Atomkraftwerke

Die Bombe ist nicht gezähmt

17. Februar 2010, 20:32

Ohne Subvention kann kein AKW betrieben werden - und Österreich spielt mit - Von Conrad Seidl

Atomkraft ist eine Glaubensfrage: Glaubt man, dass Kernkraftwerke sicher betrieben und ihre Abfallprodukte sicher entsorgt werden können? Die Österreicher meinen mehrheitlich, dass die Antwort darauf Nein lauten muss. Das haben sie in einer Volksabstimmung 1978 klargestellt - und spätestens seit dem Reaktorunfall im ukrainischen Tschernobyl 1986, nach dem Österreich mit radioaktivem Fallout berieselt wurde, ist die österreichische Energiepolitik gegen Atomstrom gerichtet.

Zumindest in Sonntagsreden.

Wenn man ehrlich wäre, müsste man zugeben, dass doch recht beachtliche Mengen - gute fünf Prozent des österreichischen Stromverbrauchs - aus ausländischen Atomkraftwerken in unsere Netze kommen. Und die Kunden, denen der Energiemix auf ihrer Stromrechnung ausgewiesen wird, scheinen nichts dagegen zu haben.

Atomstrom ist eben billig. Was nicht dazugesagt wird: Er ist billig, weil er hoch subventioniert wird.

Das begann schon damit, dass die Atomforschung jahrelang auf den Bau von Atombomben ausgerichtet war, was aus den Militärbudgets bezahlt wurde. Die Kernkraftwerke, ursprünglich als "gezähmte Bombe" beworben, waren ein ziviler Spin-off, der allerdings ebenfalls Anschubfinanzierung brauchte. Und eine Propagandamaschine, die auf höchster Ebene angesiedelt wurde: Die IAEO als UN-Organisation und Euratom in der EWG sollten der zivilen Nutzung der Atomkraft den Weg bereiten und Glaubwürdigkeit verleihen.

Das hat jahrelang geklappt. Bis dann die Atomlobby durch einfache Fragen bloßgestellt wurde: Wo sind die sicheren Endlager? Wie stark werden wir im Falle des größten anzunehmenden Unfalls (GAU) mit Strahlen belastet?

Als in den USA 1979 der Reaktor von Three Mile Island nahe Harrisburg versagte, meinte man, dies sei der GAU - da ist ohnehin wenig passiert. Tschernobyl war viel schlimmer, aber (anders als in den Schlagzeilen vermittelt) immer noch nicht der Super-GAU. Es hätte schlimmer kommen können, wenn noch eine zweite Explosion stattgefunden hätte, die aufopferungswillige Soldaten unter Einsatz ihres Lebens verhindert haben.

Wer in solchen Fällen haftet, weiß man: Es ist die Allgemeinheit, die die Kosten tragen muss. Sie trägt sie auch im Normalbetrieb mit: denn ohne staatliche Milliardenhilfe können nirgendwo neue Atomkraftwerke gebaut werden. Ohne staatlichen Schutz können sie nicht betrieben werden. Und ohne staatliche Unterstützung (und manchen Polizeieinsatz) können nicht einmal nukleare Zwischenlager betrieben werden - von Endlagern wagt man gar nicht mehr zu sprechen.

Da redet man lieber davon, dass in einem AKW kein Kohlenstoff verbrannt wird und die Atomenergie daher klimafreundlich wäre - was sich unter Einrechnung des sonstigen Energieaufwands relativieren würde.

Aber so genau wird eben nicht gerne gerechnet. Sonst käme man zu dem Ergebnis, dass man mit dem Aufwand für die Atomindustrie viel sinnvollere Projekte angehen könnte - etwa im Bereich erneuerbarer Energieträger. Oder im Bereich der Wärmedämmung, in der wesentlich mehr Potenzial steckt als in der Umrüstung auf Energiesparlampen, die die EU forciert.

