Dubai-Killer hatten österreichische Handys

17. Februar 2010, 20:14
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Vorwürfe an Israels Geheimdienst und eine Spur nach Wien

Österreichs Justiz hat Ermittlungen zum Mord an dem Hamas-Waffenhändler Mahuh in Dubai aufgenommen. Das Killer-Kommando soll Wertkarten-Handys mit österreichischen Nummern benutzt haben. 

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Lag die "Kommandozentrale" der Killer des Hamas-Führers in Österreich? Rudolf Gollia vom Innenministerium sagt weder Ja noch Nein. Was er bestätigen kann, ist, dass im Zusammenhang mit dem Mord an Mahmud Abdel Rauf al-Mabhuh in Dubai seit zwei Tagen auch in der Alpenrepublik Ermittlungen laufen. Laut Süddeutscher Zeitung sollen österreichische Wertkartentelefone aufgetaucht sein, Profil online berichtete von sieben Stück. Was in Polizeikreisen kaum für Verwunderung sorgt, sind doch heimische Wertkartentelefone aufgrund ihres einfachen Erwerbs ohne Registrierung äußerst beliebt bei Personen, die aus welchen Gründen auch immer im Datendschungel anonym bleiben wollen (siehe Artikel "Im Schutz der rot-weiß-roten Anonymität").

Hamas-Anführer Mahmud Abdel Rauf al-Mabhuh wurde am 20. Jänner bei einem Anschlag in einem Hotel in Dubai getötet. Nach Angaben seines Bruders wurde der 48-Jährige mit starken Stromstößen gequält und schließlich mit einem Kissen erstickt. Die Hamas beschuldigt Israel, hinter dem Mord zu stecken. Die Killer sollen dabei nicht untereinander über Mobiltelefone gesprochen, sondern alle Anweisungen über eine zentrale Stelle erhalten haben.

"Orientalische Fantasie"

Nach den Berichten, der israelische Auslandsgeheimdienst stehe hinter dem Verbrechen, wuchs in Israel die Kritik am Vorgehen des israelischen Geheimdienstes Mossad. "Was wir hier sehen, ist nicht nur blühende, sondern wilde orientalische Fantasie", hatte Uzi Landau, der israelische Infrastrukturminister, noch gesagt, als er Ende Jänner von einem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückkam. Der Mord an Mabhuh lag erst ein paar Tage zurück. In den Medien wurde gemutmaßt, die Killer seien in seiner Delegation mitgereist. Landau hatte an einer Umwelttagung in Abu Dhabi teilgenommen.

Das war tatsächlich ein Fantasiegebilde, allerdings kein zu weit hergeholtes. Die Ermittler in Dubai gingen schon zu diesem Zeitpunkt von einem israelischen Kommando aus, das allerdings mit europäischen Reisepässen in die Wirtschaftsmetropole am Golf eingereist war. Polizeichef Dhahi Khalfan Tamim nannte am Montag elf Namen von Verdächtigen.

Viele Feinde

Der 48-jährige Mahmud al-Mabhuh hatte viele Feinde, unter den Palästinensern der Fatah, die im Westjordanland regiert, vor allem aber in Israel: Mabhuh, ein Waffenhändler, der zuletzt in Damaskus lebte, soll immer wieder Munition in den Gazastreifen geschleust haben. Auch hinter einem Waffentransport durch den Sudan, der von der israelischen Luftwaffen bombardiert wurde, soll er gesteckt haben.

Bald einen Monat nach seiner Ermordung im Al-Bustan-Rotana-Hotel in Dubai sind nun aber die israelische Regierung und ihr Auslandsgeheimdienst Mossad in Erklärungsnot. Es geht nicht allein um die Tat an sich, sondern auch um das Vorgehen des Mossad: Die mutmaßlichen Mörder haben offenbar Identitäten verwendet, die Israelis gestohlen wurden, die erst vor kurzem nach Israel eingewandert waren.

Denn als Dubais Polizeichef die Namen der Verdächtigen samt Fotos zu Wochenbeginn publik gemacht hatte, gab es für einige Israelis ein böses Erwachen. Die Zeitungen sind voll von den schockierten Reaktionen der betroffenen Passbesitzer: "Mein Name wurde in diesem Zusammenhang veröffentlicht. Ich habe Sorge, dass uns jemand bedrohen könnte", sagte etwa Paul John Keely zu Haaretz. Die liberale Tageszeitung forderte bereits den Rücktritt von Mossad-Chef Meir Dagan. Er hatte die Führung des Geheimdienstes 2002 inmitten einer Krise übernommen. Die ägyptische Zeitung Al-Ahram hatte ihn seiner Erfolge wegen noch vor kurzem als "Supermann Israels" gefeiert.

Drei fiktive irische Staatsbürger, darunter die einzige Agentin der Killer-Truppe, sechs Briten, ein Franzose namens Peter Elvinger und ein angeblicher Michael Bodenheimer aus Frankfurt - alle während ihrer ganzen Zeit in Dubai durch öffentliche Videokameras aufgenommen - sind allerdings eine Beweislast, die erst erklärt werden muss.

Der Nachrichtenchef der Jerusalem Post, Amir Mizroch, sagte am Mittwoch vor österreichischen Journalisten: "Das ist ein echter Skandal. Die Behörden in Dubai werden hart daran arbeiten, die Sache aufzuklären, weil der Ruf des Emirates als sicherer Geschäftsplatz infrage steht. Außerdem wird es wohl diplomatische Konsequenzen in den Beziehungen mit Großbritannien und Irland geben."

Dass der Mord in Dubai allerdings legitim war, bezweifelt keiner. Mahmud al-Mabhuh sei ein Terrorist gewesen, der eigenhändig zwei israelische Soldaten erschossen habe, heißt es in Israel. Auch Außenminister Avigdor Lieberman sagt nicht Ja und nicht Nein, was die Verantwortung des Mossad bei diesem Mord anbelangt. Es gäbe keinen Grund, das anzunehmen, sagte er. Doch Lieberman rief auch in Erinnerung, was gilt, wenn es um öffentliche Äußerungen über den Mossad geht - die "Politik der Zweideutigkeit" nämlich. (Markus Bernath/Christoph Prantner/Michael Simoner,  DER STANDARD, Printausgabe, 18.2.2010)

  • Mabhuhs Mutter zeigt ein Foto ihres ermordeten Sohnes. Die Familie des
Hamas-Funktionärs lebt in der Flüchtlingsstadt Jebaliya im
Gazastreifen.
    foto: ap/hatem moussa

    Mabhuhs Mutter zeigt ein Foto ihres ermordeten Sohnes. Die Familie des Hamas-Funktionärs lebt in der Flüchtlingsstadt Jebaliya im Gazastreifen.

  • Vom "Supermann" zum Buhmann: Mossad-Chef Meir Dagan in Erklärungsnot.
    foto: reuters/yonathan weitzman

    Vom "Supermann" zum Buhmann: Mossad-Chef Meir Dagan in Erklärungsnot.

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