Taliban-Anführer Mullah Abdul Salam wird für diverse Attacken auf Deutsche in Afghanistan verantwortlich gemacht - Gilt in den Fahndungslisten der Schutztruppe Isaf als "high value target"
Einer der gefährlichsten Feinde der Bundeswehr in Nordafghanistan ist nach Informationen von Spiegel Online in Pakistan festgenommen worden. Das berichtet die Nachrichten-Website in Hamburg Donnerstag Früh. Deutsche Behörden prüften "detaillierte Hinweise", denen zufolge der pakistanische Geheimdienst ISI den Taliban-Anführer Mullah Abdul Salam nahe der Stadt Peschawar in Haft genommen hat.
Demnach sei der Zugriff Anfang Februar in einer Madrassa, einer Religionsschule erfolgt. Auch Mullah Ahmad sei festgenommen, der Anführer in Kunduz' Nachbarregion Baghlan.
In Kunduz bestätigten der Gouverneur und der Chef des afghanischen Geheimdienstes die Festnahme. Die Bundeswehr und deutsche Sicherheitsbehörden erhielten ebenfalls Berichte über die Razzia, doch eine offizielle Bestätigung des ISI fehlt bisher, schreibt Spiegel Online.
Feind Nummer Eins
Armeesprecher Brigadier Syed Azmat Ali könne "derzeit" keine Angaben machen. Vertraute von Mullah Salam bestätigten dennoch die Inhaftierung ihres Anführers.
Für die Bundeswehr gilt Mullah Salam als Feind Nummer Eins in der Region. Er wird für diverse Attacken auf Deutsche verantwortlich gemacht und seit längerer Zeit auch in den Fahndungslisten der Schutztruppe Isaf als "high value target", als besonders wertvolles Ziel, unter der Seriennummer 1146 geführt. Der Eintrag in der Liste erlaubt den internationalen Kräften jederzeit die Verhaftung eines Verdächtigen.
Salam hat das deutsche Lager nach Erkenntnissen der Bundeswehr und der Geheimdienste etliche Male mit Raketen beschießen lassen, schreibt das Hamburger Nachrichtenseite. Die Bundeswehr macht ihn außerdem für die Straßenbomben gegen ihre Konvois und die Morde an den drei Soldaten auf dem Marktplatz vom 19. Mai 2007 verantwortlich. Bei fast allen Anschlägen, die seither folgten, soll er ebenfalls mitgewirkt haben. In mehreren Telefoninterviews mit Spiegel-Reportern soll Salam der Bundeswehr mit weiteren Toten und Gewalt gedroht haben, wenn die Deutschen Kunduz nicht verließen. (red, derStandard.at, 18.2.2010)