Zur EU gehört eben auch Euratom, wo Österreich weiter fleißig mitzahlt. Und damit eine Politik fördert, die in Sonntagsreden von allen Politikern abgelehnt wird. In Glaubensfragen sollte man mehr Festigkeit erwarten. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2010)

Kommentar posten
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mistvieh666
 
12
21.2.2010, 20:39

ich finds okay, dass es in oesterreich keine atomkraftwerke gibt, aber ein paar argumente im artikel sind unserioes:
- sehr viele technische entwicklungen, zb auch das internet, das wir hier gerade verwenden, kommen vom militaer. was soll dieses seltsame spin-off argument?
- china produziert fast 70% seines stroms mit braunkohlekraftwerken (562(!) sind in bau) und 2% mit akw's. von mir aus kann ein akw gefaehrlich sein, aber: die braunkohlekraftwerke sind es ganz sicher.
http://en.wikipedia.org/wiki/Econ... _resources
- die iaeo als propagandamaschine zu bezeichnen - ich weiss nicht, ob es ihnen auffallt, aber wir leben noch. und das hat stark mit dem atomwaffensperrvertrag zu tun.

Hrabal
01
19.2.2010, 09:19
22.2. ist der 33 Jahrestag des Gau in Bohunice

von wegen Three Mile Island ...
Wenige Monate vor der Volksabstimmung über Zwentendorf ist Ö knapp einem SuperGau entgangen. am 22.2.1977 ist der slowakische Reaktor A1 schwer havariert - die Ruine ist bislang noch immer nicht dekontaminiert..

siehe: http://de.academic.ru/dic.nsf/d... iki/762044

Gerhard Ingolf
21
18.2.2010, 21:37

Three Mile Island war der größte Unfall, der bei einem wassermoderierten Reaktor auftreten kann. Und dabei ist weniger passiert als bei so manchem Unfall in einem Gaskraftwerk seither. In Tschernobyl war es ein grapitmoderierter Reaktor, bei dem durch Fehlbedienung der Deckel / das Dach weggesprengt wurde, und bei dem das Graphit mehrere Tage gebrannt hat. Der Reaktorkern lag in dieser Zeit frei und alle radioaktiven Elemente deren Siedepunkt unter ca. 3000°C liegen wurden freigesetzt. Mehr kann nicht passieren! Von welcher zweiten möglichen Explosion schreibt Herr Seidl? Die Bewohner im Umkreis von 30km wurden zwar abgesiedelt, aber viele sind nicht gegangen und leben noch immer dort. Die Umgebung ist jetzt ein Naturparadies!

Paul K
00
26.2.2010, 10:36
wollen sie nich urlaubsfahrten ins tschernobyl-naturparadies organisieren?

es besteht auch die möglichkeit, günstige grundstücke in nachbarschaft von atommeilern in eruopa oder den usa zu erwerben, ebenso in nachbarschaft zu sog. lagerstätten radioaktiven mülls in der brd und bei tailings und in der nähe von uranbergwerken in n.m. (USA) oder beim grand canyon in az. z.b. oder die häuser zu beziehen, die aus radioaktivem schutt gebaut worden sind - bei den navajos in n.m. und arizona z.b., die sie dann absiedeln müssten, falls sie nicht schon an krebs gestorben sind ...

human ic
10
19.2.2010, 13:59

die behauptung bei einer kernschmelze in einem druckwasserreaktor könnt nicht mehr passieren als dort geschehen ist kommt mir doch ein bisserl optimistisch vor.
es hätt dort durch freigewordenen wasserstoff ebenso der 'deckel' wegfliegen können.
nach tschernobyl sind alte leut wieder zurückgekehrt, junge haben ein zeitlich eingeschränktes besuchsrecht.

Gerhard Ingolf
20
19.2.2010, 16:12

Wenn ich mich richtig erinner ist die Wasserstoffblase damals vermutet worden - deshalb die Evakuierung. Nachträglich hat sich aber herausgestellt, dass es keine gab.

human ic
01
19.2.2010, 16:42

frisch sie doch mal auf, die erinnerungen.

