogenheiten im Weißen Haus nicht zugelassen. Das Treffen fand nicht in Obamas Amtsbüro, dem Oval Office, statt, sondern im benachbarten "Map Room" (Kartenraum). Nach der Begegnung verließ der Dalai Lama das Weiße Haus und wandte sich im Freien an wartende Journalisten. (APA/Reuters)

  • Der Dalai Lama bei seiner Ankunft.
    foto: epa/str

    Der Dalai Lama bei seiner Ankunft.

  • Weinende Tibeterin vor dem Hotel des Dalai Lama.
    foto: ap/luis alvarez

    Weinende Tibeterin vor dem Hotel des Dalai Lama.

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