Paul K
04
18.2.2010, 19:14
uran

ist eine tödliche angelegenheit: beim abbau wird hohe radioaktivität frei gesetzt, die dann auf den abraumhalden weiterstrahlt: etwa 3,5kg uran gewinnt man aus einer tonne uranhältigem gestein, der rest muss "gelagert" werden. in den usa sind diese sog. "tailings" eine permanente gefahrenquelle, die durch wasserberieselung und hohe schutzdämme die anwohnerInnen schützen soll. nur dass das in n.m. und az ureinwohnerInnen, also sog. "indianerInnen" sind - und da ist es der regierung egal, ob sie verseucht werden: durch das grund/quellwasser, die dauernde strahlung und den rio puerco, vor dessen wasser seit einem dammbruch in churchrock, n.m., gewarnt wird. schöne neue atomwelt? nein, baby- und tiermissbildungen, lungenkrebs en masse ...

fblanche
00
26.2.2010, 00:28

nur zur info, ob Sie es glauben oder nicht: der Abbrand von Dürnrohr ist ebenfalls radioaktiv, und muss auf dieselbe Art und Weise gelagert und berieselt werden um eine Gefährdung der Anrainer zu verhindern.

Im A-Geigenlandl 69
24
18.2.2010, 18:43
wer sich mit der inkonsequenz österreichs in atomfragen nicht abfinden will, kann seit heute das EURATOM-VOLKSBEGEHREN unterstützen


Kurztext des Volksbegehrens:

RAUS aus EURATOM

Volltext:

Der Nationalrat möge durch Bundesverfassungsgesetz beschließen, dass die Österreicherinnen und Österreicher im Rahmen einer Volksabstimmung über den Ausstieg Österreichs aus dem EURATOM-Vertrag befinden.

Mehr Infos und Download des Unterstützungsformulars unter

http://www.euratom-volksbegehren.at/

Magdalena P
13
18.2.2010, 18:17

Die Bombe AKW wird niemals zähmbar sein!

fblanche
00
26.2.2010, 00:29

die Rethorik der Experten

leyss
15
18.2.2010, 18:08
Lebensdauer ?

Das Durchschnittsalter der bestehenden AKWs ist laut IAEA ca. 20 Jahre.
Viele haben damit bereits die ursprünglich kalkulierte Lebensdauer überschritten.
Wir müssen darauf vertrauen, daß die gewinnorientierten Betreiber bei der Verlängerung der Betriebsdauer der Sicherheit Priorität einräumen.
Zweifel sind angebracht.
Die enormen Profite der Großbetreiber wie EDF erlauben intensivstes Lobbying und führen angesichts abhängiger / nicht urteilsfähiger PolitikerInnen leider zu einer Forcierung neuer AKWs - um jenen Strom zu erzeugen, den man mit Investitionen zur Einsparung gar nicht verbrauchen würde.
Weniger Verbrauch = weniger Profit = weniger Geld für die Politik.
Unsere Nachkommen werden sich schön bedanken.


Gerhard Ingolf
51
18.2.2010, 21:21

Ihr Atomkraftgegner solltet Euch zuerst einmal darüber einig werden, ob man mit Atomkraftwerken riesige Gewinne macht oder nur durch horrende staatliche Förderungen überleben kann!

(noch gscheiter wärs, Ihr würdet Euch informieren - aber nich gegenseitig mit den abgedroschenen Märchen)

human ic
05
19.2.2010, 09:59

ah, weil steuergelder reinfliessen kann automatisch ein privater betreiber keine gewinne machen ?

Gerhard Ingolf
10
19.2.2010, 16:14

Wenn er auf Steuergelder angewiesen ist kann er sicher nicht so viel zahlen wie die Erdölindustrie!

human ic
01
19.2.2010, 16:41

ganz im gegenteil. je mehr steuergelder mal geflossen sind umso mehr werden später nochmal reingesteckt wenn sich, nachdem die aktionäre alles abgeschöpft haben, rausstellt, dass doch rücklagen nicht schlecht gewesen wären.

Karl Krammer
21
18.2.2010, 18:05
die Subventionen für Solarstrom sind noch viel höher

nur zahlen sich die die Verbraucher selbst: wer eine Solaranlage betreibt, darf seinen Strom unabhängig vom tatsächlichen Bedarf jederzeit ins Netz einspeisen und bekommt dafür in Österreich 38 und in Deutschland 43 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: Konventioneller Strom kostet an den Energiebörsen rund acht Cent, davon Atom- 2 und Kohlestrom 5 cent. Selbst wenn man die angeblich 200 Mrd. Euro einrechnet, die in den letzten 60 Jahren an Subventionen in Forschung und Errichtung von AKWs geflossen sind, wäre Atomstrom noch immer nur ca. 1/5 so teuer wie aktuell vom Verbraucher für Solarstrom bezahlt wird. Wobei das Aufstellen von Solarpanels in einer Gegend wo gerade im Winder fast nie richtig Sonne scheint, ohnehin Verschwendung ist.

Hrabal
02
20.2.2010, 06:14
Unterversicherung als Subvention

dieser Schmarotzersektor braucht sich ja nicht mal gegen Unfälle gescheit versichern. wenn alle franz. Reaktoren grad mal für 90 Mio € , CEZ seine um lächerliche 70, sie Slowaken ihre um 74 Mio € versichern brauchen, dann sind das Geisterfahrerversicherungen.
Allein die Kosten für Tschernobyl haben Weißrussland mehr als 240 Mrd. € gekostet .. auch das ist eine Subvention enormen Ausmaßes.

millimetternich1
02
19.2.2010, 04:33

Wenn man die Kosten von Technologien vergleicht, dann sollte man dabei die Entwicklungsstaende der Technologien beruecksichtigen. Atom/Kohle/Oel hat man ueber viele Jahrzehnte Abermilliarden gefoerdet. Bei Atom faellt mir da zusaetzlich immer noch Endlager/Demontierungskosten ein.

Im Vergleich dazu sind die bisherigen Foerderungen fuer PV Kleingeld. Die Kosten von PV sinken ganz ordentlich und in einigen Jahren (<5) wird PV konkurrenzfaehig sein. In einigen Laendern (meist Inseln) ist PV uebrigens bereits konkurrenzfaehig!

Der Einspeisetarif fuer Freiland ist derzeit uebrigens schon unter 29ct, vor einer etwaigen ao Absenkung (in D natuerlich - Oe hat keine Solarfoerderung die diesen Namen verdient).

scala2
32
18.2.2010, 17:25

Ohne Atomstrom wäre es aber im Winter in Bobovile nicht so schön.

Paul K
01
18.2.2010, 19:04
energie verwenden,

nicht verschwenden ist noch schöner!

Hanzelic
16
18.2.2010, 17:25
Atomstrom ist unnötiges Risiko

bei gerade mal 7% weltweit, wenn man das verdoppelt werden es 14%. Bis die fertig gebaut sind wird aber der Brennstoff schon wieder knapp. und mal ehrlich: wollten wir nicht sowieso mehr einsparen?
Da setze ich lieber frühzeitig auf erneuerbare Energie, lerne aus der Praxis, habe Wissensvorsprung in jener Technik, die in Zukunft sowieso notwendig sein wird und erspare mir einen teuren Umstieg. Weil je später wir damit anfangen, desto teurer wird die Energie, die wir dafür benötigen.

fblanche
20
22.2.2010, 13:41

Endlich mal ein durchdachtes Posting eines Atomstromgegners. Jedoch sind die erneuerbaren Energien Meilenweit davon entfernt unseren Energiebedarf sichern zu können, geschweige denn eine wachsende Wirtschaft zu erlauben. Das der Brennstoff ausgeht ist jedoch eine krasse, wenn auch weit verbreitete, Fehlinformation. Allein die schon erschlossenen Vorkommen können uns bei jetztiger Technologie 100erte Jahre wirtschaftlich versorgen.
Es gibt im Energiemix keine Alternative zum Atomstrom, wir werden ihn mindestens noch knappe 100 Jahre brauchen um andere Technologien auszureifen.
Jetzt Alles auf eine absolut nicht ausgereifte Energieform zu setzen bedeutet viel, viel Geld wegzuwerfen. Und Geld ist auf unserem Planeten gleichzusetzen mit Leben.

Toni Blaher
 
00
28.2.2010, 16:20

Naja, also wenn man Fussionskraft wirtschaftlich nutzen kann, würde ich die restlichen Energiegewinnungsformen nicht mehr verwenden. Für was auch?

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